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Christians for Truth (cft) / Domino-Servite-Schule
In den letzten Monaten ist, zuerst in Südafrika, dann auch in Deutschland und der Schweiz, um das Missionswerk Kwasizabantu und die aus diesem hervorgegangenen Werke Christians for Truth und Domino-Servite-Schulen eine rege Debatte aufgekommen, ausgelöst durch Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter des Missionswerkes, die Missstände in diversen Bereichen anprangern. Die Antworten des Missionswerkes selbst sind bis heute ausweichend ausgefallen.
Der Gründer: Erlo Stegen
Gründer und bis heute Leiter des Missionswerks Kwasizabantu (abgekürzt KSB) ist der deutschstämmige Südafrikaner Erlo Stegen. 1935 geboren und in einer lutherischen Gemeinde in der Nähe von Durban, Natal (heute KwaZulu/Natal) aufgewachsen, verspürte Stegen schon im Alter von 15 Jahren den Ruf zum Dienst als Prediger und Evangelist, weshalb er eine Bibelschule in Pretoria absolvierte. Schon in dieser Zeit war Stegens Theologie geprägt von einer Betonung der Heiligung, des Vermeidens von Sünde. So stand denn die persönliche Busse bei der Hinwendung zu Gott im Zentrum von Stegens Verkündigung. Die ersten zwölf Jahre seines Dienstes, Stegen wirkte ab 1954 als reisender Evangelist unter der Zulu-stämmigen Bevölkerung Natals, waren wenig erfolgreich. Zwar liessen sich durchaus zahlreiche Menschen durch Stegens Evangelisationen ansprechen, ihre Hinwendung zum Christentum verbanden sie aber nicht mit einer Absage an herkömmliche Bräuche, wie Stegen das forderte. Erst 1966/67 geschah der Durchbruch im Sinne einer Erweckung: In Maphumulo bekehrten sich hunderte Menschen unter Manifestationen wie Zungenrede und körperlichen Heilungen. Die Ereignisse zogen, wie für Erweckungen typisch, in der Folge Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung an. 1971 verlegte Stegen seine Mission nach Kwasizabantu (der Ortsname, der schon vor Stegens Umzug bestand, bedeutet "Ort, wo Menschen geholfen wird"), wo sich seither die Zentrale des Missionswerkes befindet. Stegen verbreitete seine Erkenntnisse über Erweckung in der Folge auf Vortragsreisen auch in die deutschsprachigen Länder, so dass auch in Deutschland und der Schweiz Kwasizabantu-Gemeinden entstanden, allerdings ohne dass sich hierzulande die Erweckungsereignisse aus Südafrika wiederholt hätten.
Geistwirkungen: Pfingstlerisch oder nicht?
Die im Rahmen der Erweckung in Kwasizabantu aufgetretenen Phänomene wie Zungenrede und Heilungen führten zu einigen Debatten um die Positionierung des Werkes zwischen Evangelikalismus und Charismatik. Erlo Stegen selbst ist kein Freund der Pfingstbewegung und vertritt deshalb die Lehre einer von der Bekehrung zeitlich getrennten Taufe im Heiligen Geist nicht. Die Zungenrede wird folglich nicht als jedem Christen zugänglich gesehen. Stattdessen wird eine Gabentheologie vertreten, die von je unterschiedlichen Gabenzuteilungen an die einzelnen Gläubigen ausgeht. So erhält sich Stegen eine gewisse Distanz zur Pfingstbewegung. Den traditionellen evangelischen Cessationismus, die Lehre, dass die Geistesgaben mit dem Ende der apostolischen Zeit aufgehört hätten, muss Stegen aber ebenfalls verwerfen. Zusammenfassend steht Stegens Lehre zu Geistwirkung und Geistesgaben den Gepflogenheiten in modernen charismatischen Gemeinden recht nahe.

Unter antipfingstlerischen Theologen stiess Stegen mit diesem "Mittelkurs" auf Unterstützung und Ablehnung zugleich. So setzte sich der evangelikale Autor Kurt E. Koch, ansonsten nicht gerade für besonders schonungsvollen Umgang mit dem Glauben an Wunderwirkung von Geistern aller Art bekannt, in mehreren Werken für Erlo Stegens Mission ein. Andere Autoren, insbesondere aus der darbystischen Ecke, denen ein Verzicht auf den mit dem Dispensationalismus ihres Gründers (Lehre von der Abfolge verschiedener Heilszeitalter mit einer je unterschiedlichen Wirksamkeit Gottes, begründet von J. Nelson Darby) verbundenen Cessationismus nicht möglich ist, verwarfen Stegens Werk als satanisch gewirkt.

Offenbarungen
In den letzten Jahren hat sich die genannte Debatte etwas entspannt, da die Bedeutung des Darbysmus für den Evangelikalismus doch erheblich nachgelassen hat. Dies bedeutet aber nicht, dass die Geistwirkungen in Kwasizabantu sich nun allgemeiner Anerkennung erfreuen könnten. Dies liegt daran, dass Kwasizabantu nicht nur Geisteswirkungen kennt, die in der charismatischen Szene weit verbreitet sind, sondern auch noch recht Eigentümliches:

Ehemalige Mitstreiter Erlo Stegens berichten, dass sich der Gründer und Leiter von Kwasizabantu als direkt von Gott geführt empfindet, wobei diese Führung auf eine im Protestantismus etwas unübliche, bei Neuoffenbarern und esoterischen Channels aber wohlbekannte Methode geschieht: Erlo Stegen ziehe sich jeweils mit seiner Mitarbeiterin Hilda Dube zurück, wobei diese in Trance falle. Dann spreche Gott durch sie, wobei sich Hilda Dube nach ihrem Aufwachen aus der Trance nicht mehr an das Gesagte zu erinnern vermöge. Diese Offenbarungen Gottes seien für Erlo Stegen der Garant dafür, dass er nicht irren könne (neben der Argumentation, dass Gott die Lehren Kwasizabantus durch den offensichtlichen Erfolg der Mission bestätigen würde). Die Tatsache, dass Kwasizabantu wenig geneigt scheint, auf Kritik von Aussenstehenden einzutreten, könnte hier seine Begründung finden.

Busse und Heiligung
Kwasizabantu versteht sich als Buss- und Beichtbewegung. Die evangelistische Verkündigung betont die Bedeutung von Sündenbekenntnis und Busse bei der Bekehrung. Das weitere Leben als Christ im Sinne Kwasizabantus ist geprägt vom Bemühen um Heiligung, um die "Trennung von der Sünde". Als Stütze auf diesem Weg hin zum sündlosen Leben erachtet Kwasizabantu dreierlei als hilfreich:
- Seelsorge
Die Seelsorge, die jedem Mitglied zuteil wird, soll einen Rahmen für fortlaufende Busse und Beichte auch nach der Bekehrung schaffen. Dieses Angebot der Seelsorge und Begleitung wird von vielen Menschen, die zumindest eine Zeitlang zu Kwasizabantu gehörten, als sehr positiv erlebt, andere berichten davon, erheblichen Druck und massive Eingriffe in ihre Entscheidungsfreiheit erfahren zu haben.
- Der Standard
Ein sündloses Leben wird den zu Kwasizabantu gehörenden Menschen dadurch erleichtert, dass manches, was die Bibel offenlässt, mit klaren und verbindlichen Verhaltensmassregeln entschieden wird. Dieser Satz an Regeln heisst dann der "Standard". Dieser ist unbedingt zu beachten, obwohl er sich nicht aus der Bibel ableiten lässt. Als Begründung für die Geltung des Standards wird einerseits auf die Tatsache verwiesen, dass der Standard für das Gelingen der Erweckung in Südafrika (mit)verantwortlich war, was als eine Art göttliche Approbation gedeutet wird. Zum anderen stützt sich der Standard auf die Offenbarungen, die Erlo Stegen durch Frau Dube erhielt. Der Standard darf in seinem Gewicht für die KSB nicht unterschätzt werden, er gilt als eines der Spezifika der KSB, seine Nichtbeachtung hat Trennung zur Folge.

Inhaltlich umfasst der Standard u.a. folgende Bereiche:

- Kleidervorschriften: Die Kleidung darf nicht körperbetont sein. Moderne Kleidungsstücke wie Jeans sind verpönt. Frauen haben Röcke anzuziehen. Besondere Aufmerksamkeit wird in KSB den "Schlitzen" in der Kleidung zuteil, die als sexuell aufreizend und darum als verboten gelten. "Bereits fünf Zentimeter lange Schlitze in Fussgelenkhöhe setzen die Maschinerie der Gemeindezucht in Gang" (Markus Mockler in idea magazin, 31/2000).

- Styling: Das Tragen von Schmuck, Schminke und Nagellack, aber auch von modischen Frisuren ist ausgeschlossen.

- Eheanbahnung und Verhalten in der Verlobungszeit: Die Eheanbahnung muss über die zuständigen Seelsorger laufen. Gespräche der Verlobten ohne Aufsicht Dritter sind ausgeschlossen, besser ist es gar, wenn die Verlobten während der Verlobungszeit gar nicht miteinander kommunizieren; die Planung der Heirat hat z.B. allein zwischen Bräutigam und Brautvater zu erfolgen. "Der Sicherheitszaun, der vorehelichen Sex verhindern soll, ragt inzwischen so hoch, dass sich am Traualtar Menschen das Ja-Wort geben, die sich nicht kennen" (Markus Mockler a.a.O.).

- Die Trennung
"Trennung von der Sünde - und vom Sünder" heisst das Motto in Kwasizabantu. Menschen, die gegen biblische Gebote im Sinne Kwasizabantus oder - was aufs selbe rauskommt - gegen den Standard verstossen, werden abgemahnt und im Falle, dass sie unbussfertig sind, aus der Gemeinde ausgeschlossen. So meint Hans Koller, ehemaliger Zeuge Jehovas, dann reformierter Pfarrer und jetzt Prediger von KSB Schweiz in Kaltbrunn: "Die Sünde muss gestraft werden und die Stellung muss klar sein gegen den Sünder, der sich nicht bekehren und ändern will und wenn er sich nicht bekehrt, dann soll er nicht mehr aktiv sein in der Gemeinde, bis die Früchte der Busse zu sehen sind." Weigert sich ein Mitglied von Kwasizabantu, die geforderte Trennung von Sündern zu vollziehen, verfällt es, auch wenn es sich stets treu an den Standard hielt, selbst der Trennung: Im Januar diesen Jahres brach Kwasizabantu Schweiz unter seinem Leiter Hans Koller die Gemeinschaft mit Kwasizabantu Süddeutschland ab, weil dessen Leiter sich weigerte, den Kontakt zu seiner Tochter einzustellen, die in Hosen, mit Halskettchen und allein mit ihrem Verlobten gesehen worden war (inzwischen hat der betroffene Leiter die Kwasizabantu-Bewegung verlassen).
Vorwürfe aus der aktuellen Debatte
In der gegenwärtigen Diskussion um das Missionswerk Kwasizabantu werden neben der eigentümlichen Offenbarungspraxis des Gespanns Stegen/Dube, dem damit verbundenen faktischen Anspruch der Unfehlbarkeit, der Unhinterfragbarkeit des "Standards" und der damit verbundenen Abschottung vom Rest der Christenheit folgende Punkte von kritischer Seite angemahnt:

- Kwasizabantu hat, wie die Aussagen von ehemaligen Führungsleuten schlagend belegen, zu Apartheid-Zeiten mit dem südafrikanischen Geheimdienst zusammengearbeitet und diesem seelsorgerliche Beichten von reuigen ANC-Kämpfern unter Bruch des Seelsorgegeheimnisses weitergeleitet, wodurch die ANC-Kämpfer in die Mühlen der südafrikanischen Justiz gerieten.

- Nicht korrektes Verhalten von Führungsleuten sei verschiedentlich vertuscht worden.

- Prügelstrafen seien an Domino-Servite-SchülerInnen (s. dazu unten), aber verschiedentlich auch an Erwachsenen geübt worden, mindestens einmal mit Todesfolge.

- Weiters werden kritisiert weitgehende Eingriffe der Kwasizabantu-Seelsorger in das Leben ihrer Schützlinge, die nach Aussagen von Kritikern als "geistliche Tyrannei, Gehirnwäsche und Manipulation" gelesen werden können.

Vereine im Umfeld des Missionswerkes Kwasizabantu
Aus der Kwasizabantu-Bewegung sind bisher zwei nominell unabhängige, personell mit Kwasizabantu aber eng verflochtene Werke hervorgegangen: Die Domino-Servite-Schulen und die Vereinigung Christians for Truth (cft).
- Domino-Servite-Schulen
Im Bemühen, die Bildung der Kinder der Anhänger zu verbessern, gründete Kwasizabantu 1986 die erste Domino-Servite-Schule (domino servite = dient dem Herrn!). Die Domino-Servite-Schule in Kwasizabantu selbst zählt zur Zeit 450 Schüler. In der Schweiz existiert - mit Sitz in Kaltbrunn SG - eine Domino Servite Schule seit dem Schuljahr 95/96, getragen von einem Verein Domino Servite Schule.

"Es muss wieder Ordnung und Disziplin herrschen", so beschrieb Vereinsvizepräsident Christoph Morgner eines der Anliegen der Schule gegenüber der Presse. Gewährleistet wird dieses dadurch, dass der "Standard" von Kwasizabantu auch für SchülerInnen der Domino-Servite-Schulen gilt. So fordert das Interne Reglement der Schule, das sowohl von den Eltern als auch den Schülern unterzeichnet werden muss, u.a. Folgendes: "Unterstützt von den Eltern (oder Erzieher) geht das Kind folgende Verpflichtungen ein: Das Kind respektiert die Personen, die es betreuen. Es unterlässt jedes freche, provozierende und aggressive Verhalten. Es gehorcht seinen Erziehern und ist ihnen dankbar. (...) Für jeden Ausgang, die Einführung von schulfremden Material oder für jedes anstehende Problem wendet sich das Kind zuerst an den verantwortlichen Erwachsenen. (...) Das Kind verhält sich so, dass sein physisches, moralisches und geistliches Leben und dasjenige der andern bewahrt wird: Das beinhaltet, dass: - seine Sprache aufbauend ist (...) Das schliesst aus: - grobe Reden, Streitereien oder Raufereien, (...) - jeder Angriff auf die Scham / Keuschheit und jede zweideutige Beziehung zwischen Knaben und Mädchen. (...) Das Kind auchtet auf eine saubere und korrekte Kleidung. (Anständiger Rock oder Kleid für die Mädchen, Hosen für die Knaben, saubere Schuhe). Von Jeans und werbeträchtigen T-Shirts wird abgeraten. (...) Folgende Vergehen führen zu strengen Disziplinarmassnahmen, bis hin zum definitiven Ausschluss: (...) - jedes ungehorsame, unverschämte und aggressive Benehmen, - jeder Angriff auf die Scham/Keuschheit, - jede unlautere Beziehung zwischen Knaben und Mädchen".

Kritiker berichten davon, dass die z.T. exzellenten Abschlüsse von Domino-Servite-SchülerInnen durch einen erheblichen psychischen Druck auf die Zöglinge erkauft würden. Die Kontrolle zumindest der internen Schülern im Sinne des "Standards" scheint nach Ausweis des Internen Reglements jedenfalls umfassend zu sein.

Das Schulgeld betrug 1995 Fr. 5 400.- für externe Schüler und Fr. 6 000.- für interne Schüler. Besucht wird die Domino Servite Schule in Kaltbrunn insbesondere von Kindern sog. "gesetzlicher" Gemeinschaften wie der Freien Christengemeinde Buttikon (ehemals EHD).

Nicht ganz transparent - um es gelinde auszudrücken - ist jedenfalls der Auftritt der Kwasizabantu-VertreterInnen im Vorstand des Vereins Domino Servite Schule. Auf Werbeprospekten firmieren die Kwasizabantu-VertreterInnen im Vorstand nur mit ihren - meist weitgehend inaktiven - Zugehörigkeiten zu Landes- und Freikirchen. Das für die Praxis viel wichtigere Mittun in Kwasizabantu wird nicht erwähnt. So erscheint der Kwasizabantu-Prediger und Leiter Hans Koller bloss als Pfarrer der ev.-ref.Kirche, wobei noch nicht mal erwähnt wird, dass Koller längst nicht mehr als Pfarrer tätig ist. Hier wird bei der Interessentenschaft ein völlig falscher Eindruck erweckt.

Gegenüber der Domino-Servite-Schule in Kwasizabantu selbst werden von kritischer Seite her weitere Vorwürfe erhoben:

- Die Prügelstrafe sei bis zu ihrer Abschaffung 1994 an der Tagesordnung gewesen. Wie weit Körperstrafen an der Schweizer Domino-Servite-Schule eine Rolle spielten, kann im Moment nicht beurteilt werden.

- Weibliche Schülerinnen seien nach den Ferien Jungfräulichkeitstests ausgesetzt worden. Diese Praxis wird von Seiten Kwasizabantus heute als einheimischer Brauch der Zulus verteidigt.

- Christians for Truth (cft) / Christen für die Wahrheit
Das zweite aus Kwasizabantu-Kreisen stammende Werk ist die Organisation Christians for Truth, gegründet im Juni 1990 in Südafrika und seit 1992 auch in Europa aktiv. Die Vereinigung steht allen Christen offen, in ihrer Verwaltungsstruktur haben dem Vernehmen nach Kwasizabantu-VertreterInnen nach wie vor ein grosses, wenn nicht gar entscheidendes Gewicht. Man muss cft deshalb nach wie vor im Zusammenhang mit Kwasizabantu sehen.

Cft stellt sich vor als "internationale Organisation bibelgläubiger Christen, die sich gemeinsam gegen die zunehmenden antichristlichen Kräfte einsetzt." Wichtig ist cft insbesondere "Die Freiheit der Eltern für die christliche Erziehung der Kinder auf dem Fundament der heiligen Schrift", womit eine gegenseitige Unterstützerrolle der verschiedenen von Kwasizabantu ausgehenden Werke deutlich wird.

Daneben hat cft eine klar antisozialistische Spitze, welche die Organisation im rechtskonservativen Milieu ansiedelt: "Wir wenden uns gegen alle Lehren mit atheistischem Charakter, wie z.B. den Kommunismus, Sozialismus und andere." Freies Unternehmertum erscheint als biblisch begründetes Grundrecht: "Wir glauben an den biblischen Grundsatz von Recht auf Privateigentum und Unternehmertum."

Im Zentrum der Tätigkeit von cft steht aber die Wertefrage: "Wir weisen jeden Versuch zurück, die christlichen Werte zu unterwandern, von welcher Seite dieser auch unternommen wird."

Aktiv wird dft z.B. im Kampf gegen eine Segnung homosexueller Partnerschaften durch reformierte PfarrerInnen und gegen deren gesetzliche Anerkennung, dies z.T. mit recht schrillen Tönen: "Sind wir uns bewusst, dass unser Land dem Schutz und Segen Gottes verlustig geht, falls Homosexualität kirchlich und gesetzlich anerkannt würde?" (Brief von cft). Mittel des Kampfes sind briefliche Zusendungen, sowohl von Seiten von cft selbst, als auch - z.T. gleichlautend - von Seiten einzelner cft-Vertreter.

Die Mitgliederzahl von cft überschreitet heute dem Vernehmen nach die Zahl von Hunderttausend.

Kwasizabantu heute
Bis zum öffentlichen Ausbruch der Debatten um Kwasizabantu zählte das Werk weltweit rund 40 000 Anhänger, davon ca. 1000 in Deutschland und 300 in der Schweiz (die in der Literatur kolportierte Zahl von 600 Mitgliedern in der Schweiz ist nach Aussagen von Insidern deutlich zu hoch gegriffen). In den letzten Monaten ist es aber, insbesondere in Deutschland, zu massiven Abgängen gekommen. Insider sprechen davon, dass die deutschen Gemeinden einen Drittel bis gegen die Hälfte ihrer Mitglieder verloren haben. In der Schweiz - die Gemeinde versammelt sich in Kaltbrunn SG unter der Leitung von Hans Koller - ist die Absetzbewegung bisher nicht so massiv.

Bisher gelang es dem Missionswerk nicht, auf die Vorwürfe angemessen zu reagieren. Zu hören waren von offizieller Seite Dementis und Abwiegelungen. Typisch für die Oeffentlichkeitsarbeit des Werkes vielleicht der Umgang mit unserer Informationsstelle: Ein Brief mit konkreten Anfragen, datiert vom September 1999, wurde nie beantwortet. Bei einem Telefonat im Februar 2000 meinte die Ehefrau von Prediger Hans Koller "Kwasizabantu Schweiz gibt es eigentlich gar nicht" (obwohl ihr Ehemann wenige Tage vorher seinen mit "Kwasizabantu Schweiz" gezeichneten Brief an die deutsche Sektion sandte). Für ein Gespräch habe man im Moment keine Zeit, man würde sich aber spätestens im Juni wieder melden - ein Anruf, der nie kam.

Für eine konfessionskundliche Einordnung von Kwasizabantu ist die Wurzel des Werks in der Heiligungsbewegung zu beachten. Von hierher wuchs sich das Bemühen um Busse und heiligenmässiges Leben zur Gesetzlichkeit und zum Perfektionismus aus. Die Betonung des "Standards" als eines "anderen, klareren, reineren Wegs" (Hans Koller) und dessen Unhinterfragbarkeit macht Kwasizabantu zur fundamentalistischen Sondergruppe, hierin verbleichbar mit Ivo Saseks OCG oder Werner Arns Adullam. Die Offenbarungspraxis von Stegen/Dube allerdings bewegt sich nahe an der Grenze zum Neuoffenbarertum. Sektenhafte Tendenzen und Strukturen sind, wenn die Ehemaligenberichte zutreffen, überdeutlich.

Für die Zukunft von Kwasizabantu wird sich die Frage stellen, ob die Gemeinschaft in der Lage ist, auf Kritik von aussen einzutreten und Missstände zu beheben. Die bisherige Strategie von Kwasizabantu - Verleugnung und Abwiegelung - lässt in dieser Richtung leider noch kein Umdenken erkennen. Zu befürchten ist deshalb, dass die Gemeinschaft nach erheblicher Verkleinerung und dem Wegfall noch vorhandener Kontakte in den evangelikalen Raum hinein gänzlich zur Sekte wird.

Georg Otto Schmid, 2000
Letzte Aenderung 2000, © gos 2000, Infostelle 2000
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