| Manfred R. Kron, der Gründer des Christlichen Zentrums Zürich, wurde 1943 in Basel geboren, und verbrachte dort auch seine Kindheit. Im Alter von 15 Jahren kam er mit seinen Eltern nach Zürich, wo er eine Lehre und darauf eine Ausbildung als Elektroniker HTL absolvierte. Kron wurde Mitglied des Missionswerks "Stimme des Glaubens", das vom ehemaligen lutherischen Pastor Friedrich Schönemann 1960 in Konstanz begründet wurde und eine pfingstlerische Theologie vertritt (Das Missionswerk "Stimme des Glaubens" unterhielt bis 1997 eine Gemeinde in Zürich, das Christliche Begegnungszentrum Affoltern. Im Herbst 1997 schloss sich diese Gemeinde der Vineyard-Bewegung an). Im Jahr 1981 trennte sich Manfred R. Kron von der "Stimme des Glaubens" und baute seine eigene Gemeinde auf.
Zwischen 1981 und 1995 war Manfred Krons Gemeinschaft, die sich Christliches Zentrum Zürich (CZZ) nennt, domiziliert in einem Geschäftshaus an der Mühlebachstrasse 9 in Zürich-Stadelhofen. Die Gottesdienste der Gemeinschaft, die über rund 80 Mitglieder nie herauskam, fanden im Keller der genannten Liegenschaft statt, daneben wurde ab und an die der reformierten Landeskirche gehörende St. Anna-Kapelle verwendet. Hauptschwerpunkt der Arbeit Krons, der im übrigen eine pfingstlerische Lehre vertrat, war die Gassenarbeit, vor allem mit Drogensüchtigen, für welche Betätigung die Gemeinschaft unter dem Namen "Dä Wääg" firmierte. "Dä Wääg" wurde aber bald zum Wechselbegriff für "Christliches Zenrum Zürich". Diese Gassenarbeit, in welche die Gemeindeglieder stark integriert wurden und für welche die Gemeinschaft eine Teestube einrichtete, wurde z.T. in Zusammenarbeit mit anderen, vornehmlich pfingstlerisch-charismatischen, aber auch nichtcharismatischen christlichen Reha-Organisationen durchgeführt. So war Kron eine Zeitlang Mitglied des Vorstandes des "Chrischtehüüsli", das von der Evangelischen Allianz, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen und der Heilsarmee getragen wird. Anfang der neunziger Jahre veränderte sich die Gassenarbeit Krons insofern, als Kron die Praktiken der "Geistlichen Kriegführung" übernahm und intensiv anwandte, was z.B. Märsche der Gemeindeglieder durch Zürich beinhaltete, auf welchen Lieder und Texte vorgetragen wurden, die die Herrschaft Christi über die Stadt proklamieren sollten (diese Praxis der "Geistlichen Kriegführung" war anfang der neunziger Jahre in charismatischen Gemeinschaften äusserst verbreitet, heute wird sie nur noch selten geübt). Die Resultate der Gassenarbeit wurden in der gemeindeeigenen Zeitschrift "Dä Wääg" publiziert.
Einem Gemeindeverband gehörte das CZZ nicht an. Kron hatte aber Gaststatus im "Bund pfingstlerischer Freikirchen der Schweiz (BPF)". Die Tatsache, dass Krons Autorität infolge fehlender Einbindung in einen Gemeindeverband von niemandem kontrolliert wurde, führte schon früh zu Kritik. In diesem Zusammenhang wurde auch angemahnt, dass Krons Gemeinde über kein richtiges Leitungsgremium verfüge, dass Krons Amtsgewalt mithin auch von der Gemeinde selbst nicht eingeschränkt wird. Zudem wurde von Seiten von Gemeinschaften, die mit Kron in der Gassenarbeit zusammenarbeiteten, festgestellt, dass es im CZZ keinerlei Kritik an Kron gebe. Diese Strukturen, unbegrenzte Machtfülle des Leiters und fehlende Kritik, führten ab und an zum Sektenvorwurf gegenüber Krons Gemeinschaft.
Dennoch sorgte das grosse Engagement in der Gassenarbeit lange für ein recht gutes Prestige des CZZ unter evangelikalen und charismatischen Institutionen. Dies änderte sich im Jahre 1994, ausgelöst durch verschiedene Presseartikel, die offenlegten, dass Manfred Kron und die seinen vom pfingstlerischen Befreiungsdienst einen auch für Pfingstgemeinden unüblich regen und problematischen Gebrauch machte. So soll Kron nicht nur Drogensüchtige, sondern auch schon Kinder im zartesten Alter exorziert haben. Diese Kinderexorzismen standen offenbar in Verbindung mit einem speziellen Gesichtspunkt des Dienstes von Manfred Kron, der Betreuung von sexuell missbrauchten Kindern. Kron ging davon aus, dass ein solcher sexueller Missbrauch, den er übrigens äusserst grosszügig diagnostiziert (Kron spricht davon, dass jedes dritte Kind sexuell missbraucht wurde), eine dämonische Belastung des Kindes zur Folge habe, welche dann mit einem Exorzismus zu brechen sei.
Kritiker wiesen darauf hin, dass die Praxis des Exorzismus an Kindern grundsätzlich äusserst problematisch ist, insofern ein solches Ritual durchaus zu Belastungen psychischer Natur führen kann. Zudem ist im Falle eines sexuellen Missbrauchs ein Exorzismus aus psychologischer Sicht keinesfalls die adäquate Behandlungsmethode. Weiters behandelte Kron auch Kinder mit Exorzismen, bei welchen nach Erkenntnis der Gerichte ein sexueller Missbrauch nie stattfand. Kron hat diesen Kindern, man muss zu diesem Schluss gelangen, den Missbrauch recht eigentlich eingeredet.
Die Veröffentlichungen des Jahres 1994 hatten auf dem Platz Zürich eine breite öffentliche Debatte zu Manfred Kron und seinen "Wääg" zur Folge. Kron verlor seine Mitgliedschaft im Vorstand des "Chrischtehüüsli", die Evangelische Allianz ging auf Distanz zu Kron, die reformierte Landeskirche verweigerte Kron fürderhin die Benutzung der St. Anna-Kapelle.
Unter den Mitgliedern führte die öffentliche Aufmerksamkeit zu einem Aderlass, der Kron veranlasste, im Jahr 1995 einen Neuanfang zu machen:
Die Gemeinschaft gebraucht seither nurmehr den Namen "Christliches Zentrum Zürich", der Name "Dä Wääg" wurde fallengelassen und die Liegenschaft an der Mühlebachstrasse 9 aufgegeben. Krons Gemeinschaft versammelte sich bis zum März 1998 als Mieterin im der Methodistenkirche gehörenden Zentrum Zeltweg, Zeltweg 20, 8032 Zürich, wo jeweils sonntags um 18.00 Uhr ein Gottesdienst stattfand.
Die Zeitschrift "Dä Wääg" wurde eingestellt. Die Gassenarbeit ist immer noch Anliegen Krons, mit dem "Chrischtehüüsli" wird heute, so Krons Aussage, "zusammengearbeitet".
Auf der theologischen Ebene näherte sich Kron der Dritten Welle an. So wird heute die Geistestaufe nicht mehr als notwendigerweise von der Bekehrung getrenntes Ereignis aufgefasst, zudem muss sie nicht zwingend von der Zungenrede begleitet sein. Von der Geistlichen Kriegführung hat sich Kron verabschiedet. Die Inzestthematik wird mindestens gegen aussen nicht mehr verbreitet.
Lehrmässiger Schwerpunkt ist nach Aussage Krons heute das "Familie-Sein" der Gemeinschaft. Im Christlichen Zentrum Zürich soll das Mitglied eine Familie erleben können. Aus kritischer Sicht wäre hierzu anzufragen, wie sich das betonte Familie-Sein mit dem Ideal eines mündigen Christen verträgt. Geraten hier nicht Menschen unter eine Vaterschaft Krons, welche eine selbständige Entwicklung zumindest nicht gerade fördert?
Im Wissen um den Sektenvorwurf gegen seine Gemeinschaft hat sich Kron einem Verband angeschlossen und sich damit, wie er selbst betont, "einer Autorität unterstellt". Es handelt sich dabei um die in Richmond/Virginia ansässige "Church of the Nations" unter der Leitung von Tony Fitzgerald. Tatsächlich wird die Kontrolle Krons durch den doch weit entfernten und offenbar wenig aktiven Verband eine äusserst lose sein, weshalb Krons eigene Autorität über die Mitglieder seiner Gemeinschaft unverändert hoch sein dürfte.
Per Ende März 1998 wurde das Mietverhältnis des Christlichen Zentrums Zürich bei der Methodistengemeinde am Zeltweg von seiten der Methodisten gekündigt. Die Gemeinschaft Manfred Krons versammelt sich seither dem Vernehmen nach in den Räumlichkeiten der Friedenskirche, Hirschengraben 52. Die Friedenskirche arbeitet unter ihrem Pastor Christian Tobler nach Aussage Manfred Krons schon länger mit dem Christlichen Zentrum Zürich zusammen und vertritt in Fragen der Dämonenaustreibung und der Autorität des Predigers eine offenbar ganz ähnliche Position. Diese Punkte führten dazu, dass die Friedenskirche per Ende 1997 aus dem Verband der Gemeinden für Urchristentum (GfU), dem die Gemeinschaft seit ihrer Gründung angehörte, ausgeschlossen wurde.
Die Zahl regelmässiger Gottesdienstbesucher gibt Kron selbst mit 70 an, von der Methodistengemeinde, die Kron bis März 1998 Gastrecht gewährte, wird von 40 bis 50 regelmässigen Besuchern gesprochen. |