www.relinfo.ch

 
  Wicca-Bewegung
  Uebersicht
  Wicca Meiers Hexenmuseum
In den letzten Jahren konnte die Hexenbewegung in der Schweiz einigen Zulauf verzeichnen. Immer häufiger hört man von Hexenzirkeln, die in Natur und – je nach Witterung – beheizten Räumen ihre Jahresfeste feiern, und von Jugendlichen, die Liebeskummer und Schulschwierigkeiten mit magischen Ritualen zu beheben versuchen. Umfragen unter jungen Menschen belegen dieses zunehmende Interesse an Hexenmagie. Allerdings dringt wenig davon an die Öffentlichkeit, weil die Hexenbewegung in der Regel ein eher medienscheues Milieu darstellt.

Eine grosse Ausnahme ist da allerdings zu nennen, eine Hexe, die an Medienauftritten wohl bald gar Uriella eingeholt haben wird, die Aargauerin Nicole Karin Meier-Spring. Wegen ihrer auf der Schweizer Hexenszene konkurrenzlosen Kamera- und Mikrofon-Freudigkeit ist Nicole Meier für die Medienöffentlichkeit zur Schweizer Hexe schlechthin geworden. Es erscheint kaum ein Artikel zum Thema Hexen in einem Schweizer Medium, in dem nicht Nicole Meier zitiert wird.

Diese faktische Alleinvertretung der Hexenbewegung in der Schweiz dokumentiert Nicole Meier, ganz ohne falsche Bescheidenheit, durch die Wahl ihres Hexennamens. Meier nennt sich schlicht „Wicca“, und verwendet so die Bezeichnung der ganzen Bewegung, Wicca-Bewegung, für sich selbst. Der Name „Wicca“ sei, so sagt Meier, gar als Vorname in ihren Pass eingetragen. Die Amtlichkeit dieses Vorgangs können wir nicht überprüfen, wir wollen aber Meiers Wunsch Genüge tun und sie mit dem selbst gewählten Vornamen bezeichnen, als Wicca Meier. (Zu Verwechslungen mit der Wicca-Bewegung als ganzem führen würde hingegen eine Benennung allein als „Wicca“, wie es manchmal in den Medien geschieht).

Wicca Meier pflegt alle paar Jahre mit einem neuen Projekt aus dem Umfeld der Hexenbewegung an die Öffentlichkeit zu treten und dabei in der Regel reichlich mediale Resonanz zu finden. Durch diese Gratiswerbung gepushed erfreuen sich Wicca Meiers Unternehmungen in einer Anfangszeit recht hoher Interessentenzahlen, die dann aber alsbald abflachen und schliesslich in eine Auf- oder Abgabe des Projektes münden. So geschah es mit Wicca Meiers Hexenladen auf dem Mutschellen, so mit ihrer Hexenzeitung „Hexenbesen“. Nicht ganz fern liegt deshalb die Vermutung, dass es Wicca Meiers neuestem Projekt ähnlich ergehen könnte, ihrem Hexenmuseum.

Im April dieses Jahres öffnete in Auenstein das Hexenmuseum seine Tore, das Wicca Meier mit ihrem Mann Christoph Ernst Meier, genannt „Biba“, leitet. Wiederum war das Interesse der Medien enorm, und auch kritische Stimmen wurden laut.

In der Tat fragt sich, wie Wicca und Biba Meier dazu kommen, ein Museum zu führen. Beiden fehlt dazu jegliche berufliche Qualifikation. Wicca Meier ist KV-Absolventin, Biba Meier Informatiker. Ein wissenschaftlicher Beirat, wie sonst bei Museen üblich, fehlt völlig. Es drängt sich der Verdacht auf, dass hier Laien eine Privatsammlung mehr oder minder laienmässig exponieren.

Wer das Hexenmuseum besucht, findet diesen ersten Verdacht voll bestätigt. Schon bei Eintritt fällt auf, dass das Museum bloss die Grösse einer durchschnittlichen Arztpraxis aufweist. An einen grossen Eingangsraum sind drei recht kleine Einzelräume angeschlossen. Entsprechend gering ist die Zahl der Exponate, der Umfang von Wicca Meiers Sammlung ist nur etwa gleich gross wie das Volumen der Sammlung unserer Infostelle. Allerdings ist unsere Sammlung gratis zu betrachten, im Gegensatz zu Wicca Meiers Exponaten, für deren Besichtigung Fr. 9.- Eintritt zu bezahlen ist. Auch Führungen für Gruppen machen wir unentgeltlich - Wicca Meier verrechnet für eine solche 120.- Franken.

Die drei Räume stehen für drei Themenbereiche, die Wicca Meier in ihrem Museum abhandeln will:

- Der Kräuterraum wird dominiert von einer lebensgrossen Installation einer Hexe, daneben findet sich eine kleine Vitrine mit diversen Pflanzenbestandteilen aus Wicca Meiers Hexenmedizin mit jeweiliger Angabe des Verwendungszwecks.
Erstaulich ist hier die geringe Anzahl der Exponate.

- Der Divinationsraum ist der Divination, dem Wahrsagen gewidmet. Es finden sich hier allerlei Wahrsagemethoden dargestellt, nebst viel Altbekanntem wie Pendel, Rute und Tarot-Karten steht hier auch manches originelle Stück, etwa aus England stammende Tassen, die eigens für Wahrsagezwecke – in England eher mit Teeblättern als mit Kaffeesatz geübt – gestaltet wurden. Die Begleittexte machen klar, dass Wicca Meier an die Wirksamkeit des Wahrsagens glaubt. So empfiehlt sie den Einsatz des Tarot mit folgenden Worten „ Es (das Tarot, gos.) eignet sich hervorragend, um Fragen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu stellen.“
Manche Wahrsagemethoden hält Wicca Meier für so wirksam, dass sie gar warnen muss, so der Schwarzspiegel, wie er von Magiern angewendet wird, um mit Geistwesen in Kontakt zu treten. Hierzu schreibt Wicca Meier: „Man starrt solange in den Spiegel bis man im Spiegel jemand hinter sich stehen sieht. Egal was passiert – man darf sich niemals umdrehen, NIEMALS!“
Was Wicca Meier zur historischen Herkunft der verschiedenen Wahrsagemethoden schreibt, ist oft kreuzfalsch, so beschreibt sie „Pendel und Ruten“ als „Werkzeuge, welche seit ewigen Zeiten im Einsatz sind.“ Beide Wahrsagemethoden sind erst seit der Renaissance sicher belegt. In den antiken Sprachen gibt’s keine Begriffe für diese Methoden, folglich waren sie in der Antike sicher unbekannt (stattdessen betrieb man damals Eingeweideschau, beobachtete den Vogelflug etc.).
Ebenso falsch Wicca Meiers Auskünfte zur Geschichte des Tarot: „Der Tarot ist ein uraltes, durch Mysterienschulen überliefertes, geheimes Wissens- und Weisheitssystem, ein Instrument zur Bewusstseinsschulung, das in engster Verbindung zur Kabbalah zu sehen ist.“
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Tarotkarten älter sind als das 14. Jahrhundert. Die Verbindung zur Kabbala schuf erst der französische Okkultist Papus im 19. Jahrhundert, von wo sie vom englischen Order of the Golden Dawn übernommen wurde und seither in diversen esoterischen Schulen vertreten wird.
Wer ein paar hübsche Divinationstassen aus englischer Tradition besichtigen möchte, dem sei der Besuch von Wicca Meiers Divinationsraum angeraten. Wer aber über Divination sachgerecht informiert werden will, der macht besser einen Bogen darum.

- Im Hexenraum finden sich nebst allerlei Aberglauben insbesondere einige Exponate aus der Tradition der Wicca-Bewegung, so besonders schön die Hohepriester-Insignien, die Wicca Meier selbst bei ihrer Weihe zur Hohepriesterin im Avalon-Orden in England erhielt. Insbesondere das Hohepriesterinnen-Diadem ist sehenswert. In der Mitte des Raums findet sich ein Schaukasten mit Figuren von Gottheiten aus den verschiedenen antiken Religionen. Der Begleittext führt jeweils Namen und Funktion an. Die Gottheiten werden also quasi auf derselben Ebene abgehandelt wie die Hexenkräuter: Welcher Gott hilft bei welchem Zweck? Zwar mag es in den antiken polytheistischen Religionen mitunter auch einen solchen Umgang mit der Götterwelt gegeben haben – manchmal werden ja auch katholische Heilige derart funktional eingesetzt – den antiken Religionen und ihren Gottheiten werden solche verkürzenden und simplifizierenden Darstellungen aber nicht gerecht. Was Wicca Meier hier zeigt, ist nicht Religionswissenschaft, sondern Vereinnahmung fremder religiöser Vorstellungen für eigene Ziele. Wicca Meier erweist sich hier als recht typische Vertreterin der Wicca-Bewegung, die ganz allgemein dazu tendiert, andere Traditionen zu eigenen Zwecken umzuinterpretieren und zu verfremden. Die Angaben zu einzelnen Gottheiten sind zum Teil recht abstrus, z.B. da, wo Wicca Meier das akkadische lilitu mit dem hebräischen lailah verbinden will – und den Bogen gar noch weiter spannt zum finnischen (!) Wort „leila“. Hier triumphieren die ins Kraut schiessenden Spekulationen des Hobby-Autodidakten endgültig über die wissenschaftliche Methodik der Fachwissenschaften.

Im Eingangsraum findet sich ein Stammbaum der Wicca-Bewegung, der in seiner Ausführlichkeit ein Highlight des Museums darstellt, in seiner inhaltlichen Naivität gegenüber Wicca-Mythen aber typisch fürs Museum ist, so wird des Wicca-Gründers Gerald B. Gardners windige Geschichte von der alten Dorothy Clutterbuck, die ihn in eine uralte verborgene Hexengruppe eingeweiht habe, von Wicca Meier ohne jegliche Distanz – und ohne jegliches Augenzwinkern – als schlichtes Faktum berichtet.

Bei den Erklärungen zu den Exponaten fällt neben der fehlenden Wissenschaftlichkeit, dem z.T. schlicht irreführenden Gehalt und der fehlenden kritischen Distanz zum Thema auch ihre hohe Quote an Sprach- und Schreibfehlern auf, was den Gesamteindruck von Laienhaftigkeit und Schlampigkeit weiter unterstreicht.

Der grösste Mangel des Museums besteht aber nicht in dem, was gezeigt wird, sondern im Fehlen wesentlicher Themen: so wird die dunkle Seite der Hexenbewegung schlicht ausgeklammert. Kein Wort zum finanziellen und sexuellen Missbrauch in zahlreichen Hexengruppen, kein Wort davon, wie die von Gardner empfohlene rituelle Nacktheit die Hexengruppen zu Anziehungspunkten für Sexualtäter machte, so dass Hexengruppen heute zunehmend auf die rituelle Nacktheit verzichten, kein Wort zur immer grösser werdenden Zahl sog. Schwarzer Hexen, die nicht nur Hexe, sondern auch Satanistin sein wollen, und insbesondere kein Wort zur Schattenseite des Glaubens an Magie, der Furcht vor magischer Verfolgung. Jede therapeutisch oder seelsorgerlich tätige Person kann ein Lied davon singen, wieviel Schaden der Glaube an Magie anrichten kann bei Menschen, die sich beeinflussbar fühlen. Davon findet sich im Hexenmuseum nichts. Mit anderen Worten:

Das Hexenmuseum stellt sein Thema, die Hexenbewegung, ausschliesslich positiv dar. Alles Negative, alle Schattenseiten werden ausgeblendet. Man stelle sich ein Museum übers Christentum vor, das nichts von den Kreuzzügen berichtet, nichts von der Inquisition, nichts von den Glaubenskriegen, nichts von der Kolonisierung Amerikas, nichts von der Problematik pädophiler Priester usw. Niemand würde ein solches Museum für ausgewogen oder gar wissenschaftlich halten.

Die zweite Problematik zeigt sich dem, der sich an der Museumskasse im Hauptraum vorbei bewegt: Hier entpuppt sich das Museum als ordinärer kommerzorientierter Hexenladen. Zahlreiche Hexenprodukte werden zu marktüblichen Preisen angeboten. Unter anderem verkauft Wicca Meier hier auch Produkte zur Durchführung magischer Rituale. Wicca Meier wirbt nicht nur für den Glauben an die Wirksamkeit von Magie, sondern liefert auch gleich die Werkzeuge dazu. Da Wicca Meier Jugendliche ab 13 Jahren zu ihrem Museum zulässt, ist anzunehmen, dass auch Teenager sich bei Wicca Meier mit magischen Ritualen eindecken können. Weshalb renommierte Firmen wie Rivella Schweiz und Hewlett Packard Schweiz – gemäss der Gönnertafel beim Eingang des Hexenmuseums - diesen Verkauf magischer Rituale an junge Menschen unterstützen, bleibt völlig schleierhaft. Wenn Sektenberatungsstellen an Firmen herantreten mit der Bitte um Unterstützung für ein Lehrmittel zum Thema Sekten, dann heisst es von Firmenseite jeweils unisono: Wir sind weltanschaulich neutral, wir können da nicht mitmachen. Wie verträgt sich aber die Unterstützung von Wicca Meiers Werbung für den Glauben an Magie mit dieser weltanschaulichen Neutralität?

Insgesamt drängt sich bei Wicca Meiers Hexenmuseum der Eindruck eines Etikettenschwindels auf. Die Beschriftung der Exponate ist viel zu konfus und zu fehlerhaft, um den Namen Museum zu verdienen. Das Fehlen wissenschaftlicher Unterstützung bei der Gestaltung des Museums wird auf Schritt und Tritt störend spürbar. Die Besucherschaft wird eher verwirrt denn orientiert. Und der Verkauf magischer Produkte entpuppt die Institution als gewöhnlichen Hexenladen. Unklar bleibt, weshalb die Gemeinde Auenstein bei diesem Etikettenschwindel mitmacht, indem sie die Wicca Meiers Geschäft mit einem touristischen Wegweiser beehrt.

Einen Besuch des Hexenmuseums in seiner gegenwärtigen Gestalt können wir Schulklassen wegen der offensichtlichen Mängel nicht empfehlen.

Georg Otto Schmid, 2009
Letzte Aenderung 2009, © gs 2009, Infostelle 2000
zurück zum Seitenanfang