Jakob Lorber und die Lorber-Kreise

Am 15. März 1840 vernahm Jakob Lorber (1800–1864), Musiklehrer aus der Steiermark, eine innere Stimme: «Stehe auf, nimm deinen Griffel und schreibe.» Das Resultat waren 25 Bände, darunter 10 Bände «Grosses Evangelium Johannis». Als dann die Schriften Lorbers mit der Zeit im Druck erschienen, sammelten sich an verschiedenen Orten Anhängerkreise, denen auch Kirchenmitglieder angehörten, ohne dass deshalb der Kirchenaustritt gefordert wurde.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein erfreuten sich Lorbers Schriften grosser Beliebtheit, in den letzten Jahrzehnten scheint das Interesse aber zurückgegangen zu sein.

In der Schweiz bestanden im 20. Jahrhundert Lorberkreise in verschiedenen Städten.  Im Jahr 1997 hat sich der Lorberkreis Luzern für Personen aus anderen Teilen der Schweiz geöffnet, so dass er zum Kreis der Schweizer Lorberfreunde wurde. Der Kreis arbeitet mit dem Swedenborg Zentrum Zürich zusammen.

Lorber beschäftigt sich in seinen Schriften mit dem Kosmos und den Menschen, mit der himmlischen Urgeschichte, dem Leben nach dem Tod u.a. Das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe ist ihm das «Reichsgrundgesetz».

Die Lorber-Schriften gelten für deren Anhänger als Neuoffenbarungen, der Bibel ebenbürtig. Die Darlegungen tragen jedoch das Gepräge des 19. Jahrhunderts und erwecken den Eindruck, der Verfasser sei bestrebt, das Evangelium den Menschen seiner Zeit geniessbar zu machen. Jesu Wirken wird breit ausgemalt und ergänzt und neben Gottes Gnade wird die menschliche Leistung betont. Einzelne Erkenntnisse fallen ins Fantasy-Genre, so die Aussagen über die Himmelskörper in unserem Sonnensystem mit detaillierten Beschreibungen der dort angeblich existierenden Lebensformen. (Die natürliche Sonne. Seherische Schilderung der Zustände und Bewohner auf unserer Sonne und ihren Planeten, geoffenbart durch Jakob Lorber, Lorber Verlag Bietigheim 1928, 3. Aufl.)

Die Lorber-Anhänger haben sich zu losen Kreisen zusammengeschlossen, verbunden lediglich durch den Lorber-Verlag und die Schriften Lorbers. Diese werden auch in esoterischen, spiritistischen und UFO-Kreisen geschätzt.

Kritische Lesende bewerten die 10 Bände «Johannes, das grosse Evangelium» von Lorber als ein manchmal bibeltextnaher, manchmal hemmungslos spekulativer und immer wieder lehrmässig ausufernder Jesusroman, dessen grösster Fehler wahrscheinlich darin liege, dass er sich uns nicht als Roman, sondern als Offenbarung präsentiert.

Die Zahl der Lesenden in Lorbers Schriften ist in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Nach wie vor existiert ein Kreis der Schweizer Lorberfreunde mit Veranstaltungen im Raum Luzern und im Swedenborg Zentrum in Zürich.

Kreis der Schweizer Lorberfreunde
Rolf Meyer
Gämpi 46
6043 Adligenswil
http://www.lorber.ch/

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