I Ging

Das I Ging oder Yi Jing易经 / 易經 oder auch Zhouyi 周易 ist eines der Fünf Klassiker des Konfuzianismus, ein auf Weissagungen und Philosophie bezogenes Werk. Der Kern dieses Werks sind die 64 Hexagramme, die sich grundlegend auf das Yin-Yang-Prinzip belegen. Mittels dieser Hexagramme können Orakel erstellt werden. Dessen Titel bedeutet übersetzt „Buch der Wandlungen“ / “Wandlungen der Zhou“. Das Buch wird heute zum Vorhersehen der Zukunft mittels symbolischer Weissagung verwendet.

I Ging wird „I Dsching“ ausgesprochen. I Ging ist eine veraltete Schreibweise von Yi Jing, wie es heute geschrieben wird. Da sich die alte Schreibweise aber schon durchgesetzt hatte, als I Ging im Westen bekannt wurde, änderte sich hier die Schreibweise im Alltagsgebrauch nicht. In diesem Artikel wird I Ging verwendet.

Ursprünglich sei das I Ging vom legendären ersten Kaiser Chinas Fu Xi 伏羲 (3. Jahrtausend v. Chr.) verfasst worden, der die acht Trigramme entdeckt haben soll. Zhou Wen wang 周文王 (König Wen, 11. Jhd. v. Chr.) soll dann mithilfe seines Sohnes die Hexagramme gebildet und deren Orakelbedeutung aufgeschrieben haben. Sie sind u.A. von den Nachfolgern des Konfuzius kommentiert in einem Anhang namens Shi Yi 十翼.

Neben dem heute erhaltenen Text soll das I Ging ursprünglich zwei weitere Überlieferungen gehabt haben, das Lian Shan 連山 und das Gui Cang 歸藏. Davon sind nur bekannt, dass sich die Anordnungen der Hexagramme sowie deren Bezeichnungen im Vergleich zum Yi Jing unterscheiden.

Yin 阴 und Yang阳 (alternative: 陰陽) bezeichnet die Gegensätzlichkeit von dunkel und hell, aktiv und passiv, männlich und weiblich, warm und kalt. Die bekannteste Darstellung von Ying und Yang ist das Taijitu, ein Kreis in der das individuelle Yin und Yang in gegensätzlicher Verbindung stehen. Die Lehre besagt, dass es zwei Basiskräfte gibt, aus der das Universum zusammengestellt ist und nur in ihrer Harmonie kann das Universum funktionieren. Ohne Hell gibt es kein Dunkel, ohne Kalt kein Warm etc. Yin (dunkel, kalt, weiblich) ist dabei eine negative Kraft, Yang (hell, warm, männlich) eine positive.

Yin und Yang kann auf alles angewendet werden, sei es Lebewesen, Dinge oder Räume. Auch Landschaften haben Yin und Yang-Energien.

Die Hexagramme bestehen aus sechs Linien, die entweder durchzogen —— oder unterbrochen — — sind. Die Hexagramme bestehen aus je zwei Trigrammen, die Grundlage der Orakel. Es gibt acht Trigramme (alle Kombinationsmöglichkeiten aus den zwei vorhandenen Linientypen in Dreiergruppen). Somit lassen sich die Trigramme zu 64 verschiedenen Hexagrammen kombinieren. Diese haben jeweils eine Bedeutung, die je nach Reihenfolge im Orakel interpretiert werden kann.

Die durchgezogenen Linien —— repräsentieren die Kraft Yang und die durchbrochenen — — die Kraft Yin.

Das Orakel kann auf zwei verschiedene Weisen ausgeführt werden. Zum einen können die Hexagramme mit Schafsgarbenstängel gebildet werden oder man kann das sog. Münzorakel verwenden. Das Münzorakel ist schneller zu erlernen, doch das Schafsgarbenorakel ist älter und gilt als „zuverlässiger“.

Beim Orakel stellt man sich eine Frage. Mittels Meditation kann auch ein tieferes Verständnis für die Frage selbst gewonnen werden. Sobald man sich mit der Frage vertraut gemacht hat, wirft man die Orakelmittel (Stäbchen oder Münzen).

Die Ergebnisse sind entweder veränderlich oder statisch. Somit kann es vier verschiedene Linien geben, je eine veränderliche oder alte Yin- und Yang-Linie sowie eine statische oder junge Yin- und Yang-Linie. Diese erweitern die Kombinationsmöglichkeiten und bringen so eine sehr breite Palette an Bedeutungen, die für die korrekte Auswertung des Orakels in Betracht gezogen werden müssen.

Das Orakel wird mittels Zahlen bestimmt. Diese Zahlen sind entweder 6, 7, 8 oder 9. 6 und 8 sind gerade, gehören also zu Yin, 7 und 9 sind ungerade und gehören dem Yang an. Traditionell ist Yin der Wert „2“, Yang der Wert „3“. Die beiden Orakelarten beruhen auf Berechnungen die auf diesen Zahlen basiert sind.

Beim Münzorakel werden drei gleiche Münzen sechsmal zusammen geworfen um das Hexagramm von unten nach Oben zu bilden. Diese Methode ist einfacher, weniger kompliziert und im Westen beliebter. Traditionell hat die geprägte Seite der Münze (oder die Zahlseite) den Yin-Wert, also 2 und die ungeprägte Münze (oder Kopfseite) den Yang-Wert 3. Die vier Möglichkeiten (Zahl, Zahl, Zahl / Kopf, Kopf, Kopf / Zahl, Kopf, Kopf / Kopf, Kopf, Zahl wobei die Reihenfolge der Münzen keine Rolle spielt) bilden jeweils eine Linie:

Dreimal Zahl ist eine veränderliche Yin-Linie (3*2 = 6) (wird zu Yang)

Zweimal Zahl und einmal Kopf ist eine statische Yang-Linie (2*2+3 = 7) (bleibt Yang)

Zweimal Kopf und einmal Zahl ist eine statische Yin-Linie (2*3+2 = 8) (bleibt Yin)

Dreimal Kopf ist eine veränderliche Yang-Linie (3*3 = 9) (wird zu Yin)

Beim Orakel ergeben sich zwei Hexagramme, nämlich jenes, das mit den veränderlichen Linien gelesen wird oder das mit den statischen Linien gelesen wird. Das veränderliche, geworfene Hexagramm bildet den jetzigen Zustand ab, nach der Veränderung zeigt es die Zukunft. Hat das geworfene Orakel keine veränderlichen Linien, zeigt es die direkte Antwort auf die Frage.

Bei den sechs Würfen wird das Hexagramm von unten nach oben gebildet, der erste Wurf symbolisiert die unterste Linie, der letzte Wurf die oberste.

Das Schafgarbenorakel ist die komplexere Version des I Ging Orakellesens. Das Grundprinzip ist mit dem des Münzorakels übereinstimmend (vier Linien, zwei veränderlich und zwei statisch die jeweils einem Zahlwert entsprechen). Statt Münzen wird jedoch mit Schafsgarben (oder auch einfache Stängel) gearbeitet.

Man beginnt mit 50 Stängeln, wovon einer schon bei Beginn entfernt wird und die übrigen 49 in zwei Haufen verteilt werden (zufällig), einen linken und einen rechten. Vom rechten Haufen nimmt man einen Stängel und steckt ihn zwischen den kleinen und den Ringfinger der linken Hand. Danach wird der linke Haufen in die linke Hand genommen und Stängel in Bündel von 4 entfernt bis nur noch 4 oder weniger übrigbleiben. Diese werden zwischen Ring- und Mittelfinger der linken Hand gesteckt. Darauf wird dasselbe mit dem rechten Haufen gemacht und die übrigen Stäbe zwischen den linken Mittel- und Zeigefinger gesteckt.

Nun ist die Summe der Stäbchen zwischen den linken Fingern entweder 9 oder 5. Man zählt die Stäbe zweimal, beim ersten Mal mit dem ersten Stäbchen zwischen dem kleinen und dem Ringfinger und das zweite Mal ohne. Die Ergebnisse sind dann entweder 8 oder 4. Diese Nummer kann notiert werden. Die Stäbchen zwischen den Fingern werden darauf beiseitegelegt.

Die restlichen Stäbchen in den zwei Häufchen werden nun erneut zu einem Haufen zusammengefügt und wieder geteilt. Das Auszählen und die Verteilung der Stäbchen wird wiederholt (beginnend mit dem Entnehmen eines Stäbchens aus dem rechten Haufen um es zwischen den kleinen und den Ringfinger zu stecken). Dieses Mal ist die Summe entweder 8 oder 4, es wird nur einmal mit dem ersten Stäbchen gezählt. Die Nummer kann notiert werden. Diese Stäbchen zwischen den Fingern werden ebenfalls beiseitegelegt und die zwei Häufchen zusammengefügt und ein drittes Mal geteilt und die Prozedur wird wiederholt. Wieder erhält man entweder 8 oder 4.

Somit hat man nun drei Zahlen. Diese werden gemäss dem Yin und Yang wert aufgeteilt. 4 wird zum Yang-Wert von 3 und 8 entspricht dem Yin-Wert 2. Die Werte werden darauf zusammengezählt.

Das Ergebnis von 6 ist eine veränderliche Yin-Linie (3*2 = 6) (wird zu Yang)

Das Ergebnis von 7 ist eine statische Yang-Linie (2*2+3 = 7) (bleibt Yang)

Das Ergebnis von 8 ist eine statische Yin-Linie (2*3+2 = 8) (bleibt Yin)

Das Ergebnis von 9 ist eine veränderliche Yang-Linie (3*3 = 9) (wird zu Yin)

Somit erhält man die unterste Linie des Hexagramms. Um ein Hexagramm zu erhalten, wiederholt man diese gesamte Prozedur noch 5 Mal. Bei den sechs Stäbchenorakel wird das Hexagramm von unten nach oben gebildet, das erste Orakel symbolisiert die unterste Linie, das letzte die oberste.

Münzorakel:

Ich werfe die Münzen mit der Orakelfrage nach Erfolg in der Ausbildung. Mein erster Wurf war zweimal Zahl, einmal Kopf und somit eine statische Yang-Linie. Der zweite und dritte Wurf ergaben zweimal Kopf und einmal Zahl, eine statische Yin-Linie. Der vierte Wurf war wieder zweimal Zahl, einmal Kopf, der fünfte Wurf ergab dreimal Kopf und somit eine veränderliche Yang-Linie. Der letzte Wurf war erneut zweimal Kopf und einmal Zahl.

Somit ergab sich für mich dieses Hexagramm:

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Die erste Interpretation ergibt das Hexagramm der Nummer 17, „Das Anpassen/Die Nachfolge“. Laut Interpretationsbuch ist mein jetziger Standpunkt in meiner Ausbildung positiv, erfolgsversprechend.

Nun aber ist dies ein Hexagramm das sich verändert. Das neue Hexagramm ist nun:

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Dies trägt die Nummer 51 und ist „Die Erschütterung/Das Erregende“. Dieses verspricht mir harte Zeiten, aber ein gutes Ende. Somit ist das volle Orakel nun folgendes: Ich habe in meiner Ausbildung momentan einen guten Stand, werde aber bald um den Erfolg kämpfen müssen, denn es kommen harte Zeiten auf mich zu.

 

Schafgarbenorakel:

Wieder befragte ich das I Ging Orakel zu meinem Erfolg in der Ausbildung, nun aber mit dem Stäbchenorakel. Ich folgte der Prozedur und bekam bei der ersten Auszählung 9 Stäbchen (also 8), der zweite Durchgang ergab 4 und der dritte Durchgang 8. Diese Zahlen ergeben „umgerechnet“ 2+3+3, also 8. Das Ergebnis von 8 ist eine statische Yin-Linie.

Ich wiederholte dies bis ich mein Hexagramm hatte und bekam folgendes:

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Dieses Hexagramm hat keine veränderlichen Zeilen, weshalb es mir eine direkte Antwort bieten sollte. Das Hexagramm trägt die Nummer 41 und bedeutet „Der Verlust/Die Minderung“. Schon dessen Name ist negativ, die Bedeutung ebenfalls. Ich muss mich also wappnen, denn nichts wird so gehen, wie ich es will. Später wird es besser werden, aber die nahe Zukunft ist nicht erfolgversprechend.

Mithilfe der I Ging-Orakel kann auch meditiert werden. Dieser Meditationszustand ist jedoch nicht die herkömmliche Meditation, wo der leere Gedankenzustand als Ziel erreicht wird, sondern hier wird der Zustand der „Kopfkinos“ als ein erwünschter Zustand genannt. Durch das klare Bild im Kopf bei den Orakelfragen und der Resultate wird die wahre Bedeutung der Stäbe sichtbar und die Orakel klarer.

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