Besuch im «Hexenladen» in Zürich

Erster Eindruck

Der «Des Balances» oder auch «Hexenladen», befindet sich in der Kruggasse 12 in Zürich. Er wird von Monika-Jacqueline Maag Hug geführt. Am 09. Juli 2024 besuchten wir diesen Laden. Ich war voller freudiger Erwartung und gespannt, was uns erwarten wird. Schon als wir in die Seitengasse einbogen, bemerkte ich das weisse Schild, auf dem der Name des Ladens zu sehen war. In den Schaufenstern erblickte ich Statuen, Kerzen und weitere interessante Gegenstände. Als wir eintraten, schlug mir ein starker Duft entgegen, der von den vielen Räucherstäbchen und Kräutern kommen musste. Später erfuhren wir, dass der Duft Ambrosia war. Die Atmosphäre im Laden gefiel mir sofort. Der Holzboden und das angenehme Deckenlicht gaben mir ein behagliches und heimeliges Gefühl. Im Hintergrund lief mir bekannte Pop-Musik und trotzdem lag etwas Geheimnisvolles in der Luft. Ich war überwältigt von der Vielfalt des Sortiments und wusste nicht, wo ich zuerst hingehen sollte.

Sortiment

Der Verkaufstisch, an dem auch Maag Hug stand, befand sich etwas mehr links im vorderen Raum. An den Wänden dahinter hingen zahlreiche Diplome sowie ein Schwert und ein Familienfoto. Neben der Theke hatte es zudem ein Poster, auf dem Heilsteine aufgeführt waren mit Bild, Namen und ihrem Nutzen. Vor dem Verkaufstisch gab es getrocknete Blumen, sowie auch Kräuter und Geschenkkarten. Zudem werden Kettenanhänger und Ohrringe verkauft, die eher altertümlich aussahen. Im ganzen Geschäft fielen mir die vielen Pentagramme auf. Maag Hug erklärte mir, dass diese ein Zeichen des Schutzes seien. Dass die Pentagramme, die einen Zacken nach oben haben auch ein Zeichen der Hexen und der Hexengemeinschaft Wicca sind, erwähnte sie mit keinem Wort. Ich begab mich in den hinteren Bereich des Ladens, den man über eine kleine Holztreppe erreichte. Dort befanden sich an zwei Wänden etliche Kerzen verschiedener Farben und Grössen. Die Kerzen kann man für Kerzenrituale brauchen. Ich habe gehört, dass diese Kerzen die Träger des Hauptumsatzes seien. Daneben standen Statuen von hinduistischen Gottheiten aber auch beispielsweise eine Menora, eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Mir fiel auf, dass es auch weitere Merkmale anderer Religionen hatte, so bot das Fachgeschäft für Magie auch antike griechische und keltische Götterstatuen und ägyptische, chinesische sowie buddhistische Statuen an. In der Hexenbewegung ist es üblich, dass alle möglichen Götter von verschiedenen Religionen eingesetzt werden, weil sie daran glauben, dass das Göttliche in zwei Personen existiert, als weibliche Göttin und als männlicher Gott und dass alle Götter aller Religionen von dieser Urgöttin und von diesem Urgott abstammen und diese verkörpern. Hinter diesem Gedanken gibt es eine gewisse Problematik, kritische Menschen würden sagen, es sei kulturelle Aneignung.

Es verwunderte mich nicht, als ich auch noch etliche Statuen von mythischen Wesen wie Feen, Drachen und Einhörner entdeckte. Auf einem Tisch gab es eine breite Auswahl an verschiedenen Kristallen, die als Heilsteine bezeichnet wurden. Es wurden viele Bücher über hohe Magie, Wicca und Anleitungen für Tarot-Karten und Wahrsagungen angeboten. Da vieles traditionell in den Bereich der weissen Magie fiel und den Zweck hatte, heilsam zu wirken, erstaunte es uns, dass sie auch die Satanische Bibel verkaufte, in der doch sehr problematische Meinungen vertreten sind, wie zum Beispiel, dass Menschen ohne Matura sich nicht fortpflanzen sollten. Auf unsere Frage hin sagte Maag Hug uns, dass es eben beide Seiten brauche, schwarze sowie weisse Magie und es eigentlich gar keine Seiten gebe, sondern alle Magie wichtig ist. Es gab auch viele Tarotkarten-Sets sowie Ouija-Bretter, welche von Hand angefertigt wurden. Ein sehr grosser Teil des Sortiments bestand aus Kräutern und Räucherstäbchen. Es gab so viele verschiedene Kräuter und Düfte, dass ich bald den Überblick verlor. Ausserdem hingen viele Traumfänger von der Decke. Daneben standen auf einem Tischlein grosse Federn, die man als Schreibutensilien benutzen konnte, Glöckchen und Muscheln. In ihrem Laden befanden sich auch grosse und teure Schwerter, die kunstvoll verziert waren. Diese entzückten mich besonders.

Kundenfreundlichkeit und Gespräche

Während wir uns im Geschäft umschauten, stand Monika-Jacqueline Maag Hug an der Theke und begrüsste uns freundlich. Sie bot uns ihre Dienste an, falls wir Hilfe bräuchten und begann kurz darauf, mit uns über das Taylor-Swift-Konzert zu reden. Je nach dem, mit wem Maag Hug sprach, wechselte sie geschickt zwischen Schweizerdeutsch und einwandfreiem Hochdeutsch.

Später kam eine weitere Kundin in ihren Laden, die Maag Hug ebenso herzlich begrüsste, wie uns zuvor auch. Sie kaufte eine der Kerzen. Es war mir bald klar, dass es eine Stammkundin war, denn die beiden Frauen schienen sich zu kennen. Sie pflegten einen sehr vertrauten Umgang miteinander und sprachen über private Angelegenheiten. Auch mit uns war Maag Hug sehr offen. Ich empfand sie als sehr sympathisch und kundenfreundlich. Ihre schwarze Kleidung und ihre schwarzen Locken gaben ihr etwas Mysteriöses. In Momenten, in denen wir selbstständig das Sortiment bewunderten, spielte Maag Hug Juwels Magic, ein Spiel, das ähnlich ist, wie Candy Crush Saga. Maag Hug erzählte uns bei vielen Gegenständen, dass diese die letzten Exemplare seien und sie neue bestellen müsse. Dabei kamen wir darauf zu sprechen, dass sie seit der Corona Pandemie viel weniger geliefert bekomme als vorher, da viele Lieferfirmen eingegangen seien. Zudem gäbe es auch bei ihr Ladendiebstähle, die sie viel Geld kosten würden. Und dennoch blieb ihre optimistische Weltanschauung und ihr fröhliches Wesen bestehen, die zum kleinen gelben Stein passten, der auf der Theke lag, auf dem ein Smiley war und die Aufschrift Keep smiling.

Verabschiedung und Kommentar

Als wir uns für einige Bücher über Magie und Heilsteine, eine Athene-Statue und Weiteres entschieden hatten, gingen wir an die Theke bezahlen. Sie packte das Gekaufte in eine Tasche und verabschiedete uns mit den Worten, dass sie sich sehr über unseren Besuch gefreut hätte und sie sich sicher sei, uns sehr bald wiederzusehen. Da wir wenige Minuten später noch einmal in den Laden zurückkehrten, weil wir etwas vergessen haben zu kaufen, lag sie mit dieser Behauptung sehr richtig.

Der Besuch im «Des Balances» gefiel mir. Mich beeindruckte das Sortiment und die Einrichtung. Die Preise waren meiner Meinung nach ein wenig überteuert. Dennoch finde ich, dass es sich gelohnt hat, den Laden in Zürich zu besuchen.

Erneuter Besuch

Am Tag darauf ging ich erneut in den Laden, um ein Geschenk zu kaufen. Der Laden war mir nun bekannt, dennoch war ich überwältigt von den vielen Verkaufsgegenständen. Maag Hug sprach mit Kundinnen darüber, dass sie das «Fotografieren verboten» Zeichen auf der Vordertür rot machen sollte, weil es niemand sehe. Bis zu diesem Moment habe auch ich dieses Zeichen nie bemerkt, so kann ich ihr Recht geben. Sie habe es ungern, wenn Leute in ihrem Geschäft Fotos machen würden, weil sie sie dann weiterschicken würden und sie kopiert werde, wenn diese Leute es auf ihren eigenen Webseiten auch verkaufen würden. Maag Hug ist genau wie am vorherigen Tag sehr nett und zuvorkommend und spricht mit ihren Kunden über alle möglichen Dinge. Als ich an die Kasse ging, um zu bezahlen, erkannte sie mich leider nicht mehr. Sie sagte, dass sie sehr viele Kunden habe und sich keine Gesichter merken könne. Ich fand es sehr nett von ihr, dass sie mit viel Mühe das Geschenk in farbiges Papier – gratis – einpackte. Ich freue mich auf einen weiteren Besuch in unbestimmter Zeit.

Adresse

Des Balances AG

Kruggasse 12

8001 Zürich

www.desbalances.ch

Florinda Cotting, 12.07.2024