Salafismus

Salafismus versteht sich als fundamentalistisch und extremistisch, der den Islam von dem reinigen will, was nach Mohammed dazugekommen ist. Dabei ist der Salafismus am ehesten als Ideologie zu bezeichnen. Eine die alles vereinfacht und einfache Antworten auf alle Fragen im Leben liefert.

(Said und Fouad 2014)

Zum Salafismus gibt es verscheidene Eigenbezeichnungen:

  • Salafis oder Salafiyya
  • Ahl al-Hadith (Leute der Prophetenüberlieferung)
  • Ahl al-Sunna wa-l-Jama’a (Leute der Prophetentradition und der Gemeinschaft)
  • Atharis (athar = Tradition, überlieferter Bericht; Atharis = Leute, die sich auf die überlieferten Berichte aus der Frühzeit des Islams berufen)
  • Muslime

(Said und Fouad 2014, 23–51)

Der Salafismus war bereits in den 1990er Jahren bekannt, tratt allerdings erst wirklich seit 2010 in den Fokus der Öffentlichkeit.

(Said und Fouad 2014, 19–22)

 

Salafiyya

Unter Salafiyya ist auch eine andere Bewegung bekannt, eine Reformbewegung um die Wende des 20.Jahrhunderts. Sie entstand aus einer Reaktion auf den Kolonialismus. Im Gegensatz zum heutigen Salafismus steht die Bewegung jedoch für eine Vereinbarkeit von Islam un Moderne.

Trotzdem hatte die Salafiyya einen Einfluss auf den heutigen Salafismus und hat diesen mitgeprägt.

(Nedza 2014)

 

Quietisten, politische Salafisten und Jihadisten

Innerhalb des Salafismus gibt es drei Hauptgruppen, die Puristen oder Quietisten, die politischen Salafisten und die Jihadisten.

Die Quietisten halten sich von der Politik fern, während die politischen Salafisten sich aktiv einbringen und so den Staat verändern wollen. Die Jihadisten jedoch lehnen das vorherrschende Staatssystem ab und kämpfen gewaltsam dagegen.

Der Salafismus ist sehr vielfältig und nur eine Minderheit gehört zu den gewaltbereiten Jihadisten (Said und Fouad 2014, 23–51). Missionarische Aktivitäten der Quietisten, politisches Engagement des politischen Salafismus und Gewalt der Jihadisten, eine klare Trennung zwischen diesen Ströhmungen ist pure Illusion. Die Übergänge sind fliessend und nicht selten bewegen sich Salafisten innerhalb mehrerer Bereiche. Dabei gibt es auch innerhalb der einzelnen Bereiche, weitere unterscheidungsmerkmale.

(Said und Fouad 2014)

 

Quietisten

Bei den Quietisten kann nocheinmal zwischen den Distanzierten, den Loyalisten und den Propagandisten unterschieden werden.

Die Distanzierten halten sich klar von der Politik fern, die Loyalisten mischen sich nicht gross ein, unterstützen aber die politische Führung des Landes, wohingegen die Propagandisten aktiv zur Loyalität gegenüber der Führung oder des Herrschers aufrufen.

Diese Untergruppen haben zwar verschiedene Ansichten, sind jedoch keineswegs verfeindet, sondern sehen sich als Verbündete.

(Wagemakers 2014)

 

politische Salafisten

Bei den politischen Salafisten gibt es nur zwei Hauptströmungen. Die einen sind in der parlamentaren Politik aktiv, die anderen im sozialen Bereich.

(Wagemakers 2014)

 

Jihadisten

Auch bei den Jihadisten gibt es Unterschiede. Es gibt einen klassischen Jihad, der meist defensiv geführt wird und dal al-Islam (das Gebiet des Islams) gegen dal al-harb (das Gebiet des Krieges) verteidigt.

Im revolutionären Jihad werden Herrscher exkommuniziert (takfir), weil sie die Scharia nicht befolgen würden. Diese Jihadisten begründen so einen politischen Umsturtz.

Der globale Jihad richtet sich im Gegensatz zu den anderen beiden Formen nicht gegen innen sondern gegen aussen. Es sollen westliche Ziele attakiert werden, um zu verhindern, dass diese Mächte den, ihrer Meinung nach, vom wahren Glauben abgefallenen Herrschern der muslimischen Welt Unterstützung schicken.

Welche Vergehen begangen werden müssen, damit ein Herrscher des Unglaubens bezichtigt werden kann ist dabei nicht klar definiert und variiert innerhalb des Salafismus.

(Wagemakers 2014) (Nedza 2014)

 

Jugendkultur

Vor allem ist er aber eine aufstrebende Jugendkultur auch in Europa. Oft handelt es sich um Kinder muslimischer Einwanderer, die hier geboren wurden und aufwuchsen oder um Konvertiten. Dabei kann der Salafismus eine Art Ersatzfamilie bieten für Jugendliche aus schwierigen familiären Verhältnissen. Sie erfahren dort Brüderlichkeit, Verbundenheit und eine feste Struktur, die ihnen sonst in der Familie fehlen.

Ein Problem, dass Jugendliche in den Salafismus abrutschen liegt auch dabei, dass die Imame meist aus dem Ausland kommen (ca. 94%) und oft nur schlecht Deutsch sprechen. Dazu kommt, dass viele Jugendliche die Muttersprache ihrer Eltern nur schlecht sprechen und sie sich so kaum mit den Imamen unterhalten können.

Das ist bei den Salafisten anders. Sie sprechen gut Deutsch und predigen auch auf Deutsch, wobei sie eine einfache Bildsprache verwenden, die von den Jugendlichen besser verstanden wird.

Trotzdem ist es im Salafismus sehr wichtig den Koran und die Hadithe lesen zu können, weshalb Arabisch zu lernen irgendwann unerlässlich ist.

(Said und Fouad 2014)

 

Loyalität und Lossagung

Ein wichtiges Konzept des Salafismus heisst al-wala’ wa-l bara’, was übersetzt so viel bedeutet wie Loyalität und Lossagung. Dabei geht es darum gegen Innen Loyalität zu zeigen und sich gegen Aussen zu distanzieren.

Wer genau zu „Innen“ gehört und wer zum „Aussen“ ist dabei nicht immer klar ersichtlich. Was den Salafisten aber gemein ist, dass sie eine Distanzierung von den Ungläubigen wollen und so auch keine ausserislamische Hilfe annehmen wollen. Dieser Gedanken spielt bereits im Wahabismus eine Rolle, der als Vorreiter des Salafismus, durch Muhammad Ibn ‚Abd al-Wahab Ende des 18.Jh. entstanden ist.

(Said und Fouad 2014) (Wagemakers 2014)

Der Salafsimus setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen: der Glaubenslehre (’aqida), der Rechtsfindungsmethode (usul al-fiqh) und der Glaubenspraxis (manhaj).

In der Glaubenslehre des Salafismus streben die Menschen danach, einen authentischen, allumfassenden Islam, wie er in der muslimischen Frühzeit gelebt worden sein soll, wiederherzustellen.

Das kann nur mit der salafistischen Rechtsfindungsmethode erreicht werden, nachdem nur Koran und Sunna relevant sind.

Die erst später dazugekommenen Rechtsschulen, der Konsens der Rechtsgelehrten (ijma’) und der Analogieschluss (qiyas), die im sonstigen Islam eine grosse Rolle spielen, werden nicht anerkannt.

Die Salafisten betreiben eine eigene Rechtsfindung (ijtihad), inder die Texte des Korans und der Sunna stets wörtlich verstanden werden sollen. Die Durchführung dieser Gesetze äussert sich in der Glaubenspraxis, die varieren kann, je nach Ausrichtung (quietistisch, politisch-salafistisch, jihadistisch).

(Nedza 2014)

 

tauhid

Im Zentrum der salafistischen Lehre steht tauhid, der Eingottglaube.

Diese Glaubenslehre umfasst neben dem Glauben an einen alleinigen Schöpfer und Erhalter der Schöpfung auch, dass Gott allein anbetungswürdig ist, sowie Gottes Eigenschaften.

Die Salafisten glauben, dass man alle Bereiche seines Lebens und alle Handlungen auf Gott ausrichten soll. Somit wird für die Salafisten auch alles zu einer Art Ritus, anden man sich halten muss, um nicht als Ungläubiger (kufar) zu gelten. Das verleiht den Salafisten eine enorme soziale Kontrolle über ihre Anhänger

Weiter sind Salafisten der Meinung, dass nur Gott allein angebetet werden darf, also auch keine Mittler oder Heiligen. Ausserdem plädieren sie für eine wörtliche Auslegung der Texte. Dabei ist Gott dem Menschen ähnlich, aber nicht gleich.

Zur Beschreibung Gottes werden die selben Begriffe gebraucht, wie beim Menschen, diese haben aber einne andere Beschaffenheit. Gott hat nach den Salafisten eine Gestalt, nur kennt diese der Mensch nicht.

Das salafistische Gottesbild zeichnet sich also dadurch aus, dass Gott andersartig ist, nicht unbedingt transzendent.

Wenn es um die Beschreibung und die Attribute Gottes geht, gibt es verschiedene Auslegungen innerhalb des Islams. Es gibt die spekulative Theologie, welche Beschreibungen metaphorisch deutet, Traditionalisten und Hanbaliten, welche keine Spekulation über eine Deutung anstellen und die Beschreibungen einfach so akzeptieren wie sie sind, da die Deutung nur Gott bekannt sei.

Weiter gibt es die Anthropomorphisten, die alle Beschreibungen wörtlich nehmen und so einen menschlichen Gott kreieren und die Entleerer, die alle Beschreibungen Gottes ablehnen.

Die Position der meisten Salafisten ist die des transzendentalen Anthropomorphismus, wobei alle Beschreibungen Gottes akzeptiert werden. Sie nehmen diese wörtlich mit einer andersartigen Deutung. Das heisst, wenn die Rede von einer Hand Gottes ist, dann gehen siedavon aus, dass Gott eine Hand hat, nur ist diese andersartig beschaffen und kann vom Menschen nicht erfasst werden. Diese Wörter wie Hand oder auch Handlungen Gottes, werden gebraucht um etwas zu beschreiben, was der Mensch nicht fassen kann

Die Salafisten glauben also an einen Gott mit anthropomorphen Zügen, betonen dabei aber seine Andersartigkeit. Diese Position wird auch vom Salafisten Pierre Vogel vertreten, der vor allem in Deutschland aktiv ist

(Gharaibeh 2014)

 

Gewalt

Laut den Salafisten ist es die Pflicht von Muslimen Ungläubige zu töten. Ausserdem fordern sie die Anwendung der Scharia als Gesetzesgrundlage.

Für sie ist der Islam nicht nur eine Religion, sondern auch eine Herrschaftsideologie. „Menschen haben nicht das Recht, politische Systeme zu entwerfen und zu etablieren.“ (Farschid 2014, 177)

Demnach sei es unzulässig, dass Menschen eigene Gesetze erlassen, da sie gegen Gottes Regeln verstossen und somit zu Ungläubigen werden.

Einige Salafisten behaupten gar, dass jeder der sich an der Demokratie beteiligt, wählen geht, kein Muslim ist. Salafisten rufen auch im deutschsprachigen Raum die Muslime dazu auf, weltliche Gesetze nicht anzuerkennen und zu befolgen.

Die Demokratie ist jedoch nicht der einzige Feind. Die Juden und Christen, wie auch alle nicht salafistischen Muslime, vor allem die Schiiten und Mystiker, werden als Feinde Gottes und der Gläubigen gesehen.

Die Argumentation, dass diese Religionen laut Koran schützenswert sind, da sie auch monotheistische Schriftreligionen sind, lassen die Salafisten nicht gelten. Jene Muslime, die diese Argumentation vertreten, werden ebenfalls als Ungläubige bezeichnet.

Im Salafismus herrscht aber auch ein grosser Antisemitismus. Salafisten leugnen öffentlich den Holocaust und behaupten das wäre nur Propaganda.

Ausserdem sprechen sie von einer jüdischen Weltverschwörung und davon, dass Israel um jeden Preis vernichtet werden muss, da die Juden kein Recht auf einen eigenen Staat hätten.

(Farschid 2014)

 

Jihad

Für die Salafisten ist der Jihad sowohl Verteidigungs- als auch Volksrecht und geht zurück auf islamrechtliche Bestimmungen aus dem Mittelalter.

Dabei befürworten Salafisten klar den militanten Jihad, was sie unter anderem rechtfertigen, indem sie von einer weltweiten Verteidigungssituation der Muslime sprechen.

Diese Form des Jihad wird defensiv verstanden und findet ausschliesslich in muslimischen Staaten statt.

Jihadistische Salafisten aber befürworten auch einen offensiven Jihad, der sich gegen die Zivilbevölkerung auch in westlichen Staaten richtet. Dabei wird der Jihad als 6. Glaubenspflicht verstanden, und nur wer persönlich in den jihad zieht, kann ein wahrer Muslim sein.

In der allgemeinen muslimischen Lehre kann der Jihad nur von einem legitimen politischen Führer zur Verteidigung ausgerufen werden.

Gruppierungen wie der IS oder al-Qaida tun dies auch ohne einen solchen. Sie rufen selbst den Jihad aus, weil sie glauben, dass es heute keine wahren muslimischen Herrscher mehr gäbe.

Die Salafisten legen einen offensiven Jihad als Verteidigungsmassnahme aus. Begründungen für einen Jihad sind: der „Vernichtungskrieg“ des Westens gegen den Islam, die Vergeltung von Kriegen fremder Staaten, unislamisches Regieren, die Verumglimpfung des Islams und so weiter.

Für ihren Jihad rekrutieren Salafisten auch in Europa Kämpfer. Sie versuchen meist junge Muslime zu radikalisieren, die religionsfern aufgewachsen sind oder konvertiert sind. Das gelingt ihnen unter anderem, weil sie den Jugendlichen eine Identität bieten, wenn auch eine negative.

Viele Jugendliche verüben keine Anschläge in westlichen Ländern, sondern gehen ins Ausland. Sie lockt die Romantik gegen einen Feind zu kämpfen mit der Waffe in der Hand.

Eng verbunden mit dem Jihad ist der Terrorismus. Dieser ist klar negativ konotiert und immer politisch motiviert. Was allerdings negativ ist, liegt stets im Auge des Betrachters und nicht alle Salafisten sind auch Terroristen.

Die einen legen den Fokus auf Mission, andere mehr auf Gewalt, doch die Übergänge sind fliessend. Welche Salafisten nun in den Jihad ziehen oder nicht, hängt nicht direkt von der Auslegung ab. Die verschiedenen Meinungen zum militanten Jihad entstehen dadurch, dass die momentanen Umstände für die Muslime auf der Welt unterschiedlich interpretiert werden.

Religion und Gewalt sind in der Menschheitsgeschichte oft miteinander verbunden, was auf die Religion als Moralträger zurückgeht.

Die Gewalt dient in der Regel dazu, die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu ändern. „Sogenannte religiöse Gewalt hat oftmals also weniger religiöse – im Sinne von transzendentalen – Ursachen, sondern ist vielmehr Ausdruck weltlicher Machtansprüche im Gewand der Religion.“ (Said 2014, 201)

Im Falle des salafistischen Jihads sind die Ziele der Sturz der Regime im Nahen Osten und die Vernichtung Israels. Dazu üben sie Druck auf den Westen aus, der diese Regime unterstützt.

(Said 2014) (Farschid 2014)

 

Im deutschsprachigen Raum

In den 1990er Jahren entstanden die ersten salafistischen Zentren in Europa. Damals war die Bewegung noch sehr klein und hatte pro Staat nur einige Hundert Anhänger, heute sind es mehrere Tausend.

Das wichtigste Medium der Salafisten ist das Internet. Darüber hinaus organisieren sie mehrtägige Seminare und Votrtäge zu islamischen Themen. Ihr Ziel ist es möglichst viele Menschen anzusprechen und ihr Alltagsleben zu ritualisieren.

Dabei zeigt sich die wichtigste Anziehungskraft des Salafismus: das Gemeinschaftsgefühl.

Der Salafismus im deutschsprachigen Raum besteht aus einem Netzwerk von unabhängigen Predigern und Vereinen, die teilweise miteinander konkurrenzieren, um Mitglieder und um Ressourcen. Finanziert werden sie in der Regel von deutschen oder Schweizer Muslimen, erhalten aber auch Unterstützung aus Saudi-Arabien und Ägypten.

In Deutschland gründete 2005 der Konvertit Pierre Vogel zusammen mit Ibrahim Abou-Nagie „Die Wahre Religion“ (DWR).

Sie verbreiteten ihre Lehre vor allem als Voträge im Internet. 2008 kam es wegen Differenzen zu einem Bruch untereinander und Pierre Vogel verliess die DWR.

Dieser wurde indes zu einem Star-Prediger in Deutschland. Darauf gründete er zusammen mit Muhamed Ciftci das Missionsprojekt „Einladung zum Paradies“, dass sich 2009 mit dem Missionsprojekt „Boot der Rettung“ zusammenschloss.

2011 kam es zur Wiedervereinigung von Vogel und Abou-Nagie. Letzterer gründete auch noch im selben Jahr die Aktion „Lies!“, die kostenlose deutsche Koranübersetzungen an Nicht-Muslime verteilt.

In der Schweiz wurde 2010 der Islamische Zentralrat Schweiz (ISZRS) vom Konvertiten Nicolas Blancho gegründet. Diese Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, dass in der Schweiz die islamische Identität stärker respektiert wird.

(Wiedl 2014) (Amghar 2014)

 

Attraktivität des Salafismus

Vor allem Jugendliche, die mit ihrer aktuellen Lebenssituation unzufrieden sind, erkennen sich im Salafismus wieder. Sie sehen in ihm eine Perspektive, die ihnen Halt und Sinn gibt.

Diese Jugendlichen haben in der Regel überhaupt kein religiöses oder theologisches Wissen, wurden also nie in einer Religion sozialisiert. Folglich wissen sie oft nicht, wie mit solchen Inhalten umgegeangen werden kann.

Oft fehlt diesen Jugendlichen auch eine positive Bezugsperson im Leben, was häufig an zerbrochenen Familienverhältnissen und Verlust von Familienmitgliedern liegt.

Der Salafismus bietet ihnen Antworten auf alle ihre Fragen, und das verständlich und einfach. Der Salafismus behauptet die einzige Wahrheit zu sein, womit sie den Jugendlichen eine Garantie auf das Paradies geben können.

Ausserdem bietet die salafistische Weltanschauung eine Eindeutigkeit, die sonst in der Gesellschaft nicht zu finden ist. Sie macht eine genaue Trennung zwischen Gut und Böse, Falsch und Richtig, was die Welt enorm vereinfacht.

Der Salafismus bietet den Jugendlichen zudem Halt und Ordnung. Viele sind, wegen einem Mangel an Autorität in ihrem Leben, auf der Suche nach einem starken Führer, der ihnen den Weg weist.

Der Salafismus kann das Bedürfnis dieser Jugendlichen nach Stabilität, Orientierung und Zugehörigkeit befriedigen und ihnen eine salafistische Identität verschaffen. Auch wegen der egalitären Gemeinschaft von Gleichen unter Gleichen im Salafismus fühlen sich Jugendliche davon angezogen. Sie finden dort keine Hierarchie durch Herkunft oder durch Ansehen und Reichtum von Familien.

Auch die salafistischer Kleidung bietet einen Anreiz für Jugendliche. Sie können sich damit von anderen abgrenzen.

Dieses Fremdsein wird dann innerhalb des Salafismus zur Überlegenheit, den nur sie stehen auf der Seite der Gerechtigkeit und haben die Gewissheit, dass der Islam siegen wird.

Ein weiterer Anreiz für die Jugendlichen ist die Distanzierung von den Eltern und deren Lebensplanungen. Sie möchten sich gegen ihre Familien und die Gesellschaft auflehnen, provozieren und protestieren.

(Dantschke 2014)

 

Frauen

Die salafistische Ideologie spricht dabei Männer und Frauen gleichermassen an. Mädchen und Frauen aus traditionell muslimischen Familien sind oft mit Ungerechtigkeiten konfrontiert. Ihnen werden viele Regeln auferlegt, die für Männer und Jungen nicht gelten.

Im Salafismus finden sie aber eine vermeintliche Gleichberechtigung. Dort haben Frauen wie Männer ihre Pflichten und Regeln.

Dabei bleibt jedoch die Dominanz der Männer unbestritten.

Andere Frauen, auch aus nicht-muslimischen Familien, wenden sich dem Salafismus zu, weil sie dort Anerkennung finden.

Sie werden dort in ihrer klassischen Frauenrolle, als Mutter, Ehefrau und Hausfrau, anerkannt und geachtet. Das wird in der heutigen westlichen Gesellschaft kaum mehr in diesem Masse geschätzt.

(Dantschke 2014)

 

Prävention

Um dem Salafismus entgegenzuwirken braucht es für die Jugendlichen alternative Lebens- und Gesellschaftsentwürfe.

Gefragt ist dabei vor allem die Jugendarbeit, aber auch die Erziehungsarbeit in den Familien selbst. Den Jugendlichen muss eine Zugehörigkeit und eine Selbstverständlichkeit auch im Islam vermittelt werden. Sie müssen ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen.

Im familiären, wie auch im schulischen Umfeld sollte ein bewusster Umgang mit Religion gefördert werden. Um das zu vermitteln und auch auf Augenhöhe über das Thema Religion diskutieren zu können braucht es Bindung. Die Jugendlichen müssen sich verstanden fühlen können.

Diese Förderung erhalten die Jugendlichen oft nicht in Moscheen. Diese kümmern sich meistens nicht um ihre Jugend und vermitteln ihre Werte kaum an sie weiter. Ein Problem dabei liegt auch, dass die Imame oft nicht gut Deutsch sprechen und sehr häufig überhaupt keinen Bezug zu den Jugendlichen haben.

Genau da holen die Salafisten die Jugendlichen ab, bieten was ihnen in der Familie und der Moschee versagt bleibt. Sie lehren ihnen alles und jeden ausserhalb des Salafismus zu hassen.

In einem Gespräch mit betroffenen Jugendlichen aber grundsätzlich alle Salafisten zu kriminalisieren und verteufeln ist jedoch kontraproduktiv.

Es muss immer ein Gespräch auf Augenhöhe sein und den Jugendlichen sollte vermittelt werden, dass es auch innerhalb des Islams verschiedene Positionen gibt, die nicht unbedingt der Scharia wiedersprechen.

Dass eine gute Präventionsarbeit geleistet werden kann, braucht es ein gutes Zusammenspiel von Religionsgemeinschaften, Behörden, Familien und Sozialeinrichtungen. Aber auch die Politik kann ihren Beitrag leisten.

Mit der Akzeptanz des Islams als Bestandteil der Gesellschaft und der Chancengleichheit der Muslime könnte schon viel bewirkt werden.

(Dantschke 2014)

Im Salafismus wird prinzipiell alles Neue abgelehnt, sei es Technik oder Medizin. Ausnahmen bilden dabei nur wirklich nützliche Dinge wie Handys oder Autos, Zahnbürsten dagegen werden nicht benutzt.

(Said und Fouad 2014, 23–51)

’aqida : Religiöse Glaubenslehre bzw. Doktrin

al-wala’ wa-l bara’ : Loyalität gegenüber Gott und Lossagung vom Unglauben

bis’a / bida’ : Unerlaubte religiöse Neuerung

dal al-Islam : das Gebiet des Islams

dal al-harb : das Gebiet des Krieges

da’wa : Mission

fatwa / fatawa : Nicht bindende Rechtsmeinung eines islamischen Rechtsgelehrten

hadith / ahadith : Überlieferungen des Propheten Muhammad und seiner Gefährten

hajj : Pilgerfahrt nach Mekka

hijab : Schleier oder Kopftuch

ijma’ : Konsens der islamischen Rechtsgelehrten

ijtihad : Eigenständige Rechtsfindung

jihad : Anstrengung, Einsatz

kafir / kuffar : Ungläubiger

kufr : Unglaube

qiyas : Analogieschluss, Mittel der islamischen Rechtsfindung

shari’a : Die Gesamtheit der islamischen Rechtsmeinungen

sunna : Tradition; Gesamtemenge der Überlieferungen des Propheten Muhammad

takfir : Exkommunikation

tauhid : Einheit Gottes

umma : Die Gemeinschaft aller Muslime

usul al-fiqh : Rechtsfindungsmethode

Amghar, Samir. 2014. „Quietisten, Politiker und Revolutionäre: Die Entstehung und Entwicklung des salafistischen Universums in Europa“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 381–410. Freiburg im Breisgau: Herder.

Dantschke, Claudia. 2014. „‚Da habe ich etwas gesehen, was mimr einen Sinn gibt.‘ – Was macht Salafismus attraktiv und wie kann man diesem entgegenwirken?“ In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 474–502. Freiburg im Breisgau: Herder.

Farschid, Olaf. 2014. „Salafismus als politische Ideologie“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 160–92. Freiburg im Breisgau: Herder.

Gharaibeh, Mohammad. 2014. „Zur Glaubenslehre des Salafimsu“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl. Freiburg im Breisgau: Herder.

Nedza, Justyna. 2014. „‚Salafismus‘ – Überlegungen zur Schärfung einer Analysekategorie“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 80–105. Freiburg im Breisgau: Herder.

Said, Behnam T. 2014. „Salafismus und politische Gewalt unter deutscher Perspektive“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 193–226. Freiburg im Breisgau: Herder.

Said, Behnam T., und Hazim Fouad. 2014. Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam. 2., erweiterte und verbesserte Auflage. Freiburg im Breisgau: Herder.

Wagemakers, Joas. 2014. „Salafistische Strömungen und ihre Sicht auf al-wala’ wa-l bara’ (Loyalität und Lossagung)“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 55–79. Freiburg im Breisgau: Herder.

Wiedl, Nina. 2014. „Geschichte des Salafismus in Deutschland“. In Salafismus: auf der Suche nach dem wahren Islam, herausgegeben von Behnam T. Said und Hazim Fouad, 2., erw.verb. Aufl, 411–41. Freiburg im Breisgau: Herder.

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