Alexander Kohlhaas und Anna-Maria Valeton: Deine Seele gehört uns, Amadeus 2020

Das Buch warnt vor den Tricks von Scientology, den Zeugen Jehovas, den Medien und den Klimaretter. Wer verstrickt sich bei diesem Buch jedoch in Verschwörungstheorien? Scientology? Die Zeugen Jehovas? Die Medien? Die Klimaretter? Oder gar die Autoren selbst?

Jasmin Schneider, 2021

«Deine Seele gehört uns. Mit welchen schmutzigen, hypnotischen Tricks Medien, Klimaretter, Zeugen Jehovas und Scientology dich einfangen wollen!» erschien 2020 beim Amadeus Verlag. Einer der Autoren, Alexander Kohlhaas, ist selbst bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen und später ausgestiegen. Seine Co-Autorin, Anna-Maria Valeton, war in der Medienbranche aktiv als Schauspielerin (van Helsing, 2020). Herausgegeben wurde das Buch von Jan Udo Holey alias Jan van Helsing, einem bekannten Verschwörungstheoretiker, der wegen antisemitischer Äusserungen in Kritik stand (Schröm, 1998).

Nach einer Einführung mit diversen Begriffserklärungen zeigen die Autoren anhand von verschiedenen Geschichten von Betroffenen, die ihrer Meinung nach, manipulativen Mechanismen bei den Zeugen Jehovas, Scientology, in der Medienbranche und bei den Klimarettern von Fridays for Future.

In dieser Rezension wird zuerst der Inhalt des Buches anhand der wichtigsten Punkte wiedergegeben. Danach folgt eine kurze formale Analyse des Textes und des Sprachgebrauchs der Autoren. Darauf folgt die inhaltliche Analyse. Die Argumentationen werden überprüft auf Stichhaltigkeit und Schlüssigkeit. Zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Reaktionen, die dieses Buch im Internet ausgelöst hat und wie es bewertet wurde.

Verschwörungstheorien können einem Menschen Halt und Sicherheit geben. Er wird zu etwas besonderem, weil nur er, oder eine kleine Minderheit, hinter den Vorhang blicken kann und die Welt vermeintlich so sieht, wie sie wirklich ist. All die anderen Menschen auf der Welt werden als «Sch(l)afmenschen» bezeichnet. Gemeint ist damit, dass sie schlafen und die angebliche Wahrheit, also die Verschwörungstheorie, nicht sehen können. Sie seien wie Schafe, die einfach dem Schäfer folgen, ohne Fragen zu stellen. Die Verschwörungstheoretiker sehen sich jedoch selbst als die «Aufgewachten». Sie mistrauen meistens etablierten Medien und der Wissenschaft da diese ja von den Verschwörern kontrolliert würden. Verschwörungstheorien brauchen logischerweise eine Verschwörung und so auch ein Feind. Meist handelt es sich um eine Gruppe, die an die Macht kommen will oder es schon ist (Metzenthin, 2019). «Wenn man weiss, wogegen man ist, dann weiss man, wer man ist – so die trügerische Illusion.» (Pöhlmann, 2019: 99)Den Verschwörern werden geheime und bösartige Absichten unterstellt. Alle Ereignisse der Verschwörungstheorie müssen dann mit diesem Feind in Verbindung gebracht werden. In Verschwörungstheorien wird immer nach dem Ursprung des Bösen gesucht. Dabei entstehen dualistische Weltbilder, in denen es nur Schwarz und Weiss gibt. Diese Theorien können verbunden sein mit magischen, religiösen oder säkularen Weltbildern. Je nach dem entstehen dann andere Feindbilder, wie Hexen, Juden oder Freimaurer. (Pöhlmann, 2019: 101)

Religion und Kultur

Die Welt zu vereinfachen und zu verstehen, kann aber auch die Aufgabe der Religion sein.  Kultur und Religion grenzen die Handlungsmöglichkeiten ein, was den Menschen bei Entscheidungen helfen kann und so Sicherheit vermittelt. Religionen helfen dem Menschen mit der Ungewissheit umzugehen, so wie Verschwörungstheorien auch. Diese bieten, wie Religionen, Erlösung, jedoch meist in Form von Erkenntnis. Verschwörungstheorien können so als Ersatzreligion erscheinen oder auch innerhalb einer Religion entstehen. (Metzenthin, 2019) «Heutiger Verschwörungsglaube weist eine Mischung aus religiösen, politischen, kulturellen und alltagskulturellen Elementen auf. Er mischt sich mit antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Vorstellungen.» (Pöhlmann, 2019: 85)

Verschwörungstheoretiker sehen sich selbst in der Opferrolle, die Täter sind die bösen Verschwörer. Alle Fakten und Argumente, die gegen ihre Theorie sprechen werden als unwahr, als List des Feindes abgetan oder schlicht ignoriert, um das eigene Weltbild nicht zu zerstören. Oft dient dieses Feindesbild auch als Legitimation zur Gewalt und dank des Internets gibt es eine virale Verbreitung von Verschwörungstheorien. (Eser Davolio, 2019: 20-22) Diese Theorien wissenschaftlich zu widerlegen ist jedoch zeitaufwendig und braucht in der Regel mehrere Monate. (Pöhlmann, 2019: 103)

Jugendliche sind besonders gefährdet an Verschwörungstheorien zu glauben, da sie ihren Platz in der Welt noch suchen müssen. Sie sind in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigt und empfänglich für alternative Erklärungen und interessiert an einer Vereinfachung der Welt. (Eser Davolio, 2019: 26-27) «Die Sehnsucht nach einfachen Antworten ist das Grundmotiv für das Entstehen von Verschwörungsmythen.» (Pöhlmann, 2019: 82)

Verschwörungstheorien in der Geschichte

Verschwörungstheorien gab es schon vor den Zeiten des Internets, auch wenn sie sich in der Vergangenheit deutlich langsamer und in kleinerem Ausmass verbreiteten. Ein Beispiel dafür ist die Verschwörungstheorie zu Zeiten der Pest im 14. Jahrhundert. Damals glaubten viele Menschen, dass Juden die Brunnen vergiftet hätten und dadurch die Pest verbreiteten. Es war eine Zeit der grossen Unsicherheiten im 14. Jahrhundert und alles was für die Menschen unerklärlich schien, befeuerte Verschwörungstheorien. (Ruch, 2019: 40)

Früher hatte die Kirche den Anspruch, alles zu wissen und erklären zu können. Das ging jedoch in der heutigen Zeit verloren und die Kirchen setzen ihren Fokus auf den Glauben, geben zu, nicht alles zu wissen. Das macht Platz für Verschwörungstheorien, die immer Antworten auf alles haben (Pöhlmann, 2019: 105-106).

Unsicherheiten in der heutigen Zeit

In der heutigen Zeit gibt es für die Menschen ebenfalls viele Unsicherheiten, dadurch dass die Gesellschaft immer komplexer geworden ist. Die Systeme, in denen die Menschen heute leben sind, so komplex, dass es keinen einzelnen Schuldigen geben kann, wie Verschwörungstheorien es darzustellen versuchen. Das komplexe daran ist, dass das System sich selbst trägt. Die Komplexität führt ebenfalls dazu, dass kein Mensch es mehr komplett verstehen kann. Unsicherheiten führen zu Angst und genau das geschieht durch die Komplexität des Systems (Ruch, 2019: 42-43). Weltweit entstanden seit dem letzten Jahrhundert immer mehr internationale Regierungen, wie die United Nations oder auch die Europäische Union. Die Menschen fühlen sich zunehmend von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, was ein Nährboden für Verschwörungstheorien über globale Eliten, die die Macht an sich reissen wollen, bietet (Pöhlmann, 2019: 94). Verschwörungstheorien können den Menschen einen Teil ihrer Ängste nehmen, indem sie die Welt einfacher machen und einen klaren Schuldigen benennen (Ruch, 2019: 42-43). Wenn es einen Schuldigen gibt, dann ist man auch nicht selbst verantwortlich für seine Probleme. Die Menschen versuchen so mit Verschwörungstheorien dem eigenen Leid einen Sinn zu geben (Sträuli, 2019: 79).

Diese Haltung nehmen Verschwörungstheoretiker ein und genau diese kann gefährlich werden. So war es beispielsweise in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg. Die Juden wurden allein für die furchtbare Situation in Deutschland zu dieser Zeit verantwortlich gemacht, was schlussendlich zum Holocaust führte. (Ruch, 2019: 43-44)

Digitale Vernetzung

Sich heutzutage in Verschwörungstheorien zu verstricken ist einfacher als je zu vor durch etwas, genannt Filterblase. Durch bestimmte Algorithmen werden einem in den sozialen Medien nur Inhalte gezeigt, die ähnlich denen sind, die man schon gesehen hat. Man sieht also nur das, was man sehen will und nicht alle Meinungen und Positionen. So findet man sich gefangen in einer Art Strudel wieder, in der man nur seine eigene Meinung bestätigt sieht (Ruch, 2019: 45-47). «Heutiger Verschwörungsglaube ist globalisiert und digital vernetzt. Die Verbreitung erfolgt rasch und weltweit.» (Pöhlmann, 2019: 88)

Zufälle

Ein weiteres Problem in Verschwörungstheorien liegt darin, dass es keine Zufälle mehr gibt. Jedes Ereignis geht auf den grossen Feind zurück, auch Naturkatastrophen. Jeder Flügelschlag eines Schmetterlings bekommt einen höheren Sinn. Alles auf der Welt wird mit den Verschwörern verbunden und jedes noch so banale Ereignis wird zu etwas Besonderem (Ruch, 2019: 53).

Echte Verschwörungen vs. Verschwörungstheorien

Neben den Verschwörungstheorien gab es jedoch auch echte Verschwörungen in der Weltgeschichte. Diese unterscheiden sich jedoch von den Theorien. Bei echten Verschwörungen handelt es sich in der Regel um kleine Gruppen mit konkreten Zielen. Sie sind zeitlich eingeschränkt und haben ein ungewissen Ausgang. Bei Verschwörungstheorien sieht das anders aus. Sie setzen voraus, dass Geschichte planbar ist. Die Verschwörung zieht sich in diesen Theorien meist über eine lange Zeitspanne hinweg, wobei viele Menschen beteiligt wären. Bei all den Menschen, die Bescheid wissen würden und das auch über viele Jahre hinweg wäre es schlicht unmöglich, dass nie jemand etwas durchsickern lassen würde. (Metzenthin und Schneider, 116-117).

Mit Verschwörungstheoretikern diskutieren

Mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren hat meistens keinen grossen Sinn. Sie sind oft gefangen in ihren Theorien, dass sie alle anderen Überzeugungen einfach als Lügen abtun oder das Gegenüber als Teil der Verschwörung ansehen. «Viel erfolgsversprechender kann es da schon sein zu fragen: «Warum glaubst Du, dass keine Juden am 11. September ums Leben gekommen sind?» Oder «Warum glaubst Du, dass noch nie ein Mensch auf dem Mond war?» Vielleicht ergibt sich daraus die Möglichkeit, über die Motivation für den Glauben an Verschwörungstheorien zu diskutieren.» (Ruch, 2019: 59-60)

Individualität und Massenpsychologie

Das Buch beginnt mit allgemeinen Erklärungen, zuerst mit dem Ich und der Seele aus jüdisch/christlicher Sicht. Dem Text zufolge hat jeder Mensch eine unsterbliche Seele und ein Ich. Dieses Ich könne verloren gehen durch Identifikation. Unter dem Einfluss einer Masse gehe die eigene Persönlichkeit verloren und verschwinde in der Gemeinschaftsseele. Dort gebe es keine Kritik mehr und alles werde von der Masse unreflektiert übernommen. Keine Gegenargumente würden mehr akzeptiert. Alle die nicht zur Gruppe gehören würden abgewertet und diffamiert. Dabei spiele es keine Rolle, um welche Ideologie es eigentlich geht. «Sämtliche Formen der Ideologie führen zur Identifikation und bekommen einen religiösen Charakter.» (S. 20) Und Religion soll immer etwas sein, das Menschen spaltet. (14-20)

Neurosen und Abwehrmechanismen

Neurosen entstünden bei Menschen durch Entwicklungsstörungen aus der Kindheit. So könnten erlebte Traumata durch die Epigenetik bis in die dritte Generation weitervererbt werden und weiterhin Neurosen auslösen. Solche Traumata lösten beim Menschen Abwehrmechanismen aus. Einer davon sei die Projektion der eigenen Probleme und Ängste auf andere Menschen, was zur weiteren Abgrenzung von anderen Menschen und Gruppen führe. Aus dieser Spaltung entstehe mit der Zeit Hass, und die Menschen begännen in Schwarz und Weiss zu denken. Dabei werde das eigene Schwarz nicht gesehen und stehts auf andere projiziert.

Ein weiterer Abwehrmechanismus sei die Übertragung. Dabei würden Erfahrungen auf andere Menschen übertragen. Wenn zum Beispiel der Ex-Freund fremd gegangen ist, werde angenommen, dass der neue Freund das sicher auch tue. Bei der projektiven Identifikation würden andere Menschen dazu gebracht, genau das zu tun, was die eigenen Möglichkeiten übersteige. Der letzte Abwehrmechanismus sei die Kollusion. Menschen wählten dabei ihre Partner, um ungelöste Konflikte aus der Kindheit zu heilen (z. B. Narzisst und Phobiker). (21-23)

Manipulation und Propaganda

Wenn ein Mensch Teil einer Gruppe ist, dringe deren Matrix so tief ein, dass der Mensch aufhöre, selbständig zu denken und einfach alles von der Masse übernehme. Massen seien dumm. Es müssten nur einfache und wenige Infos immer wieder wiederholt werden, so funktioniere Propaganda, nach Adolf Hitler. Hitler habe weiter erkannt, dass das Volk feminin veranlagt sei, was so viel heisse, wie dass Denken und Handeln durch Gefühle bestimmt würden und so leicht Absolute wie Schwarz und Weiss entstehen könnten. Wer differenziere, verliere seine Macht, es dürfe nur Absolute geben, das habe Hitler gesagt. Dies werde auch durch Suggestion erreicht, einer manipulativen Beeinflussung, ohne dass die Betroffenen etwas davon bemerkten. Diese Mechanismen könnten anhand von Deutschland und Angela Merkel sehr gut gezeigt werden. So sei sie von «Kernkraft ist großartig» (1994) zu «Ausstieg aus der Kernenergie» (2011) und von «Integration ist wichtig, nicht Zuwanderung» (2002) zu «Begrenzung von Zuwanderung» (2003) und «Multikulti ist gescheitert» (2010) geschwenkst. Diese Wechsel seien durch emotionale Bilder wie Fukushima 2011 und die Flüchtlingskrise 2015 entstanden. Entgegen der Annahme Hitlers seialso doch eine Kehrtwende möglich. Staaten wie Deutschland hielten sich offensichtlich für gut, weil sie beispielsweise Flüchtlinge aufnehmen. Staaten, die das nicht tun, würden gleich als Böse abgestempelt. (24-31)

Trauma

Bei einem Trauma entstehe eine Spaltung der Persönlichkeit. Menschen reagierten bei Gefahr mit Flucht oder Kampf, und wenn sie das nicht könnten, erstarren sie. In diesem Zustand könne die Seele unter Umständen mehrere Jahre lang bleiben. Vor allem Kinder könnten diese Spannung nicht abbauen. Zittern sei nach so einem Trauma sehr gesund. Viele Kinder könnten bzw. dürften das jedoch nicht und würden stattdessen krank. Opfer von Traumata könnten oft nicht mehr unterscheiden zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sie seien in ihrem Schrecken gefangen.

Ein Trauma könne auch durch Erzählungen entstehen oder durch die Medien, Zuschauer und auch Schauspieler. Solche Traumata könnten über Erzählungen an andere Generationen weitergegeben werden. (32-50)

Bindung durch Angst

Im weiteren Verlauf des Buches wird es um Sekten gehen. Doch wer ist anfällig für solche Gruppierungen? Es seien Suchende, Enttäuschte, Orientierungslose, Krisengeschüttelte, psychisch Kranke, schwer Kranke und junge Idealisten. Sie alle suchten nach einer Art Heilung bei anderen Menschen, doch die Beziehungen in einer Sekte seien zu gestört. «Ideologischen Massenbewegungen liegt eine religiöse Essenz zugrunde, wie LeBon es treffend beschrieb.» (S. 51) Die Menschen würden mit Schock und Trauma an die Sekte gebunden.  (51-52)

Paul war Ingenieur und hatte Erfolg bei der Arbeit. Er wurde in den höchsten Tönen gelobt und nun hatte er zwei Wochen Ferien. So fuhr er mit seinem E-Bike los, um sich ein neues Videospiel zu kaufen. Vor dem Kaufhaus lockte ihn eine schöne junge Frau zu sich. Sie sagte, sie wolle ihn kennenlernen und ihm nur helfen. Er solle doch einen Test mit 200 Fragen machen. Es gäbe auch keine Verpflichtungen. Paul hatte Zweifel, denn er hatte schon von Scientology gehört. Die schöne Nele wich aber jeder Kritik charmant aus. Sie sagte, dass Lügen über Scientology erzählt würden, dass alles wissenschaftlich und freiwillig sei und dass Scientology ihr Leben gerettet hätte. Paul füllte also den Test aus und wurde dann gleich zu einem Kurs über Liebe und Ehe eingeladen. Er suchte emotionale Wärme bei Nele und wollte sie nicht traurig machen, was mit seiner Kindheit zu tun hatte. Nele ködert ihn mit allem was sie hat. «Ihm ist nicht bewusst, dass mit «hellgrün» das Energiezentrum seines Herzens, dem Sitz der Liebe, angesprochen wird.» (S. 63) Er ging also zu dem Kurs und lernte dort und bei seinem ersten Auditing vermeintlich wunderbare neue Techniken, die «das System» jedoch ablehnte. Nette Leute luden ihn zu einem weiteren Kurs ein und versicherten ihm, dass Nele auch da sein werde.

Bei den Auditings musste Paul über sein ganzes Privatleben sprechen, über alle intimen Details. Damit sollte emotional Belastendes aufgearbeitet werden. Dabei bemerkte er, dass die Augen von Nele ihn an die seiner Mutter erinnerten. Paul bekam einen emotionalen Ausbruch wegen Erinnerungen, als er noch ein Baby war. Also musste er diese Erinnerung immer wieder erzählen, bis das E-Meter nicht mehr ausschlug und er ruhig blieb. Dann war er frei. Paul erlitt auch körperliche Schmerzen bei den Erinnerungen, aber Fabian, der das Auditing mit Paul machte, erklärte ihm, dass er ein neuer Mensch werden würde.

Paul traf sich dann regelmässig mit Nele und sprach mit ihr über Scientology. Von ihr lernte er auch neue Wörter, wie «Wogs», die Bezeichnung für Nicht-Scientologen.

1.5 Jahre später waren Paul und Nele verheiratet. Alle Ersparnisse, die die beiden hatten, gaben sie für Auditings und Kurse aus. Dadurch wurde Paul selbstbewusster und damit auch erfolgreicher im Beruf. Pauls Mutter war besorgt um ihren Sohn und las einige Aussteigerberichte. Sie versuchte mit Paul zu reden und schaltete sogar ihren Pfarrer ein. Doch nichts half. Paul brach dann den Kontakt zu seiner Mutter ab, denn auch sie war in seinen Augen nur eine Unterdrückerin. Der Kontaktabbruch zu dieser Frau war für Paul ein weiterer Erfolg in seinem Leben. (53-74)

Heinrich war 18 Jahre alt, machte eine Ausbildung bei der Bank und war Messdiener (Ministrant) in der Katholischen Kirche. Seine Eltern hatten kaum Zeit für ihn, weshalb er meistens bei seinen Grosseltern war. Er wurde kurz nach dem 2. Weltkrieg geboren und war schon immer etwas ängstlich und traurig.  Seine Mutter war psychisch krank, erschöpft und depressiv. Eines Tages klopften zwei Zeugen Jehovas an seine Tür: «Weshalb glauben Sie, lässt Gott Kummer und Leid zu?» (S. 77)

Das war der Beginn von Heinrichs Reise. Bei den Zeugen Jehovas lernte er Ursula kennen, die nur vier Jahre später seine Frau werden würde. Heinrich befasste sich zuerst mit dem ausführlichen Bibelstudium und den Publikationen der Wachtturm-Gesellschaft. Seine Eltern waren darüber schockiert und wütend. Sie versuchten ihn zu bestechen, damit er bei den Zeugen Jehovas austreten würde. Doch Heinrich sah darin nur das Werk des Teufels.
Heinrich zog sich zurück, denn er hatte gelernt, er solle kein Teil der Welt sein. Er glaubte daran, dass alle Menschen ausser den Zeugen Jehovas sterben werden. Schon bald. Mit den anderen Zeugen schmiedete er bereits Pläne, in welchen Häuser sie wohnen wollten, wenn alle anderen tot waren. (75-79)

Bei Heinrichs Frau Ursula war es deren Mutter, die zuerst den Zeugen Jehovas beitrat. Ursulas Vater war ein Kriegsveteran aus Stalingrad, der fast immer betrunken war. So verbrachte Ursula ihre Kindheit in Armut und Trauer, denn einer ihrer Brüder starb bei einem Unfall, zwei weitere ertränkten ihren Kummer in Alkohol, wie der Vater, einer davon starb noch vor 40 Jahren an Alkoholvergiftung und drei weitere Geschwister verstarben noch vor ihrem ersten Lebensjahr. Ursula wartete nur noch mit Heinrich auf das Ende. (79-80)

Heinrich und Ursula hatten einen Sohn namens Michael. Doch die Eltern stritten sich viel und der Vater fand einfach keinen Zugang zu seinem Sohn. In der Familie drehte sich alles um die Zeugen Jehovas, um Versammlungen, Predigten, Werbung und so weiter und so weiter. So musste Michael bei den Zeugen Jehovas schnell lernen still zu sein, sonst gab es Prügel vom Vater. Heinrich prügelte seinen Sohn manchmal bis in die Bewusstlosigkeit oder sperrte ihn zwei Tage ohne Essen in sein Zimmer ein. Die Eltern erzählten Michael immerzu Geschichten von Gottes Vernichtung der Ungläubigen. Der Junge hatte grosse Angst und ständig Albträume.

Mit 11 Jahren waren ihm die Zeugen Jehovas aber vor allem eins: peinlich. Aber Michaels Eltern waren stolz auf ihn, da er eine Mitschülerin der Zeugen Jehovas verpetzt hatte, weil sie bei einer Geburtstagsfeier mitgemacht hatte. Von da an schwieg Michael lieber über solche Sachen. Er wollte nicht mehr mit den Zeugen Jehovas in Verbindung gebracht werden. So begann er zu lügen, lernte einfach die Antworten auswendig und behielt seine Zweifel für sich. Michael war nach aussen hin ein vorbildliches Kind, dass insgeheim die Jahre zählte, bis es 18 sein würde und frei.

Als Michael 13 Jahre alt war, machte er mit seinen Eltern Urlaub in Spanien. Dort wurde er von einem Freund zum Essen eingeladen. Diese Menschen waren freundlich, aber auch besorgt. Sie fragten ihn, ob er Hilfe brauchte. Michael konnte aber nichts sagen, die Angst war zu gross, dass alles noch viel schlimmer hätte werden können. So verschloss sich Michael und war oft krank. Dann musste er zumindest die Zeugen-Jehovas-Texte nicht «studieren».

Als er älter war eröffnete Michael seinen Eltern, dass er nicht mehr zu Versammlungen kommen würde und bei den Zeugen Jehovas austreten wollte. Michael debattierte mit seinen Eltern und versuchte mit Bibelstellen zu argumentieren, doch es half nichts. Schlussendlich sagte er ihnen, dass er gar nicht mit den Zeugen Jehovas ins Paradies gehen wolle, wenn es soweit war. Michael wollte sich noch taufen lassen und dann austreten, was ein Kontaktverbot zur Folge haben würde. Heinrich hatte irgendwann keine Argumente mehr in der Diskussion und wollte seinen Sohn schlagen. Michael war jedoch nicht mehr der wehrlose kleine Junge von damals, denn seine Mutter hatte ihn heimlich zum Taekwondo-Training geschickt. So blockte Michael den Schlag seines Vaters mühelos ab und sagte: «Ich schwöre dir, tust du das noch ein einziges Mal, töte ich dich!» (S. 93)

Ein Jahr später trat Michael bei den Zeugen Jehovas aus und verliess fünf Jahre später das Haus seiner Eltern. Erst als weitere fünf Jahre vergangen waren trafen sich Michael und Heinrich wieder in Kroatien. Sie sprachen sich aus und verziehen einander. Nach dem Tod von Heinrichs Vater versuchte Michael nochmal seinen Vater davon zu überzeugen, was alles falsch bei den Zeugen Jehovas war. Es sah auch fast so aus, als würde Heinrich es endlich erkennen, doch das tat er nicht.

Zwei Jahre später besuchten Heinrich und Ursula ihren Sohn in dessen neuen Wohnung. Michael erklärte ihnen, gestützt auf Bibeltexte, dass das Verurteilen und Anklagen von anderen Menschen falsch seien. Bei den Zeugen Jehovas ginge die Liebe verloren und manche der Mitglieder entwickelten geradezu eine Sucht nach Liebe. Doch die Herzen der Menschen wären meist verschlossen. Michael versuchte seine Eltern mit «Liebe deinen Feind» davon zu überzeugen, dass Fehler zu machen vollkommen in Ordnung sei. Man müsse doch aus seinen Fehlern lernen, so sei das Leben. «Seine Eltern hatten sich mit den Worten Ursulas «Michael, du bist von Satan!» verabschiedet.» (S. 104) 2012 sah Michael seine Eltern zum letzten Mal. (81-104)

Lara war 37 Jahre alt und Garderobiere beim Film. Ihr Job war stressig, weswegen sie kein Privatleben hatte. Sie musste für ein Projekt mit einer Bilderbuch-Diva namens Elvi zusammenarbeiten. Jeden Tag stichelte diese gegen Lara und machte ihr das Leben schwer. In Laras Liebesleben war auch nicht viel los. Wie fast alle ihre Kollegen in der Branche hatte Lara einige oberflächliche Affären gehabt, jedoch hatte sie das Ganze satt.

Es gab nur wenige nette Leute beim Film und einer davon war ein Stuntman namens Timo. Lara mochte ihn und er gab ihr seinen Ehering zur Aufbewahrung, während eines Stunt-Drehs. Lara schaute vom Ufer eines Flusses aus zu, wie Timos Auto von einer Brücke ins Wasser stürzte. Doch irgendetwas war schiefgelaufen, das Auto war nicht so auf dem Wasser aufgekommen wie geplant und Timo tauchte nicht mehr auf. Alle gerieten in Panik, aber die Kamera lief weiter, sie konnten ja das Material als Doku verwenden. Plötzlich war Lara von Frieden und Liebe umhüllt, sie füllte sich auf einmal sicher. Dann sah sie ein Licht im Wasser und als es fort war, fühlte sie sich leer. Lara fiel zu Boden und erstarrte in einer Art Trance. Timo war tot. Lara konnte es kaum fassen, alle redeten über die Produktion, aber niemand von Trauer und Schmerz. Lara war wochenlang wie hypnotisiert, starrte ins Leere und versuchte das Geschehene zu verdrängen. Als ihr das nicht gelang ging sie zu Timos Frau, um ihr den Ehering ihres Mannes zurückzugeben. Dann wurde Lara bewusst wie sinnlos das alles war, sterben zur Unterhaltung anderer.

Lara begann zu recherchieren und fand einen Arzt, der sagte, dass die Medienbranche die Menschen systematisch kaputt machen würde. Dem wollte Lara nachgehen.
Sie begann eine Therapie bei Eva. Diese erklärte ihr, dass sie Angst vor den Emotionen bei der Erinnerung an den Unfall habe. Lara hatte viel recherchiert und berichtete Eva von allem, was sie herausgefunden hatte. So glaubte sie zu erkannen, dass die stetige Wiederholung einer Lüge dazu führen könne, dass sie irgendwann zur Wahrheit würde. Der ARD selbst befinde sich im Kampf, er frame sich selbst als Opfer und Kämpfer gegen das Ungerechte. Er glaube auf der moralisch guten Seite zu stehen und projiziere alle Ideologien, Verzerrungen und Unsachlichkeiten auf einen Gegner wie die AfD.

Lara beginnt das System zu hassen, indem sie selbst arbeitet. Für sie wird das Fernsehen zu verschwendeter Zeit, in der die Menschen nicht leben. (105-134)

Lara stösst auf zwei Wissenschaftler, Herbert E. Krugmann und Eugene L. Hartlery. «Sie haben schon 1970 in Erwägung gezogen, dass die Massenmedien spezielle Sendungen entwickeln können, die über das passive Lernen beim Fernsehen das Verhalten und die Einstellung von Menschen beeinflussen könnte.» (S. 135) Dabei würde einfach alles aufgenommen und nichts hinterfragt. Die Menschen würden also durch das Fernsehen hypnotisiert. Der Zugang zum Bewusstsein erhielte das Fernsehen im Alpha-Wellen-Zustand. Das sei auch der Grund, warum es unmöglich sei, aufmerksam fernzusehen ohne immer wieder in Hypnose zu verfallen. Das Unterbewusstsein werde dann beeinflusst durch einzelne Bilder, die in Filmen eingefügt worden seien, aber nicht aktiv wahrgenommen werden könnten. Dabei werde auch Musik gezielt eingesetzt, um bestimmte Reaktionen hervorzurufen. Auch ein Sprechrhythmus könne eine Hypnose verursachen, weshalb es auch versteckte Stimmen in der Musik gebe. Bei der Hypnose werde das Reptilienhirn beeinflusst, wo die Emotionen und der Neocortex sitzten. Fernsehen verursache dabei auch AD(H)S und verschlechtere die Lernfähigkeit und das kritische Hinterfragen. Der Bildungsgrad eines Menschen hänge so direkt vom Fernsehkonsum im Kindesalter ab. Fernsehen blockiere die Fantasie.

Aber auch die Branche selbst sei das Problem.  Sie sei oberflächlich, nur Materielles zähle. Jeder wolle immer mehr, immer dünner, schöner, reicher sein. Darauf würden schon sehr junge Mädchen gedrillt. Ausserdem würden im Fernsehen nur kaputte Beziehungen gezeigt und ein falscher Begriff von Liebe vermittelt, wobei es nur um die sexuelle Anziehung gehe. Auch Straftaten würden verharmlost und positiv dargestellt, etwa im Falle eines Helden, der seine Auserwählte stalkt. Dessen Verhalten würde positiv gewertet, weil es Ausdruck seiner starken Liebe sei. Aber es geht noch weiter. Die Menschen identifizierten sich mit Serienfiguren, sodass diese Teil ihres sozialen Umfeldes, Teil ihres Lebensm würden. Wenn dann eine Serienfigur stirbt, trauerten die Menschen um jemanden, den es nie gegeben hat. Auch Nachrichtensprecher würden ins soziale Umfeld einbezogen. Es seien immer die gleichen Sprecher, sie würden zu Freunden, und Freunde würden einen nie belügen.

Bei Christoph Hörstel findet sie die Aussage, dass 9/11 nur durch Suggestion durch die Medien etwas mit dem Irak und Saddam Hussein zu tun habe. Nach Ken Jebsen würden die Massenmedien nur zur Kontrolle der Masse eingesetzt. Ähnliches würden auch Peter Scholl-Latour, Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam vertreten. Aussteiger aus der Medienbranche würden nicht mehr angehört. Sie vertreteten Meinungen ausserhalb des Mainstreams, weshalb sie geächtet würden. Nach Eva Hermann würden alle Meinungen ausserhalb des Mainstreams diskreditiert und die Massenmedien Gehirnwäsche betreiben. Es sei schlimmer als in jeder Sekte. (134-159)

Lara ging weiter zur Therapie und wechselte den Job. Sie war nun Reiseleiterin in Israel. Während der Sitzungen bei Eva ging sie nochmals zurück zu Timos Unfall und sah in ihrer Erinnerung nochmals was geschah. Dann erkannte sie auch, dass das Licht, das sie gesehen hatte und die Liebe, die sie gespürt hatte, von Timo kamen. Er hatte sich bei ihr bedankt und war dann verschwunden. (159-161)

Mia war 15 Jahre alt, ihre Eltern waren geschieden und sie lebte mit ihrer Mutter auf dem Land. Ihr Vater, Jan, wollte sie dort abholen. Doch sein SUV wurde zerkratzt mit «Umweltsau». Er schimpfte über diese Ökofaschisten, diese ahnungslosen Nichtskönner. Mias Mutter war in seinen Augen auch so eine Ökotante, die nur von Jans Geld lebte. Mia fand das zerkratzte Auto jedoch lustig. Sie nahm jetzt auch an den Fridays-for-Future-Demonstrationen teil. Sie wollte den «Älteren» zeigen, wie sie den Planeten zerstörten. Jan war wütend auf der Heimfahrt und fuhr rücksichtslos. Er warf seiner Tochter vor rassistisch zu sein. Für sie wären an allem die «alten, weissen Männer» Schuld. Klimaleugner war für Jan ein denunzierender Begriff, wie Holocaustleugner. Mia aber hatte Angst, denn ihre Zeit laufe ab. Bald werde der Planet zerstört sein. Jan versuchte sie zu beruhigen und erklärte ihr, dass der Klimawandel natürlich war. Seit der Kleinen Eiszeit im Mittelalter sei die Temperatur des Planeten stetig angestiegen und seit der Industrialisierung würde es auch nicht mehr. Im Gegenteil, Jan sagte Mia, dass die mittlere Temperatur seit 1850 bis 2016 sogar um 0.2°C gefallen sei. Also sei der Klimawandel eigentlich kein Problem und alles nur Angstmacherei. Mit Technik könnten alle Probleme gelöst werde, erklärte Jan weiter. Bei Jan Zuhause angekommen rannte Mia in ihr Zimmer.

Eva, Jans neue Frau, schickte ihren Mann erstmal Spazieren, da er zu viel Yang in sich hatte. Eva war Psychotherapeutin und wollte mit Mia reden. Diese erzählte, dass sie bei den Klimaaktivisten Zusammengehörigkeit und ein gemeinsames Ziel finden konnte. Sie wollten alle die Erde vor der Zerstörung retten. Mia war Aktivistin geworden, nachdem sie in der Schule einen Film gesehen hatte. Dieser hatte ihr so viel Angst gemacht, dass sie zur Klimaretterin wurde. Eva sagte ihr, dass sie das Strahlen ihrer Liebe sehen konnte. Es sei leider normal, dass herrschende Gruppen gezielt Ängste, wie die von Mia, hervorriefen, um Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken. Es sei also Manipulation.

Um Mia zu helfen, machte Eva eine Therapiesitzung mit ihr. Mia sollte in ihr Inneres reisen und sich dort einen sicheren Ort schaffen. Mia konfrontierte sich mit ihrer Angst in Form eines Drachen und konnte damit abschliessen. Nach der Sitzung war sie ruhig und entspannt. Auch Jan war nicht untätig und fing an, über den Klimawandel Nachforschungen anzustellen. (162-182)

Einmal fragte Mia ihren Vater, ob er sie liebe. Darauf antwortete Jan, dass das eine dumme Frage sei und zählte auf, was er alles für sie bezahlte. Jan wollte ihr sagen, dass er sie liebe, aber er konnte es nicht. Eva versuchte Jan zu erklären, dass er sich nicht immer gleich angegriffen fühlen müsse, sondern Frieden in die Kommunikation bringen solle. Weiter erklärte Eva die Unterschiede zwischen Eltern-, Erwachsenen- und Kind-Ich. Jan sprach oft im Eltern-Ich, wodurch Mia ins Kind-Ich gezwungen war und sich immer verteidigen musste. Eine Warum-Frage drängt den anderen immer ins Kind-Ich und so zu einer trotzigen Antwort. Es ging also primär um ein Problem zwischen Mia und Jan, nicht um den Klimawandel. (183 – 189)

In Gruppen laste auch immer Druck auf den Individuen. Das sähe man auch bei den Deutschen, die alle grössenwahnsinnig seien. Die Spitzenpolitiker seien alle psychisch gestört. Die Grundüberzeugungen in Gruppen gäben immer Lebenssinn und Sicherheit für den Einzelnen. Auch wenn nun gute Gegenargumente von aussen kämen, müssten diese sofort abgewehrt werden, damit die Sicherheit nicht gefährdet werde. Das sähe man auch an Deutschland. Deutschland sei ein Vorbild für die Welt und versuchte immer, sie zu retten, zuerst mit dem Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg und heute mit dem Klimawandel. Dabei seien die Zahlen des Treibhauseffektes immer anzuzweifeln und nicht belegt. Um nicht auf Ideologien wie die der Klimaretter hereinzufallen brauchte es die Liebe zu sich selbst. Diese könnte man nur mit Hilfe der Eltern erfahren. Schon lange hätten Wissenschaftler über die Psychologie von Massen geforscht. «Wobei wir allerdings einen Bogen spannen können von den Ausführungen von Herrn Maaz hin zu Greta Thunberg, der Prophetin der Klimabewegung.» (S. 195) Wer der Klimabewegung folgt, würde dies nur aufgrund von Brainwashing tun. (189-196)

Greta Thunberg habe Asperger und Autismus. Bis sie 12 Jahre alt gewesen sei, habe sie eine fast immer abwesende Mutter gehabt, die als Opernsängerin gearbeitet habe. «Das Klima und die damit einhergehenden Veränderungen sind und bleiben einfach nicht vorhersagbar.» (S. 197) Zurück zu Greta Thunberg. Ihr Autismus sei klar durch die Eltern verursacht worden. Er sei eine Flucht aus der eigenen Realität und somit ein Selbstschutz. Schliesslich habe auch Gretas kleine Schwester Asperger, ADHS und andere Störungen, die alle schlimmer geworden seien, sobald ihre Mutter da war. Gretas Mutter sei völlig unfähig zu leben und könnte im Grunde genommen gar nichts. Greta habe sich damals in der Schule einen Film über die Verschmutzung der Meere angesehen. Dadurch habe sie grosse Angst bekommen. Greta habe nun ihre Angst bekämpft, indem sie den Klimawandel bekämpfte. Ihre Familie habe es ihr gleichgetan, denn so hätten sie einen gemeinsamen Feind von aussen, den sie bekämpfen könnten. Greta wolle eine Revolution. Doch wie wir aus der Geschichte wüssten, seien diese immer blutig und folgten auf ein Brainwashing der Massen. (196-204)

Klimawandelkritiker würden von den Klimarettern mit Verschwörungstheoretikern gleichgestellt und schlecht gemacht. Alle vernünftigen Menschen sähen die Fakten zum Klimawandel und würden erkennen, dass darin keine Gefahr bestand. Wer den Klimawandel aufhalten wolle, brauchte dringend eine Psychotherapie. Die Menschen selbst und eventuelle Kriege seien die viel grössere Bedrohung für die Menschheit als die Natur. Die Klimaretter sähen die Bedrohungen nur von aussen, nicht aber von innen, obwohl sie sich selbst religiöser Sprache bedienten. «Es kommen die typischen Merkmale der Gehirnwäsche zusammen. Angst, Schuld, Tod und Befreiung aus dem Kreislauf durch normgerechtes Verhalten.» (S. 208) Die Klimaretter betrieben also ganz klar Brainwashing. «Es ist eine gefühlte Klimahysterie, die nichts mit der Realität zu tun hat.» (S. 208) Die Verhältnisse bei den Klimarettern seien «wie in Sekten.» (S. 209) Durch die Schulen werde das Brainwashing noch gefördert, da Exkursionen zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen gemacht würden. Die Klimademonstranten wären besessen von ihren Ideologien und bald würden Klimaleugner als dumm dastehen. (204-212)

Zurück zu Jan und Mia. Jan war von seinem eigenen Vater oft herabgesetzt worden, der ihm seine Liebe nie richtig gezeigt hatte. Dasselbe tat Jan jetzt auch mit Mia. Als er das erkannt hatte setzte Jan sich mit seiner Tochter zusammen und sagte ihr, dass er sie liebe. (212-215)

Später diskutierten Mia und Jan, der inzwischen recherchiert hatte, über den Klimawandel. Jan sagte, es habe den Klimawandel schon immer gegeben. Mia wies darauf hin, dass das in den letzten 2’000 Jahren jedoch nie gleichzeitig an allen Orten der Fall gewesen wäre. Da fragte Jan, wie man denn überhaupt soweit zurückschauen könne. Mia erklärte ihm, dass das durch das Analysieren von Jahresringen von Bäumen möglich sei. Jan meinte, diese Daten seien alle gefälscht. Man müsse nur mehr Bäume pflanzen und überhaupt seien an dem ganzen CO2 nur die Vulkane schuld. Mia erwiderte, dass das so nicht stimme und die Menschen viel mehr CO2 verursachten als die Vulkane. Jan konterte, dass der menschliche Anteil an CO2 viel zu gering sei, um irgendwelche Auswirkungen zu haben. Also machte Mia ihren Vater auf den Treibhauseffekt aufmerksam. Warum wusste Mia immer gleich eine Erwiderung? Bei Veranstaltungen der Klimaretter habe Mia gelernt, wie sie mit Logik andere Menschen vom Klimawandel überzeugen könne. Jan war fassungslos, genau das sei doch Brainwashing! Vater und Tochter recherchierten in der Folge gemeinsam kamen dann zum Schluss, dass der Treibhauseffekt viel zu gering sei, um relevant zu sein. (215-219)

Als Jan seine Tochter wieder zu ihrer Mutter brachte, fuhr er langsamer und rücksichtsvoller. Später entschied sich Mia nicht wie ihr Vater Jura zu studieren, sondern Botanik, und Jan unterstützte sie dabei. Er schlug auch für sich neue Wege ein. So verkaufte Jan seinen SUV und ersetzte ihn durch ein Elektroauto. Er kaufte einen Hof mit Solaranlage und half von da an Menschen am Existenzminimum.

Jahre später besass Mia eine eigene Gärtnerei. Jedoch flohen Jan und Eva mit Mia in die Schweiz, bis sich die politische Lage in Deutschland beruhigt haben würde. In Deutschland war das Chaos ausgebrochen, weil niemand bei sich selbst die Schuld sehen wollte. So zogen die Menschen mordend durch die Strassen.

Als Mia 55 Jahre alt war, begrub sie Eva und Jan. Sie blickte zurück und war glücklich, dass sie die beiden gekannt hatte. (219-221)

Die Religionen auf der Erde seien alle gescheitert und hätten es nicht geschafft, die Menschen untereinander, geschweige denn mit Gott, zu verbinden. Im Gegenteil, Religionen spalteten Gruppen und Gesellschaften. Dabei benutzten sie Traumatisierungen, um Menschen für ihre Ideologie zu gewinnen. Die Gruppe gebe ihnen ein Gemeinschaftsgefühl und damit auch einen Lebenssinn. Die Gruppe würde dann kritiklos und blind verteidigt. Alles ausserhalb der eigenen Gruppe müsse bekämpft werden. Dabei wäre Kritik so wichtig gewesen, um sich weiterzuentwickeln. Ideologische Gruppen wünschten jedoch keine Kritik. Sie wiesen Kritik ab und verteufelten Aussenstehende. Sie wollten keine inhaltlichen Auseinandersetzungen. (222-223)

««Klimaleugner» oder «Klimawandler», «Verschwörungstheoretiker» oder «Sch(l)afmensch», «Nazis» oder «linksversiffte Gutmenschen», «Kapitalisten» oder «Kommunisten», «Weltmenschen» bei den Zeugen Jehovas, «Wogs» bei den Scientologen, «Kuffar» für die «Ungläubigen» im Islam, «Goj» für die «Ungläubigen» im Judentum, sind keine Kritik an Positionen oder dem Verhalten, sondern führen zu Schubladendenken.» (S. 223) Die eigene Gruppe werde mit solchen Begriffen gegen aussen abgegrenzt. Alle Aussenstehenden würden als Tätervolk betrachtet und nur dieses müsste auch Busse tun. Nur das Tätervolk habe Fehler gemacht, nicht jedoch die eigene Gruppe. Dabei wäre es wichtig gewesen, dass die Menschen gemeinsam erkennen würden, welche Mechanismen zur Ausgrenzung anderer führten und diese möglichst zu vermieden. Doch der Begriff des Tätervolkes halte sich standhaft auch nach mehreren Generationen. (223-225)

Schliesslich herrschten ideologisierte Gruppen durch Angst, also sei Kritik auch nicht möglich. Diese Gruppen spielten mit den Ängsten ihrer Mitglieder und steuerten sie durch ein Versprechen auf Erlösung. Genau dasselbe hätten Religionen schon seit Anbeginn der Zeit getan. Dazu gehöre auch die Klimabewegung. Ihr erlösendes Ziel sei das «Zwei-Grad-Ziel». Die Erde solle sich nicht mehr als 2°C erwärmen. Aber eine exakte Vorhersage der mittleren Temperatur könne ja überhaupt nicht bestimmt werden. Dieses Ziel sei mit dem CO2-Ausstoss erbunden worden und jeder dem diesem widerspreche, stehe auch der Erlösung im Weg. Wer nun mehr CO2 ausstosse, würde automatisch zum Feind. Dadurch werde immer mehr verteufelt und zum Feind gemacht, doch wo höre das auf? Alle die anders denken als der Mainstream würden zu Unrecht verurteilt und das nur, weil sie hinter die Fassade blickten, weil sie sähen, wie es wirklich sei. (225-227)

Heinrich, Ursula, Michael, Lara, Jan, Mia und Eva, alle Figuren in diesem Buch hätten erkannt, dass allein die Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst sie weiterbringen könne. «Wenn die Emotionen heruntergefahren sind, schalten sich der Verstand und die Rationalität wieder ein.» (230-231) Genau so sollten alle Dinge betrachtet werden. So könne man sich auch vor Gehirnwäschen wie die Klimabewegung schützen. Durch die Liebe könne alles Böse besiegt werden. (227-231)

Der ganze Text ist sprachlich und stilistisch ein heilloses Durcheinander. Teilweise wird gehobenere Sprache benutzt, um zu zeigen wie «wissenschaftlich» die Aussagen doch sind, und an anderen Stellen wird in einfachster Sprache den Lesenden alles vorgekaut. Es gibt viele unnötige Details in den Geschichten, die komplett irrelevant sind. Zum Beispiel wird an einer Stelle im Detail erklärt, wie Pauls E-Bike funktioniert. Dies trägt, zusammen mit dem oft sehr banalen Schreibstil, dazu bei, dass die Geschichten den Leser nicht fesseln können. Beim Lesen kommt immer wieder Langeweile auf und oft stellt sich die Frage, ob die Autoren die Lesenden für dumm verkaufen wollen. Die Hauptaussage der Texte ist in etwa: «Hallo Lesende, schaut mal wie schlimm diese Sekten sind!» Das Buch scheint nicht dazu beitragen zu wollen, dass sich das Publikum ein eigenes Bild machen kann. Dazu kommt noch, dass diejenigen Lesenden, die tiefer gehen möchten, mit einer Flut von verschiedenen Quellenangaben überhäuft werden, die oft aus den Untiefen der Verschwörungsliteratur, Esoterik und Pseudowissenschaften stammen.

Das Buch von Kohlhaas und Valeton will den Lesern zeigen, was Verschwörungstheorien und Sekten eigentlich sind und mit welchen Mechanismen sie die Menschen gefangen halten. Es soll dabei helfen, die Wahrheit zu erkennen und sich vor solchen Theorien zu schützen. In der Art, wie es geschrieben wurde, richtet sich das Buch klar an Laien auf dem Gebiet, mit nicht allzu hohem Bildungsniveau. Die Sprache scheint von den Autoren sehr gezielt eingesetzt zu werden. Wo sie aufzeigen wollen, was alles schlecht ist an Scientology, den Medien und so weiter, zeigen sie quasi mit einem sprachlichen roten Pfeil darauf. Mit Wiederholungen und einfachster Sprache soll klar werden, dass dies schlecht ist. Wo es aber um argumentative Begründungen geht, verwenden die Autoren eine komplexere Form der Sprache. Diese Teile verwenden reichlich Fremdwörter, und die Lesenden werden bombardiert mit vermeintlichen Fakten, angeblichen wissenschaftlichen Studien und Quellenangaben, die nicht immer sehr seriös sind. Sollen die Lesenden durch diese geballte Fülle an Hinweisen von der Richtigkeit der Aussagen überzeugt werden?

Das ganze Buch wirkt etwas wie ein Aufschrei. «Wir sind keine Verschwörungstheoretiker! Wir kennen die Wahrheit!» Dabei trieft der ganze Text nur so vor Ironie, so dass es schon fast wieder witzig ist. In einem Atemzug wird etwas verteufelt und im nächsten gleich selbst angewandt. So kritisieren die Schreibenden die Klimawandler, weil sie wissenschaftliche Fakten leugnen würden, und tun dabei genau dasselbe.

Zu Beginn des Buches wurden viele verschiedene Mechanismen erklärt, die später in den Geschichten vorkommen. Der Leser wird regelrecht zugeballert mit Informationen und alles scheint wissenschaftlich belegt zu sein. Oder etwa nicht?

Epigenetik

Erstmal zur Epigenetik. Das Buch behauptet, die Epigenetik würde besagen, dass Traumata über mehrere Generationen weitervererbt werden würden. Nun ist es so, dass man in der Epigenetik davon ausgeht, dass durch Umwelteinflüsse gewisse Gene eines Menschen ein- oder ausgeschaltet werden können. Die DNA wird dabei jedoch nicht verändert. Wenn bereits eine genetische Tendenz zu Angststörungen bei einer Person vorhanden ist, dann kann diese durch Umwelteinflüsse aktiviert werden. Ob Traumata also direkt an eine nächste Generation weitergegeben werden, ist bis heute unklar und wissenschaftlich nicht verifiziert worden. (Luerweg, 2020)

Negative Tendenzen in Massen: Adolf Hitler und Gustave LeBon

Im Kapitel zu den negativen Tendenzen in Massen argumentierten die Autoren höchst interessant. Wer differenziere, verliere seine Macht, also herrschten in Massen nur Absolute. Im Text wurden diese Aussagen mit Quellen belegt, und es wird dieser Quelle zugestimmt. Das ist grundsätzlich nichts Falsches. Jedoch handelt es sich bei dieser Quelle um Adolf Hitler. Es ist mehr als grenzwertig in dieser Weise Adolf Hitler als Argumentationsstütze zu benutzen. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass die Schreibenden Hitler als einen Mann sehen, der von der breiten Masse missverstanden und denunziert wird.

Adolf Hitler ist jedoch nicht die einzige zweifelhafte Quelle. Gustave LeBon wird mehrmals im Buch erwähnt. Er war ein französischer Wissenschaftler, der grossen Einfluss unter anderem auf den Nationalsozialismus hatte, vor allem sein Werk «Psychologie der Massen» von 1895. Genau das ist jedoch die Problematik dieser Begründung. Die Theorien von LeBon entstanden zum Ende des 19. und zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie stammen folglich aus einer völlig anderen Zeit und gelten schon seit vielen Jahrzenten als überholt. Wie mit Adolf Hitler kann auch mit Gustave LeBon keine fundierte wissenschaftliche Argumentation erfolgen. In der Wissenschaftsgeschichte können solche Autoren interessant sein, doch sollte man ihre Texte nicht einfach ins Heute übertragen. Sie müssen in ihrem eigenen Zeitgeist gesehen werden, genau wie Bibeltexte nicht eins zu eins ins Heute übertragen werden können. (Lück, 2016)

Paul und Scientology

Kommen wir zu Paul und seinem Werdegang bei Scientology. Schon zu Beginn der Geschichte wirkt der Text äusserst sonderbar. Es werden beispielsweise technische Details von Pauls E-Bike beschrieben, aber wozu? So einige solche Details haben keinerlei Relevanz und wirken seltsam fehl am Platz. Sollen damit die Leser verwirrt werden?

Auch Paul als Figur wirkt auf mich doch sehr klischeehaft, ein intelligenter «Nerd» und unbeholfen in sozialen Interaktionen. Ausserdem werden im Text immer wieder Handlungen und Gefühle von Paul erklärt, wo sich der Leser fragt, ob die Autoren ihn für dumm erachten. Dann ist da noch diese Stelle: «Ihm ist nicht bewusst, dass mit «hellgrün» das Energiezentrum seines Herzens, dem Sitz der Liebe, angesprochen wird.» (Kohlhaas/Valeton, 2020, 63) Diese Aussage ist äusserst esoterisch und hat nichts Wissenschaftliches an sich. Trotzdem wird es als Tatsache unkommentiert so stehengelassen, obwohl sonst jede Kleinigkeit für den Leser erklärt und verifiziert wird. Dasselbe kommt später in der Geschichte von Paul noch einmal, als erwähnt wird, dass Fabian, der Pauls Auditings begleitet, eine grosse Herzensbildung besitzen würde. Es wird an dieser Stelle nichts weiter erklärt und dieser Begriff wird einfach so stehengelassen, obwohl auch dieser klar der Esoterik zugeschrieben werden kann.

Lara, die Medienbranche und «echte» Wahrheiten

In der Geschichte von Lara und der Medienbranche wird der Leser zugeballert mit Informationen. Lara geht in Therapie und erklärt ihrer Therapeutin Eva, was sie über die Medienbranche alles herausgefunden hat. Als es um die Zeugen Jehovas oder Scientology ging, haben die Autoren quasi mit dem Finger auf alles gezeigt, was diese Gruppen so «böse» macht. Bei der Medienbranche ist das anders. Alles was Lara sagt, wird als Fakt dargestellt. Lara vertritt offensichtlich die Meinung der Autoren! Nun ist es so, dass Lara «hinter den Vorhang» der Medienbranche geblickt und die «Wahrheit» entdeckt haben soll. Diese «Wahrheit von Lara und somit auch der Autoren dieses Buches, ist allerdings alles andere als wissenschaftlich oder rational. Als «Beweise» werden diverse Studien genannt, die entweder zweifelhafter Herkunft sind oder aus den 1980er Jahren stammen. Lara und die Autoren glauben, dass die Medien gezielt die Menschen hypnotisieren würden. Es würden Bilder und Musik in Filmen, Serien und sogar in den Nachrichten heimlich eingefügt, um die Menschen unterbewusst zu manipulieren und willenlos zu machen. Das alles soll im Reptilienhirn des Menschen, dem angeblichen Sitz der Gefühle stattfinden. Dies sind Aussagen, die in die Bereiche von Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaft gehören oder schlicht «Fake-News» sind. Dem Publikum werden so viele vermeintliche Fakten und Beweise genannt, die es offensichtlich so überfordern sollen, dass die Lesenden nicht mehr sehen, wie fragwürdig das Buch argumentiert.

Die Ausgestossenen der Mainstreammedien

Im Text werden ferner einige Menschen namentlich erwähnt, die von den Medien angeblich diskreditiert wurden, weil sie Meinungen ausserhalb des Mainstreams vertreten würden. In den Augen der Autoren sind diese Menschen klare Opfer und würden zu Unrecht kritisiert. Auf einige davon soll hier kurz eingegangen werden.

Christoph Hörstel

Der erste ist der deutsche Politiker Christoph Hörstel, der, sagen wir mal, «interessante» öffentliche Aussagen gemacht hat. Ihm zufolge würde der deutsche Staat Neo-Nazis in den USA finanzieren, die CIA sei an 9/11 beteiligt gewesen, wogegen der Irak und Saddam Hussein von den Medien zu den Schuldigen gemacht worden seien. Im Zusammenhang mit der Corona-Krise spricht er von Mordimpfungen, Endziel und Endlösung. Die Corona-Massnahmen werden mit der Machtergreifung Hitlers verglichen. Dazu kommen migrationskritische und verschwörungstheoretische Aussagen. (Hörstel, 2021)

Ken Jebsen

Ganz ähnliche Ansichten vertritt auch Ken Jebsen, der von den Autoren ebenfalls als Opfer der Medien dargestellt wird. Ken Jebsen ist unter anderem der Meinung, dass die Massenmedien die Massen kontrollierten, dass der Holocaust nur PR sei, dass die Israelis Nazis seien, dass 9/11 von den USA inszeniert worden sei und so weiter und so weiter. (Jebsen. 2021)

Peter Scholl-Latour

Um etwas Abwechslung reinzubringen, war Peter Scholl-Latour nicht der Ansicht, dass die USA 9/11 inszeniert hat. Er behauptete demgegenüber, dass 9/11 von Deutschland finanziert worden sei. In seiner Medienkritik stimmt er aber mit den anderen Autoren überein. (Wikipedia, 2021)

Eva Hermann

Es werden noch weitere Personen genannt, die ähnliches verteten. Als letzte noch genauer erwähnt werden soll hier nur noch Eva Herman. Sie ist der Meinung, dass Frauen zurück an den Herd gehören, sonst würden die Deutschen aussterben. Für sie sind Feminismus und Emanzipation der Feind. Wie der Rechtspopulismus fordert sie eine neue Wertschätzung der Mutterrolle. Weiter behauptet sie, dass die Flüchtlingskrise von Machtmenschen gesteuert worden sei, 9/11 ein Mittel gewesen sei, um die westliche Tradition zu zerstören, und der Welt bald die Machtübernahme einer globalen Elite bevorstünde. Auch zur Corona-Krise hat Eva Herman eine klare Meinung. Sie sagt, die WHO wolle die Weltherrschaft durch die Corona-Impfung. Ausserdem soll Eva Herman in engem Kontakt mit einer rechtsradikalen Kolonie in Kanada stehen. (Kluge, 2020)

Ist es Zufall, dass gleich zwei Personen im Buch, welche die «Wahrheit» sehen können, Eva heissen? Eher unwahrscheinlich.

Der Klimawandel in den Augen der Autoren

Kommen wir nun zu Jan, Mia und dem Klimawandel. Zwischen den Zeilen ist deutlich zu lesen, was die Autoren von dem Thema halten. Ihrer Meinung nach gibt es keinen Klimawandel. Die ganze Sache sei nur Manipulation. Die herrschenden Gruppen wollten mit der Angst vor dem Klimawandel die Massen kontrollieren und kreierten ein Problem, das nicht existiere. Diese Ansicht ist höchst unwissenschaftlich. So werden im Text alle Beweise für den Klimawandel kurzerhand als gefälscht bezeichnet, was als eine klare Abwehrhaltung und Verleugnung der Tatsachen gesehen werden muss. Wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel sind für die Autoren offensichtlich irrelevant.

Alles was von Eva gesagt wird, stellen die Autoren als richtig dar. Sie ist die leuchtende Figur in dieser Geschichte, die Wahrheiten und Wege kennt, welche andere nicht sehen können. Eva übermittelt das, was die Autoren als Wahrheit erachten. Dabei driften ihre psychologischen Mittel doch etwas in die Esoterik ab. Einige Elemente finden sich in der wissenschaftlichen Psychologie wieder, andere jedoch nicht. Eva behauptet beispielsweise, dass Warum-Fragen immer zu einer trotzigen Kind-Ich-Aussage führen würden und so komplett vermieden werden sollten. Keiner sollte also sich erkundigen, warum der Himmel blau ist? Warum ein Fluss nicht nach oben fliesst? Es ist doch wichtig, dass Menschen nach dem Grund der Dinge und des menschlichen Verhaltens fragen.

Greta Thunberg und ihre Familie

Greta Thunberg wird in der Geschichte als «Prophetin» des Klimawandels bezeichnet. Es wird auf ihre Familie und deren angebliche psychische Probleme eingegangen, um damit zu unterstellen, dass es eigentlich gar nicht um den Klimawandel gehe. Greta sei Autistin, weil ihre Mutter als Kind nie da gewesen sei. Der Text vertritt die Meinung, dass Autismus und Asperger durch die Eltern verschuldet sein können. Weiter wird behauptet, dass es bei Greta und ihrer Familie nicht wirklich um den Klimawandel gehe, sondern um die kaputten Beziehungen zueinander. Der Klimawandel und der Kampf gegen ihn seien nur ein konstruierter Feind nach Aussen, den die Familie erschaffen habe, um ihren eigenen Problemen zu entfliehen. Greta wolle eine Revolution, die Bewegung gegen den Klimawandel wolle eine Revolution und würde dafür Gehirnwäsche im grossen Stil betreiben. Das wird in der Geschichte mit Mia verdeutlicht. Mia ist dort genauso der angeblichen Gehirnäsche der Klimajugend verfallen, weil sie Probleme mit ihrem Vater hatte. Zu unterstellen, dass die Leute von Fridays for Future eigentlich eine Therapie brauchen und Probleme konstruieren, wo keine seien, dünkt mich eine sehr extreme Haltung. Das Buch geht sogar so weit zu sagen, dass vernünftige Menschen in den Fakten zum Klimawandel keine Gefahr erkennen würden. Die Autoren leugnen vehement die Existenz eines menschenverursachten Klimawandels und den damit einhergehenden Problemen, werten alle ab, die dagegen kämpfen und stellen alle Fakten, die gegen ihre Meinung sprechen würden, als Lügen dar.

Zukunftsvision der Apokalypse

Kommen wir noch zum haarsträubenden Ende von Mias Geschichte. Da herrscht nämlich Mord und Totschlag in Deutschland, Zustände wie im Dreissigjährigen Krieg. Grund dafür sei, dass niemand die Schuld bei sich selbst suchen wollte. Doch Jan, Mia und Eva seien die besseren Menschen, weil sie hinter die Lügen des bösen Klimawandels blicken konnten. Die Autoren behaupten hier ernsthaft, dass alle Probleme des Klimawandels gelöst werden würden, wenn die Menschen sich selbst genauer anschauen würden. Es gehe also nur um psychologische Probleme der Menschen. Bei diesem Bürgerkriegsszenario in Deutschland stellt sich schon die Frage, was diese Prognose soll. In der Geschichte von Mia wird dem eigentlichen Thema Klimawandel bewusst ausgewichen und die Familienprobleme werden in den Vordergrund gestellt. Ist dies eine Verschleierungstaktik der Autoren, um nicht offensichtlich als Verschwörungstheoretiker ertappt zu werden?

Verschwörungstheorie und logische Argumentation

Allgemein werden im Text Verschwörungstheoretiker, Klimajugend und Nazis in denselben Topf geworfen. Alle Gruppierungen sollen ein zwanghaftes Verhalten an den Tag legen und schlussendlich ginge es, genau wie in der Religion, nur um Kontrolle durch das Versprechen auf Erlösung. Die Autoren unterstellen den Religionen, nur Kontrolle als Ziel zu haben. Es werden viele Mechanismen und Kriterien gezeigt, wie Verschwörungstheorien erkannt und vermeiden werden können. Die Ironie dabei ist, dass die Autoren nicht zu merken scheinen, dass sie sich selbst in Verschwörungstheorien verstricken. Vor allem in der Geschichte mit Mia werden von ihnen konsequent Fakten zum Klimawandel ignoriert und etablierte wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse abgelehnt. Genauso behauten sie, dass der Mainstream Andersdenkende zu Unrecht verurteilt und genau diese eigentlich die Wahrheit sehen würden. Mehr Verschwörungstheorie geht kaum noch. In die verschwörungstheoretischen Argumentationen der Autoren mischen sich auch Pseudowissenschaft und Esoterik.

Selbstreflexion als Wundermittel

Am Ende des Buches kommen die Schreibenden zum Schluss, dass alle Figuren sich positiv weiterentwickeln konnten, weil sie sich mit sich selbst beschäftigt hatten. Ganz so als hätte es nie reale Probleme gegeben, sondern alles wären nur Persönlichkeitsprobleme gewesen. Weder Scientology noch die Zeugen Jehovas oder der Klimawandel seien eine reale Bedrohung. Das Buch plädiert dafür, dass die Menschen alle Dinge ohne Emotionen, nur mit dem Verstand, betrachten sollten. So könnten sie sich vor Brainwashing wie dem Klimawandel schützen. «Wenn die Emotionen heruntergefahren sind, schalten sich der Verstand und die Rationalität wieder ein.» (Kohlhaas/Valeton, 2020: S. 230-231) Das Tragische dabei ist, dass die Autoren dabei nicht erkennen können, wie ironisch das Ganze ist. So tun sie doch genau das, was sie so verurteilen.

Das Buch will die Mechanismen von Gruppen wie Scientology, den Zeugen Jehovas, den Klimarettern und der Medienbranche aufzeigen, die benutzt werden, um Menschen an sich zu binden. Es wird behauptet, dass die Klimaretter Brainwashing betreiben würden, genau wie die Medien den freien Willen zu unterdrücken versuchten, dass die Persönlichkeit verloren ginge und die Menschen am rationalen Denken gehindert werden würden.

In «Deine Seele gehört uns» wurden alle diese Dinge mit Beispielen ausgeschmückt. Alle Behauptungen und Wahrheiten wurden mit verschiedensten Quellen belegt. Die Frage ist nur, sind es verlässliche Quellen?

Definitiv nicht!

Die Argumentationen des Buches stützen sich auf verschwörungstheoretische und sehr zweifelhafte pseudowissenschaftliche Quellen. Je weiter die Argumentationen der Autoren gehen, desto mehr verstricken sie sich in neue Verschwörungstheorien.

So kann das ganze Buch als ein wunderbares Beispiel dafür dienen, wie Verschwörungstheorien funktionieren. Die Verfassenden zeigen bilderbuchartig, wie Menschen argumentieren, die in Verschwörungstheorien gefangen sind.

Eser Davolio, 2019: Eser Davolio, Miryam: Verschwörungstheorien als Trigger jihadistischer Radikalisierung, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.19-38.

Hörstel, 2021: Hörstel, Christoph: Christoph Hörstel. Ehrliche Politik: Wir dienen. Der Schöpfung. (https://christoph-hörstel.de/, zugegriffen am 11.02.2021).

Jebsen, 2021: Jebsen, Ken: KenFM (https://kenfm.de/, zugegriffen am 11.02.2021).

Kluge, 2020: Kluge, Christoph: Eva Herman. Wie sie zur Ikone der Verschwörungsszene wurde, in der Tagesspiegel (https://www.tagesspiegel.de/politik/eva-herman-wie-sie-zur-ikone-der-verschwoerungsszene-wurde/26038012.html, zugegriffen am 11.02.2021).

Kohlhaas/Valeton, 2020: Kohlhaas, Alexander / Valeton, Anna-Maria: Deine Seele gehört uns. Mit welchen schmutzigen, hypnotischen Tricks Medien, Klimaretter, Zeugen Jehovas und Scientology dich einfangen wollen!, Fichtenau, 2020.

Luerweg, 2020: Luerweg, Frank: Epigenetik. Psychotherapie für die Gene?, in Spektrum.de (https://www.spektrum.de/news/psychotherapie-fuer-die-gene/1737168, zugegriffen am 01.02.2021).

Lück, 2016: Lück, Helmut E.: LeBon, Gustave, in Dorsch. Lexikon der Psychologie (https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/lebon-gustave, zugegriffen am 01.02.2021).

Metzenthin, 2019: Metzenthin, Christian: Verschwörungstheorien und Religion. Wissen – Glauben – Vertrauen, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.9-18.

Metzenthin und Schneider, 2019: Metzenthin, Christian / Schneider, Jasmin: Den Fake erkennen. Eine Handreichung für Unterricht und Erwachsenenbildung, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.111-130.

Pöhlmann, 2019: Pöhlmann, Matthias: Im Sinnlosen Sinn finden? Theologische Unterscheidungshilfen zum Verschwörungsglauben, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.77-110.

Ruch, 2019: Ruch, Christian: Traue niemandem! Was fasziniert an Verschwörungstheorien?, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.39-60.

Schröm, 1998: Schröm, Oliver (1998): Braune Esoterik auf dem Vormarsch: Viele Bücher aus der New-Age-Szene zeichnen ein rassistisches Weltbild, in Zeit Online (https://www.zeit.de/1998/23/esoterik.txt.19980528.xml/komplettansicht, zugegriffen am 05.01.2021).

Sträuli, 2019: Sträuli, Dieter: Im Banne des Grossen Anderen. Die unbewussten Wurzeln von Verschwörungstheorien und Sektendynamik, in Phänomen Verschwörungstheorien. Psychologische, soziologische und theologische Perspektiven, Zürich, 2019, S.61-76.

van Helsing, 2020: van Helsing, Jan (2020): Jan van Helsing im Interview mit Anna-Maria Valeton und Alexander Kohlhaas, in Amadeus Verlag (https://amadeus-verlag.de/aktuelles/interviews/jan-van-helsing-im-interview-mit-anna-maria-valeton-und-alexander-kohlhaas, zugegriffen am 05.01.2021).

Wikipedia, 2021: Peter Scholl-Latour (https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Scholl-Latour, zugegriffen am 11.02.2021).

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