Happy Science (Kofuku-no-Kagaku)

Nicole Rieder

Happy Science (jap.: Kofuku-no-Kagaku) ist eine relativ junge Religion, die versucht, alle Religionen miteinander zu verbinden, sich jedoch am meisten am Buddhismus orientiert. Das Ziel von Happy Science ist es, dass Menschen friedlich und konfliktfrei miteinander leben können, indem die Gruppierung die Lehre des Glücks und der Erlösung auf der ganzen Welt ausbreitet. Seit der Gründung vor etwas über 30 Jahren ist Happy Science zu einer Grösse von zwölf Millionen Mitgliedern weltweit herangewachsen. In der Schweiz hält sich der Erfolg bisher in Grenzen: Von nominell 160 Mitgliedern seien, so habe ich von Kofuku-no-Kagaku Schweiz erfahren, nur deren 10 aktiv.

Der Japaner Ryuho Okawa wurde am 7. Juli 1956 unter dem Namen Nakagawa Takashi auf der Insel Shikoku in der Präfektur Tokushima geboren. Am 23. März 1981 will Ryuho Okawa die Grosse Erleuchtung erhalten haben. So sei ihm bewusst geworden, dass er die Wiedergeburt des Buddha Shakyamuni und das innere Bewusstsein von El Cantare, dem obersten Gott auf Erden, sei.

Trotzdem absolvierte Okawa eine weltliche Ausbildung im Bereich des Finanzwesens. Mit Abschlüssen an der Tokioter Universität und an der City University of New York hatte er eine vielversprechende Geschäftskarriere in Aussicht, welche er aber aufgab, um am 6. Oktober 1986, im Alter von 30 Jahren Happy Science zu gründen, welches seit 1991 in Japan als amtlich beglaubigte Religion registriert ist. Zu seiner Lehre, die Buddha, Jesus Christus, Konfuzius und Moses verbinden will, soll Okawa bereits über 1‘000 Bücher veröffentlicht, mehr als 1‘700 Lehrreden gehalten und Kinofilme produziert haben.

Da Happy Science dem buddhistischen Glauben in vielem nahe steht, ist es nicht verwunderlich, dass auch bei Happy Science Elemente wie Reinkarnation, Selbstreflexion und Meditation wichtig sind. Ein Unterschied zu anderen buddhistischen Richtungen zeigt sich in der Gotteslehre. Während Gottheiten in weiten Teilen des Buddhismus keine oder nur eine Nebenrolle spielen, stehen sie bei Kofuku-no-Kagaku im Zentrum. So glauben die Mitglieder von Happy Science an El Cantare. Dieser ist der höchstrangige Gott auf der Erde, der von Jesus Christus „Vater“, von Mohammed „Allah“ genannt wurde, im Alten Testament als Elohim bekannt war und den Baum des Lebens repräsentiert. Laut Angaben von Happy Science soll dabei „El“ Licht und „Cantare“ Land oder Erde bedeuten. Der Name „El Cantare“ würde dementsprechend „das wunderschöne Land des Lichts, die Erde“ bedeuten.

Unter El Cantare gibt es noch andere, einander gleichrangige Götter, nämlich diejenigen aller anderen Religionen, wobei sie jeweils zu dem Zeitpunkt und Ort geboren wurden, an dem die Menschen angefangen haben, an sie zu glauben. Diese Ansicht ermöglicht es einem Happy Scientist, gleichzeitig einer anderen Religion anzugehören. Ein Jude, zum Beispiel, muss daher – zumindest aus Sicht von Happy Science – seinen jüdischen Glauben nicht aufgeben und konvertieren, um Happy Science beizutreten. Sinn und Zweck von Happy Science sei es nicht, andere Religionen zu verdrängen oder zu ersetzen, sondern in sich aufzunehmen und zu einen, um Konflikte zu verhindern.

Mit der Wahrheit Buddhas wird, traditionell buddhistisch, das Dharma, oder, wie Happy Science es nennt, das „ewig gültige Gesetz“ oder das „kosmische Bewusstsein“ verstanden. Die Wahrheit Buddhas sei aber nicht nur von diesem, sondern auch von den anderen grossen Gestalten der Religionsgeschichte verkündet worden, so von Jesus und von Konfuzius. Auf diese Weise seien nicht nur die verschiedenen Religionen entstanden, sondern auch die moderne Psychologie sei von der Wahrheit Buddhas beeinflusst worden. Daraus folgt für Happy Science, dass die unterschiedlichen Weltanschauungen alle dasselbe zu beschreiben versuchen, wenn auch in unterschiedlichem Licht dargestellt. Eine solche Gemeinsamkeit findet Happy Science im Begriff der Liebe.

Happy Science will den Menschen beibringen, wie sie glücklich werden können, wobei Happy Science davon ausgeht, dass das Wohl der Gesellschaft und das persönliche Glück voneinander abhängig sind. Deswegen ist die „Liebe, die gibt“ ein zentraler Aspekt des Glücklich-Werdens. Darunter versteht Happy Science, dass man glücklich wird und Liebe erhält, indem man Liebe gibt. Dabei ist es wichtig, keine Erwartungen an die Person zu stellen, der man die Liebe schenkt, womit gemeint ist, dass man keine Gegenleistung dafür verlangt, bzw. erwartet, Liebe zurück zubekommen. Das ist vergleichbar mit der „ungeschuldeten Liebe“ aus der Psychologie. Auch diese meint eine Liebe, die nicht an Bedingungen geknüpft ist. Solche Liebe zu geben, beispielsweise indem man jemandem eine Freude macht, soll dazu beitragen, selbst glücklich zu werden, weil es sich gut anfühlt, andere glücklich zu machen.

Nebst der Liebe, die gibt, und natürlich der Meditation, welche sowohl in Gruppen, als auch alleine, sowohl mit Musik, als auch ohne, und von unterschiedlicher Dauer durchgeführt werden kann, hat die Reflexion über das eigene Tun und Denken hohe Priorität. Dafür soll jeden Tag Zeit aufgewendet werden, wie lange, kann dabei sehr stark variieren. Ziel ist es, sich selbst kritisch zu beurteilen. Das heisst, man soll sich Gedanken darüber machen, was man gemacht hat, weshalb man diese Dinge gemacht hat, wie man auf andere reagiert hat, und warum. Wichtig ist es, sich diesen Fragen zu stellen und nicht nur in knappen Sätzen zu antworten. So soll es etwa nicht heissen: „Ich war auf jene Person wütend, weil sie mich geärgert hat“, sondern man soll sich überlegen, warum das Handeln jener Person Verärgerung ausgelöst hat. Durch dieses Vorgehen soll erreicht werden, dass man sich selbst besser versteht und aus dem bisherigen Verhalten lernen kann. Weil man niemals ausgelernt hat, soll man nie aufhören, sich zu bemühen, ein besserer Mensch zu werden. Weiter soll man auch versuchen, andere und deren Verhalten zu verstehen, damit man ihnen Nachsicht und Geduld zeigen kann, was wiederum die „Liebe, die gibt“, zum Ausdruck bringt.

Die Mitglieder von Happy Science gehen davon aus, dass ein Mensch während seines Lebens nur auf einen Teil seines Bewusstseins zugreifen kann. Das würde, so Happy Science, daran liegen, dass jede Seele aus einer Bewusstseinsgruppe bestehe, welche auf einer anderen Dimension gelegen sei. Diese Bewusstseinsgruppe bestehe aus einem Hauptbewusstsein und fünf kleineren Bewusstseinsanteilen. Diese sechs würden nacheinander und immer wieder als Mensch auf dieser Welt inkarniert, wobei der jeweilige Bewusstseinsteil, der sich gerade in unserer Dimension befindet, bestimmt, welche Person man ist. Die Erfahrungen, welche im Leben gemacht werden, prägen den jeweiligen Bewusstseinsteil und werden erst nach dem Tod mit den anderen Teilen ausgetauscht. Dieser Prozess der Wiedergeburten soll bezwecken, dass die Seele geformt wird und immer weiter dazulernt. Denn obwohl die Lehre von Happy Science die Menschen von Grund auf als „gut“ betrachtet, wird dieses Gute von Dingen, wie beispielsweise materialistischen Werten, beschmutzt. Man kann sich dieses Gute als einen rohen Diamanten vorstellen, der erst noch geschliffen und poliert werden muss.

Wie bereits angesprochen vertritt Happy Science die Ansicht, dass das Universum in verschiedene Dimensionsebenen aufgeteilt ist, die es empor zu steigen gilt. Etwas vereinfacht ausgedrückt ist jede niedere Dimension von der jeweils Höheren umgeben. Die Dimensionen unterscheiden sich dabei in den Faktoren, mit denen man sie beschreiben kann. Stehen uns in der ersten Dimension also nur Punkte auf einer Geraden zur Verfügung, deren einziges Unterscheidungsmerkmal der Abstand zueinander ist, so können wir in der zweiten Dimension bereits Länge und Breite erkennen, womit sich Formen auf einer Ebene ergeben, ähnlich wie ein Bild auf einem Blatt Papier.

In der dritten Dimension, in der wir uns befinden, kommt zu Länge und Breite auch noch Höhe bzw. Tiefe dazu. Ab der vierten Dimension zählt noch der Faktor Zeit. Während in der dritten Personen und Dinge gleichzeitig sein müssen, um aufeinander zu treffen, können in der vierten sich zwei Personen, die zu unterschiedlichen Zeiten gelebt haben, die Hand schütteln. Bewohner der vierten Dimension haben ihren physischen Körper verlassen.

In der fünften Dimension wird den bisherigen Faktoren die Spiritualität hinzugefügt. Damit ist die spirituelle Erfahrung gemeint, welche eine Seele bereits gesammelt hat. Um diesen Ort zu erreichen, muss sowohl die Einsicht, dass ein Mensch aus mehr als nur dem Körperlichem besteht, als auch Tugend und Güte in einer Person gegeben sein.

Die sechste Dimension erhält das Wissen um die Wahrheit als weiteren Faktor. Gemeint ist dabei die Wahrheit Buddhas.

Wer es auf die siebte Dimension schafft, zählt als vollwertiges Mitglied der spirituellen Gesellschaft. Ein solches Mitglied hat ein Herz voll von Liebe und sein Handeln ist von ständigem Dienen bestimmt. Mit dem neuen Faktor Altruismus ist der Höhepunkt der „Liebe, die gibt“ erreicht.

Ab der achten Dimension gibt es den Faktor der Barmherzigkeit, welche das Bedürfnis zu geben und zu lieben bezeichnet. Im Gegensatz zur „Liebe, die gibt“ ist dies die „unendliche Liebe“. Sie ist selbstlos und an alle gerichtet, ohne dabei Unterschiede zu machen, während die „Liebe, die gibt“ nur persönlich ausgewählten Menschen zu Teil wird.

Die Dimensionen Nummer eins bis acht sind an die Erde gebunden und daher von der Erde beeinflusst. Ab der neunten Dimension aber wird das Universum zu einem Faktor, was bedeutet, dass sie mit den spirituellen Welten anderer Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems verbunden ist. Bewohner der neunten Dimension übernehmen die Führung der Geistwesen der Erde. Unter ihnen befinden sich die verschiedenen Religionsgründer, die als Verkörperung des ewigen Buddhas, des Ewigen Gottes auf die Erde gekommen sind.

Auf der zehnten Dimension, welches die höchste Dimension ist, zu der terrestrische Wesen jemals aufsteigen können, werden die Faktoren Länge, Breite, Höhe, Zeit, Spiritualität, Wissen um die Wahrheit und Altruismus irrelevant. Wesen, die auf der zehnten Dimension existieren, haben als Unterscheidungsmerkmale die Faktoren Barmherzigkeit, Universum und Schöpfung und Evolution. Diese Wesen haben keine individuellen persönlichen Eigenschaften mehr, sondern werden durch ihre Rolle in den Bereichen Schöpfung und Evolution definiert. Diese Ebene ist nur von drei Bewusstseinswesen bewohnt: Vom Grossen-Sonnen-Bewusstsein, verantwortlich für die positive und aktive Kraft des Lebens auf der Erde und für die Menschen; vom Mond-Bewusstsein, verantwortlich für die passiven, anmutigen und weiblichen Aspekte; und vom Erd-Bewusstsein, verantwortlich für die Lebenskraft, die von der Erde ausgeht und für die Schöpfung aller Dinge auf der Erde. Diese drei Wesen sind verantwortlich für alles, was im Verlauf der Erdgeschichte geschehen ist.

Mit der zehnten Dimension erreicht das terrestrische System sein Ende, dennoch gibt es darüber hinaus noch weitere Dimensionen. Die elfte Dimension umfasst das Sonnensystem und enthält die Eigenschaft der Mission der Sonne. Die Sonne ist ein Geistwesen, welches zugleich Kraft jedes Leben ist. Die zwölfte Dimension ist das Galaktische Bewusstsein, welches verantwortlich ist für die Planung unserer Galaxie und deren stellare Bewusstseinswesen unter sich eint. Der ewige Buddha, welcher das höchste Bewusstseinswesen und der ewige Gott ist, befindet sich auf der 20. Dimension oder noch höher.

2009 gründete Ryuho Okawa eine politische Partei mit dem Namen „Partei zur Realisierung der Glückseligkeit“ und 2010 eine Schule, die Happy Science Akademie, der noch weitere Schulen für unterschiedliche Altersstufen folgen sollten. Diese können auch von Nicht-Happy-Science-Mitgliedern besucht werden.

Happy Science ist sowohl in der Ausbildung, als auch bei der Unterstützung gemeinnütziger Organisationen, wie UNICEF, Save the Children oder dem Roten Kreuz engagiert. Ausserdem hat Happy Science eine Anti-Suizid und eine Anti-Mobbing Kampagne gestartet.

http://happy-science.ch/ http://happy-science.org/el-cantare/

Ryuho Okawa: Das Gesetz der Sonne. Ennsthaler Verlag, 2001

Ulrich Dehn: „Neue religiöse Bewegungen in Japan“, EZW-Texte 133/1996, S. 16, 17

Gespräch mit Midori Sasagawa, Leiterin Happy Science Schweiz

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