Christ Embassy in der Krise?

Ein Augenschein bei Christ Embassy Thun am 1. März 2020

Georg O. Schmid

Weltweit sorgt der ursprünglich aus Nigeria stammende Freikirchenverband Christ Embassy für Furore: Massenveranstaltungen füllen grosse Konzerthallen, z.B. die O2 Arena in London, und der Christ-Embassy-Gründer Chris Oyakhilome, genannt Pastor Chris, kann illustre Gäste aufbieten wie den Heilungsevangelisten Benny Hinn, die mitwirken, wenn in den Heilungsgottesdiensten der Christ Embassy Menschen reihenweise aus Rollstühlen aufstehen oder von anderen wunderbaren Heilungen berichten.

In der Schweiz aber scheint der Zulauf eher mässig, manche Gemeinde stellte ihre Tätigkeit wieder ein, so die Christ Embassy Churches in Bern und Fribourg, und andere sind klein geworden, wie die Christ Embassy Thun.

 

Christ Embassy Thun wurde im Jahr 2004 begründet von Erika von Känel. Von Känel war eine Zeitlang in der Vineyard Gemeinde in Bern dabei, und wurde dann auf die Healing School von Chris Oyakhilome aufmerksam gemacht, welche sie kurz entschlossen besuchte. Wieder zurück in der Schweiz gründete sie die Christ Embassy Gemeinde in Thun, welche sich in den Räumen der ehemaligen Heimstätte Gwatt, heute Delta Park, versammelte. In dieser Zeit zählten sich mehrere Dutzend Menschen zur Christ Embassy Thun.

Das Mietverhältnis im Delta Park endete, und die Gemeinde wurde für ihre Gottesdienste Untermieterin eines Gymnastik-Studios an der Malerstrasse 4 in der Nähe vom Bahnhof Thun. In dieser Zeit besuchten wir die Gemeinde, und trafen dort noch gut 20 erwachsene Gemeindeglieder an.

In der Folge wechselte die Christ Embassy Thun ihren Gottesdienstort mehrfach, seit zwei Jahren feiert sie im Keller des privaten Wohnhauses der Pastorin Erika von Känel an der Spiezstrasse 80 in Gwatt. Am Gottesdienst vom 1. März 2020 nahmen neben vier Kindern noch sieben Erwachsene teil, die Pastorin mitgerechnet.

Eine ältere Dame wartete vor dem Wohnhaus von Erika von Känel, um allfällige Neulinge zu empfangen und in den Keller zu geleiten. Am 1. März besteht die Interessentenschaft aus meiner Frau und mir. Im Keller sind – wir sind infolge Parkplatzsuche fünf Minuten zu spät – die Anwesenden bereits im Lobpreis versammelt. Erika von Känel steht vorne und singt mit. An die Schrankwand, welche die ganze Front des Kellerraums einnimmt, wurde ein Leintuch gehängt, das nun als Leinwand dient. Dorthin werden von einer Mitarbeiterin an einem Laptop Youtube-Videos projiziert, die offensichtlich aus grossen Christ-Embassy-Gemeinden im Ausland stammen.

Vor der Schrankwand befindet sich ein aus Plexiglas bestehendes Rednerpult von Love Nation, der von Christ Embassy begründeten weltweiten Gemeindebewegung, der sich auch Gemeinden anschliessen können, die nicht Teil des Christ-Embassy-Verbands werden wollen. Dies ist in der Schweiz bei der umstrittenen YOU Church in Kloten der Fall, die Teil von Love Nation ist, nicht aber von Christ Embassy.

Neben dem Rednerpult steht ein E-Piano, das aber während des ganzen Gottesdienstes unbenutzt bleibt. Verfügt die Christ Embassy über niemanden mehr, der Klavier spielen könnte?

Die Anwesenden sitzen, soweit sie nicht zum Lobpreis aufgestanden sind, auf dunkelblauen Gartenstühlen, die meist je zu zweien aufeinander gestapelt verwendet werden. Wir werden von der Dame, die uns begrüsst hat, auf zwei Plätze gesetzt, meine Frau auf einen einfachen Gartenstuhl, ich auf einen doppelten.

Nebst der Pastorin, der Dame am Laptop und der Begrüsserin sind zwei Paare anwesend, wobei die Frauen und ein Mann begeistert mitmachen, während der zweite Mann die Sache offenbar eher aussitzt. Vier Kinder unterschiedlichen Alters spielen in der hintersten von vier Stuhlreihen und verlassen den Raum während des Gottesdienstes ab und an.

Wie ich die Gemeinde überblicke, die von ihrer Grösse her ohne weiteres als Hauskreis durchgehen könnte, frage ich mich, wie es eine so überschaubare Gruppe zustande bringt, für einen derart hohen Beratungsaufwand bei Informationsstellen zu sorgen, wie es die Christ Embassy Thun in den 16 Jahren ihrer Geschichte getan hat.

Die Frage, weshalb das so ist, beantwortet Erika von Känel noch während der Lobpreiszeit: „Wir haben den Sieg!“ ruft sie mit einer Stimmgewalt, die für eine Aula ausreichen würde, aber im kleinen Keller unangebracht wirkt. „Wir sind bereits im Sieg. Niemand kann uns den Sieg nehmen, egal ob es die Schwiegermutter ist, der Nachbar, oder ein Bruder oder eine Schwester in der Church, es spielt keine Rolle.“

Dieser Sieg soll proklamiert werden, am besten schon frühmorgens. Wenn wir in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes proklamieren, dann haben unsere Worte schöpferische Kraft, lehrt Erika von Känel das Grunddogma der sog. Wort-des-Glaubens-Bewegung, zu welcher auch die Christ Embassy gehört.

Botschaften, die nicht mit dem Wort Gottes übereinstimmen, die sollen hingegen nicht beachtet werden: „Let it be, lass es sein“. Dazu gehören, Pastor Chris lehrt das in seinem Buch „The Power of Your Mind“, und Erika von Känel wiederholt es, medizinische Diagnosen. Die Wort-des-Glaubens-Bewegung geht davon aus, dass Jesus am Kreuz nicht nur die Sünden getragen hat, sondern auch alle Krankheiten, so dass Gläubige nicht mehr krank sein sollten. Wer glaubt, kann in Anspruch nehmen, geheilt zu sein. Er kann seine Gesundheit proklamieren. Wenn er nun eine medizinische Diagnose erhält, widerspricht das dieser verheissenen Gesundheit. Erika von Känel meint: „Wenn der Arzt Bericht gibt im Spital, der nicht dem entspricht, was in Gottes Wort ist, glaube ich diesem Bericht nicht.“

Sich gesund denken resp. gesund proklamieren zu können ist gerade für kranke Menschen in schwieriger Situation eine attraktive Aussicht. Wer jeden Strohhalm ergreift, ist auch für solche Botschaften empfänglich. So stossen immer wieder Menschen mit hartnäckigen Beschwerden auf Erika von Känel und ihre Gemeinde, und setzen auf die Kraft der Proklamation. Tritt die erwünschte Besserung nicht ein, empfiehlt es sich nach den Vorstellungen der Christ Embassy, die Proklamationen zu intensivieren und „Gott herauszufordern“, etwa durch Fasten oder durch eine grosszügige Spende.

Wichtig ist, nicht an die Krankheit zu denken. Pastor Chris lehrt: „That condition doesn’t fall in line with God’s definition of truth. So refuse to dwell on it. Reject it in Jesus‘ Name. Don’t think on it, and don’t voice it.“

Dies braucht Disziplin im Denken. Erika von Känel betont deren Wichtigkeit: „Jeder Gedanke von mir muss unter das Wort kommen. Wenn der Gedanke etwas anderes sagt, habe ich die Pflicht, die Gedanken zu stoppen.“

Negative Gedanken wie Zweifel können von Satan kommen. Deshalb meint Erika von Känel: „Ich erlaube gewisse Gedanken nicht, alles was niederdrücken und schwächen will.“ Wenn sich ein falscher Gedanke, z.B. Zweifel, meldet, dann rät Erika von Känel zu folgender lauthals vorgetragener Proklamation: „Ab, Satan, das gehört zu dir in die Hölle, aber nicht zu mir, raus!“

All das ist geeignet, im sozialen Umfeld betroffener Personen Besorgnis auszulösen, was zu Nachfragen bei Informationsstellen führt. Dort melden sich auch enttäuschte Anhänger: Sehr oft wenden sich Menschen nach einiger Zeit wieder von der Christ Embassy ab, weil sich ihre Hoffnungen nicht erfüllt haben. Gibt es auch Menschen, die sich durch die Christ Embassy Thun geheilt fühlen? Dass sie in grosser Zahl aus Dankbarkeit an deren Gottesdiensten teilnehmen würden, das kann jedenfalls eindeutig nicht gesagt werden.

Mittlerweile hat sich Erika von Känel schon recht warm geredet, doch eigentlich wäre immer noch der einleitende Lobpreis auf dem Programm. Sie hält inne und meint, dass ihre Autorität, ihr Senior Pastor bei der Christ Embassy, sie angewiesen habe, in Zukunft kürzere Gottesdienste durchzuführen. Sie solle sich an den vorgegebenen Ablauf bei Christ Embassy halten. Erika von Känel ist offensichtlich willens, sich nach diesen Vorgaben zu richten. Mit ihrem Gottesdienst im angekündigten Zeitfenster von zwei Stunden zu bleiben, wird ihr aber doch nicht gelingen.

Wegen der fortgeschrittenen Zeit wird auf ein weiteres Lobpreislied verzichtet. Wir gehen zum nächsten Programmpunkt in der Liturgie von Christ Embassy über, der Lesung aus der Rhapsodie der Realitäten.

Rhapsodie der Realitäten, im englischen Original Rhapsody of Realities genannt, ist ein Andachtsbuch für die tägliche Lektüre, welches von Pastor Chris monatlich in zahlreichen Sprachen herausgegeben wird. Eben ist die Rhapsodie für März 2020 erschienen, sie liegt erst elektronisch vor (auf einem kleinen Regal in der hinteren Ecke des Raums liegen noch die gedruckten Exemplare der Rhapsodie für den Monat Februar). Deshalb wird nun die Einleitung zur Rhapsodie des Monats März 2020 mit dem Beamer projiziert und von einem Gemeindeglied vorgelesen.

Inhaltlich bestätigt Pastor Chris die Vorstellung der Wort-des-Glaubens-Bewegung, dass der Gläubige mit seinem Wort Realitäten schaffen kann: „Du hast weit mehr Einfluss auf dein Schicksal, als du realisierst. Ob du lebst oder stirbst, erfolgreich bist oder versagst, reich bist oder arm, schwach bist oder stark, gross bist oder klein – es hängt viel mehr von dir ab als von Gott.“ Darauf zu warten, dass Gott etwas für uns tut, das wäre, so meint Pastor Chris, vielleicht vergeblich. Gott habe bereits alles getan, was nötig ist, dass wir das beste Leben haben können: „Dir wurde alles gegeben, was du benötigst, um siegreich, glücklich und erfüllt zu leben. Aber der Schlüssel liegt in deiner Antwort darauf.“

Der Schlüssel liegt im Aussprechen, in der Proklamation: „Jedes Mal, wenn du sprichst, formst du dein Leben und deine Zukunft entweder in Übereinstimmung mit Gottes göttlicher Versorgung und Bestimmung für dich oder in Abweichung davon. Wo du dich heute befindest – dein gegenwärtiger Zustand und dein Grundvermögen – ist das Resultat von dem, was du gestern gesagt hast.“

Pastor Chris betont die Kraft, die er in den Worten sieht: „Worte sind kraftvoll und wichtig, sie kreieren oder zerstören. Du bestimmst wie du dein Leben haben möchtest“.

Was ist aber zu tun, wenn es Probleme gibt, die sich nicht einfach wegproklamieren lassen? Dann ist Radikalität angebracht: „Wenn du Herausforderungen gegenüberstehst, bleibe vertrauensvoll in dem Herrn und werde radikal in deiner Bestätigung des Wortes. Während du sprichst, veranlasst der Heilige Geist, dass Dinge in Übereinstimmung mit deinen Worten geschehen; dazu benötigt Er deine Worte.“

Die theologische Konsequenz aus der Behauptung, dass der Heilige Geist unsere Worte benötigt, um handeln zu können, dass also Gott vom Menschen abhängig ist, erörtert Pastor Chris nicht weiter. Stattdessen betont er, das die Gläubigen immer wieder und mit Überzeugung sprechen sollten: „Ich bin gesund und stark, weil ich das Leben Gottes in mir habe!“

Die Gesundheit zu proklamieren ist aber nicht erst im Krankheitsfall angezeigt: „Warte nicht, bis erst Symptome in deinem Körper auftauchen, bis du solch kühne Deklarationen aussprichst. Sprich schon jetzt auf diese Weise und halte Krankheit von dir fern.“

Am Ende seiner Einleitung resümiert Pastor Chris: „Es liegt an dir, dein triumphierendes Leben und deine gesegnete Zukunft mit dem Wort Gottes auf deinen Lippen zu erschaffen.“ Pastor Chris delegiert die ganze Verantwortung für das Gelingen des Lebens an die einzelnen Gläubigen. Im Umkehrschluss heisst dies natürlich, dass derjenige, der keinen Erfolg hat, der nicht zu Wohlstand gelangt oder krank bleibt, selbst schuld ist. So wird verständlich, dass sich Menschen recht häufig enttäuscht von der Christ Embassy abwenden, – und auch, dass Erika von Känel von all den Abgängen offenbar nicht angefochten wird.

Viele Sätze von Pastor Chris lassen aufhorchen, etwa „Worte sind kraftvoll und wichtig, sie kreieren oder zerstören. Du bestimmst wie du dein Leben haben möchtest“. Solche Aussagen klingen heutzutage sehr vertraut, aber nicht aus christlichem Kontext, sondern aus dem Bereich der Esoterik. Sie könnten wortidentisch in einem der zahllosen Ratgeber für Positives Denken stehen, die in Massen dem esoterischen Buchmarkt entspringen. So etwa klingt das „Secret“, das Geheimnis, das Rhonda Byrne der Menschheit offenbart haben will, so gehen die Bestellungen beim Universum, die Bärbel Mohr und nach ihrem Tod ihr Ehemann Manfred Mohr propagiert, und ganz ähnlich funktioniert auch das „Erfolgreiche Wünschen“ des ehemaligen Schauspielers Pierre Franckh.

Erika von Känel gibt diese Parallelen durchaus zu, wenn sie meint: „Sogar Leute von dieser Welt kennen diese Dinge und wenden sie an. Es sind geistige Prinzipien. Der Leib Christi muss sie kennenlernen.“ Hier zeigt sich, wie Positives Denken seine eigenen Opfer schaffen kann. Würde Erika von Känel die Entwicklung ihrer Gemeinde realistisch betrachten, müsste ihr auffallen, dass die Kombination von christlicher Botschaft mit den Prinzipien des Positiven Denkens offensichtlich wenig erfolgreich ist. Doch kann ein solcher Gedanke zu ihr durchdringen, wenn sie doch kritische Resümees sofort als satanisch abweisen müsste? So spricht sie vor ihrer schrumpfenden Gemeinde weiter vom Sieg, den sie erringt, und wirkt in ihrer Verweigerung realistischer Wahrnehmung wie eine tragische Figur, die sich selbst im Weg steht.

Während Erika von Känel darüber spricht, dass der Heilige Geist handelt, wenn der Gläubige Jesus anruft, bricht dem Gartenstuhl, auf welchem meine Frau sitzt, ein Bein weg. Sofort wird klar, weshalb die Gartenstühle zumeist doppelt gestapelt aufgestellt wurden: offenbar schon angejahrt, ist der Hartplastik der Stühle spröde geworden und hält der Sitzlast der stundenlangen Gottesdienste nur noch bedingt stand.

Zu den eben gehörten ausgiebigen Lobgesängen auf die Kraft der Worte verhält sich das Geschehen recht spannungsvoll: Proklamationen scheinen keine Unfälle mit Gartenstühlen zu verhindern und auch kein altes Mobiliar zu verjüngen. Der Kraft der Worte scheinen durchaus Grenzen gesetzt zu sein.

Erika von Känel lässt sich durch das Missgeschick mit dem Mobiliar nicht beirren, schnell wird meiner Frau ein doppelter Stuhl gereicht, und der Gottesdienst kann weiter gehen.

Nun betont Frau von Känel die Wichtigkeit des Sprachengebets. Wer in Sprachen bete, also Zungenrede übt, der stärke seinen Glauben, deshalb soll so viel wie möglich in Sprachen gebetet werden. Regelmässiges Sprachengebet sei notwendige Voraussetzung für geistliches Wachstum. Erika von Känel empfiehlt, jeden Morgen eine halbe Stunde in Sprachen zu beten, bevor der tägliche Abschnitt aus der Rhapsodie der Realitäten durchgenommen wird.

Von sich selbst meint Erika von Känel, dass sie sehr oft in Sprachen sprechen würde. Diese Aussage illustriert sie mit ein paar Kostproben ihres Sprachengebets, das uns irgendwie an den Ausruf Yabba-dabba-du aus „Familie Feuerstein“ erinnert.

Wochenlang könnte sie Teachings über das Sprachengebet wiedergeben, behauptet Frau von Känel. Dies lässt sie für heute aber bleiben. Einem Mädchen kommt der Gottesdienst auch so schon lang vor, es wedelt auffällig mit einer Hunderternote herum, die offenkundig für die am Ende des Gottesdienstes eingezogene Kollekte bestimmt ist.

Erika von Känel berichtet nun davon, wie Pastor Chris bei seinen Heilungsgottesdiensten hunderte von Menschen heile. Der Boden des Saales vibriere jeweils, wenn Pastor Chris in betrete, und gleich in diesem Augenblick seien die Kranken geheilt. Gelähmte würden reihenweise aus ihren Rollstühlen aufstehen.

In einer afrikanischen Zeitung hat vor ein paar Jahren ein Student behauptet, dass er an solchen Heilungen beteiligt gewesen sei. Er sei dafür bezahlt worden, sich im Rollstuhl hineinfahren zu lassen, um nach der Heilung durch Pastor Chris aus dem Rollstuhl aufzustehen und auf der Bühne rumzulaufen. Wie weit diese Geschichte zutrifft, muss offenbleiben.

In einem Magazin der Healing School der Christ Embassy aus dem Juni 2009 sind Fotos von Personen im Rollstuhl abgebildet, die auf einer zweiten Aufnahme auf der Bühne umherlaufen. Die Bilder sind eindrücklicher als der erklärende Text dazu. Es würde sich, heisst es dort, nicht um geheilte Querschnittgelähmte handeln, sondern um Menschen mit entzündlichen oder psychischen Bewegungsproblemen. Solche Schwierigkeiten lassen sich bei entsprechender Motivation durchaus für eine gewisse Zeit überwinden, ohne dass ein Wunder im Spiel gewesen sein muss.

Erika von Känel erinnert sich wieder der Mahnung ihres Senior Pastors und will nach gut zwei Stunden Gottesdienst zu einem Ende kommen. Als Abschluss wird ein Youtube-Video abgespielt, das ein Lied von Osinachi Joseph alias Sinach zeigt, der gefeierten Gospel-Sängerin aus den Reihen der Christ Embassy. Sinach singt der Anhängerschaft Proklamationen vor. Sie singt von einem neuen Level im Haus, in den Finanzen, im Job, und dass die Mauern von Jericho eingestürzt seien.

Erika von Känel nimmt das Lied zum Anlass, nochmals das Wort zu ergreifen und eigene Proklamationen anzuschliessen: „Religion hat keine Chance in der Schweiz!“, „Die Schweiz ist ein Land des Wortes Gottes“, „Ihr seid mehr als Überwinder“, und konkreter, aber auch überprüfbarer: „Wir werden Sinach in die Schweiz einladen, und sie wird im Wankdorf-Stadion ein Konzert geben.“

Positives Denken muss es auch sein, das die Christ Embassy veranlasst, ab kommender Woche jeweils um 17.00 Uhr noch einen zweiten Gottesdienst durchzuführen. Dass eine Gemeinde mit sieben erwachsenen Besuchenden einen zweiten Gottesdienst ins Auge fasst, scheint geradezu tollkühn.

Als wir nach Ende des Gottesdienstes um 12.30 Uhr dem Keller entsteigen wollen, eilt uns die Mitarbeiterin nach, welche den Laptop bediente, und erkundigt sich nach der Motivation unseres Besuchs. Schnell ruft sie Erika von Känel dazu. Diese fragt nach unserer Kirchenzugehörigkeit. Sie würde auch für die Reformierte Kirche beten, meint sie auf unsere Antwort hin. Wir bedanken uns: Gebet ist immer gut. Proklamationen allem Anschein nach eher nicht.

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