Jakob Lorber und die Lorber-Kreise

Am 15. März 1840 vernahm Jakob Lorber (1800–1864), Musiklehrer aus der Steiermark, eine innere Stimme: «Stehe auf, nimm deinen Griffel und schreibe.» Das Resultat waren 25 Bände, darunter 10 Bände «Grosses Evangelium Johannis». Als dann die Schriften Lorbers mit der Zeit im Druck erschienen, sammelten sich an verschiedenen Orten Anhängerkreise, denen auch Kirchenmitglieder angehörten, ohne dass deshalb der Kirchenaustritt gefordert wurde.

Lorber beschäftigt sich in seinen Schriften mit dem Kosmos und den Menschen, mit der himmlischen Urgeschichte, dem Leben nach dem Tod u.a. Das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe ist ihm das «Reichsgrundgesetz».

Die Lorber-Schriften gelten für deren Anhänger als Neuoffenbarungen, der Bibel ebenbürtig. Die Darlegungen tragen jedoch das Gepräge des 19. Jahrhunderts und erwecken den Eindruck, der Verfasser sei bestrebt, das Evangelium den Menschen seiner Zeit geniessbar zu machen. Jesu Wirken wird breit ausgemalt und ergänzt und neben Gottes Gnade wird die menschliche Leistung betont. Einzelne Erkenntnisse wirken äusserst bizarr, vor allem die Aussagen über die Himmelskörper in unserem Sonnensystem haben ausgesprochen mythische Qualität. (Die natürliche Sonne. Seherische Schilderung der Zustände und Bewohner auf unserer Sonne und ihren Planeten, geoffenbart durch Jakob Lorber, Lorber Verlag Bietigheim 1928, 3. Aufl.)

Ähnlich beurteilt der wohlwollende Kritiker die 10 Bände «Johannes, das grosse Evangelium». Es ist ein manchmal bibeltextnaher, manchmal hemmungslos spekulativer und immer wieder lehrmässig ausufernder Jesusroman, dessen grösster Fehler wahrscheinlich darin liegt, dass er sich uns nicht als Roman, sondern als Offenbarung präsentiert.

Die Lorber-Anhänger haben sich zu losen Kreisen zusammengeschlossen, verbunden lediglich durch den Lorber-Verlag und die Schriften Lorbers. Diese werden auch in neugnostischen, spiritistischen und UFO- Kreisen geschätzt.

Rolf Meyer
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www.lorber.ch

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