In Nomine Satanas I.N.S

Die Gemeinschaft In Nomine Satanas I.N.S. (lateinisch für: im Namen Satan) wurde am 30. April 1996 in der Klosterruine St. Michael auf dem Heiligenberg in Heidelberg gegründet. Vorläuferorganisation war eine satanistische Loge „Kinder der Nacht“, die seit 1993 bestand und im I.N.S. aufging.

In den 2000er Jahren wirkte der I.N.S. insbesondere durch seine Website, die von Personen, welche an Satanismus interessiert waren, rege frequentiert wurde, und erlangte auf der okkulten Szene einige Bekanntheit. Zur Mitgliedschaft entschliessen mochten sich aber offenbar nur wenige. In den letzten Jahren scheint die Gemeinschaft nicht mehr aktiv gewesen zu sein.

Der I.N.S. vertritt einen gnostischen Satanismus. ER orientiert sich an der antiken Schlangengnosis, welche die Verheissung der Schlange in Gen 3 „Ihr werdet sein wie Gott“ als Verheissung der Entwicklung der Göttlichkeit des Menschen deutete. Auf diesem Weg hilft nach I.N.S. „dunkle Esoterik“.

I.N.S. bezieht sich auf den Thelemismus insofern, als er dessen Gebot „Tue, was du willst“ als einzige Ordensregel akzeptiert, allerdings – um Unterschied zu Rabelais und Crowley – nicht aus Ausdruck eines höheren Willens, sondern des individuellen Wollens des einzelnen Anhängers.

Daneben vertritt I.N.S. explizit sozialdarwinistische Ideen.

Getreu ihrem individualistischen Ansatz will der I.N.S. nicht über ein Leitungsamt, etwa eine Hohepriesterschaft, verfügen.

Die Anhänger durchlaufen vier Grade: Die Luzifer-Initiation (im Osten) befreit von der Sklaverei des Christengottes, die Satan-Initiation (im Süden) konfrontiert mit der «ungeschminkten Körperlichkeit», «mit ungelebten Möglichkeiten im Hier und Jetzt», die Leviathan-Initiation (im Westen) befreit die Meeresschlange Leviathan, die bisher im Dunkel des kollektiven Bewusstseins ruhte und die nun übers Diesseits hinaus in «traumhafte Bewusstseinszustände» führt. Die Belial-Initiation (im Norden) schenkt das letzte Stadium der Gottwerdung, die Unsterblichkeit. «Die unsterblichen Geschöpfe der Nacht, Vampire und Werwesen tauchen auf.»

Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Missa Sinistra, die bewusst keine Umkehrung der katholischen Messe sein will. Dennoch ist die Abgrenzung vom Christentum neben dem Wunsch nach Göttlichkeit, nach Reichtum und Macht einer der Hauptinhalte:

„Spürst du das schwarze Licht des Mondes?
Das Zwielicht ist Hier!
Der Morgen der Magie ist Hier!
Die Götterdämmerung ist Hier!

Wir wollen die Anhänger!
Wir werden die Anhänger haben!
Wir wollen den Reichtum!
Wir werden den Reichtum haben!
Wir wollen die Macht!
Wir werden die Macht haben!

Die Welt ist in Feuer!
Ave Satanas!
Rege Satanas!

Euch wurde befohlen: Seid demütig und leise,
Gehorcht den Mächtigen.
Vergebt jenen, die euch quälen,
Denn sie wissen, was sie tun.

Euch wurde befohlen: Liebt Eure Feinde,
Tut Gutes denen, die euch hassen,
Haltet still, wenn man euch schlägt.

Ich aber sage euch:
Thou hast no right but to do thy will.
Do that and no other shall say nay.
Widersteht, erhebt euch und seid frei.

Non serviam!
Ich will kein Knecht sein!
Der Mensch ist Gott.“

(Zitiert nach Dagmar Fügmann, Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung bei Mitgliedern satanistischer Gruppierungen und gruppenunabhängigen Einzelnen: Hintergründe und Wertvorstellungen, 2008)

Zurzeit ist keine aktive Adresse des I.N.S. bekannt.

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