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  Freie Christengemeinde Buttikon ehemals EHD
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  Freie Christengemeinde Buttikon (FCGB)
ehemals: Evangelischer Hausgemeindedienst (EHD)
aus: Informationsblatt Nr. 1/1996, aktualisiert September 1997/August 1998

Als "Freie Christengemeinde Buttikon (FCGB)" tritt seit Sommer 1996 der Evangelische Hausgemeindedienst Hirzel (EHD) auf, eine Gemeinde in pfingstlerischer Tradition, die sich insbesondere durch ihre ausgeprägte Gesetzlichkeit auszeichnet. Der Umzug vom Hirzel nach Buttikon SZ und die Namensänderung in "Freie Christengemeinde" ist wohl mitbedingt durch kritische Berichterstattung in den "Wädenswiler Nachrichten" und im Zürcher Regionalfernsehen TeleZüri anfangs 1996. Die Ereignisse des Jahres 1996 führten zusammen mit internen Konflikten zu einem Aderlass der Gemeinschaft, die heute mit Kindern noch rund 200 Mitglieder umfasst (zuzüglich rund 150 Mitglieder in Brindisi und Tirana).

Die neue Namensgebung der Gemeinschaft als "Freie Christengemeinde" ist verwirrlich insofern, als dass die Gruppierung in Buttikon mit dem 1993 Konkurs gegangenen Verband der Freien Christengemeinden nichts zu tun hat. Seit dem finanziellen Zusammenbruch des Verbandes ist die Bezeichnung "Freie Christengemeinde" nicht mehr geschützt und kann von jedermann verwendet werden. Im Fall der FCGB beinhaltet diese Verwendung allerdings einiges an Täuschung insofern, dass sich die Freien Christengemeinden zumeist bemühen, eine "normale" Freikirche zu sein, und mit anderen Freikirchen zusammenarbeiten. Dies ist bei der FCGB, der sich als einzige wahre Kirche sieht, nicht der Fall.

Die Gemeinschaft wurde 1970 von Hans Jakob Hartmann, damals 46, begründet. Hans Jakob Hartmann war denn auch als Aeltester bis 1996 die unbestrittene Autorität der Gemeinschaft, die Lehre trägt in jeder Hinsicht seine Handschrift. An sich vertratt der EHD und vertritt die FCGB bekannte pfingstlerische Positionen mit dem Streben nach der Geistestaufe, die sich im Zungenreden erweist (initial evidence). Zungenreden während des Gottesdienstes kommt vor, ist aber eher selten. Auch die anderen Geistesgaben, die Heilung und die Befreiung von Dämonen, werden geübt, wobei über die Häufigkeit von Exorzismen keine Angaben gemacht werden. Diese pfingstlerische Theologie wird bei der FCGB kombiniert mit dem Streben nach Heiligung, nach gottgefälligem Lebenswandel, auch dies eine in Pfingstgemeinden nicht unübliche Kombination, ist ja die Pfingstbewegung als ganzes aus der Heiligungsbewegung, der das gottgefällige Leben Hauptanliegen war, herausgewachsen.

In den Reihen der FCGB mündet diese Suche nach Heiligung nun aber in einen moralischen Perfektionismus und Rigorismus, der unter Pfngstgemeinden seinesgleichen sucht. Der kirchlich-freikirchliche Ausdruck für diese Haltung lautet Gesetzlichkeit, damit anzeigend, dass die Gemeinschaft, die diese Postition vertritt, im Neuen Testament eher ein neues Gesetzbuch sieht als das Ende des Gesetzes. So tragen in der FCGB die Frauen selbstverständlich Röcke und wohnen dem Gottesdienst mit Kopftuch bei, und die Mitglieder sind gehalten, ihren Fernsehempfänger abzuschaffen, eine Thematik, die der FCGB eigene Traktate wert ist.

FCGB-typisch ist die strenge Ueberwachung dieser Regeln. Zu diesem Zwecke kennt die Gemeinschaft das Amt des "Kreisdieners", welcher die ihm unterstellten Familien besucht und berät, sei es in Fragen der Kindererziehung (hier überwacht er, ob die Eltern ihre Kinder im Sinne der Gemeinschaft erziehen) oder der Partnerwahl (es soll vorgekommen sein, dass Kreisdiener Paare recht eigentlich zusammengeführt haben).

Ueber den Kreisdienern stehen die Aeltesten, ursprünglich bestehend aus Hans Jakob Hartmann und Hans Meier, bis letzterer vor ein paar Jahren durch Paulus Fischer, einen Missionar der Gemeinschaft, der die Aussenstelle in Brindisi aufbaute, ersetzt wurde (dem Vernehmen nach wurde dieses Ereignis, das doch wohl als Entmachtung Meiers gewertet werden darf, mit der Beobachtung begründet, dass ein Sohn Meiers mit dem Fahrrad durchs Fahrverbot fuhr. Diese Handlung machte offenbar, dass Meier seine Kinder nicht "in Gehorsam halten kann", weswegen er gemäss 1. Timotheus 3,4 als Aeltester nicht mehr in Frage kommt. Eigentlicher Hintergrund der Massnahme war nach Aussage von Ehemaligen aber eine Infragestellung der Position Hans Jakob Hartmanns durch Hans Meier).

Die Spitze der Gemeindehierarchie nahm bis 1996 der Gründer Hans Jakob Hartmann ein, der aber dem Vernehmen nach in seinem Alter von 82 Jahren nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, was zu einer allmählichen Uebernahme der Leitung durch Paulus Fischer führte. Im Zusammenhang mit Scheidung und Wiederheirat des Sohnes von Hans Jakob Hartmann verlor letzterer im Jahr 1996 jeden Einfluss. Leiter der Gemeinschaft ist seither Paulus Fischer, sekundiert durch Samuel Haller.

Irgendeine Form der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden kennt die FCGB nicht. Alle anderen Gemeinden seien "lasch und lau. Dort ist ja alles erlaubt, sogar Hosen für Frauen und Fernsehen", so wird dem Fragenden beschieden. Dass in anderen Gemeinden auch gläubige Christen sich befinden könnten, wird nicht bestritten, aber ausserhalb der FCGB sei es weit schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, die Gebote des Neuen Testamtentes einzuhalten. Letztlich laufen diese Ausküfte auf einen Ausschliesslichkeitsnspruch hinaus. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Tatsache, dass Samuel Haller, die Nummer zwei der FCGB-Hierarchie, dabei ist, seine eigene Bibelübersetzung zu schreiben (de facto handelt es sich allerdings nicht um eine Uebersetzung im eigentlichen Sinne, da Samuel Haller der biblischen Sprachen nicht mächtig ist. Statt dessen wird die nicht mehr durch Copyright geschützte Luther-Bibel von 1912 durch den Vergleich mit anderen Uebersetzungen sprachlich sanft modernisiert). Ziel dieser Unternehmung ist es, den "Textus receptus" zu erhalten und Erkenntnisse der modernen Bibelwissenschaft, die in neuere Uebersetzungen eingeflossen sind, zu umgehen.

Missionarisch war die Gemeinschaft, gemessen ihrer Grösse, ausgesprochen aktiv. Sie baute verschiedene Aussenstellen auf, so diejenige in Brinisi, die kürzlich ebenfalls in eine Krise geriet, einen Viertel bis einen Drittel ihrer Mitglieder verlor und heute mit Kindern rund 100 Menschen umfasst. Von Brindisi aus wurde eine Sektion in Tirana/Albanien begründet, welche rund 50 Mitglieder zählt. Dazu kam eine Aussenstelle in Ersigen im Kanton Bern, die sich inzwischen allerdings von der FCGB emanzipiert hat. Sie umfasst heute 25 Menschen, die sich regelmässig treffen und nun in Kontakt mit verschiedenen charismatischen Freikirchen, etwa der Neutestamentlichen Gemeinde Bern, stehen.

Die Gesetzlichkeit und der Ausschliesslichkeitsanspruch der FCGB produziert, wie bei jeder ins Sektenhafte abgeglittenen lokalen pfingstlerischen Gemeinde, eine rechte Zahl an Aussteigern, Menschen, die dem rigoristischen Druck nicht gewachsen sind, die sich der Mitentscheidungsbefugnis der Kreisdiener nicht beugen mögen oder die in einem Machtkampf unterliegen. Verschiedene Ehemalige haben Anschluss in der Freien Christengemeinschaft Rotkreuz gesucht, die nach Auskunft ihres Pastors vor zehn Jahren ebenfalls den Weg der Gesetzlichkeit gegangen ist, mit dem Ziel, Gott damit dazu zu bewegen, in der Schweiz eine Erweckung zu schenken. Inzwischen hat die Freie Christengemeinschaft Rotkreuz aber einen klaren Kurswechsel vollzogen und fühlt sich nun der Dritten Welle zugehörig (sie lehrt dabei allerdings, dass jedem Christen die Gabe des Zungenredens zukommen solle. Dies widerspricht der Dritten-Welle-Gaben-Theologie). Die Freie Christengemeinschaft Rotkreuz ist Mitglied der Evangelischen Allianz Zug und trotz personeller Nähe in ihrer Ausrichtung mit der FCGB heute nicht mehr zu vergleichen.

Die FCGB kann aus religionssoziologischer Sicht nur als Sekte gewertet werden. Von den Freikirchen grenzt sie sich ab durch ihre Lehre von der Lauheit aller anderen Freikirchen und durch die Verweigerung jeder Form von Anerkennung, geschweige denn Zusammenarbeit. Auch das rigide Ueberwachungssystem kennt nur in Sekten eine Parallele, wie denn auch das Element der unfehlbaren Führung samt Ansätzen zum Personenkult der FCGB nicht ganz fern zu sein scheint. Die FCGB präsentiert sich damit als lokale pfingstlerische Gemeinschaft, die erst bloss auf ihren Prediger fixiert, dann durch ein paar Sonderlehren von den übrigen Gemeinden abgegrenzt, diese Abgrenzung alsbald als lebenswichtig empfindet und Mechanismen zu ihrer Erhaltung einrichtet, und so schliesslich zur Sekte wird. Leider ist dieses Phänomen nicht ganz unüblich, die Entwicklung etwa des Christlichen Zentrums Trimmis unter seinem Prediger Peder Bisaz verlief nicht unähnlich. Es handelt sich mithin um eine Gefahr, der jede pfingstlerische oder charismatische Organisation ausgesetzt ist, wenn sie über eine starke Führerfigur verfügt, die nicht bereit ist, über die Möglichkeit des Guru-Werdens zu reflektieren und Massnahmen zur Verhinderung einer personenzentrierten Struktur zu ergreifen. Probatestes Mittel in diesem Zusammenhang ist und bleibt das Gespräch und die konkrete Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden oder gar die Einbettung der Gemeinde in eine übergemeindliche Organisation.

Georg Otto Schmid, 1996/1997/1998
Letzte Aenderung 1998, © gos 1996, Infostelle 2000
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