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  Fokolare Fokolar-Bewegung
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  Die Fokolar - Bewegung
Grundzüge der Bewegung
Die Fokolar-Bewegung ist eine katholische Laienbewegung und als solche direkt dem Laienrat der katholischen Kirche unterstellt. Ihr Ziel sieht sie darin, das Christentum zu verwirklichen und es in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens als Salz hineinzutragen. Grundlage bildet dabei allein die Bibel, und hier insbesondere die Worte Jesu, nach denen der Alltag gelebt werden soll. "Seit zweitausend Jahren verlangt Jesus von den Seinen, Gott den ersten Platz im Leben zu geben. Er will die Verwirklichung des Neuen Gebotes: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Denn nicht die grossen Werke kennzeichnen die Christen, nicht das Wissen, auch nicht Wunder oder mystische Phänomene: Wenn wir einander lieben, wird die Welt glauben." (Prospekt). Im Zentrum der Lehre steht die Liebe zu Gott und damit verbunden, wie Jesus es gefordert hat, die Nächstenliebe. 
Die Gründerin der Bewegung: Chiara Lubich
Chiara Lubich wird am 22. Januar 1920 in Trient als zweites von vier Kindern einer Arbeiterfamilie geboren. Sie ergreift den Beruf der Primarlehrerin, studiert aber nebenher mit grossem Interesse Philosophie. 1939 glaubt sie in Loreto ihre Berufung wahrzunehmen, worauf sie 1943 beschliesst, ihr ganzes Leben Gott zu widmen. Ein paar andere junge Frauen haben sich ihr mittlerweile angeschlossen, und zusammen geloben sie lebenslängliche Keuschheit, um ganz für Gott zu leben. 1944 entsteht in Trient die erste Fokolar - Gemeinschaft, die 1947 von der dortigen Diözese eine Approbation erhält. Der Name "focolare" wird den entstehenden Gruppen von der einheimischen Bevölkerung verliehen: Als "focolare" bezeichnet man in der Region um Trient die Feuerstellen in den alten Bauernhäuser, um die sich die Familie versammelt. Ähnlich scheinen die Gruppen um Chiara Lubich auf das Volk zu wirken: es nimmt sie wahr als Orte der Versammlung und der gegenseitigen Wärme. Ab 1948 entstehen auch Männer-Fokolar-Gemeinschaften (die Gemeinschaften sind bis heute geschlechtergetrennt). Die Bewegung beginnt zu wachsen und sich auszudehnen. Von Europa aus wandert sie nach Südamerika und von da weiter auf die anderen Kontinente. Es entsteht die Idee der jährlichen Sommertreffen, "Mariapoli" genannt, an denen sich Menschen jeden Alters, unabhängig von sozialer Schicht, geographischer Herkunft und Konfession treffen und zusammen Ferien verbringen. 1959 finden sich am "Mariapoli" - Treffen in den Dolomiten bereits 10'000 Menschen ein. Chiara Lubich beginnt vermehrt, in der Öffentlichkeit aufzutreten und sich für die Ökumene einzusetzen. Die bald gegründete ökumenische Arbeitsstelle "Centro Uno" kümmert sich besonders um dieses Anliegen. In der Nähe Roms entsteht im Jahre 1960 das internationale Begegnungszentrum in Rocca die Papa, wo Chiara Lubich auch heute noch ihren Wohnsitz hat. 1964 wird der Grundstein gelegt für die erste Modellsiedlung im Sinne der Fokolar-Bewegung, für Loppiano bei Florenz. Ihr folgen im Laufe der Zeit weitere solche Siedlungen in der ganzen Welt. 1966 erhält die Bewegung die definitive Approbation durch Papst Paul VI..

Chiara Lubich wurden für ihr Schaffen mehrere Preise verliehen, die sich meist auf den Aspekt der Ökumene und den von ihr gesuchten interreligiösen Dialog beziehen. 1977 erhielt sie den "Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen" und 1988 den "Augsburger Friedenspreis". Die WCRP ("Weltkonferenz der Religionen für den Frieden") wählte Lubich 1994 zu ihrer Ehrenpräsidentin, und 1996 wurde ihr der UNESCO-Friedenspreis verliehen. Zahlreiche Ehrendoktorate von verschiedenen Universitäten und weitere Preise wären noch zu nennen.

Die Spiritualität der Einheit und die Botschaft der Liebe
Die Lehre der Fokolar-Bewegung ist weder kompliziert, noch von zahlreichen Regeln geprägt. Im Zentrum stehen Jesus, dessen Worte und der Wille, seine Botschaft täglich zu leben. Dabei kommt dem Begriff der "Einheit" ein besonderer Wert zu. Die Bewegung drückt dies in einem ihrer Prospekte so aus: "Der geistige Hintergrund der Fokolar-Bewegung lässt sich mit dem Wort Einheit zusammenfassen. Sie ist der Angelpunkt einer vielseitigen Tätigkeit und das Fundament der Spiritualität der Bewegung. Damit ist nicht nur die Einheit der Christen oder der Dialog mit den Weltreligionen gemeint: Es geht um Gott selbst, um seine Gegenwart unter den Menschen." Mit "Einheit" ist zum einen die Verbindung der individuellen Nachfolge Jesu mit der Beziehung zu den Mitmenschen, die sich als Engagement offenbart, gemeint, zum anderen aber auch das Streben nach Einheit unter den Menschen und in der Kirche und somit auch nach der Ökumene (s.u.). Das Fundament der "Einheit" bildet die Liebe, die Jesus uns zurückgelassen und zu der er uns ermahnt hat. Chiara Lubich bezieht sich dabei im Besonderen auf die Bibelzitate Mt 18, 20 "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.", Joh 17, 21 "Alle sollen eins sein, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin." und Joh 13, 34 " Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.". Die gegenseitige Liebe des Evangeliums schliesst keinen aus und verbindet alle zu einer Einheit. Für diese Einheit, so die Spiritualität der Bewegung, hat Jesus sein Leben hingegeben. Und so wie Jesus für die Einheit leiden musste, so führt auch für die Fokolare der Weg zur Einheit über Schmerz und Leiden. Hierin liegt die Grundbotschaft der Fokolar-Bewegung: Wer Jesus in seinem Leiden liebt, der findet seinen Weg zur Einheit und zur inneren Zufriedenheit. Chiara Lubich drückt dies folgendermassen aus: "Wer Jesus in seiner Verlassenheit liebt, findet den Weg und die Kraft, der Not und den Trennungen nicht auszuweichen. Er kann das Kreuz auf sich nehmen und seinen persönlichen Beitrag zur Linderung der Not leisten. Der gekreuzigte und verlassene Jesus ist für uns der Weg, der Schlüssel zur Einheit, das Geheimnis jeglicher Erneuerung." (Prospekt)
Projekte der Einheit und die Initiativen
Aus der Bestrebung nach Einheit sind nebst den Fokolar-Gemeinschaften auch andere Projekte, sogenannte "Initiativen" entstanden. Schon in den Anfangsjahren der Bewegung nach dem Krieg begannen sich ChristInnen aller Alterstufen und sozialen Schichten in den Dolomiten im Sommer zu versammeln. Diese Ferientreffen, "Mariapolis" genannt (s.o.), von denen mittlerweile jeden Sommer weltweit etwa hundert stattfinden, sind "ein Abbild der Gesellschaft, kleine 'Städte' auf Zeit, in denen die gegenseitige Liebe das 'Grundgesetz' ist." (Prospekt). Nach dem Vorbild dieser Treffen entstand 1964 die erste fixe Modellsiedlung in Loppiano bei Florenz, wo zur Zeit an die 700 Angehörige der Fokolar-Bewegung leben, Laien, Priester und Ordensleute - alle miteinander. Ein Teil von ihnen, meist Jugendliche, absolvieren dort das erste Jahr der zweijährigen "Lebensschule", die alle Fokolare besuchen (s.u.), die sich für ein Leben in einer Fokolar-Gemeinschaft interessieren. Das zweite Jahr der Ausbildung findet in Montet, einer anderen Modellsiedlung in der Schweiz, statt. Loppiano ist zudem der Sitz der beiden Fokolar-Musikbands, die mit eigenen Popsongs und Musicals auf Tournee gehen, um die Spiritualität der Einheit via Musik zu vermitteln. "Gen Rosso" ist die Band für die Männer, "Gen Verde" die weibliche Musikgruppe.

Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt solche Modellsiedlungen oder Zentren (z.B. in der Schweiz Baar (Kanton ZG), Montet (Kanton FR); im Ausland Nairobi (Kenia), Araceli (Brasilien), Ottmaring (Deutschland), etc.), in denen ganz im Sinne der Einheit, wie die Fokolar-Bewegung diese begründet, gelebt wird. Sie sollen zeigen, wie die Welt aussehen könnte, wenn die Liebe alles bestimmen würde.

Auch im wirtschaftlichen Bereich verfolgt die Bewegung das Ziel der Einheit. Mit dem Projekt der "Ökonomie der Gütergemeinschaft" soll auch in Firmen zunehmend der Gedanke der Nächstenliebe und des Teilens Einzug halten. Unternehmen, die sich an dieser Initiative beteiligen, stellen einen Teil ihres Gewinnes zur Verfügung, um "Not zu lindern und Menschen im Lebensstil der Einheit weiterzuführen" (Prospekt) . Dabei wird ihr Reingewinn gedrittelt: Der erste Teil bleibt in der Kasse des Betriebes, um diesen weiterführen zu können, der zweite Teil wird für die Direkthilfe in den ärmeren Ländern dieser Welt eingesetzt, und der dritte Teil wird dafür verwendet, im Land, wo dieses Unternehmen beheimatet ist, Leute zu schulen im Sinne dieser "Ökonomie der Gütergemeinschaft". Die Schulung liegt in den Händen der Fokolar-Bewegung. Andere solche "Initiativen", die den Gedanken der Einheit in der Welt verwirklichen sollen, sind Dritte-Welt-Projekte, welche von Angehörigen der Bewegung unterstützt werden, oder Vorträge, Weiterbildungen und Tagungen im Sinne der Spiritualität der Einheit.

Oekumene und interreligiöser Dialog
Einheit soll auch unter den Konfessionen einkehren, ja, überhaupt auch unter Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Der Bewegung von Chiara Lubich schliessen sich bereits ab 1958 auch evangelische und reformierte ChristInnen an. Mittlerweile können AnhängerInnen aller Konfessionen der Fokolar-Bewegung beitreten; die Ökumene ist der Bewegung ein wichtiges Anliegen. So sind in der Regel auch die Fokolar-Gemeinschaften konfessionell gemischt. Auch zur anglikanischen und orthodoxen Kirche bestehen gute Kontakte, und man bemüht sich um ein gegenseitiges Verständnis, zu dessen Verwirklichung regelmässige Treffen stattfinden, an denen alle Konfessionen beteiligt sind. 1968 gründete die Bewegung gemeinsam mit der evangelischen "Bruderschaft vom gemeinsamen Leben" das Ökumenische Lebenszentrum Ottmaring, in dem 140 Menschen verschiedener Konfessionen leben. Das Zentrum möchte Zeichen der Einheit sein.

Auch der Dialog mit den anderen Weltreligionen ist Chiara Lubich offenbar ein wichtiges Anliegen. Zahlreiche Preise sind ihr schon für ihre Bemühungen um eine fruchtbare Zusammenarbeit unter den verschiedenen Religionen im Sinne der Einheit verliehen worden (s.o.). Dabei pflegt sie Kontakte zu den verschiedensten Ländern und Kulturen. So wurde sie beispielsweise 1981 von Nikkyo Niwano, dem Begründer der buddhistischen Laienbewegung "Rissho Kosei Kai", nach Tokio zu einem Vortrag eingeladen. Resultat dieser Bemühungen um einen interreligiösen Dialog ist das Angebot einer Mitgliedschaft an der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden" (WCRP).

Die Bemühungen um die Ökumene sind mit Sicherheit sehr lobenswert und stossen auch dementsprechend auf eine positive Resonanz. Allerdings sind der Ökumene doch auch gewisse Schranken gesetzt und zwar vor allem im Bereich der gemeinsamen Gottesdienste. Wortgottesdienste feiern die verschiedenen Konfessionen zwar zusammen, doch Eucharistiefeier und Abendmahl finden getrennt statt. Im Gespräch mit der Fokolar-Bewegung wird klar, dass sie dies selber zu bedauern scheinen, aber sich in diesem Punkt momentan noch nicht weiter vorwagen können aufgrund der Regelung in der römisch katholischen Kirche. In einem Brief schildert dies ein Mitglied wiefolgt: "Abendgebete und Wortgottesdienste allgemein sind an Veranstaltungen wie den Sommertreffen immer ökumenisch. Hingegen werden Eucharistie und Abendmahl getrennt gefeiert. (...) Die Trennung in diesem Punkt will (...) die Tatsache nicht verschleiern, dass die Gemeinschaft am gemeinsamen Tisch offiziell noch nicht möglich ist. Die Fokolar-Bewegung möchte nicht zu einer ökumenischen Minikirche von besonders Engagierten werden, sondern sie will als 'Bewegung' der Einheit unter den christlichen Kirchen in dem Sinne dienen, dass zugleich die Treue zur eigenen Konfesssion gewahrt bleiben, ja sogar vertieft werden soll." Dies erklärt auch, warum in einem Prospekt zum Ferienmeeting in der Lenzerheide im Sommer 1998 zu lesen ist, dass am Sonntag ein reformierter und ein katholischer Gottesdienst stattfinden, die sich zeitlich überschneiden. Noch ökumenischer wäre es bestimmt, die beiden Gottesdienste zusammenzulegen - dies scheint aber zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht möglich zu sein.

Formen der Mitgliedschaft in der Bewegung
Die Fokolar-Bewegung kennt verschiedenste Formen der Mitgliedschaft. Altersgrenzen existieren keine, Mann und Frau, sowie alle Konfessionen und Weltreligionen haben dieselben Möglichkeiten, der Bewegung beizutreten, wobei die Fokolar-Gemeinschaften stets nach Geschlechtern getrennt sind. Die Leitung der gesamten Fokolar-Bewegung liegt in den Händen eines Beratergremiums mit Sitz in Rom, dem Chiara Lubich und ein männlicher Co-Präsident vorsitzen. Sie koordinieren die Bewegung weltweit. Nach dem gleichen System funktioniert auch die Leitung der Bewegung innerhalb eines Landes: An der Spitze stehen stets ein Präsident und eine Präsidentin, die von einem Leitungsgremium unterstützt werden.

Der Fokolar-Bewegung angehören kann man auf verschiedene Art und Weise: Als Fokolar (männl.) oder Fokolarin (weibl.) gehört man einer Fokolar-Gemeinschaft an, die jeweils von einem für die Gruppe verantwortlichen Mitglied gegen aussen hin vertreten wird. Unter den Fokolaren gibt es zwei Gruppen: die ehelos Lebenden und die Verheirateten. Eine Hierarchie scheint es unter ihnen nicht zu geben. Alle Fokolare haben die zweijährige Schulung in Loppiano und Montet abgeschlossen (s.o.).

Die ehelos Lebenden leben in der Wohngemeinschaft der Gemeinschaft, der sie angehören (stets nach Geschlechtern getrennt). Sie geloben lebenslänglich Armut, Keuschheit und Gehorsam. Neben den Aufgaben für die Bewegung gehen sie ihrem normalen Beruf nach, geben ihr Gehalt aber gänzlich ab in die gemeinsame Kasse ihrer Gemeinschaft, die auch nach dem Prinzip der Güter-Gemeinschaft funktioniert. Behalten wird nur das Geld, das die WG zu ihrem Lebensunterhalt benötigt; das restliche Geld fliesst über die nationale Kasse der Bewegung in die Zentralkasse von Rom, von wo aus es verteilt wird an Orte, wo das Lebensnotwendige fehlt. Eigenes Geld besitzen die Fokolare demnach keines; jede persönliche Anschaffung muss erbeten werden.

Die verheirateten Fokolare versprechen dasselbe - Keuschheit, soweit in einer Ehe möglich - und sind ebenfalls einer der Fokolar-Gemeinschaften zugeordnet, wohnen aber mit ihrer Familie. Sie verbringen soviel Zeit als möglich in ihrer Gemeinschaft, in der Regel ein bis zwei Abende pro Woche. Ebenfalls nehmen sie teil an den monatlich stattfindenden "Einkehrtagen". Auch sie praktizieren Gütergemeinschaft, d.h. sie geben Geld an die Bewegung ab, um dem Armutsgebot Folge zu leisten und im Sinne der Einheit das Geld zu teilen mit Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Wieviel ihres Gehaltes sie abgeben, ist eigenes Ermessen - auf jeden Fall behalten sie nicht mehr, als sie zum Unterhalt der Familie benötigen.

Der Alltag der Fokolare ist bestimmt vom Leben in der Gemeinschaft. Nebst dem Aufruf zum spirituellen Leben nach der Tradition der eigenen Kirche, im Falle von KatholikInnen zum täglichen Messebesuch, finden sich aber nicht viele klar formulierte Pflichten, denen sie nachkommen müssen. Vielmehr ist die Meinung, dass das Leben in der Gemeinschaft die Mitglieder im Sinne der Einheit prägt und es ihnen selbstverständlich wird, nach dem Gebot der Nächstenliebe zu leben.

Die Freiwilligen sind engagierte Laien, die den Geist der Bewegung in die Gesellschaft hineintragen wollen. Ihr Engagement zeigt sich in den Initiativen und im Berufsleben. Sie wollen die Spiritualität der Einheit im Sinne der Fokolar-Bewegung im Alltag leben und Sauerteig sein, der alle Bereiche des Lebens erneuert. Sie treffen sich wöchentlich in Gruppen zum gegenseitigen Austausch. Wenn sie wollen, engagieren sie sich in weiteren Gruppierungen der Bewegung, wie etwa der "neuen Gesellschaft", der "Neuen Familien" (Familiengruppen, die sich monatlich treffen; in der Schweiz ca. 40 Gruppen à 4-7 Familien), in "Wort des Lebens"-Gruppen im Stil eines Hauskreises, in denen Chiara Lubichs Wort des Lebens gemeinsam zu verstehen versucht wird oder der "Pfarreibewegung" (etwa 50 in der CH), die Leuten ein Diskussionsforum bieten will, um die Spiritualität der Einheit in die Pfarreien tragen zu können.

Die Kinder und Jugendlichen treffen sich in Teams der "Gen", wo sie lernen, ihr Leben an der Spiritualität der Einheit auszurichten. "Gen" steht für die neue Generation. Von ihr gehen auch die Bewegungen "Jugend für eine geeinte Welt" und "Kinder für eine geeinte Welt" aus, die sich für soziale Projekte engagieren. Menschen, die sich zum Leben in einer Fokolar-Gemeinschaft berufen fühlen, können ab etwa 19 Jahren in Loppiano die zweijährige Schulung in Angriff nehmen. Bis zum Ablegen des lebenslänglichen Gelübdes als Fokolar oder Fokolarin vergehen aber meist noch etwa 8-12 Jahre. Das Leben als ehelos lebender Fokolar oder als ehelos lebende Fokolarin wird als besondere Berufung verstanden, Gott radikal nachzufolgen und in seinem Sinne zu wirken; insofern ist das Gelübde ist nur sehr schwer wieder lösbar und mit vielen schmerzhaften psychischen Prozessen verbunden.

Das "Wort des Lebens"
Monat für Monat wählt Chiara Lubich ein Bibelzitat aus, meist aus dem Neuen Testament stammend, und kommentiert dieses in einem kurzen Text. Dieser Text über ein Bibelzitat dient einen Monat als Leitfaden für das tägliche Leben. Den Bibelspruch soll man sich immer wieder vergegenwärtigen und mit ihm leben, wozu die Ausführungen Chiara Lubichs als Verständnishilfe dienen. Dieses monatlich wechselnde Zitat wird "Wort des Lebens" genannt. Es wird in neunzig Sprachen übersetzt und erscheint in einer Gesamtauflage von über drei Millionen.

Die Ausführungen Chiaras lesen sich leicht und verständlich - sie erreichen jede und jeden. Praktische Beispiele werden angefügt, wohl um die Umsetzung des Wortes in den Alltag zu erleichtern. Die Auslegung selber präsentiert sich wenig modern, sondern eher konservativ und in der Meinung, alle Menschen sollten von der Spiritualität der Fokolar-Bewegung überzeugt werden.

Kritische Zusammenfassung
Das Grundanliegen der Fokolarbewegung, den Geist der Liebe in die Gesellschaft zu tragen und das Wort Gottes im Alltagsleben zu realisieren, ist mit Bestimmtheit ein gutes. Dennoch werden in letzter Zeit gegenüber der Fokolar-Bewegung Bedenken laut, die hinter dem Gedanken der Einheit eine starke Abhängigkeit der Mitglieder von der Gruppe erkennen. "Chiara Lubich betont die Loslösung von 'natürlichen Banden' der Familie und bisherigen Freundschaften, um die Mitglieder umso mehr durch 'übernatürliche Liebe' an die Bewegung zu binden." (Bethlehem Mission). Dies wird vor allem auch deutlich im Hinblick auf die verheirateten Fokolare, die recht viel Zeit in ihrer Gemeinschaft verbringen sollen, die ja nach Geschlechten getrennt sind, was die Familie in gewissen Fällen auseinanderreissen kann. Die jungen Menschen, die sich entschliessen, in eine WG der Bewegung zu ziehen, werden auch derart absorbiert, dass sie den Kontakt zu ihrer Familie fast gänzlich verlieren, und eine gewisse Entfremdung vom Alltagsleben der Umgebung stellt sich automatisch ein dadurch, dass sie all ihren Lohn abgeben müssen. Die Freiheit, sich ein Buch zu kaufen oder einen Film anzusehen, haben sie nicht mehr; alles muss zuerst erbeten werden. Somit ist auch eine starke Kontrolle derjenigen Mitglieder möglich, die als Fokolare leben.

Der Personenkult um Chiara Lubich, die von den italienischen Mitgliedern "Mamma" genannt wird (im deutschen Sprachgebrauch wird Chiara Lubich aber kaum "Mutter" genannt, sondern eher einfach "Chiara"), ist der Hauptkritikpunkt, der zu Diskussionen Anlass gibt. Viele Mitglieder verehren Chiara Lubich wie eine Heilige und stellen sie fast über Gott, obwohl die Bewegung selbst betont, dies keineswegs zu intendieren. Ein Mitglied beschreibt dies selber folgendermassen: "Dass Chiara Lubich als Gründerin und als Frau mit einer besonderen Ausstrahlung nicht nur grosse Anerkennung durch viele Preise und Doktorwürden, sondern auch eine gewisse Verehrung durch viele Menschen erhält, ist nicht zu leugnen. Ihre Person ist zentral, Ihr Charisma ist etwas Neues in der Geschichte der christlichen Kirche. So wie es 'Väter' der Kirche und der Christenheit gibt, so gibt es auch 'Mütter'. Und so wie es Reformatoren und OrdensgründerInnen gab, so kann es auch heute wieder Gestalten mit einem besonderen 'Charisma' zur Belebung der christlichen Kirchen geben. Der Gefahr einer falschen Konzentration auf eine Person sind sich aber auch Mitglieder der Fokolar-Bewegung bewusst."

Zu Kritik Anlass gibt hin und wieder auch die Diskrepanz zwischen dem Gedanken der Einheit, der bestimmt eine wertvolle Basis für echte Gemeinschaft und eine Spiritualität der Liebe ist, und die Tatsache, dass diese Einheit vor den nach Geschlechtern getrennten Gemeinschaften Halt macht. Auf die Geschlechtertrennung wird hier grossen Wert gelegt, und sie durchzieht auch die beiden Musikgruppen "Gen Rosso" und "Gen Verde". Die Fokolar-Bewegung betont dagegen, dass diese Geschlechtertrennung den kleinsten Teil der Bewegung betreffe und alle Leitungsgremien und Freiwilligen-Gruppen davon nicht betroffen seien.

Mit Sicherheit hat Chiara Lubich viel zum interreligiösen Dialog beigetragen. Lobenswert ist auch, dass sich die Bewegung selber als einen Weg unter anderen sieht und regen Austausch mit anderen Gruppen und Vereinen pflegt.

Statistik, Adressen, Zeitschriften
Statistik:
In der Schweiz gehören etwa 30'000 Menschen dem weiteren Freundes- und Sympathisantenkreis der Bewegung an, weltweit sind es über 3 Millionen. Fokolar-Gemeinschaften gibt es in der Schweiz 12; insgesamt leben 60 Fokolare dort ehelos, weitere 60 verheiratete Fokolare ergänzen die Gemeinschaften.
Adressen:
Schweiz: Fokolar-Bewegung, Feldblumenstr. 146, 8134 Adliswil/Wegackerstr. 39, 8041 Zürich

Deutschland: Fokolar-Bewegung, Martinstr. 19, D-86316 Friedberg/Hainbuchenstr. 1, D-86316

Friedberg-Ottmaring

Österreich: Fokolar-Bewegung, Lainergasse 23, A-11230 Wien/Breitenfurterstr. 432a, 1A-235 Wien

Internet:

http://www.focolare.org/

Zeitschriften:

- Neue Stadt (mit Verlag, weltweit übersetzt in verschiedene Sprachen)

- Leben (Schweizer-Ausgabe)

Bibliographie
 

- Bethlehem Mission Immensee (Hsg.): Wendekreis 4/96. Immensee 1996.

- Lubich, Chiara: In Brot und Wein. München 1977.

- Lubich, Chiara: Worauf kommt es an? München 1968.

 

- div. Prospekte und Broschüren, von der Fokolarbewegung zur Verfügung gestellt.

Infostelle 1998
Letzte Aenderung 1998, © Infostelle 1998, 2000
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