Beratung

Auf dieser Seite finden Sie eine Zusammenstellung unserer Angebote zur Beratung sowie weiterführende Hinweise für den Umgang mit problematischen religiösen oder weltanschaulichen Bewegungen. Wir stehen Ratsuchenden mit fachlich fundierter Einschätzung, individueller Unterstützung und präventiven Bildungsangeboten zur Seite. Unser Ziel ist es, Orientierung zu bieten und eine informierte Auseinandersetzung mit entsprechenden Gemeinschaften zu ermöglichen.

Wir bieten für Betroffene, Angehörige, Fachpersonen und Institutionen, kostenlose Beratung und Unterstützung im Umgang mit problematischen religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaften an. Sie ist kostenlos, unabhängig und konfessionsneutral. Sie erreichen uns auf folgenden Wegen:

  • Per E-Mail: Anfragen richten Sie bitte an info@relinfo.ch. In der Regel beantworten wir Ihre Nachricht innerhalb von 24 Stunden, sofern keine aufwendigen Recherchen erforderlich sind.
  • Telefonisch:
    – Vormittags über das Festnetz unter 055 260 30 80
    – Rund um die Uhr mobil unter 078 840 24 06
  • Im persönlichen Gespräch: Gerne empfangen wir Sie nach vorheriger Anmeldung (telefonisch oder per E-Mail) an unserer Infostelle in Rüti ZH – bei Bedarf auch an Wochenenden.
  • Erste Informationen finden Sie auch auf unserer Website relinfo.ch, die einen umfassenden Überblick über in der deutschsprachigen Schweiz tätige religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften bietet.

Woran sind problematische Kurse und Veranstaltungen zu erkennen?

  • Persönliche Einladung zu einem Kurs nach kurzem Kennenlernen
  • Keine kritischen Rückfragen erlaubt oder auf später verschoben
  • aufdringliche Spendenpraxis
  • Schweigepflicht gegenüber Familie und Freunden
  • Warnung vor Medienberichten und Internetquellen
  • Missionierung über soziale Medien unter verdeckter Identität

 

Was tun, wenn klar wird, dass der Kurs zu einer problematischen Gemeinschaft gehört?

Verunsicherung ist normal. Viele berichten anfangs von Begeisterung, gefolgt von ersten Zweifeln. Diese widersprüchlichen Gefühle sind typisch und nachvollziehbar.

 

Konkrete Empfehlungen für Betroffene

  • Informationen einholen bei unabhängigen Beratungsstellen.
  • Persönliche Daten zurückhalten, insbesondere bei Fragebögen.
  • Spenden nur gegen Quittung geben, Zweckoffenlegung verlangen.
  • Kritisch nachfragen, auch wenn andere scheinbar überzeugt sind.
  • Keine Schweigegebote akzeptieren, Kontakt zum sozialen Umfeld halten.
  • Nicht einschüchtern lassen, im Zweifelsfall Polizei einschalten.

Wer bleiben will: Eigene Grenzen und Ziele schriftlich festhalten; eine Vertrauensperson kann helfen.

Wer gehen möchte:

  • Klare Kommunikation, keine weiteren Treffen oder Gespräche zulassen
  • Kontaktabbruch deutlich machen, Datenlöschung verlangen
  • Beweismaterial sichern, v. a. bedrohliche oder manipulative Inhalte

Häufige Probleme bei Betroffenen

  • Beziehungsabbrüche, geheime Doppelleben
  • Probleme in Ausbildung oder Beruf, Umzüge in Wohngemeinschaften
  • Körperliche und psychische Erschöpfung
  • Uminterpretation von Beschwerden als spirituelles Versagen
  • Angst durch endzeitliche oder dualistische Weltbilder
  • Vermeidungsverhalten, Vertrauensprobleme nach Ausstieg

Wichtig: Teilnahme an solchen Angeboten ist kein Zeichen von Naivität. Wer sich informiert und Grenzen setzt, zeigt Selbststärke. Unterstützung durch Familie oder Beratungsstellen hilft, die Situation zu klären.

Wenn ein nahestehender Mensch sich einer problematischen religiösen oder weltanschaulichen Bewegung zuwendet, ist dies für Angehörige oft mit Hilflosigkeit, Sorgen und emotionaler Belastung verbunden. Die folgenden Hinweise sollen helfen, typische Reaktionen zu verstehen, angemessen zu reagieren und den Kontakt zur betroffenen Person möglichst zu erhalten.

Drei Phasen im Umgang mit Betroffenen

Phase 1: Betroffene Person hat erste Kontaktaufnahme oder Interesse an einer Gemeinschaft

  • Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für sachliche und kritische Informationen und Aussteigerberichte.
  • Echte Erfahrungen von Ehemaligen sind hier wirksam.

Phase 2: Betroffene Person zeigt Begeisterung und möglicherweise missionarisches Verhalten

  • Keine direkte Kritik äussern! Das führt oft zu Abwehr und Reaktanz.
  • Stattdessen: soziale Lücken und Defizite schliessen: etwa durch Gespräche, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit.
  • Gemeinsam mit dem Umfeld eine Strategie entwickeln, wie die betroffene Person emotional eingebunden werden kann.

Phase 3: Die Person ist bereits tief involviert

  • Kontakt halten, jede Verbindung ist eine Brücke zur Aussenwelt.
  • Keine offene Kritik an der Gemeinschaft – weder direkt noch öffentlich.
  • Kritische Informationen lieber an Fachstellen weitergeben.

Empfehlungen für Angehörige im Umgang mit Betroffenen

Grundhaltung

  • Ruhe bewahren, keine Kurzschlussreaktionen
  • Keine Panikmache oder reisserische Aussagen
  • Entscheidungsfreiheit respektieren

Beziehungsarbeit

  • Empathie zeigen, nach Beweggründen fragen
  • Persönlichkeitsveränderungen ansprechen
  • Gemeinsame Aktivitäten pflegen, Alltagskontakt aufrechterhalten

Kritik und Reflexion ermöglichen

  • Sachliche Informationen bereitstellen, z. B. Aussteigerberichte
  • Geduld zeigen, nicht drängen
  • Zweifel thematisieren, wenn die Person Krisen erlebt

Konkrete Massnahmen

  • Missionierung ablehnen, eigene Werte kommunizieren
  • Keine finanziellen Unterstützungen, die indirekt der Gruppe zugutekommen
  • Datenschutz beachten
  • Verlauf dokumentieren, Gespräche und Entwicklungen festhalten
  • Veranstaltungen begleiten, aber nicht allein oder unvorbereitet

Wenn der Kontakt abbricht

  • Nicht persönlich nehmen, Rückzug ist Teil der Dynamik
  • Ansprechbarkeit signalisieren, kurze Nachrichten senden
  • Eigene Belastung ernst nehmen, ggf. psychologische Hilfe suchen

Fazit: Die Begleitung eines Menschen in einer problematischen Gemeinschaft ist emotional anspruchsvoll. Geduld, Offenheit, Wertschätzung und Selbstfürsorge sind zentrale Schlüssel. Oft ist der Ausstieg ein Prozess; Angehörige können ihn unterstützen, aber nicht erzwingen.

Auf Anfrage führen wir vertiefte Einschätzungen zu konkreten religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaften durch. Dies kann mittels Literaturrecherche, Sichtung von Materialien oder Recherchen vor Ort geschehen.

Wir bieten Vorträge zu Fragen rund um Kirchen, Sekten und religiöse Sondergemeinschaften an – für Schulen, Kirchgemeinden, Institutionen oder interessierte Gruppen.

Richtwert: Pauschalpreis Fr. 300.- inklusive aller Spesen, unabhängig vom Veranstaltungsort, Rabatt ist in begründeten Fällen möglich.

Unsere präventiven Bildungsangebote richten sich insbesondere an Schulen und Jugendarbeit:

  • Präventionshalbtage oder -abende
    Einführung in typische Merkmale problematischer Organisationen, Gruppenarbeit zu konkreten Bewegungen (nach Wahl aus einer Liste), gemeinsame Auswertung.
    Kosten: CHF 300.– pauschal, inklusive Material und Spesen.
  • Kürzere Präventionseinheiten
    Zum Beispiel zu Gruppen, die vor Ort aktiv sind. Ohne Gruppenarbeit.
    Kostenrichtwert: CHF 100.– pro 60 Minuten, mindestens CHF 200.–

Wer sich vertieft mit einer bestimmten Gemeinschaft, Organisation oder Strömung beschäftigen möchte, findet in unserem Onlinelexikon und in unserer umfangreichen Bibliothek zu Kirchen – Sekten – Religionen Hinweise zu deren Tätigkeit im Bereich der deutschsprachigen Schweiz und darüber hinaus. Recherchen in der gesamten Dokumentation sind kostenlos.