Eckankar

«Eckankar-Religion von Licht und Ton Gottes», begründet im Jahr 1965, versteht sich gleichzeitig als «natürlichen Weg zurück zu Gott» und als «uralte genaue Wissenschaft der Seelenreise», als «die älteste aller Lehren» und als «ursprünglicher Quell, aus dem alle Glaubensrichtungen entstammen.» Dieses dem Hinduismus entlehnte Konzept von der noch unveränderten Urwahrheit, die durch alle Jahrtausende hindurch jeweils von einem lebenden Meister auf den nächsten übertragen wird, fand ins Bewusstsein von Eckankar auf dem Umweg über die Self-Realization-Fellowship und über Kirpal Singhs Ruhani Satsang, zu denen der Begründer von Eckankar, der Amerikaner Paul Twitchell, zeitweilig gehört hatte. Zudem wirkte Twitchell eine Zeitlang bei Scientology mit und arbeitete dort als Pressesprecher. Später verstand sich Twitchell als der 971. Meister in einer ununterbrochenen Reihe von ECK-Meistern. Twitchells Geburtsjahr ist umstritten, genannt werden 1908, 1910, 1912, 1920 und 1922. Vor seiner Zeit im  Verstorben ist Twitchell im Jahr 1971.

Von 1971 bis 1981 war lebender ECK-Meister Sri Darwin Gross (1928-2008). Ihm folgte der Amerikaner Sri Harold Klemp. Unter seiner Leitung wurde auch das ECK-Heiligtum in Chanhassen, Minnesota, USA errichtet: «Der ECK-Tempel ist der Startplatz für den Traum der Seele, die Gott erreichen will.» (Sri Harold Klemp).

Mit seiner Einordung in eine andere, fiktive, uralte Meister-Schülerreihe distanzierte sich Twitchell augenfällig von den ihn früher bestimmenden indischen Traditionen. Das Phantasiewort ECK – Anhänger halten es für ein Urwort – bezeichnet den «göttlichen Geist», den «Heiligen Geist», «den hörbaren Lebensstrom, die Lebenskraft». Licht und Ton sind die zwei Aspekte, in denen sich diese göttliche Lebenskraft in den niederen Welten offenbart. Die Seele des einzelnen Menschen, selbst ein Funke aus der göttlichen Urkraft, sucht durch Seelenreisen «Selbst- und Gottrealisation». Sie sucht den Weg zurück in ihren Ursprung.

Seelenreisen lernt die Seele vor allem in den täglichen spirituellen Übungen, in Kursen von Eckankar, in der Hingabe an den lebenden ECK-Meister und im Studium der Eckankar-Literatur. Die in der Literatur dargelegten Beispiele eindrücklicher Seelenreisen werden in der Eckankar-Theorie als Reisen durch spirituelle Ebenen deutlich von gewöhnlichen Imaginationen und Träumen abgehoben, erinnern aber trotzdem an Tagträume oder an Phantasiereisen zu Therapiezwecken.

Die Träumenden finden durch verschiedene, vor allem lichtvolle Bilder und tröstliche Ereignisse zu einem Symbol göttlichen Lichts, z.B. zu einem Leuchtturm. Angeregt werden diese imaginären Reisen durch Klangmeditationen, etwa durch das wiederholte Singen des Sufi-Gottesnamens HU (ausgesprochen: hjuu). Nach minutenlangem Singen an stillem Ort mit geschlossenen Augen stellen sich nicht selten innere Bilder oder Auditionen ein – man hört z.B. ein himmlisches Brausen, das wie ein Meer das Ohr umbrandet. All diese inneren Erahrungen werden dann selbstverständlich als Seelenreisen und Begegnungen mit dem göttlichen ECK, dem «Heiligen Geist», verstanden. Ziel aller spirituellen Übungen ist die Gottrealisation der Seele, ein Zustand völliger Freiheit jenseits aller karmischen Beschränkungen. Zu diesem Ziel geleitet die ECK-Schülerinnen und Schüler der lebende ECK-Meister, der aber nicht körperlich anwesend zu sein braucht. Er führt die Lernenden als Traummeister auch durch Träume. Träume dienen dazu, «den einzelnen näher an Licht und Ton Gottes zu bringen.» Ohne dass die Träumenden dies spüren, sind ihre Träume so etwas wie der erste Schritt auf dem Eckankar-Weg.

Den ECK-Schülerinnen und -Schülern wird empfohlen, ihre Träume aufzuschreiben und sich so Rechenschaft zu geben über ihren spirituellen Weg. Der ECK-Meister wird respektiert, aber – so will es die Theorie – nicht verehrt.

Eckankar war lange umstritten, weil der Gründer Paul Twitchell die Herkunft vieler Ideen aus der Sant-Mat-Bewegung verschleierte. Heute wird in dieser Sache offener kommuniziert.

Kritisch diskutiert wird mitunter auch Paul Twitchells Mitgliedschaft bei Scientology, die er fünf Jahre vor Gründung von Eckankar beendet habe, weil er Scientology als destruktiv erlebt habe. Die Parallelen zwischen Scientology und Eckankar sind aber gering und gehen kaum über im alternativ-spirituellen Bereich ohnehin weit verbreitete Ansätze hinaus.

Umstritten ist Eckankar heute aber vor allem dafür, an rassistischen Theorien des Gründers Paul Twitchell unverändert festzuhalten. So schreibt Paul Twitchell in seinem aus dem Jahr 1972 stammenden, von Eckankar heute noch verbreiteten Buch „Eck-Vidya. Die uralte Wissenschaft der Prophezeiung“ etwa: „Zur Zeit sehen wir, dass die arische Rasse die Vorherrschaft über diese Welt innehat, aber dies wird sich innerhalb einiger Jahre wieder zugunsten der Ulemanen ändern, einer Rasse, die gegenwärtig den Planeten Jupiter bewohnt. Diese Rasse wird auf die Erde und andere Planeten im Bereich des Sonnensystems herunterkommen und sie mit absoluter Herrschergewalt in Besitz nehmen.“ Auf die Ulemanen werden dann, so Twitchell, als nächste „Rasse“ die Shatikayas folgen, deren Kultur „eine der höchsten Zivilisationen sein“ wird, „die es je auf diesem irdischen Planeten gegeben hat“. Sie wird für 1000 Jahre herrschen, dann folgt ihr Ende so: „Nach und nach werden Krankheiten und Mischehen diese Rasse schwächen und sie wird sich als bedeutende Rasse auflösen und von der arrianischen Rasse überwältigt werden.“ (s. 232f.)

Über die Vergangenheit weiss Twitchell zu berichten, dass die „weisse Rasse“, die „schwarze Rasse“, die „gelbe Rasse“ und die „rote Rasse“ in vergangenen Jahrtausenden miteinander Kriege geführt hätten, was unter anderem dazu geführt habe, dass die „rote Rasse“ „auf eine fast primitive Stufe zurückgesunken“ sei (s. 241). Solche aus heutiger Sicht unerträglich rassistischen und kulturimperialistischen Aussagen finden sich in theosopischer Literatur aus dem 19. und 20. Jahrhundert häufiger, sie aber heute unkommentiert zu verbreiten – und dies noch mit dem Anspruch, es handele sich um höheres Wissen – ist hoch problematisch.

In der Schweiz existieren regionale Zentren in Basel, Kreuzlingen, Lugano, Widnau, St. Gallen und Zürich.

Eckankar Gesellschaft Schweiz
Kurvenstrassse 17
8006 Zürich
https://de.eckankar.ch/

Basel ECK-Center
Elisabethenanlage 25
4051 Basel

Kreuzlingen ECK-Center
Bahnhofstrasse 31
8280 Kreuzlingen

Lugano – Centro ECK Ticino
Via al Fiume 8
6807 Taverne

Rheintal ECK-Center
Bahnhofstr.24
9443 Widnau

St. Gallen ECK-Center
Neugasse 49
9000 St. Gallen

Zürich ECK-Center
Kurvenstrassse 17
8006 Zürich

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