Sunniten und Schiiten

Obwohl Sunniten und Schiiten in vergangenen Zeiten sogar gegeneinander Kriege geführt haben, sind die Gemeinsamkeiten – besonders in der Diaspora – um einiges grösser als die Unterschiede. Eigentliche Moscheen, das heisst, Gebäude, die für diesen Zweck gebaut und von aussen auch erkenntlich sind, gibt es im deutschen Sprachraum nur einige wenige. In München wurde 1973 eine Moschee eröffnet, 1978 eine in Genf. Die weit über 1000 islamischen Zentren sind meist in bescheidenen Räumen untergebracht, so etwa in ehemaligen Fabriken oder anderen Gewerberäumen.

Die islamischen Vereine im deutschsprachigen Raum verfolgen bei aller Verschiedenheit viele gemeinsame Ziele. Zuerst einmal bieten sie die Gelegenheit, gemeinsam die Pflichtgebete zu verrichten. Die islamischen Zentren bemühen sich, zu den Zeiten der täglichen fünf Gebete ihre Masgid (Moschee; masgid=Ort der Niederwerfung, gami=versammelnd) offenzuhalten. Die Öffnungszeiten sind abhängig von den Arbeitszeiten der Aktiven sowie von weiteren Ehrenamtlichen, die nicht (mehr) berufstätig sind. Meist ist eine Koranschule für Kinder wie für Erwachsene eine wichtige Einrichtung. Als Lehrer wirken viele Freiwillige; in den Diyanet-Mescid (Masgid) sind es oft auch vom türkischen Staat bezahlte Imame. Das Niveau des Unterrichts ist unterschiedlich. Die Inhalte beschränken sich normalerweise auf das korrekte Lesen und Rezitieren des Korans in arabischer Schrift und Sprache. Nur ansatzweise geht der Unterricht darüber hinaus. Wenn möglich werden auch die Grundlehren des Islams vermittelt. Oft wird das Auswendiglernen des Katechismus (türkisch: Ilmihal) geübt.

Für viele Muslime – oft nur Männer – sind die Zentren soziale Treffpunkte. Die Mescid (Masgid) sind von Männern dominiert. Frauen haben im Idealfall eigene Räume. Manche Mescid sind zu bestimmten Zeiten Frauen und Mädchen vorbehalten. Zu jedem islamischen Zentrum gehört eine kleine Bibliothek mit wichtigen Büchern des Islams wie Koranübersetzungen und -erklärungen, Nachschlagewerken und Büchern über die Sunna. Allerdings sind normalerweise nur Bücher in der jeweiligen Landessprache vorhanden. Wissenschaftliche oder kritische Bücher fehlen meistens ganz. D

ie meisten Zentren verkaufen an ihre Mitglieder islamische Kalender, Gebetsketten etc. sowie manche Artikel des täglichen Gebrauches und Halal-Fleisch aus ritueller Schlachtung. Muslime setzen sich für die Schaffung von eigenen Friedhöfen oder Sektionen auf öffentlichen Friedhöfen ein. Einer der ältesten islamischen Friedhöfe befindet sich in Berlin. In den letzten Jahren konnten mehrere Friedhofsfelder in Betrieb genommen werden, so z.B. in Genf, Zürich und Basel. Die Mehrheit der Muslime zieht es aber vor, ihre Verstorbenen in die alte Heimat zu senden und dort zu bestatten. Dafür besteht meist eine Sterbekasse. Die bosnischen Muslime in der Schweiz haben einen Leichenwagen gekauft, mit dem die Leichen zu Selbstkostenpreisen transportiert werden können.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Versorgung der Gläubigen mit Halal-Fleisch aus ritueller Schlachtung, da in der Schweiz und in Deutschland das Schächten von unbetäubten Tieren nach wie vor verboten ist. Die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch) wird auch von islamischen Zentren organisiert, oft in Zusammenarbeit mit übergeordneten Bewegungen wie Milli Görüs.

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