Fraternitas Saturni (FS)

Wer ins Licht finden will, muss mit der Finsternis ringen. Wer mit den Schatten richtig kämpfen will, der lernt sie auch zu lieben. Der Saturngnostiker erkennt im Saturnprinzip das Dunkel, das uns das Licht bringt, den Schatten, der als Lucifer, als Lichtbringer, auf keinem Erleuchtungsweg überspielt werden darf. Saturn/Lucifer, «der mystische Bruder der Sonne» will beachtet werden und unter rechter Anleitung zum Erlösungswerk beitragen. «Der bewusste Dienst am höheren Saturnprinzip… bringt tiefste Erkenntnis. ‹Luzifer› als Morgenstern… ist nicht nur der gefallene grosse Engel Luzifer, sondern auch der Bruder von Christus. Saturn in seiner höheren Oktave ist verkörpertes tiefstes Wissen um die Reife durch das Leid. Auch hinter seinem dunklen Tore steht die Erlösung. Saturnus – der Hüter der Schwelle – leuchtet dann im milden Lichte – verzeihender, jupiterhafter Güte, denn sein Symbol hat sich dann gedreht im Spiegelbild.» (Grosche, Blätter 48, 1954). Nach Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Crowley-unabhängigen OTO Heinrich Tränkers gründete der Berliner Buchhändler und Okkultist Eugen Grosche 1928 die bekannteste Form eines Saturn-Ordens, die Fraternitas Saturni. Sie verehrt und beschwört aber bei weitem nicht nur Saturn/Lucifer, sondern in der Tradition verschiedener Okkultgruppen alle möglichen Mächte und Kräfte. Der Adept kann sich – wie bei den meisten, ausser den englischen OTOVersionen – über 33 Grade, die alle mit entsprechenden Vorleistungen, Übungen und ritueller Einweihung verbunden sind, auf der Logenhierarchie hocharbeiten. Mitgliedschaft ist ein lebenslanger Aufstiegsprozess. Die eigene Entwicklung wird von stufenhöheren Mitgliedern kontrolliert und begutachtet. Ziel des langen Aufstiegs- und Einweihungsprozesses ist – analog zu Crowleys mystischer Egomanie – das Erleben der eigenen Göttlichkeit, «die Verehrung und Anbetung des Göttlichen Ich». Die FS, die ihre sexualmagischen Praktiken vor der Öffentlichkeit nicht ausbreitet, aber auch nicht verleugnet, nennt ihre noch heute da und dort sich versammelnden Gruppen «Studienkreise» zur «Erhaltung und Verbreitung einer wahren, menschenbezogenen Kultur». Sexualmagie war aber nie das Zentrum oder gar das einzige Anliegen der FS. Nach Grosches Tod 1964 kam es zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der FS, zum Austritt hochgradiger Mitglieder und zu Abspaltungen kleinerer Kreise. Aus diesem Umfeld wuchsen neue Gruppierungen, z.B. ein Ordo Saturni. Neuerdings finden sich FS-Vertreter, die sich von Crowleys Vorgaben noch deutlicher als ihre Vorgänger distanzieren. Eine satanistische Antireligion oder Antikirche z.B. wäre für ihr Empfinden – nicht ohne Grund – eine Einladung zu fremdbestimmter Existenz. FS will alle derartigen Einladungen ausschlagen

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