Daoismus

Daoismus oder Taoismus (道家) sind dasselbe in unterschiedlicher Schreibweise. Taoismus ist der veraltete Ausdruck, in neueren Publikationen zum Thema wird die Pinyin-Umschrift Daoismus gebraucht. Das T in Taoismus führt zu einer falschen Aussprache, wird aber häufig trotzdem noch verwendet, da es geläufiger ist. Genauso wurden der zentrale Begriff des Dao als Tao und das Werk Daodejing als Tao Te King / Tao Te Ching bezeichnet, wobei das T wiederum die veraltete Schreibweise kennzeichnet.

Dasselbe gilt für Laozi (老子), dessen frühere Schreibweise Laotse/Laotsu als veraltet angesehen wird. Dschuang Dsi, Chuang-Tsu oder in Pinyin-Umschrift Zhuangzi kommt das gleiche Los zu. In diesem Artikel werden die Pinyin-Umschriften benutzt, aber die Alternativschreibweisen werden jeweils erwähnt um Verwirrungen zu vermeiden.

Der Daoismus hat seinen Ursprung in prähistorischen Volksreligionen Chinas. Durch die Zeit der Kriegerischen Staaten (4./3. Jhd. v. Chr.) wurde das Grundkonzept des Wu wei erschaffen, auf das sich der Daoismus stützt.

Laozi schrieb laut der Legende an einem Pass im 4. Jhd. v. Chr. das Daodejing, das erste Werk des Daoismus auf und wurde somit zum Begründer der Religion. Tianshi (142 n. Chr.) war die erste organisierte Schule die den Daoismus unterrichtete. Sie wurde legitimiert von Cao Cao in 215 n. Chr. im Gegenzug zur Legitimierung seiner Herrschaft.

Die Popularität stieg in der Tang Dynastie (618-907 n. Chr.) weil die Kaiser eine Verwandtschaft zu Laozi behaupteten und die Religion somit nach einer Flaute wieder zur Staatsreligion erhoben. Auf Gesuch des Kaisers Daozong (1032-1101 n. Chr.) wurde ein Kanon publiziert: das Daozang. Sogar Dschingis Khan wurde durch einen Daoisten zu mehr Gnade überredet und eine Schule von Taoisten wurde unter seiner Herrschaft von Steuern befreit.

Im 17. Jhd. gab es einen Rückschlag, denn der Daoismus verlor stetig an Popularität bis schlussendlich nur noch eine Kopie des Daozang in einem Kloster vorhanden war.

Heute ist der Daoismus wieder eine anerkannte Religion in der Volksrepublik China.

Laozi wird als der Vater des Daoismus angesehen, jedoch wird seine tatsächliche Existenz bezweifelt. Sein Name bedeutet lit. „Alter Meister/Sohn“. Er wird als ein Zeitgenosse des Konfuzius angesehen, wenn er denn wirklich gelebt haben sollte. Über ihn ist fast nichts bekannt, ausser dass er aus der heutigen Provinz Henan stammt und Li Er 李耳 / Li Boyang李伯陽/ 李伯阳 hiess. Einst soll er durch Unruhen im Reich der Zhou 周 in der Zeit der Kriegerischen Staaten (4./3. Jhd. v. Chr.) dieses verlassen haben. An einem Pass wurde der alte Meister von einem Grenzbeamten aufgehalten. Als Preis für seinen Durchgang soll Laozi sein Wissen weitergeben. So schrieb er das Daodejing auf und verschwand in die Legende.

Ferner existiert die Legende, dass Laozi nach Indien wanderte, wo er zum Buddha geworden sein soll.

Die Han-Dynastie (Ab dem 2. Jhd. v. Chr.) schloss seine Entwicklung zum Gott ab und er wurde als einer der drei Reinen, Daode Tianzun (道德天尊), angesehen. Manche Schulen des Dao halten Laozi sogar für das Dao selbst.

Das Daodejing ist das Grundwerk für den Daoismus und ist der Legende nach von Laozi in der sog. Siegelschrift (zhuanshu 篆書, die erste einheitliche Schrift Chinas) verfasst worden. Es besteht aus 81 kurzen „Kapitel“, die aber vermehrt aus wenigen Sätzen bestehen. Der Stil ist poetisch und beinhaltet kurze, klare Sätze, die zum Nachdenken anregen sollen. Zum Teil sind diese auch in sich selbst widersprüchlich. Sie behandeln den Sinn des Lebens und die Weisheit des Dao. Das Daodejing setzt sich für friedliche Lösungen ein, für das Nachgeben statt beharren (wu wei 无为 / 無為, Nichthandeln) und für die Natürlichkeit (ziran自然).

Es wurde wahrscheinlich im 4. Jhd. v. Chr. von verschiedenen mündlich übertragenen Weisheiten in Buchform gewandelt. Der Titel bekam es erst durch den Kaiser Han Jingdi 漢景帝 (157-141 v. Chr.).

Eine Schwierigkeit für den Westen ist die Interpretation des Daodejings. Es wurde vielfach übersetzt. Dessen relative Kürze im Vergleich zu anderen Werken macht es auch eine beliebte Lektüre. Dennoch sind Übersetzungen sehr schwer zu erstellen, denn viele Wörter im Daodejing haben Mehrfachbedeutungen oder keine direkte Übersetzung. Auch spielt immer eine Interpretation des Übersetzers mit, die den Leser prägen können.

Die ersten Worte des Daodejing sind:

道可道非常道

名可名非常名

(dào kĕ dào fēi cháng dào

míng kĕ míng fēi cháng míng)

„Das Dao das sich aussprechen lässt, ist nicht das ewige Dao“

„Der Name, der sich nennen lässt ist nicht der ewige Name.“

Zhuangzi wurde 365 v. Chr. unter dem Namen Zhuang Zhou庄周 /莊周 in der heutigen Provinz Anhui geboren. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Zhuangzi war intelligent, verweigerte aber Beamtenposten bis auf eine niedrige Anstellung.

Das nach ihm benannte Zhuangzi ist eine Ansammlung von Texten inspiriert vom Daodejing und Laozi. Sein Werk vertieft die Lehren aus dem Daodejing auf philosophischer Art und besteht aus mehr als 100‘000 Wörter. Dieses Werk ist nicht mehr in der Originalverfassung erhalten, aber eine neuere, gekürzte und umgearbeitete Version existiert. Diese wurde in drei Teile aufgeteilt, wobei nur ein kleiner Teil unumstritten von Zhuangzi stammt. Er nahm Konfuzianische Werte in den Daoismus und zeigt sich immer sehr menschlich und bodenständig. So ist er oft etwas frech, wortgewandt aber auch bescheiden dargestellt. Er starb 286 v. Chr., ein Begräbnis verweigernd mit der Aussage, dass ihn so oder so die Aastiere oder die Würmer fressen werden, warum sollte er also den Aastieren das Essen verwehren?

Das Zhuangzi ist neben dem Daodejing das wichtigste Werk des Daoismus.

Die Schmetterlingsparabel ist die berühmteste Erzählung aus dem Zhuangzi. Sie handelt von einem Traum, in dem Zhuangzi ein Schmetterling war und nicht wusste, wer Zhuangzi sei. Als er aber aufwachte, wusste er, dass er Zhuangzi war, fragte sich danach aber ob er ein Schmetterling ist, der träumt Zhuangzi zu sein oder ob er Zhuangzi ist, der träumt ein Schmetterling zu sein. Somit erklärte er den Wandel der Dinge. Gewissheit ist noch lange nicht ein Zeichen, dass die Dinge wahrhaftig so sind wie sie scheinen.

Dao ist Weg, Lehre, Sinn, das allumfassende erste Prinzip, das allen Erscheinungen zugrunde liegt, die Wirklichkeit aus der das Universum entspringt, namenlos/nicht benennbar, die Mutter und der Urquell zugleich, ist alles und nichts zugleich, unbeschreiblich, unfassbar und unbenennbar.

Die wahre Bedeutung des Dao kann nur von denjenigen verstanden werden, die Dao studieren und ihr Leben dem Dao widmen. Somit ist eine Beschreibung des Dao unmöglich, denn es gibt keine. In Übersetzungen wird meistens „Weg“ benutzt, aber auch „Sinn“ oder „Lehre“ sind Beispiele eines Versuches, das Dao zu beschreiben.

Um den Weg des Dao begehen zu können, braucht es De. De ist das Wirken, der Einfluss auf andere Menschen. Dabei sollte ein Daoist immerzu Güte zeigen, niemandem Schaden zufügen, ein Vorbild sein und wu wei (Nichthandeln) betreiben. Dabei sollte der Daoist alles seinen natürlichen Lauf nehmen lassen ohne unnötiges Eingreifen.

Die Grundlage des Daoismus ist das „Nicht-Handeln“, der Rückzug aus dem Weltlichen ohne das Weltliche zu verlieren. Hierbei geht es meistens um den Rückzug aus der Politik um sich dem Dao zu widmen. Man soll eher nachgeben statt beharren, denn das Weiche besiegt am Ende das Harte. Krieg und Konflikt bringt nur Schmerz und Trauer, weshalb man sich auf die friedlicheren Lösungen konzentrieren soll. Der Daoismus steht im Kontrast zum Konfuzianismus, denn der Konfuzianismus will Verbesserungen mittels der strengen Hierarchie und dem Staat erreichen während der Daoismus den Staat als Mittel sieht, aber nicht unbedingt darauf beruht. Somit kann der Daoismus auch anarchisch angesehen werden, dessen Kern beruht aber trotzdem auf der Erkennung, dass der Kaiser die oberste Macht ist.

Wu wei 无为 / 無為 (Nichthandeln) ist die gewaltfreie Lebensweise die der Daoismus als die ultimative Lösung für alles fördert.

Im Daoismus ist es nicht verboten, zu trinken oder sexuell aktiv zu sein. Es wird Zurückhaltung geehrt, aber in Massen ist der Genuss dieser Gelüste nicht nur gestattet sondern auch ermutigt. Es gibt jedoch auch daoistische Gemeinschaften, in denen explizit die Zurückhaltung gefordert wird. Im Gegensatz zum Konfuzianismus sind strenge Rituale und Hierarchie nicht wichtig und werden zum Teil abgelehnt. Stattdessen werden Natürlichkeit und Individualität befürwortet.

Das Ziel des Daoismus ist das Erreichen von Xian 仙, die Unsterblichkeit. Dies kann durch Meditationen, Einhalten des Dao und die Erkennung des Dao erreicht werden. Unsterblichkeit zeigt sich durch die Rückkehr zum Ursprung, das vollkommene Leben nach dem Dao aus. Alchemie wird oft verwendet um mithilfe des Dao ein Unsterblichkeitselixir oder eine Unsterblichkeitspille zu erschaffen. Doch wie die Umwandlung von Eisen nach Gold ein Traum jedes Alchemisten ist, ist auch ein Unsterblichkeitselixir noch nie hergestellt worden.

Yin 阴 und Yang 阳 (alternative: 陰陽) bezeichnet die Gegensätzlichkeit von dunkel und hell, passiv und aktiv, männlich und weiblich, warm und kalt. Die bekannteste Darstellung von Ying und Yang ist das Taijitu, ein Kreis in der das individuelle Yin und Yang in gegensätzlicher Verbindung stehen. Die Lehre besagt, dass es zwei Basiskräfte gibt, aus der das Universum zusammengestellt ist und nur in ihrer Harmonie kann das Universum funktionieren. Ohne Hell gibt es kein Dunkel, ohne Kalt kein Warm etc. Yin (dunkel, kalt, weiblich) ist dabei eine negative Kraft, Yang (hell, warm, männlich) eine positive.

Yin und Yang kann auf alles angewendet werden, sei es Lebewesen, Dinge oder Räume. Auch Landschaften haben Yin und Yang-Energien.

Qi 气 oder氣 ist die Kraft des Universums und wird auch Ch’i, Ki oder Gi genannt. Übersetzt bedeutet es „Dampf“, „Wolke“, „Atem“, „Nahrung“ und „Kommunikation“. Es ist die Luft, der Atem, die Atmosphäre und die Quelle der Lebensenergie. Diese Kraft ist immer fliessend. Im Alltagsgebrauch wird von „schlechtem Qi“ gesprochen, doch es ist der Einfluss auf das Qi der schlecht ist. Schlechtes Qi muss in Harmonie mit gutem Qi stehen (wobei aber die Ansammlung von viel gutem Qi erwünscht ist).

Qi kann in die Yin und Yang-Energien aufgeteilt werden, wobei das Yin-Qi besonders positiv dargestellt wird und das Yang-Qi negativ.

Qi verändert sich immer, Veränderungen im Qi müssen stets beachtet werden. Auch der Mensch hat Qi, es verbindet das Unkörperliche wie Gedanken mit dem Körperlichen. Das Qi der Natur kann durch den Menschen beeinflusst werden und grosse Ansammlungen von negativem Qi an einem Ort sind nicht gut. Qi hat findet vielen Bereichen Verwendung.

Neben Qi wird auch noch von jing 精 (aus Qi abgeleitetes Fundament der Lebensenergie im Menschen) sowie shen 神 (polarisierte energetische Konstellation, die das Qi einbezieht und im Gegensatz zu gui 鬼 (dämonischer Kraft) steht) gesprochen.

Xiwangmu oder Xi Wangmu 西王母 (Königinmutter des Westens) ist die höchste und eine der ältesten Göttinnen im Daoismus. Sie ist unsterblich, und residiert auf dem Berg Kunlun (ein Mikrokosmos des idealen Bildes der irdischen Welt). Xiwangmu ist die Besitzerin des Gartens der Unsterblichkeit, der aus 3600 Pfirsichbäumen besteht. Diese Pfirsiche geben die u.A. Unsterblichkeit sowie die Fähigkeit zum Fliegen demjenigen der sie isst, sie reifen aber nur in Jahrtausende langen Abständen. Sobald sie gereift sind, bietet Xiwangmu ein grosses Fest wobei alle auf dem Kunlun wohnenden Xian eine Einladung gesandt wird. Bei diesem Fest dürfen alle an den Pfirsichen teilhaben.

Diese Methode der Unsterblichkeit ist nur eine von vielen, aber für die örtlichen Xian ist dies eine sehr praktische Art, denn sie müssen nicht mittels Alchemie Unsterblichkeitspillen erstellen oder den Jadekaiser um seinen Wein bitten.

Xiwangmu ist eine gütige Göttin, aber durch ihre Assoziation mit dem Yin-Element ist sie auch eine gefährliche und zerstörerische Kraft. Sie hat auch die Domäne über den Tod. Dennoch ist sie als Lehrerin und Begleitung in den Tod auch positiv dargestellt. Sie soll am Entstehen des Kosmos beteiligt gewesen sein.

Die Drei Reinen (Sanqing, 三清) sind die drei höchsten Götter des Taoistischen Pantheons. Die drei Götter repräsentieren den jeweiligen Gott selbst und auch einen Himmel. Sie sind ohne Form, haben aber in Illustrationen die Gestalt von alten Männern.

Yuanshi Tianzun (元始天尊): „Ehrenwerter Herr des ursprünglichen Himmels“. Er ist der allerhöchste Gott im Daoismus.

Lingbao Tianzun (靈寳天尊): Der „Ehrenwerter Herr der numinosen Reichtümer“.

Daode Tianzun (道德天尊): Übersetzt bedeutet sein Name „Ehrenwerter Herr des Dao und dessen Tugend“. Laozi wird als seine Verkörperung angesehen.

Yu Di 玉帝 oder Yu Huang 玉皇 genannt, der Jadekaiser wird als der Vater des irdischen Kaisers angesehen. Der Jadekaiser regiert über den Berg Kunlun, der ein idealer Mikrokosmos des irdischen Reiches darstellt wo die Unsterblichen (Xian) leben. Er ist ein Diener und Assistent des Yuanshi Tianzun, einer der drei Reinen.

Die Acht Unsterblichen haben einen zentralen Platz im Daoistischen Weltbild. Allesamt waren sie einst sterblich und erlangten die Unsterblichkeit durch diverse Methoden. Sie zeigen den Weg des Dao. Als Unsterbliche werden sie verehrt, so sind sie auch sehr nahe an den Menschen, feiern sie doch gerne lange, ausgelassene Trunkgelage.

Das Konzept der Chinesischen Alchemie( Jindian zhi dao 金点之道, Weg des Goldenen Elixirs) beruht auf dem Daoismus. Dazu gehören zwei Grundtechniken:

Waidan (外丹): „Inneres Zinnober“. Hierbei handelt es sich um den physischen Aspekt der Alchemie: Die Herstellung von Elixiren die zuletzt zur Herstellung des Elixirs der Unsterblichkeit führen sollte. Mittels Rituale, der Hilfe von spirituellen Kräften wie Götter und Dämonen werden Elixire oder „Pillen“ aus Pflanzen, Mineralien oder Metallen gebraut. Diese Disziplin der Alchemie wurde ab seiner Blüte in der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) kaum mehr verwendet.

Neidan (内丹): „Äusseres Zinnober“. Dies ist eine Methode zur äusseren und inneren Ordnung und ist eine erleuchtungstechnik. Die Unsterblichkeit wird nicht durch ein physisches Elixir erlangt sondern durch Meditationen, geistige Übungen und Interperspektive. Dessen Ziel ist es den Praktizierenden als neuen Menschen zur Wiedergeburt zu bringen und dessen Geist über die Welt zu erheben.

Der Daoismus wird als eine von fünf Religionen offiziell in der Volksrepublik China anerkannt. Die Chinesische Daoistische Gesellschaft steuert die Aktivitäten in der Volksrepublik China, in Taiwan wird der Daoismus frei praktiziert.

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