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  ICF International Christian Fellowship
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    • G12 (g|zwölf) - Wirksamste Evangelisationsmethode oder sektenhafte Struktur?
  • Zu Geschichte und Lehren des ICF vor der Einführung des G12-(g|zwölf)-Systems (Frühling 2002):
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  ICF heute
Kurzinformation
Der oder das ICF, ausgeschrieben International Christian Fellowship, auch ICF Movement oder (früher) ICF Church genannt, ist eine vergleichsweise neue Freikirchen-Bewegung, die durch separate Gottesdienstangebote für unterschiedliche Altersgruppen insbesondere junge Menschen anspricht.

Die Ursprungsgemeinde des ICF liegt in Zürich. ICF Zürich kennt gewissermassen zwei Gründungsdaten. Ab 1990 führte Heinz Strupler in der St. Anna-Kappelle in Zürich unter dem Namen International Christian Fellowship (ICF) jeweils am Sonntagabend zweisprachige englisch-deutsche Gottesdienste durch, die evangelikal nicht-charismatisch ausgerichtet waren und insbesondere von jungen Menschen aus Freikirchen intensiv besucht wurden. Struplers ICF verstand sich aber bewusst nicht als eigene Gemeinde, sondern als überdenominationelles Gottesdienstangebot. Der Wunsch nach gemeindlicher Verfestigung führte allerdings zu diversen Gemeindegründungen aus dem Umfeld des ICF heraus, darunter die "Limmatgemeinde". In der Folge war der ICF zu verschiedenen Ortswechseln gezwungen, Spannungen waren die Folge, das trendige Image ging im Laufe der Jahre zunehmend verloren, der ICF verschwand aus der evangelikalen Öffentlichkeit. Im Jahr 1996 übergab Heinz Strupler die Leitung des ICF an den heutigen Senior Pastor Leo Bigger. Der 1968 geborene und als Offset-Drucker ausgebildete Bigger wirkte als Jugendlicher in einem Hauskreis mit, der der Katholischen Charismatischen Erneuerung nahestand. 1992 stiess Bigger zum ICF und absolvierte eine Bibelschule in Heinz Struplers Institut IGW.

Nach der Übernahme der Leitung fusionierte Bigger den ICF mit der von Matthias Bölsterli geleiteten Limmatgemeinde zur ICF Church. Der Zusatz "Church" sollte dabei dokumentieren, dass sich ICF fürderhin als eigenständige Gemeinde versteht. Bigger wurde Gesamtleiter, Bölsterli Co-Leiter. Der Namenszusatz "Church" wurde in den letzten Jahren im Rahmen der Gründung von Tochtergemeinden wieder aufgegeben. Die Kleinschreibung "icf" ersetzte im Jahr 2000 die Grossbuchstaben "ICF". Im Jahr 2006 kehrte ICF wieder zu den Grossbuchstaben zurück.

Im Zentrum der Aktivitäten des ICF stehen die Gottesdienste, die bewusst auf Jugendliche oder junge Erwachsene zugeschnitten sind. Musik- und Showaufwand sind beträchtlich und machen einen wesentlichen Teil des Budgets des ICF aus. Dass der ICF im Unterschied zu anderen Freikirchen den ganzen Zehnten für die eigene Kasse fordert und finanziellen Fragen in der Verkündigung vergleichsweise breiten Raum gibt, hat auch damit zu tun.

Ein bis März 2002 bestehendes Netz von Hauskreisen, "Workshops" genannt, wurde auf Anfang April durch ein neues System ersetzt, das als "G12" resp. "g|zwölf" bezeichnet wurde. Jedes Mitglied wird motiviert, durch Evangelisation im persönlichen Umfeld einen Kreis von zwölf gleichgeschlechtlichen Jüngern aufzubauen. Dieser Kreis trifft sich vierzehntäglich zu sog. "G12-Treffen", bei welchen die Botschaft der Predigt des letzten Wochenendes nachbearbeitet wird. Daneben hat das Mitglied die Angehörigen seines G12-Kreises als "Mentor" zu "coachen", auf ihrem Glaubensweg zu beraten. Durch die Tatsache, dass jedes Mitglied neben dem von ihm selbst aufgebauten G12-Kreis einem übergeordneten G12-Kreis angehört, ergibt sich ein pyramidenartiges System mit Leo Bigger und seiner Frau Susanna an der Spitze.

Wollte sich der ICF vor der Einführung des G12-Systems in den Streitfragen zwischen evangelikalem und charismatischem Christentum nicht festlegen, vertritt er heute die pfingstliche Theologie, die mit dem G12-System verbunden ist.

Als unnütz abgelehnt wird vom ICF Zürich eine organisierte Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, etwa im Rahmen der Evangelischen Allianz. Austausch von Fall zu Fall und die Mitwirkung an Konferenzen ist davon aber nicht betroffen.

ICF Zürich kennt keine Mitgliedschaft, es gibt folglich auch kein geregeltes Mitspracherecht der Menschen, die ICF als ihre Kirche betrachten, wie der offizielle Terminus für die AnhängerInnen lautet. Kurz ist jeweils von "ICFlern" die Rede.

Nachdem ICF Zürich seine Gottesdienste über Jahre in der Alten Börse gefeiert hatte, konnte die Gemeinde auf Ende 2003 mit der sog. "Celebration Hall" auf dem Maag-Areal einen neuen Gottesdienstraum beziehen, der zuvor unter grossem finanziellen und zeitlichen Aufwand der ICFler renoviert worden war.

In den letzten Jahren erfolgten Gemeindegründungen in der Schweiz in Aarau, Baden, Basel, Bern, Biel, Chur, Emmental, Genf (geleitet von Matthias Bölsterli, dem Mitbegründer von ICF Zürich), Lausanne, Schaffhausen, Solothurn, St.Gallen, Thun, Thurgau, Zofingen, Zug und im Zürcher Oberland; in Deutschland in Berlin, Bonn, Braunschweig, Coburg, Freiburg, Hamburg, Karlsruhe, Lippe, München und Nürnberg; in Oesterreich in Bregenz und ausserhalb des deutschsprachigen Raumes in London, in Trondheim und in Zaanstad (NL). Manche dieser Gemeindegründungen erlebten ein starkes Wachstum, andere sind klein geblieben, mehrere ICFs wurden gar wieder aufgelöst: Baden, Bregenz, Solothurn, Thurgau, Trondheim und Zaanstad. Fünf dieser Auflösungen erfolgten in den Jahren 2006 und 2007, so dass die ICF-Bewegung in dieser Zeit von 30 auf 25 Gemeinden geschrumpft ist. Trotz dieses Rückgangs versucht ICF, neue Gemeinden aufzubauen, aktuell etwa in Rapperswil. Frühere Gemeindegründungsprojekte in Luzern und in Winterthur verliefen im Sande.

Im Gegensatz zur Muttergemeinde in Zürich wirken manche lokalen ICFs bei der Evangelischen Allianz mit.

Im Oktober 2004 benannte die ICF-Muttergemeinde in Zürich die G12-Gruppen in "smallgroups" um, die "Mentoren" wurden zu "Leitern". Manche lokalen ICFs folgten der Zürcher Gemeinde bei dieser Umbenennung, z.T. mit anderen Namen, andere blieben bei der Bezeichnung G12. Auf den Aufbau des Systems hat die Namensänderung aber keinen Einfluss. Geändert wurde der zeitliche Ablauf der Behandlung der Themen und die graphische Darstellung des G12-Gebäudes. Stand das Leiterpaar vorher graphisch an der Spitze, steht es nun im Zentrum der Gemeinde.

Die Muttergemeinde des ICF in Zürich ist in den letzten Jahren recht markant geschrumpft. So ist die durchschnittliche wöchentliche Besucherzahl bei der sog. "GenX", der Gruppe der über 25jährigen, innerhalb von zwei Jahren von über 2000 auf ca. 1200 gefallen. Da ein Schrumpfprozess für eine sog. Trendgemeinde, die ja nicht zuletzt davon lebt, eben "in" zu sein und Zulauf zu haben, immer äusserst bedrohlich ist, scheint ein weiterer zahlenmässiger Rückgang von ICF Zürich, dem dann weitere ICFs alsbald folgen könnten, nicht ganz unwahrscheinlich. Dabei muss natürlich festgestellt werden, dass der ICF Zürich mit seiner elfjährigen Tätigkeit die durchschnittliche Lebenserwartung einer Trendgemeinde von rund zehn Jahren mittlerweile überschritten hat.

Georg Otto Schmid, 2004, 2006, 2007
Letzte Aenderung 2007, © gos 2004, Infostelle 2000
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