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  Schultheiss-Kreis Zürich
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  Der Schultheiss-Kreis in Zürich
In den vergangenen Jahren und Monaten haben sich vermehrt Menschen mit schwierigen Erfahrungen mit dem "Schultheiss-Kreis" an uns gewandt. Nach Gesprächen mit Kritikern und einem Gespräch mit Herrn Dr. med. M. Schultheiss, Zürich, und seiner Gattin zeichnet sich ein Bild einer Gemeinschaft ab, die nichts anderes sein wollte und will, als ein Bibelkreis, ausgerichtet auf das inspirierte Bibelwort, der sich wöchentlich ein- bis zweimal trifft, ein Bibelkreis allerdings, der durch seine eigene innere Dynamik sich - wie Kritiker bemerken - weit über das hinaus entwickelt, was üblicherweise als Hauskreis in Landes- und Freikirchen in Erscheinung tritt. Ursprünglich eine IVCG-Gruppe (Internationaler Verband christlicher Geschäftsleute) entwickelte der Kreis um Herrn und Frau Schultheiss eine auffällige Eigendynamik, die eine beträchtliche Zahl verunsicherter Zeitgenossen faszinierte und ihnen neue Lebensmöglichkeiten versprach. Die autoritäre Führungsstruktur verbunden mit der intensiven Pflege seelsorgerlicher Beziehungen liess die hilfesuchenden Neueintretenden aber in immer grössere Gruppenabhängigkeit gleiten. Die gleichzeitig immer offenkundigere Distanz zu anderen christlichen Gemeinschaften führte zum Ausschluss oder Austritt des leitenden Ehepaares aus der FEG (Freie evangeliche Gemeinde), zu Spannungen in Familien und Verwandtschaften und zu Arbeitskonflikten. Dieser "Alleingang" des Schultheiss-Kreises wird vom leitenden Ehepaar mit leidvollen Erfahrungen mit der FEG und der IVCG begündet, Erfahrungen, die sie nicht noch einmal durchleiden möchten. Uerberdies bedauern sie im Blick auf die christlichen Organisationen, zu denen sie früher gehörten, die immer offenkundigere Neigung zu charismatischen Vorstellungen und Praktiken, Vorstellungen, die in Einzelfällen bis hin zum Exorzismus führten. Zur sog. Charismatik gehen beide in grösstmögliche Distanz. Die Kasette von Obadja-Gründer Ivo Sasek mit rigorosen Empfehlungen zur Kindererziehung resp. Kinderzüchtigung werde in der Gruppe herumgeboten, aber von der Leitung nicht empfohlen. Frau Schultheiss will sich das Band nicht angehört haben, weil sie die Stimme Saseks störte. Mein Einwand, dass eine Kleingruppe - der Kreis umfasst zur Zeit kaum 20 Mitglieder, war vor Jahren aber um ein Mehrfaches grösser - sektenhaften Entwicklungen kaum ausweichen kann, wenn sie sich von jedem übergemeindlichen Verband distanziert, wird - wenn ich richtig sehe - nicht verstanden. Wer sich rein an das Wort Gottes hält und sich von allen Halbheiten distanziert, kann - so scheinen die leitenden Mitglieder des Kreises anzunehmen - nicht in die Irre gehen. Dass dieses Sich-sektenhaft-Verirren sich gar nicht in erster Linie auf irgendwelche Lehrinhalte beziehen muss, sondern sich in in der Gruppenstuktur niederschlägt, wird auch kaum erkannt. Das leitende Ehepaar betont, wie frei sie ihren Kreis führen würden und wie uneingestanden jedes Mitglied des Kreises zu seiner eigenen Meinung stehen dürfe. Die Selbstwahrnehmung der Gruppe und die Wahrnehmung der Kritiker unterscheiden sich wie Tag und Nacht. In weniger krassem Ausmass gilt dies selbstverständlich für jede Gemeinschaft, auch für jede Freikirche und Landeskirche. Aber die Bilder, die Kirchenmitglieder und Kirchenkritiker z.B. von der evangelischen Landeskirche zeichnen, stehen sich oft sehr nahe. Auch Kirchenmitglieder zeigen Verständnis für Kirchenkritik. Je sektenhafter sich eine Gruppe entwickelte, d.h. je mehr sie in ihrer Isolation und Selbstüberschätzung in eine Art Unfehlbarkeit abgleitet - desto schwieriger wird es, Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung noch zueinander in Beziehung zu setzen. Im Endergebnis zeichnen sich leidvolle Konflikte ab, die zuletzt vor Gerichten ausgetragen werden müssen. Schade. Der Schultheiss-Kreis könnte sich meines Erachtens wie zahllose andere religiöse Gruppierungen mit einer bewussten Integration in eine Kirche oder in einen übergemeindlichen Verband einige dieser Konflikte ersparen.
Georg Schmid, 2000
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