Konko-kyo

Die Lehre des goldenen Lichts

Der Gründer von Konko-kyo kam 1814 als Genshichi Kandori im Ortsteil Kandori des Dorfes Urami, heute Konko, nach Konko-kyo benannt, in einer Farmerfamilie zur Welt. Da er als zweiter Sohn nicht erben würde, wurde im Alter von elf Jahren seine Adoption geplant. Kumejiro und Iwa Kawate, ein selbst wohlhabenderes, aber kinderloses Farmerpaar aus dem Nachbardorf, welches heute auch zu Konko gehört, nahmen ihn bei sich auf und benannten ihn um zu Bunjiro Kawate oder Bunji.

Als er etwa 17 war, bekam Iwa einen Sohn, welcher aber nach fünf Jahren an einer Krankheit starb. Nur wenige Wochen darauf starb auch der Adoptivvater, ebenfalls an einer Krankheit, im Alter von 66 Jahren. Darauf wurde der 23-jährige Bunjiro zum neuen Familienoberhaupt. Er änderte nach dem Testament Kumejiros den Familiennamen auf Akazawa und wenig später wurde seine Hochzeit mit Tose Furukawa arrangiert.

Da Bunji viel und hart arbeitete, war er in der Lage seinen Landbesitz zu erweitern und er baute viele zusätzliche Gebäude, wie Lagerhäuser. Damals glaubte man an Konjin, einen aus China eingeführten unheimlichen Gott, der mit den Himmelsrichtungen in Verbindung gebracht wird. Da er brutal sein und Menschen mit Flüchen bestrafen soll, hat Bunji bei den Bauten streng darauf geachtet, nicht in diejenige Richtung zu bauen, in der sich Konjin zu der jeweiligen Zeit befinden sollte. Allerdings erlebte Bunji viele Tragödien: Er verlor drei Kinder und zwei Ochsen, welche für Farmer beinahe so wertvoll waren, wie Familienmitglieder. Mit 42 Jahren, ein für Japaner gefährliches Alter, da man es als „shi-ni“ lesen kann, was phonetisch gleich ist wie der japanische Ausdruck für Tod, bekam Bunjiro eine Kehlkopfentzündung und er konnte weder sprechen noch schlucken. Er war dem Tode nahe und die Familie befürchtete, dass Bunjiro trotz allem Konjin verägert hatte. Man liess Toses Bruder, Jiro, für ihn beten. Dieser wurde dabei aber von Konjin besessen und bestätigte die Befürchtungen, worauf Bunji zu beten und sich entschuldigen begann. Konjin vergab ihm und Bunjiros Zustand verbesserte sich.

1859 bekam er von Konjin, den Bunji im Gegensatz zum Volksglaube als wohlwollenden Gott sah, den Auftrag, Menschen, die trotz ihres Glaubens an die Götter Probleme hatten, mithilfe Mediation zu helfen. Er fungierte fortan als Mittler zwischen ihnen und Gott. Dies war die Geburtsstunde von Konko-kyo.

Konko-kyo, zu Deutsch die Lehre des goldenen Lichts, verehrt Tenchi Kane no Kami, was Gott des goldenen Universums bedeutet und der von Bunjiro Kawate neugegebene Name Konjins ist. Der Körper dieses Gottes ist das gesamte Universum, und er ist Vater und Mutter aller Menschen, da Jeder bei der Geburt ein Stück seines Geistes erhählt. Er möchte Alle unterstützen und beschützen. Obwohl der Einfachheit wegen oft das Pronomen „er“ für ihn benutzt wird, ist er eigentlich geschlechtslos.

Die Menschen sollen sich an den Weg des Universums halten und die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Die Natur zu verändern und mithilfe Technologien und Wissenschaft sich das Leben angenehmer zu machen, führt zu Umweltverschmutzung und anderen Problemen. Wer sich aber daran hält und wer Tenchi Kane no Kamis Wunsch, den Menschen zu helfen, sie von ihren Problemen und ihrem Leid zu befreien, ausführt, kann zu einem Ikigami, einem lebenden Gott und einer Erweiterung Tenchi Kane no Kamis werden. Ein Ikigami ist aber kein Wesen mit spirituellen Kräften, sondern eine Person, die dem Ideal entspricht und die Welt zu einem glücklichen Ort machen will. Von solchen Leuten ist Tenchi Kane no Kami abhängig, denn nur durch sie kann er wirken und existieren. Umgekehrt sind die Menschen auch abhängig von Tenchi Kane no Kami, da sie ohne Luft, Wasser und Nahrung nicht überleben können.

Die Kirchen in Konko-kyo stehen Jedem offen, ganz gleich, welcher Religion, ethnischen Gruppe, Geschlecht, Hintergrund und sexueller Orientierung sie angehören. In den Kirchen wird normalerweise die Mediation, oder Toritsugi, von einem Pfarrer durchgeführt. Jemand, der ein persönliches Anliegen hat, erzählt in einem Zwiegespräch dem Pfarrer davon, welcher zuhört und es an Tenchi Kane no Kami weiterleitet, um danach dessen Antwort, oft das Problem in Perspektive stellend, damit selbst eine Lösung gefunden werden kann, an den Hilfesuchenden weiter zu geben. Obwohl in der Kirche Toritsugi von einem Pfarrer ausgeführt wird, wo es in einem Buch unter Schweigepflicht dokumentiert wird, werden alle Mitglieder dazu ermutigt im Alltag ihren Mitmenschen auf diese Weise zu helfen und den Glauben zu verbreiten. Jede Person kann und soll zum Mediator werden. Diese Funktion wird zuweilen auch Ikigami Konko Daijin genannt, was ursprünglich die volle Bezeichnung von Bunjiro Kawate war. Bunji liess sich von der Gottheit auch andere Namen geben, doch war Ikigami Konko Daijin der Letzte, welchen er 1868 auch in seinem Namensregister eintragen lassen wollte, und ohne dem Ikigami wurde Konko Daijin, oder Daijin Konko in der westlichen Schreibweise, da in Japan zuerst der Familienname genannt wird, sogar als sein neuer Name akzeptiert.

Konko-kyo Mitglieder glauben weder an den Himmel noch an die Hölle. Da bei der Geburt ein Teil des Geistes von Tenchi Kane no Kami einfährt, ist Jeder bereits zu Lebzeiten ein Geist und beim Tod kehrt man lediglich zu Tenchi Kane no Kami zurück, um als ein Ganzes weiter zu existieren und den Menschen zu helfen. Dies geschieht mit Jedem, unabhängig von Verhalten oder Glaube zu Lebzeiten.

1883 verstarb Bunjiro Kawate im Alter von 69 Jahren. Sein Nachfolger war sein fünfter Sohn, der sein Amt bereits nach zehn Jahren als 40-jähriger mit seinem Tod aufgab. Dessen ältester Sohn nahm mit 13 den Titel als dritter Konko an. Der erste Sohn des dritten Konko wiederum wurde zum vierten Konko ernannt, dessen ältester Sohn der derzeitige und fünfte Konko ist. Sein Name ist Heiki Konko und er wurde am 31. Oktober 1934 geboren. Seit 1959 assistierte er seinem Vater bis zu dessen Tod am 10. Januar 1991. Am 27. März 1991 wurde er zum fünften Konko. Er soll seither bis auf wenige Ausnahmen 365 Tage im Jahr in der Main Worship Hall von 03.45 – 16.40 Uhr beten, abgesehen von ein paar Pausen.

Zwar ist Konko-kyo nicht die einzige neue religiöse Bewegung mit diesem Merkmal, trotzdem ist auffallend, dass um Konko-kyo beizutreten nicht verlangt wird, seinen bisherigen Glauben abzulegen. Beide können parallel gelebt werden. Ausserdem gibt es bei Konko-kyo selbst für den Klerus keine Einschränkungen, wie Essvorschriften oder das Zölibat. Tabus, die beispielsweise durch Aberglauben, wie die Bauvorschriften aufgrund des Glaubens an Konjin, entstehen, sollen nicht ernstgenommen werden. Weiter werden von den Gläubigen keine Spenden oder Zahlungen erwartet.

Die Ausbreitung der Bewegung im Ausland begann 1919 in Nord Amerika. 1926 fand sie Anschluss in Hawaii, wo 1954 die Konko Missions in Hawaii (KMH) gegründet wurden. 1961 folgte die Gründung der Konko Churches of North America (KCNA). 1964 begann Konko-kyo in Brasilien Fuss zu fassen. 1994 fand das erste Treffen in Europa statt, in England, Deutschland, Spanien und Frankreich, ein Jahr darauf wurde das erste Treffen in Malaysia veranstaltet. Das Konkokyo Asuncion Activity Center in Paraguay wurde 1996 aufgebaut. Zuletzt, im Jahr 2000, wurde in Korea das Konkokyo Soeul Activity Center etabliert. Im selben Jahr ist Heiki Konko mit seiner Frau nach Hawaii gereist, um die Jubiläumszeremonie von KCNA und KMH zur 100-jährigen-Unabhängigkeit Konko-kyos zu besuchen. Anschliessend hielt Heiki Konko eine Rede auf Englisch.

Konko-kyo beteiligt sich auch an internationalen wohltätigen Projekten, die sie als Peace Activites bezeichnen.

Zurück zu Neue religiöse Bewegungen/neue Religionen in Japan