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  Remar 
Die aus Spanien stammende Drogenrehabilitations-Organisation Remar ist seit den neunziger Jahren auch im deutschsprachigen Raum aktiv. Remar kann dabei einerseits durchaus auf gewisse Erfolge in der Rehabilitation von Drogensüchtigen hinweisen, andererseits ist die Gemeinschaft unter Experten nicht unumstritten, dies vor allem wegen ihres charismatischen Weltbildes, das sie den zu Betreuenden vermittelt, und wegen der Tatsache, dass ein schöner Teil der erfolgreich Rehabilitierten bei der Organisation verbleibt. Anfragen in Sachen Remar stellen sich aber nicht nur in Zusammenhang mit der Drogenrehabilitation, sondern auch bedingt durch die Tatsache, dass die Organisation "christliche Unternehmen" begründet, die ihre Dienste auf dem Markt anbieten und ihren Gewinn in die Remar-Kasse einspeisen. Zudem tritt Remar auch durch evangelistische Aktionen, v.a. unter Randgruppen der Gesellschaft, in Erscheinung. 
Der Gründer: Miguel Díez
Gründer und Präsident von Remar ist der Spanier Miguel Díez. Díez wuchs im Baskenland auf als Sohn eines alkoholkranken Gefängnisangestellten und einer, wie Díez berichtet, dominanten Mutter. Die Konfession der Eltern ist die katholische, eine besondere kirchliche Prägung der Familie liegt aber nicht vor. Vom Vater wird Díez schon im Alter von elf Jahren zu Pokerrunden mitgenommen, der junge Miguel erwirbt in diesem Glücksspiel auch bald eine grosse Fertigkeit. An der Universität von Valladolid studiert Díez ein Jahr lang Medizin, nebenbei frönt er dem Glücksspiel. Nach Abbruch seines Studiums lebt Díez eineinhalb Jahre in Paris, wo er ein Künstler- resp. Spielerleben führt und von den Kreisen der Existentialisten und Vor-68er berührt wird. Dann zieht Díez nach Madrid weiter und schreibt sich dort in der Schule für dramatische Kunst ein. Hier verfasst Miguel ein Theater, das inhaltlich dem Existentialismus Albert Camus' nachempfunden ist. In dieser Zeit lernt Miguel seine spätere Frau Carmen, damals sechzehnjährig, kennen. Díez' Militärdienst auf den Kanarischen Inseln, dem er sich vergeblich zu entziehen versucht, macht seiner schauspielerischen Ausbildung ein Ende. Nach seiner Rückkehr heiratet Miguel seine Carmen und zieht nach Vitoria, wo er eine Stelle als administrativer Leiter einer Klinik erhält. Daneben arbeitet Miguel als Vertreter für Versicherungen, ein Faktum, das es dem jungen Ehepaar ermöglicht, schon bald ein eigenes Haus zu erwerben. Dem Ehepaar werden vier Kinder geboren, Mikel, Rebecca, Marcos und Daniel. Schon bald jedoch empfindet Miguel eine gewisse Monotonie in seinem Berufs- und Eheleben, die er durch Pokerrunden mit den Angestellten der Klinik, an welcher er beschäftigt ist, beheben will. In den folgenden Jahren wächst sich Miguels Spielleidenschaft zur eigentlichen Spielsucht aus.

Durch eine Nachbarin werden Carmen und Miguel zum ersten Mal mit pfingstlerisch geprägtem Christentum konfrontiert, als Miguels Tochter Rebecca an Gastritis erkrankt. Die pfingstlerische Nachbarin bietet Carmen an, für die Tochter zu beten und sie zu salben. Rebecca verliert binnen einiger Tage nach diesem Heilungsdienst alle Symptome. Carmen bekehrt sich daraufhin zum Christentum charismatischer Prägung und begründet in der Garage ihres Mannes eine Hausgemeinde, die "Christlich-evangelische Pfingstgemeinde von Philadelphia in Vitoria". Miguel lässt seine Frau gewähren und willigt ein, mit seiner Frau eine Evangelisation eines schwedischen Pfingstpredigers in Los Bohiches zu besuchen. Hier bekehrt sich Miguel und erlebt seine Geistestaufe, die sich durch Zungenrede zeigt. Wieder zurück in Vitoria, kommt Miguel in Konflikt mit der Anbetungsleiterin der hiesigen Gemeinde, die Miguel "moralische Hinweise" gibt. Das Problem für Miguel war hierbei, dass es eine Frau war, die ihm Anweisungen gab: "Als Kind einer überaus dominanten Mutter hatte ich mir geschworen, mich nie wieder von einer Frau beherrschen zu lassen". Als Folge dieses Zusammenstosses verliert Miguel binnen einer Woche seinen Glauben wieder. Miguel kehrt zu seiner angestammten Spielsucht zurück, lässt aber seine Frau weiterhin in ihrer Gemeinde mitwirken.

Die folgenden acht Jahre leben die Eheleute aneinander vorbei. Miguel frönt seiner Spielleidenschaft und dem Alkohol und ist selten daheim anzutreffen, während sich Carmen um die Kinder kümmert und sich für ihre Gemeinde engagiert. Mit der Zeit etabliert sich eine klassische Co-Abhängigkeits-Beziehung: Versucht Miguel einmal, direkt nach der Arbeit nach Hause zu kommen um seiner Spielsucht zu entgehen, verhält er sich zu Hause unruhig und aggressiv, was Carmen veranlasst, ihn selbst aufzufordern, sich zu seinen Spielertreffs zu begeben.

Auf Wunsch seiner Frau besucht Miguel, wiederum in Malaga, eine evangelistische Veranstaltung. Der Evangelist hat bei dieser Versammlung ein "Wort der Erkenntnis". Er ruft einen "jungen Mann" auf, "den Gott schon seit langem suchte, um ihn für einen besonderen Dienst freizumachen", und meint, "dass dieser Mann aufhören sollte, der Stimme Gottes zu widerstehen und sein Werk zu behindern". Miguel fühlt sich angesprochen, weigert sich aber, dem Aufruf, nach vorne zu gehen, nachzukommen. Erst als der Evangelist auf Miguel zeigt und von dem neben ihm stehenden Pastor, dem Miguels Kasus bekannt ist, seinen Namen erfährt, geht Miguel nach vorne und bekehrt sich erneut. Als der Evangelist für Miguel betet, fällt dieser zu Boden und schlägt sich den Kopf an der Terrasse an. Miguel beginnt, "hoffnungslos zu weinen und zu schreien".

Nun nimmt Miguel auch in Vitoria an den Veranstaltungen der dortigen Gemeinde teil. Von seiner Spielsucht wird er aber weiterhin bedrängt. Erst ein Heilungsgebet durch finnische Evangelisten verschafft ihm hier Linderung. Er spielt zwar noch ein paar Tage weiter, verliert aber zunehmend sein Interesse am Glücksspiel. Auch Alkoholkonsum und Rauchen gibt Miguel auf.

Die Gründung von Remar
Zum Ehepaar Díez stossen in der Folge die Geschwister von Carmen, Beatriz, Angel und Javi Jiménez, dazu, die sich ebenfalls zum Christentum pfingstlerischer Prägung bekehren. Diese fünf Personen, Miguel, Carmen und ihre drei Geschwister, beschäftigen sich in der Folge intensiv mit der Gestaltung der Urgemeinde nach den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte. Hierbei wird ihnen insbesondere die Tatsache, dass die ersten Christen allen ihren Besitz teilten, wichtig. Dies, ein christlicher Kommunismus, erscheint den fünfen nach Darstellung der Apostelgeschichte als Folge der Pfingstereignisse. Auch ein persönliches Pfingsten in Form der Geistestaufe sollte, so die Ueberlegung, zu ähnlichen Folgen führen.

Die fünf entscheiden sich, ihren Besitz, auch Liegenschaften, zu verkaufen und fürderhin gemeinschaftlich zu wohnen. Die evangelistische Tätigkeit, die das Quintett entfaltet, führt sie zunehmend in Kreise der Randgruppen der Gesellschaft, die, so die Beobachtung, für die pfingstlerische Botschaft weit offener sind als die gesetzteren, katholisch geprägten Schichten der Bevölkerung. Hier, in der Arbeit mit Randgruppen, sieht Miguel nun seine spezifische Beauftragung. Bald füllt sich der Wohnsitz der Gemeinschaft mit Drogenabhängigen, Alkoholikern und Prostituierten, denen Miguel und seine Mitstreiter durch die pfingstlerische Lehre eine andere Perspektive aufzeigen wollen. Das erste Zentrum ist entstanden.

Darauf kaufen die fünf mit finanzieller Unterstützung von Carmens Eltern einen Bauernhof von 50 ha in der Nähe von Vitoria. Hier entsteht das erste eigentliche Drogenrehabilitations-Zentrum der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft nimmt den Namen "Remar" an, als Abkürzung von "Rehabilitacion de marginados" (Rehabilitation von Randgruppen) und nach dem spanischen Verb für "rudern".

Probleme
Miguel Díez und sein Werk Remar bekommen in der Folge Probleme von zwei verschiedenen Seiten. Einerseits stösst eine pfingstlerische Institution auf wenig Gegenliebe bei staatlichen Stellen und von Seiten der katholischen Kirche. Für staatliche Unterstützung muss Miguel immer wieder neu kämpfen, stets muss er versuchen, kritisch eingestellte Beamte von der Wirksamkeit seiner Methode zu überzeugen.

Zum anderen ist die Geschichte von Remar eine Geschichte der Spaltungen. Zuerst führt die praktische Konsequenz des Christseins, die Miguel und seine Mitstreiter leben, zu Konflikten innerhalb der Pfingstgemeinde in Vitoria. Es gelingt den beiden Seiten nicht, verschiedene Grade der praktischen Involviertheit im Christsein nebeneinander bestehen zu lassen. Remar trennt sich von der Pfingstgemeinde. Nach kurzer Zeit steht Remar mit keiner Gemeinde des Baskenlandes mehr in Kontakt.

Statt dessen tritt Miguel in Beziehungen zu einer Gemeinde in Madrid, die eine ähnliche Arbeit ins Leben rief wie Remar. Dieser Gemeinschaft schliesst sich Beatriz, die Schwester Carmens, an. Doch alsbald kommt es auch hier zum Bruch, insbesondere weil, wie Miguel berichtet, in der Madrilener Gemeinschaft Frauen eine beherrschende Position erhalten hätten. Miguel sieht die Möglichkeit einer Zusammenarbeit nicht mehr als gegeben an. Seiner Frau verbietet Miguel in der Folge jeden Kontakt mit ihrer Schwester, Beatriz wird fürderhin nicht mehr als Mitgründerin von Remar angeführt.

Die Ausbreitung des Werkes
Remar kann in den folgenden Jahren ein beachtliches Wachstum erleben und begründet Reha-Zentren und später auch "christliche Unternehmen" in verschiedenen Städten Spaniens und im Ausland. Als für dieses Wachstum förderlich erweist sich einerseits die gelebte, tätige Liebe der Remar-Leute zu den Randgruppen der Gesellschaft. Zum anderen bleibt ein rechter Teil der durch Remar Rehabilitierten innerhalb der Gemeinschaft und gründet neue Zentren.

Zur Zeit verfügt Remar über rund 200 Zentren in 34 Ländern.

Die "vier Säulen"
Die Arbeitsweise von Remar wird bestimmt durch das Konzept der "vier Säulen". Diese bezeichnen vier Bereiche, in welchen die Organisation tätig ist.
1. Evangelisation
Die erste der Säulen, auf welchen Remar ruht, ist die Evangelisation. Evangelisation, Verkündigung des Christentums pfingstlerischer Prägung, ist das wichtigste Anliegen Remars: "La primera y principal de todas (sc. columnas), pues da sentido a las demas, es la del Evangelismo" (Die erste und wichtigste von allen (Säulen), die den anderen (Säulen) Sinn gibt, ist die der Evangelisation). Remar nimmt des öftern bezug auf den Missionsbefehl, den die Organisation erfüllen will.

Zur Erreichung dieses Ziels bedient sich Remar verschiedener evangelistischer Mittel: evangelistische Einsätze in Gefängnissen, Spitälern, Universitäten und Schulen, Einsätze auf den Strassen, Gottesdienste auf öffentlichen Plätzen, Sendungen in verschiedenen Rundfunkstationen, Produktion von Zeitschriften und evangelistischer Literatur, Aktivitäten im Bereich des Theaters oder der Musik u.a. Zusammenfassend meint Miguel Díez: "Wir benutzen ganz einfach alle erlaubten Mittel, die uns zur Verfügung stehen".

In der Schweiz geschieht die Realisierung der ersten Säule durch ein mit der Heilsarmee gemeinsam betriebenes Gassenzimmer in Zürich und durch sporadische Strasseneinsätze. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Remar ihre erste Säule im deutschen Sprachraum weit weniger betont als in Spanien oder Südamerika. J. Carlos Penate von Remar Schweiz meint denn auch, dass die Evangelisation hierzulande weit schwieriger sei als andernorts.

2. Jüngerschaft
"Die zweite Säule ist die Jüngerschaft, denn es hilft sehr wenig, wenn sich Menschen bekehren, die danach trotzdem alleine weiterleben", schreibt Miguel Díez. Remar will den Menschen nicht nur das Evangelium, in pfingstlerischem Verständnis, verkündigen, sondern die Menschen auch dazu führen, Jüngerschaft zu leben. Zur Jüngerschaft gehört, dies das Spezifikum von Remar, die Aufgabe allen Privateigentums. Es ist ein finanziell armes, arbeitsames Leben, das Díez von einem Jünger, einer Jüngerin fordert. Nicht umsonst steht der benediktinische Leitvers "Ora et labora" auch über dem Werk von Remar.

Zur zweiten Säule gehören die Jüngerschaftsschulen der Remar, die Berufsbildungsschulen und die Jugendarbeit.

3. Christliche Sozialarbeit
Die dritte Säule der Tätigkeit von Remar, die christliche Sozialarbeit, beinhaltet die Drogenrehabilitation, mithin diejenige Aktivität, die in der öffentlichen Wahrnehmung der Organisation im Zentrum steht. Ziel der dritten Säule ist es, gute Werke zu tun, "nicht dass wir durch sie errettet werden, sondern weil sich darin die wahre Liebe äussert". Christlicher Glaube hat nach dem Verständnis von Remar die Liebe zu allen Menschen zur Folge, und diese Liebe führt zu konkreten Taten gelebten Glaubens.

Daneben nimmt Remar wahr, dass eine Evangelisation, die von sozialer Tätigkeit der Verkündigenden begleitet ist, weit wirksamer sein kann, als blosse Missionierung: "Die sozialen Werke der Christen sind als gutes Zeugnis absolut notwendig. Die Menschen heutzutage haben mehr denn je genug von religiösen Theorien; sie sehnen sich nach Taten, die aus Liebe geschehen und nicht aus guten Gründen getan werden...", stellt Miguel Díez fest.

Die christliche Sozialarbeit realisiert sich in den Rehabilitationszentren. Zur Arbeitsweise dieser Zentren s.u.

4. Christliche Unternehmen
Die vierte Säule Remars, die Gründung christlicher Unternehmen, ist die vielleicht überraschendste Aktivität der Gemeinschaft: Hier betätigt sich Remar als Holding-Gesellschaft, die verschiedene gewerbliche und Dienstleistungs-Unternehmen ihr eigen nennt, die nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden und deren Gewinn dann Remar zugute kommt (und in die anderen drei Säulen fliesst). Als eigentlicher Inhaber der Unternehmen gilt Jesus Christus.

In der Schweiz ist die vierte Säule durch ein Brockenhaus und durch das Angebot verschiedener Dienstleistungen, etwa Umzugs-Transporte und Reinigungsarbeiten, realisiert. Die zwischenzeitlich am Markt auftretende Druckerei wurde nach Deutschland verlegt.

Das Rehabilitationskonzept
Im folgenden soll das Rehabilitationskonzept, wie es Remar Schweiz heute durchführt, dargestellt werden. Remar hat dieses Konzept im Laufe der Jahre entwickelt, nach dem Zeugnis des Buches von Miguel Díez unter Beobachtung anderer pfingstlerischer Therapieangebote und aufgrund zunehmender eigener Erfahrung.
Vorbedingungen und Dauer
Die Aufnahmekriterien beinhalten den Willen der interessierten Person, "aus ihren gegenwärtigen Problemen auszubrechen und sich auf christlicher Basis helfen zu lassen", das Einverständnis mit einem völligen Verzicht auf Betäubungsmittel, Nikotin, Alkohol und eigene Finanzen während des ersten Teiles der Therapie, die Bereitschaft zur Teilnahme an den täglichen Arbeiten und Aktivitäten sowie die Bereitschaft zur Respektierung der Hausordnung.

Eine Therapie bei Remar dauert mindestens 18 Monate.

Therapieformen
Folgende Therapieformen gelangen bei Remar zum Einsatz: Einzeltherapie, Gruppentherapie, Arbeitstherapie, Sozialtherapie und allgemeine Lebenshilfe, Hilfeleistungen im Wiedereingliederungsprozess vor dem Austritt.
Stufe 1
"Körperlicher Entzug, Bruch mit dem bisherigen Leben und Einleben in die Hausgemeinschaft. Ca. drei Monate nur interne Betreuung und Arbeitstherapie. Kontaktaufnahme mit Gläubigern und Behörden. Kontakte mit der Aussenwelt nur nach Absprache und in Begleitung".
Stufe 2
"Aktive Auseinandersetzung in der Hausgemeinschaft. Selbstverantwortlichkeit im Arbeitsprozess. Schrittweise Wiedereingliederung in externe Teilzeitarbeit. Kontakte mit Aussenpersonen nach Absprache und in Begleitung".
Stufe 3
"Festigung der neugewonnenen Lebensausrichtung. Ausbau der externen Arbeitszeit. Förderung der Kontakte zur Familie (allenfalls Vermittlung zur Versöhnung). Uebernahme von Verantwortung durch Hilfeleistung an Gruppenjüngere. Kontakte mit Aussenpersonen nach Absprache (langsam auch ohne Begleitung möglich)".
Stufe 4
"Vorbereitung auf den Austritt (Hilfeleistungen bei Arbeitssuche, Vermittlung von Nachbetreuungsprogramm oder Aussenstation von anderen Therapiezentren, Wohnungssuche, Erörtern der Schuldensituation und Sanierungsmöglichkeiten etc.) Kontakte mit Aussenpersonen nach Absprache ohne Begleitung. Möglichkeit des Uebertritts in die aktive Mitarbeit bei Remar".
Angebot im deutschen Sprachraum
Rehabilitationszentren im deutschen Sprachraum bestehen im Moment in Schwerzenbach und Heimenschwand/Schweiz, in Augsburg und Harburg/Deutschland und in Doren/Oesterreich.

In der Schweiz konnte Remar dank der Mitwirkung von Hanspeter Nüesch, Campus für Christus, Fuss fassen. Nüesch firmiert zur Zeit als Vizepräsident von Remar Schweiz (Präsident ist, recht eigentümlich, Miguel Díez selbst, als operativer Leiter wirkt J. Carlos Penate). Nach einigen Inkulturationsschwierigkeiten und personellen Differenzen scheint Remar Schweiz heute recht stabil zu sein. In letzter Zeit wurde zunehmend spezifisch ausgebildetes Personal hinzugezogen.

Da Remar RehabilitandInnen ohne Wartefrist und auch ohne gesicherte Finanzierung durch zuständige Aemter aufnimmt, konnte das Werk in den vergangenen Jahren einigen Erfolg verbuchen. In letzter Zeit kämpft Remar allerdings wie alle Therapiestationen mit einer rückläufigen PatientInnenzahl.

Durch eigene Gottesdienste, einen eigenen Pastor und im allgemeinen intern durchgeführte Trauungen ist bei Remar Schweiz eine zunehmende Tendenz hin zur Bildung einer eigenen Gemeinde erkennbar. In Südamerika ist dieser Prozess bereits abgeschlossen, Remar tritt dort als eigener Gemeindeverband auf.

Kritische Punkte in Lehre und Praxis
Miguel Díez und die Frauen
In seinem Lebensbericht wird Miguel Díez nicht müde zu betonen, wie schwer er unter seiner "dominanten Mutter" gelitten hat. Díez sieht in der Folge Frauen, die über Männer dominieren, als Ursache mancher Probleme an. Schon der Sündenfall sei dieser Konstellation zu danken: Eva liess "den geistlichen Stolz in ihr Herz kommen... Es war die Art von Ueberheblichkeit, die sie glauben liess, sie sei überaus wichtig und einzigartig. Ohne den Mann zu fragen, nahm sie das grosszügige Angebot der Schlange an...". Adam hingegen "war schwach in seinen sentimentalen Gefühlen gegen sie (Eva), noch dazu war er feige, denn er klammerte sich an seine Frau, um sie nicht zu verlieren...". Wäre Adam ein rechter Mann gewesen und Eva seine ergebene Frau, so die Implikation, hätte der Sündenfall nicht stattgefunden.

Zeigt sich diese Adam-Eva-Konstellation, eine starke Frau und ein sentimentaler Mann, in einer Familie, so sind die Folgen nach Díez oft fatal: "Die Herrschaft der Frau bewirkt eine solche Unausgeglichenheit in der Familie, dass die Kinder ohne Respekt vor ihrem Vater aufwachsen... Solche Kinder entwickeln sich leicht zu Homosexuellen oder Gewalttätern etc." Nicht nur für die Kinder, auch für den Mann selbst zeigen sich negative Folgen: "Die Frau, die über ihren Mann dominiert hat, verachtet ihn nachher und verliert damit die Liebe und den Respekt für ihn. Dadurch fällt er immer tiefer in Impotenz und Feigheit".

Noch gravierender sind die Konsequenzen für eine Gemeinde, wenn Frauen die Leitung übernehmen: "Wenn dies... in der Gemeinde geschieht, verursacht die Vormachtstellung der Frau doktrinale Abweichungen, die zu Irrlehre, Ketzerei führen. Die Folge davon sind Verwirrung und absolute Verblendung und es besteht sehr wenig Aussicht auf Heilung. Letztendlich geschieht das Unausweichliche und die Schafherde stürzt kopfüber in den Abgrund".

Die Rolle der Frau kann also nicht in der Leitung liegen. Stattdessen hat sie sich nach Díez an folgende Maxime zu halten: "Deshalb soll sich die Frau dem Manne unterordnen und ihm in allem gehorchen".

Von Interesse ist in diesem Zusammenhang natürlich die Beschreibung, die Díez von der Rolle seiner eigenen Frau Carmen gibt: "Meine Frau erfüllte weiterhin ihre Aufgaben in der Familie, für uns, wie auch für all die Jungen und Mädchen der Gemeinschaft. Sie war eine Mutter, die uns in echter Agape-Liebe stets liebevoll mit Kaffee, Tee und Süssigkeiten versorgte. In ihrer improvisierten Küche, die täglich von vielen benutzt wurde, gab es neben der Gastfreundschaft auch weise Ratschläge und Worte der Aufmunterung... Sie ist eine tugendsame Frau, fleissig und aufopfernd, stark und weise und das nicht nur in der Küche, sondern in vielen Bereichen, so auch beim Nähen und Stricken (sie hat hunderte Decken angefertigt, damit die Jungs nicht frieren). Sie kann sich auch leicht und mit Freude anpassen. Sie ist bereit, die Schafe zu melken, mit der Hacke auf dem Feld zu arbeiten, Schreibmaschine zu schreiben oder ernsthaften Gebetskampf zu führen, und all das, ohne ihren weiblichen Charme und ihre Lieblichkeit zu verlieren".

J. Carlos Penate von Remar Schweiz nimmt zur Frage der Rolle der Frau wie folgt Stellung: "Die Haltung von Remar ist auch in Bezug auf Frauen auf der biblischen Lehre aufgebaut. In 1. Korinther 14,34 steht geschrieben, dass Frauen in der Gemeinde keine Autorität haben sollen, was heisst, dass sie keine leitenden Funktionen in der Gemeinde übernehmen dürfen. Dies ist weder sektiererisch noch frauenfeindlich, sondern die biblische Anweisung des Apostels Paulus. Diese Stelle sagt aber nicht aus, dass Frauen in anderen Bereichen keine Verantwortung übernehmen dürfen wie z.B. der Leitung von Frauenzentren, Büros, Brockenhäusern etc.".

Miguel Díez und Homosexualität
Miguel Díez entstammt einer Familie, der nach seiner eigenen Logik Homosexuelle oder Gewalttäter entspringen müssten. In seinen Aeusserungen zur Homosexualität bleibt nirgendwo zweifelhaft, dass er diese für eine Fehlentwicklung hält, so meint Díez zum Beispiel: "Die meisten Homosexuellen sind immer auf der Suche nach dem Vater, den sie nie hatten und der Teufel deformiert diese Sehnsucht in sexuelle Perversionen. Manche fliehen auch vor einer unausstehlichen Mutter, was sich dann in Frauenfeindlichkeit äussert, und suchen dann Verständnis und Zärtlichkeit bei Männern - Gefühle, die sich dann wiederum in teuflischem sexuellen Verhalten äussern. Solche Männer ertragen und verstehen das biblische Prinzip der Disziplin unter einer männlichen Autorität nicht". Andernorts bemerkt Díez, dass Homosexuelle "oft sogar noch sensibler als Frauen" sind, wobei zu bedenken ist, dass Díez Sensibilität bei Männern ja negativ wertet. Später spricht Díez von "den Drogen, dem Alkohol, der Homosexualität, der Schizophrenie und anderen psychischen Krankheiten".

Homosexualität ist mithin zu beheben, und Remar bemüht sich demzufolge auch um die "Rehabilitation" von Homosexuellen, wobei Díez durchaus zugibt, dabei wenig Erfolg zu haben.

Für Remar Schweiz ist die Homosexualität "Folge unseres sündigen Lebenswandels." Homosexuelle Beziehungen dürfen, genauso wie heterosexuelle, während der Therapie nicht ausgelebt werden. Homosexualität wird als Krankheit wahrgenommen und in Therapiegesprächen thematisiert.

Miguel Díez und die Dämonen
Wer bei Remar Schweiz anfragt, welcher Stellenwert dem Befreiungsdienst, der Austreibung von Dämonen, in der Arbeit von Remar zukomme, dem wird beschieden, dass sich solches sehr selten ereigne, aber durchaus nicht davor zurückgeschreckt würde, wenn es sich als notwendig erweise.

Im Dienst von Miguel Díez kommen Dämonen aber nicht selten vor. Er selbst rechnet sich eine besondere Gabe der Identifikation von Dämonen zu, wenn er davon berichtet, dass "der Herr mir durch meinen Geruchssinn die Gabe gegeben hatte, sie (die Dämonen) zu unterscheiden, und sie in verschiedene Kategorien einzuteilen: Fürsten, Gewalten, Herrscher oder Mächte des Bösen, je nach Intensität des Gestankes. An der Art des Geruches konnte ich auch erkennen, ob die Krankheit, die sie verursachten, hepatisch, renal oder intestinal war. Betraf es die Leber, roch es nach faulen Eiern, betraf es die Nieren, nach abgestandenem Urin, betraf es den Magen oder die Eingeweide, roch es nach gärendem Stuhl etc."

Diese eigentümliche Gabe des Dämonen-Riechens erlaubt es Díez, bei der Betreuung von PatientInnen Dämonen zu diagnostizieren und diese durch Befreiungsdienst zu eliminieren. Nach Zeugnis seines Lebensberichtes kommt es nicht selten vor, dass Díez auf diese Art von einem Dämon Witterung aufnimmt.

Angemerkt sei, dass Umstehende die Gerüche, die Díez in Gegenwart von Dämonen erschnuppert, nicht wahrnehmen. So berichtet Díez in Zusammenhang mit seiner ersten Begegnung mit einem Dämon davon, dass dieser Ausdünstungen produzierte, die "dem Furz eines Elefanten" gleichkamen. Trotz dieser beeindruckenden Intensität konnte der Gestank nur von Díez selbst gerochen werden.

J. Carlos Penate von Remar Schweiz betont, dass er in Sachen Dämonologie eine etwas andere Position vertritt als Miguel Díez. Für Penate ist eine klarere Differenzierung zwischen Problemen, die auf psychische Ursachen zurückgehen, und solchen, die sich der Einwirkung von Dämonen verdanken sollen, wichtig. In der Praxis führt dies dazu, dass der Befreiungsdienst in Remar Schweiz recht selten zur Anwendung kommt. Menschen mit Schweren psychischen Problemen werden an psychiatrische Fachstellen weitergewiesen.

Miguel Díez und die Ehen seiner Mitarbeitenden
Einer der Hauptkritikpunkte, denen sich Miguel Díez im Rahmen seines Dienstes ausgesetzt sieht, ist seine eheanbahnerische Tätigkeit.

Miguel Díez beansprucht, schon im Voraus zu wissen, wer von den jungen Menschen, die in Remar tätig sind, mit wem zusammenpasst. Miguel Díez berichtet, "dass, noch bevor sich die zukünftigen Paare überhaupt füreinander interessierten, er (Gott) mir schon seinen vereinenden Plan für die jeweiligen Personen geoffenbart hatte, manchmal sogar schon Jahre im voraus". Nun kommt es aber vor, dass die Pfeile der Liebe anders treffen als in den Plänen, die Díez im Kopf hat, vorgesehen ist. In diesem Falle spricht Díez von Leidenschaften, die vom Teufel entfacht worden seien, um Gottes Pläne zu durchkreuzen. Diese Leidenschaften sind, um Gottes Plan Nachachtung zu verschaffen, zu eliminieren: "Die Kämpfe, um diese Bindungen der Leidenschaft zu brechen, wurden trotz unseres Gebets, der Ratschläge und, wenn es sein musste, disziplinarischer Massnahmen, extrem, denn der Jugendliche, der in eine gefühlsmässige Abhängigkeit gerät, wird so blind, dass er keinen Rat mehr annimmt und nur noch seine Gefühle befriedigen will, selbst wenn er dadurch in Rebellion gegen sämtliche Autoritäten gerät".

Kritik liess angesichts solch massiver Eingriffe ins Leben der Remar-Mitglieder nicht auf sich warten. Díez räumt ein: "Es gab Verleumdungen, dass Miguel ein solcher Diktator sei, dass er die Ehepaare so zusammenfüge, wie es ihm passe, ob diese wollen oder nicht!" Der Aussenstehende kann in diesem Vorwurf nach obigem allerdings keine Verleumdung erkennen. Díez fährt dann auch fort, den Vorwurf implicite bestätigend: "Töte einen Hund, und sie werden dich Hundetöter nennen! Auf jeden Fall habe ich es nie bereut, diesen Hund aus Eifer getötet zu haben und ich bin bereit, es auch weiterhin zu tun, wenn es nötig ist, wenn dadurch meine Brüder gesegnet und vor Fehlentscheidungen für ihr ganzes Leben bewahrt werden".

Mit dieser Praxis, Ehen von Mitarbeitenden von der Zustimmung des Pastors abhängig zu machen, hat Miguel Díez seiner Organisation ein gravierendes Imageproblem aufgeladen. Remar Schweiz ringt denn auch darum, einerseits innerhalb dieser Vorgabe Díez' zu wirken, andererseits dieses so darzustellen, dass die Oeffentlichkeit nicht übermässig irritiert wird. J. Carlos Penate formuliert es so: ""In Remar bilden sich überall auf der Welt Paare, die sich ineinander verlieben und auch heiraten wollen. Wenn sie diesen Beschluss gefasst haben, setzen sie sich mit dem zuständigen Pastor in Verbindung, der darüber betet. Er hat jedoch die Freiheit, Einwände gegen eine Ehe einzubringen, wenn er gewisse Probleme sieht und auch die Freiheit, ein Paar nicht zu trauen. Das Paar hat auf jeden Fall die Möglichkeit, trotzdem zu heiraten. Es steht jedem Paar frei, einen anderen Pastor anzufragen." Dass der letztere Fall, eine Heirat gegen den Rat des Remar-Pastors, mit einem Abgang des Paares aus Remar zumeist identisch ist, bestreitet J. Carlos Penate nicht. Gegen den Rat des Pastors zu heiraten und in Remar zu verbleiben, das scheint schwierig zu sein.

Miguel Díez und die Welt ausserhalb Remar
Laut Unterlagen von Remar Schweiz geht es den Remar-Therapiestationen darum, die zu Betreuenden auf ihren Austritt vorzubereiten. Der Uebertritt in die aktive Mitarbeit bei Remar ist daneben nur eine Möglichkeit.

Liest man im Schrifttum von Miguel Díez, korrigiert sich diese Sichtweise nicht unwesentlich. So berichtet Díez von Ramón, einem zu Betreuenden: "Wie all die anderen auch musste auch er die Anfechtung überwinden, in die Gesellschaft zurückzukehren, was man fälschlicherweise soziale Wiedereingliederung nennt. Dies würde jedoch bedeuten, wieder in die trügerischen Kreisläufe der Welt zurückzukehren, wie arbeiten, kaufen und verkaufen, essen, schlafen, sich verheiraten oder nicht, Kinder zu haben, zu sterben, auch wenn all das einen farbigen Anstrich von Christlichkeit trägt. Geführt vom Geist des guten Hirten bin ich Ramón mit dem Hirtenstab und der Rute gefolgt, denn beinahe wäre er vom reissenden Strom der Gesellschaft mitgerissen worden. So hatte ich ihn noch einmal aufgefischt." Des öftern berichtet Díez von Menschen, die sich nach erfolgreicher Therapie von Remar lösten als von Menschen, die "von den Wellen dieser Welt verschluckt wurden".

Es kann nicht zweifelhaft sein, dass eine Wiedereingliederung der zu Betreuenden in die Gesellschaft nicht das Ziel von Miguel Díez ist. Díez geht es vielmehr darum, dass sich die zu Betreuenden nach erfolgreicher Therapie Remar anschliessen und zur Aussenwelt auf Distanz bleiben. Erfolgreich Wiedereingegliederte, die die Krücken fallen lassen, wenn sie sie nicht mehr brauchen, gelten Díez als Verlorene.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Díez eine Wiedereingliederung sogar dann negativ wertet, wenn sie zu einer Integration in eine christliche Gemeinde führt. Jeder andere Weg als Remar (und ein paar wenige verwandte Organisationen, wobei Díez auch Abgänge zu diesen mit offensichtlichem Bedauern konstatiert) ist aus Díez' Sicht für ehemalige zu Betreuende zumindest problematisch.

Remar Schweiz geht in diesem Punkt, der Wertung der Wiedereingliederung, über Miguel Díez' enge Vorgaben hinaus, insofern für J. Carlos Penate die Wiedereingliederung durchaus ein möglicher Weg ist: "Wie bei allen Therapiehäusern ist das Ziel auch bei Remar, dass Leute nach 18 Monaten Therapie in der Lage sind, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Es wurde aber festgestellt, dass nicht alle Menschen gleich stabil sind. Für die einen ist dies absolut kein Problem und sie finden ihren Weg in den Alltag, andere sind von Natur aus labiler und brauchen weitere Begleitung. Aus diesem Grund entscheiden sie sich dafür, eine weitere Zeit bei Remar mitzuhelfen, bis sie genügend Stabilität erlangt haben. Ausserdem gibt es auch Teilnehmer, die bereit sind, anderen zu helfen, wie auch ihnen geholfen wurde."

Wertung
Miguel Díez ist ein Radikalist. Was er als wahres biblisches Christentum empfindet, setzt er um, ohne Rücksicht auf Ansehen, Verdienst, finanzielle Absicherung, aber auch mit wenig Rücksicht auf Familie und Mitarbeitende. Wie mancher Radikalist ist Miguel Díez ein Getriebener, getrieben von einer Vision, die er, koste es, was es wolle, umsetzen will. Wie manche Vision wirkt auch diejenige von Miguel Díez auf Aussenstehende äusserst ambivalent. Gewaltige, zukunftsträchtige Perspektiven scheinen durchsetzt mit immensen Mängeln.

Zum einen ist dem Engagement der Remar-Mitarbeitenden uneingeschränkte Bewunderung zu zollen. Ihre Erkenntnis von der Notwendigkeit des Ineinandergreifens von Verkündigung und sozialer Tätigkeit ist zwar keinesfalls neu, die Heilsarmee verfolgt einen ähnlichen Gedanken, aber wird zweifellos immer wichtiger werden. Als Beispiel kann hier darauf hingewiesen werden, dass sogar die Vineyard Christian Fellowship, die bisher vornehmlich auf Zeichen und Wunder als Mittel der Evangelisation baute, neuerdings in der "dienenden Evangelisation" die Wichtigkeit sozialer Tätigkeit entdeckt hat. Von allen diesen Konzepten ist jedoch dasjenige von Remar das radikalste. Konsequenter Verzicht auf Privateigentum und bedingungsloses Teilen mit den Randgruppen der Gesellschaft setzen um, was in der Apostelgeschichte wohl schon seinerzeit mehr Programm als Realität war (jedenfalls sind die paulinischen Gemeinden ganz anders organisiert). Für das Christentum der Zukunft könnte die Bildung christlicher Kommunitäten von grosser Bedeutung werden.

Zum anderen findet sich in der Gedankenwelt von Remar vieles, was aus aussenstehender Sicht nur zurückgewiesen werden kann. Im Frauenbild von Díez sind patriarchale Tendenzen der Bibel und der spanische Machismo eine unselige Verbindung eingegangen. Für mitteleuropäische Menschen sind Díez' Ausführungen zum Thema Frau so geschmacklos, dass sich in Kenntnis des Lebenslaufes von Miguel Díez verschiedene psychologische Ueberlegungen aufdrängen. Aehnliches ist zu Díez' Ausführungen über Homosexualität zu sagen. Die ungebremste Dämonologie, der Díez huldigt, verheisst nichts Gutes in Zusammenhang mit der Rehabilitation von Drogensüchtigen, und die Tatsache schliesslich, dass es Díez offensichtlich nicht darum zu tun ist, die zu betreuenden Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, macht das therapeutische Ansinnen gänzlich problematisch.

Zu hoffen ist, dass es einer neuen Generation von Remar-Mitarbeitern gelingt, über Miguel Díez' eklatante Schwächen hinwegzukommen und das Gute, das enorme Engagement, zu behalten. Gewisse Ansätze hierzu sind in Remar Schweiz zu erkennen, allerdings bleibt die Distanzierung von problematischem Erbe Díez', der ja nominell auch Präsident von Remar Schweiz ist, noch eine ganz schüchterne.

Kann eine Therapie bei Remar empfohlen werden?
Die Absolvierung einer Drogenrehabilitations-Therapie bei Remar kann m.E. nur dann empfohlen werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

- Die interessierte Person stimmt mit einem Christentum pfingstlerischer Prägung überein.

- Die interessierte Person kann einem Geschlechter-Rollenbild traditioneller Art zustimmen.

- Die interessierte Person ist ausschliesslich heterosexuell.

Ist eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, muss m.E. von einer Therapie bei Remar abgeraten und ein anderes, in diesem Falle adäquateres Therapieangebot gesucht werden.

Für eine finanzielle Unterstützung des Werkes resp. eine Auftragsvergabe an "christliche Unternehmen" der Remar wird eine gewisse Uebereinstimmung mit den Lehren und der Praxis der Gemeinschaft Voraussetzung sein.

Quellen:
 

Miguel Díez: Im tiefen Wasser fischen, Vitoria 1994

J. Carlos Penate: Brief vom 4. Juni 1998

Remar (Hrsg.): Remar Internacional. Memoria, Vitoria o.J.

Remar Schweiz (Hrsg.): Jahresbericht 1996, o.O. o.J.

dies. (Hrsg.): Rehabilitationskonzept, o.O. o.J.

Remar (Hrsg.): Remar - christl. Rehazentren. Info-Video, o.O. o.J.

Lilo Murr: Ich glaube an Gott und nicht an die Rente. Weltweite Organisation Remar nimmt Abhängige und Angehörige von Randgruppen auf, Augsburger Allgemeine 19. August 1995

Wolfgang Pendl: Heilen durch die Kraft der Liebe. Drogentherapie einmal anders, Die Furche 23. November 1995

Georg Otto Schmid, Dezember 1997
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