Spiritual Science Research Foundation (SSRF)

anderer Name: Sanatan Sanstha

älterer Name: Sanatan Bharatiya Sanskruti Sanstha

Gründer der Spiritual Science Research Foundation SSRF ist der indische Hypnotherapeut Jayant Bhalaji Athavale. Athavale wurde im Jahr 1942 im indischen Bundesstaat Maharasthra geboren, machte einen Bachelor in Medizin und Chirurgie (MBBS) und arbeitete während fünf Jahren in Spitälern in Mumbai. 1971-1978 absolvierte Athavale eine Ausbildung in klassischer Hypnotherapie in Grossbritannien. Zwischen 1983 und 1987 soll Athavale verschiedene spirituelle Meister in Indien aufgesucht haben, unter anderem Bhaktaraj Maharaj (1920-1995) in Indore, Madhya Pradesh, der in der Tradition des Sai Baba von Shirdi stand und das Chanten, das Singen des Gottesnamens als die angemessene spirituelle Praxis in der heutigen Zeit lehrte. Im Jahr 1987 wurde Jayant Bhalaji Athavale von Bhaktaraj Maharaj initiiert und in der Folge zur weltweiten Verbreitung seiner Lehre beauftragt.

1990 gründete Jayant Bhalaji Athavale die Organisation «Sanatan Bharatiya Sanskruti Sanstha» («Ewige indische geweihte Ordnung»), deren Name 1999 zu «Sanatan Sanstha» («Ewige Ordnung») verkürzt wurde. International tritt die Gemeinschaft unter dem Namen «Spiritual Science Research Foundation SSRF» auf, getreu ihrer Überzeugung, dass die Lebenspraxis, wie sie in der indischen Tradition enthalten ist, universale Gültigkeit hat und sich durch spirituelle Forschung bestätigen lässt.

Ende der Neunzigerjahre fand das serbisch-französische Model-Paar Yoya und Cyriaque Vallée zu Jayant Bhalaji Athavale. Die beiden haben in der Bewegung eine wichtige Stellung inne und sind wesentliche Werbeträger.

Im Februar 2020 hielt ein bekannter Bündner Unternehmer, der im Jahr 2018 zur SSRF gefunden hat, einen Werbevortrag für die Lehren der SSRF an einer Parallelveranstaltung zum World Economic Forum WEF in Davos:
https://stage.spiritualresearchfoundation.org/spiritual-blog/de/herr-hans-martin-heierling-halt-einen-ssrf-vortrag-auf-einer-veranstaltung-die-wahrend-des-weltwirtschaftsforums-stattfindet/

Die Spiritual Science Research Foundation SSRF vertritt ein neohinduistisches Weltbild mit ausgeprägt endzeitlichen und utopischen Zügen. Die traditionelle Zeitalterlehre des Hinduismus wird so gedeutet, dass das gegenwärtige Kali Yuga unmittelbar dabei ist, durch apokalyptsiche Ereignisse hindurch in ein neues goldenes Zeitalter mit idealer Gesellschaft umzuschlagen.

In diesem Zusammenhang hat SSRF auch konkrete Daten genannt, so wurde Mitte der 2000er Jahre erwartet, dass zwischen 2013 und 2018 ein Dritter Weltkrieg mit dem Einsatz von nuklearen Massenvernichtungswaffen stattfindet, der 2019 in eine bis 2024 dauernde Übergangsphase zur Etablierung einer idealen Gesellschaft mündet. Um 2016 wurde dieser Ablauf dahingehend korrigiert, dass der Dritte Weltkrieg mit atomaren Zerstörungen nun zwischen 2019 und 2023 dauern soll, wogegen die Übergangsphase verkürzt wurde. Am Startzeitpunkt 2025 für die neue Gesellschaft wurde festgehalten.

Unter «Spiritual Science Research» versteht SSRF eine im Gegensatz zu den modernen Naturwissenschaften stehende spirituelle Forschung, die sich esoterischer Methoden wie Pendeln oder intuitiver Schau bedient.

Als wirksamste spirituelle Praxis im gegenwärtigen Kali-Yuga und als Schutz vor den Ereignissen des Dritten Weltkriegs empfiehlt die Spiritual Science Research Foundation SSRF das Chanten, das Singen des Gottesnamens. Gesungen werden kann der Name der Gottheit, mit welcher die betreffende Person aufgewachsen ist. Menschen, die ohne Religion aufgewachsen sind, wird das im Hinduismus ausgesprochen beliebte Mantra «Om Nama Bhagavate Vasudevaya» empfohlen, das sich an Krishna richtet. Daneben gibt es Mantras für bestimmte Problemkonstellationen, wer etwa von Vorfahrengeistern belastet wird – was nach Ansicht von SSRF bei den meisten Menschen der Fall ist, weil die traditionellen hinduistischen Begräbnisriten nicht beachtet werden -, soll etwa «Sri Gurudev Datta» chanten.

Stilles, innerliches Chanten gilt gegenüber gesungenem Chanten als erstrebenswerter.

Daneben werden unzählige Tipps aus der traditionellen hinduistischen Lebensführung verbreitet, die durch «spirituelle Forschung» in ihrer Wirksamkeit bestätigt seien und universale Gültigkeit hätten. So wird etwa der indische Namaste-Gruss als spirituell förderlich beschrieben, wogegen westliche Formen der Begrüssung, aber auch die in Ostasien übliche Verbeugung als spirituell schädlich dargestellt werden. Für Frauen gilt das Tragen des indischen Saris als spirituell gesehen besser als Kleidungsformen aus anderen Kulturen. Schmuck wirke, so wird gelehrt, sich dann am positivsten aus, wenn er aus Gold besteht und runde Formen aufweist. Schmuck aus Kunststoff und mit spitzen Formen habe demgegenüber negative Konsequenzen. Abgesehen von Ohrringen werden Piercings und Tattoos als problematisch gewertet. Auch für die Körperpflege werden traditionell indische Gebräuche empfohlen.

Vegetarische Ernährung gilt als hilfreich, unter den Getränken gilt Kuhmilch als das spirituell förderlichste. Drogen, Alkohol und Kaffee werden als spirituell problematisch gesehen. Milch im Kaffee kann dessen schädliche Wirkung mildern.

Wo mehrere Mitglieder geographisch benachbart wohnen, treffen sie sich zum «Satsang».

Die Mitglieder werden motiviert, sich für die SSRF und die Verbreitung von deren Weltanschauung aktiv zu engagieren, z.B. durch die Organisation von Werbevorträgen.

Die Spiritual Science Research Foundation kennt einen strukturierten Ablauf der spirituellen Entwicklung. Auf oberster Stufe steht der «Paratpar Guru» Jayant Bhalaji Athavale. Eine Stufe tiefer stehen die «Sadgurus», zu denen auch Cyriaque Vallée zählt. Unter ihnen kommen die «Heiligen» oder «Gurus». «Heiligkeit» ist bei der SSRF ein Stand, der zu Lebzeiten verliehen wird. Einfache Mitglieder heissen «Schüler», wenn sie fortgeschrittener sind, oder «Gottsuchende». Unter diesen stehen die «Interessierten».

Von der Spiritual Science Research Foundation SSRF sind keine Mitgliederzahlen bekannt.

Die deutschsprachige Facebook-Seite von SSRF zählt zurzeit knapp 4’000 Abonnierte.

In der Schweiz finden sich einzelne sehr aktive Mitglieder.

In Indien ist Sanatan Sanstha hochumstritten. In kritischer Sicht gilt Sanatan Sanstha als hindu-fundamentalistische Organisation, die eine vom Hinduismus geprägte Gesellschaft anstrebt.

Mit ihrer Botschaft des unmittelbar bevorstehenden Dritten Weltkriegs und ihren Aufrufen zur konkreten Vorbereitung auf diesen erscheint die Spiritual Science Research Foundation als hinduistische Endzeitgemeinschaft.

Kritisch gesehen werden auch die wiederholten Behauptungen der SSRF, dass traditionelle Riten und Bräuche nichtindischer Kulturen spirituell problematisch oder gar schädlich seien. In kritischer Sicht handelt es sich hier um eine systematische Abwertung anderer Kulturen.

Sanatan Sanstha
https://www.sanatan.org/en/

Spiritual Science Research Foundation SSRF
https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/

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