Buddhistische Gemeinschaften Jodo- Shin

Nachdem der alte Buddhismus während Jahrhunderten den einzelnen Menschen vor die Aufgabe gestellt hatte, selber, nur vom Beispiel des Buddha inspiriert, den Weg der Erlösung zu gehen und nachdem sich im chinesischen und japanischen Zen-Buddhismus das eigene Erlösungsstreben bis in die Paradoxie eines weglosen Weges hineingesteigert hatte, war im Mahayana erst die Ahnung, später die gläubige Erfahrung aufgebrochen, dass jener Mensch die grosse Freiheit findet, der sich diese Freiheit schenken lässt. Denn alles eigene Bemühung um Erleuchtung ist, wie schon der alte Buddhismus wusste, auch noch ein letzter Ausdruck jener Gier, die den Menschen ewig in den Kreislauf des Leidens hineinbindet. (Kurz: Wer das Nirvana gierig sucht, wird es nie finden.) Die radikale Konsequenz aus dieser alten Erkenntnis zieht erst der Amidaglaube mit seinem Vertrauen auf die den bedrängten und hoffnungslos verlorenen Menschen rettende göttliche Macht. Innerhalb der breiten Amida-Bewegung, ursprünglich wohl auf eine vorbuddhistische Lichtgottheit zurückgehend, wird jene göttliche Liebe zum Leitbild, die niemanden im Stich lässt, der sie anruft und ihr vertraut. Amida führt alle, die ihn vertrauensvoll anrufen, nach diesem Leben in sein reines Land (eine Art paradiesische Vorstufe zum letzten Erlöschen). Innerhalb der japanischen Amida-Frömmigkeit, meist Schulen des Reinen Landes genannt, sind, was das Wissen um die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen und die Bedeutung der göttlichen Gnade betrifft, die Shin-Gruppen die radikalsten.

Im 12. Jhdt. gründete Honen Shonin (1133– 1212) die Jodo-Schule (oder Schule des «Reinen Landes»). Nach dem Tod seines Nachfolgers Shinran bildeten sich aus der neuen Bewegung verschiedene Jodo- (oder Jodoshu-) und Shinshu-Gruppen. Man trennte sich vor allem über der Frage, ob die einmalige blosse Anrufung Gottes genüge oder ob das sich Gott zuwendende Vertrauen sich noch durch andere Zeichen bestätigen müsse. Die Jodo-Shin-Gemeinschaften rufen Amida-Buddha (oder Amitabha-Buddha) an, den «unermesslichen Glanz Habenden». Alle die ihn anrufen und verehren, werden, das ist ihr Vertrauen, im «Paradies des Westens» d.h. «im reinen Land» wiedergeboren und in ununterbrochener Freude leben, bis sie schliesslich das Nirwana erreichen.

Jodo-Shinshu bedeutet «Wahre Schule des Reinen Landes» und ist die wichtigste Schule des japanischen Reines-Land-Buddhismus (oder Amidabuddhismus) Weil nur die Gnade in die Befreiung führt, kennt Jodo- Shinshu kein Mönchs- und Nonnentum, sondern nur verheiratete Priester(innen). Auf Bildung wird grosser Wert gelegt; die meisten buddhistischen Universitäten, Colleges und Mittelschulen Japans sind Gründungen von Shin-Buddhisten. Das Wissen um die überragende Bedeutung der göttlichen Gnade führt paradoxerweise, wie im calvinistischen Christentum, nicht zu moralischer Passivität, sondern zu einem über- durchschnittlich aktiven kulturellen, resp. wirtschaftlichen Engagement. Wer keine Leistungen mehr erbringen muss, erbringt sie gerne.

Anzahl der Anhänger in Japan ca. 15 Mio im Westen einige Hunderttausend. Im 20. Jhdt. sind Vertreter der Shin-Gruppen über Amerika auch nach Europa gelangt. Die Zahl der Jodo-Shin-Gemeinschaften im deutschsprachigen Europa ist nicht sehr gross. Sie sind in ihrer Mehrzahl Mitglied der 1980 in Anvers gegründeten Association amidiste européenne (European Shin Conference).
In Europa finden sich Gemeinschaften in 7 Ländern mit insgesamt ca.10 Priestern.

La Société bouddhique suisse Jôdo-Shinshû
9 Rue de Fribourg
CH-1201 Genève
Tel.: +41 (0)22 347 02 21

www.pitaka.ch/societe.htm

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