Wirbel um Via Cordis

In Deutschland ist der Verein Via Cordis ins Interesse einer breiteren Öffentlichkeit gerückt. Anlass dafür ist die Tatsache, dass ein Mitglied dieser Organisation, der Musiker Jan-Hendrik Behnken (46), der neue Partner von Bettina Wulff ist. Bettina Wulff ihrerseits ist bekannt als Ex-Frau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff.

Nun diskutieren deutsche Medien die Frage, wie der Verein Via Cordis einzuschätzen ist. So fragt etwa RTL Online: „Bettina Wulff: Ist ihr Partner Mitglied einer Sekte?“

Der „Verein Via Cordis zur Förderung der christlichen Kontemplation in Europa“ begleitet spirituell bewegte Menschen auf dem Weg des Herzensgebets. Die Website der Organisation www.viacordis.net beschriebt dies so: „Das Herzensgebet ist ein spiritueller Übungs- und Erfahrungsweg. Ziel ist es, in die eigene Wesensmitte zu kommen und den Urgrund allen Seins zu entdecken. … Der Weg des Herzens ist ein mantrischer Weg, d.h. ein Herzenswort (z.B. ein Wort aus den heiligen Schriften, ein Gottesname, usw.) wird wiederholt, bis dieses Wiederholen in ein wortloses Gebet des Schweigens hinein verklingt. Daher wird das Herzensgebet auch ‚Schweigegebet‘ oder ‚Ruhegebet genannt.“ (http://www.viacordis.net/herzensgebet/).

Anderen Meditationswegen gegenüber pflegen die Übenden auf diesem christlichen „mantrischen Pfad“ im Allgemeinen eine grosse Offenheit. Parallelen zu spirituellen Impulsen aus pantheistischen östlichen Traditionen werden gerne betont. Immer wieder wird aber auf christliche Traditionen zurückgegriffen, besonders auf die christlichen Wüstenväter und auf die Mystik des Niklaus von Flüe. Im Flüeli Ranft OW, in der Heimat von Bruder Klaus, trifft sich die Bewegung Via Cordis bis heute zu Schulungstagen. Der Verein Via Cordis hat seine Geschäftstelle in Sarnen. Gut 50 Meditationsgruppen, vor allem in Deutschland und in der Schweiz, vereinzelt auch in Österreich, sammeln Via-Cordis-Freunde zu regelmässigem gemeinsamen Üben.

Wer eine gute Zahl der Lehrenden und Lernenden kennen lernte, stellt dankbar fest, dass von einer festgefügten Via-Cordis-Doktrin nicht die Rede sein kann. Die eigene Erfahrung zählt mehr als jedes Dogma. Franz-Xaver Jans-Scheidegger, der Initiator der Bewegung, ist katholischer Theologe und analytischer Psychologe, war Dozent am C.G.Jung-Institut und interpretiert auch gerne Symbole der Alchemie und der Kabbala. Hie und da fehlt ihm eine gesunde kritische Distanz zu esoterischen Eingebungen (vgl. Leta Vonzun / Franz-Xaver Jans-Scheidegger: Tore zum Licht. Engel sprechen, 1996)

Das heisst aber nicht, dass alle Lehrenden und Lernenden auf dem Via-Cordis-Pfad die Vorlieben des Gründers einfach übernehmen. Ganz im Gegenteil. Dem Initiator wird bei Via Cordis bei aller Dankbarkeit auch heftig widersprochen. Und er selbst versucht nicht, seinen Weg anderen aufzudrängen. Der Weg in die Mitte des eigenen Wesens und der Weg wieder aus der Mitte heraus in die eigene Welt kann in Begleitung, aber nie einfach in Nachahmung gefunden werden. Dieser Wille, den je persönlich stimmigen spirituellen Pfad für jedes Gruppenmitglied zu finden, prägt die Arbeit der Via-Cordis-Gruppen.

http://www.viacordis.net
Forum, Zeitschrift für Herzensgebet, Kontemplation und Mystik , erscheint zweimal jährlich, Redaktion: u.zwimpfer@bluewin.ch
Verein Via Cordis, Geschäftsstelle: Kernserstrasse 29, 6060 Sarnen