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  Diamant-Weg Lama Ole Nydahl
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  Diamant-Weg / Lama Ole Nydahl
Kurzinformation
Das Wirken und die häufigen Reisen des 16.Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje (1924-1981), der wie der Dalai Lama 1959 aus Tibet fliehen musste und seither in seinem neuen Kloster Rumtek in Sikkim residierte, führte zusammen mit der einzigartigen "missionarischen" Aktivität seines dänischen Schülers Lama Ole Nydahl zur Gründung von gegen 300 westlichen Kagyü-Gruppen und Zentren. Diese immer noch anhaltende Faszination des gebildeten westlichen Publikums für die Kagyü-Spiritualität gründet nicht zuletzt in der Gestalt von Lama Ole Nydhal. In Kopenhagen aufgewachsen, früh wegen Drogendelikten in Konflikt mit dem Gesetz geraten, begegnet er auf seiner Hochzeitsreise mit seiner Frau Hannah in Nepal dem 16. Karmapa. Die mystische Sehnsucht des wendigen Intellektuellen, Draufgängers und Lebemenschen greift in radikaler Erlebnisbereitschaft und Erleuchtungshoffnung die langwierigen Uebungen und für westliches Empfinden komplizierten Lehrinhalte der Kagyü-Mystik auf. Die Radikalität seines spirituellen Engagements veranlasst den 16.Karmapa, den jungen Dänen mit der Gründung der ersten Kagyü-Zentren in der westlichen Welt zu beauftragen. Lama Ole Nydahl kommt diesem Auftrag mit einem Engagment nach, das seinesgleichen sucht. Ständig unterwegs, einmal mit seiner Frau Hannah, ein anderes Mal mit seiner Gefährtin Caty, gründet und besucht er Zentrum um Zentrum. Seine Auftritte bestechen vor allem das jüngere, gebildete westliche Publikum in seiner so nur ihm eigenen Mischung von Ehrfurcht gegenüber den buddhistischen Meistern der eigenen Schule und unverfroren intuitiver Deutung ihrer Lehren. Nydahl verbindet Mystik und Abenteurertum, Hektik und Gelassenheit, Mönchstitel und Lebenslust, Buddhalächeln und Rotznasigkeit. Buddhismus, auch wenn er sich in endlosen Wiederholungen alter Mantren und Lehren wiederholt, wirkt bei Lama Ole Nydahl wie eine Einladung zu einem Bungeesprung aus einer Seilbahn im Berner Oberland. Mit diesem Sprung und anderen Abenteuern testet Lama Ole die Wahrheit der höchsten buddhistischen Ueberlieferung der Kagyüpa, des Mahamudra. Kurz: Mit dem Buddhismus von Lama Ole stürzen sich westliche Adepten voll hinein ins bunte Leben und erreichen doch, so lautet das überall gegenwärtige Versprechen, höchste Erleuchtung in der Begegnung mit der absoluten Wirklichkeit, immer präsent in dieser Welt der Erscheinungen. Wer möchte da nicht gerne mitspringen?

Umstritten ist Lama Ole nicht nur wegen seiner unkonventionellen Verbindung von buddhisitscher Tradition und eigener Intuitition. Auch seine Hektik, sein Humor, sein offenkundig "tantristischer" Umgang mit Frauen - Lama Ole lebt aber offiziell mit seinen zwei Frauen "monogam" - fordern Kritik heraus. Ueberdies trugen ihm seine oft derben Sprüche den Vorwurf ein, ein eigentlicher Rassist zu sein. Wenn man ihm allerdings die weitherum diskutierten, ihm zugeschriebenen rassistischen Aussagen über Moslems und Afrikaner z.B. und die nicht weniger rassisitschen Hinweise auf sein erleuchtetes Wikingertum und irgendwelche Arierverwandtschaft der Tibeter zur kritischen Kommentierung vorlegt, verliert sich der Eindruck einer von ihm angestrebten rassistischen buddhistischen Ideologie. Nicht ideologische Positionen, sondern viel eher ab und zu das lockere Mundwerk und die Liebe zu derben Randbemerkungen, - gerade ein intellektuelles Publikum lässt von derben Sprüchen oft besonders faszinieren - trugen dem wahrscheinlich erfolgreichsten buddhistischen "Missionar" in der heutigen westlichen Welt die erwähnten Vorwürfe ein. (Den Titel "Missionar" weist er natürlich weit von sich. Denn im Unterschied zum Christentum und zum Islam "missioniert" der Buddishismus nach offizieller Lesart nie. Er breitet nur auf Anfrage hin vor wahrheitshungrigen Menschen seine Erkenntnisse aus.)

Unverkennbar ist die vom Diamant-Weg selten lauthals verkündete, aber immer wieder hörbare Absage an alle spirituellen Führungsansprüche des Dalai Lama. Diese Haltung hat Tradition. Schon der 16. Karmapa liess sich vom geflohenen Dalai Lama zwar mit anderen tibetischen Meistern in eine politische Allianz aller Tibeter im Exil einbinden, den spirituellen Führungsanspruch des Dalai Lamas über alle tibetischen Schulen hat er aber immer von sich gewiesen. Der 16.Karmapa hat unter verschiedenen Nicht-Gelupga-Autoritäten in dieser Hinsicht auch reichlich Unterstützung erhalten. Diesem Beispiel folgend sprechen Lama Ole Nydhal und der von ihm inspirierte Diamant-Weg von einer eigentlichen generationenlangen Unterdrückung der Karma Kagyüs duch den Dalai Lama.

Neuerdings zeitigte dieser halb verdeckte, halb offene Gegensatz auch institutionelle Folgen. Der Tod des 16.Karmapa (1981 auf einer seiner Reisen in den USA) führte bald zu Gründung eines Komitees von vier Rinpoches, einschliesslich des 14. Shamarpa, der ein Neffe des 16. Karmapas war. Die vier sollten die Reinkarnation des 17.Karmapa aufsuchen. 1984 trat der Shamarpa, in der Auffindungsfrage sicher die bedeutendste Autorität, aus dem Komitee aus, weil er im Kommitee Macht-Missbrauch und Politisierung der Nachfolgefrage ortet. Er führte die Suche nach der Reinkarnation nun allein weiter und fand 1991 in Tibet zu Thaye Dorje, 1983 in Lhasa geboren, einem Sohn des 3. Mipham Rinpoche der Nyingma-Schule. 1994 floh Thaye Dorje mit seiner Familie nach Indien, wo er seither die ihm gebührende Schulung erhält 1986 wurde er zum Mönch geweiht und erhielt den Namen "grenzenloser Diamant" (Thaye Dorje). Im Jahr 2000 kam der nun 17-jährige Thaye Dorje zum ersten Mal nach Europa und wurde hier von seiner zahlreichen Gemeinde mit grösster Ehrfutcht und Liebe umsorgt.

Statistik:
Es besteht mittlerweile ein internationales Netz von über 270 Diamant-Weg /Karma Kagyü - Zentren oder Gruppen in 35 Ländern, davon in der Schweiz 6, in Öesterreich 6, in Deutschland 84

Adressen:

D:
Karma-Kagy -Dachverband (KKD)
Hinterschwarzenberg 8,
D-87466 Oy-Mittelberg
Tel 0172-8304008 Fax 08366-983818
Der KKD umfasst 7 Regionalvereine.
Zeitschrift "Kagyü Life"

A:
Karma Kagyü Österreich
Buddhistisches Zentrum, Fleischmatkt 16, A-1010
Wien, Tel/Fax 0222-8765434
Zentren oder Gruppen in Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Bregenz, Wien.

CH:
Buddhistisches Zentrum Zürich
Hammerstr.9a, CH-8008 Zürich
Tel 01-38 20 875 Fax 01-38 00 144
Zentren oder Gruppen in Basel, Bern, Luzern, Schaffhausen, St.Gallen, Zürich.

Georg Schmid, 2001
Letzte Aenderung 2001, © gs 2001, Infostelle 2000
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