Ananda Marga

Ananda Marga, «der Weg zur Glückseligkeit», 1955 vom Inder Prabhat Ranjan Sarkar mit dem heutigen Namen Ananda Murti (Idol der Glückseligkeit) gegründet, verbindet religiöse Praxis mit sozialpolitischem Einsatz. Die politischen Ideen sind in der «Progessive Utilization Theory» (PROUT) niedergelegt. Ananda Marga pflegt tantrischen Yoga, bedingungslose Hingabe an Parampurusa (den männlichen Pol des Kosmos als höchstes Wesen) und an den Guru, dessen Erscheinungsform. Ebenso bedeutsam sind Sozial- lehren traditionell indischer, aber auch kommunistischer Herkunft. Der innere Kreis der «Margis» verehrt den Gründer als Baba (höchsten göttlichen Vater) und ist straff hierarchisch organisiert. Die «16 Punkte» bestimmen als Lebensregel das Verhalten. Durch tantrische Riten und Übungen (z.B. meditatives Tanzen mit Shiva- und Kalisymbolen, Messer und Totenkopf) sollen im Meditierenden göttliche Energien geweckt werden. Meditation führt bei Ananda Marga nicht wie bei anderen Bewegungen zur inaktiven Versenkung in eine Gottheit. «Die ständig zu erlebende Realität des göttlichen Seins in uns selbst schafft die Basis für alles Handeln.» So versucht Ananda Marga mit göttlichen Energien gegen das individuelle und soziale Elend in der Welt vorzugehen. Margis deuten die Kastenordnung um und wenden sich helfend auch den Elendesten Indiens zu. Weitere Sozialbewegungen von Ananda Marga mit Einzelmitgliedern in verschiedenen Ländern sind RAWA (eine Künstler- und Schriftstellervereinigung), ERAWS (Erziehungs- und Wohlfahrtsorganisation) und AMURT als Nothilfe-Gruppe. Schon im Sommer 1972 kam Karunananda als erster Vertreter des neuen Ordens nach Berlin. Bald entstanden auch in der damaligen BRD und den umliegenden Ländern verschiedene Gruppen. Im deutschsprachigen Europa veranstaltet Ananda Marga Yoga-Kurse und versucht Kindergärten einzurichten.
 Prabhat Ranjan Sarkar ist 1971 in die Untersuchungen wegen Mordes an abtrünnigen Mitgliedern einbezogen, mangels Beweisen aber 1978 freigesprochen worden. 1976/77, während des Ausnahmezustandes, war Ananda Marga in Indien verboten.

Die Vermischung von indischer Spiritualität und sozialpolitischer Ideologie, das Wecken göttlicher, ekstatischer Energien, die anschliessend vom Meister und der Gemeinschaft in vorgegebene Bahnen geleitet werden, die tantristische Auslieferung des Schülers an den Meister und die durchorganisierte Hierarchie lassen den kritischen Beobachter fragen, ob Ananda nicht fast zwangsläufig Merkmale einer totalitären Gemeinschaft entwickeln muss. Die Gleichung «mystisch + ideologisch = totalitär» hat sich schon mancherorts dem kritischen Beobachter aufgedrängt.