Das Universum nach Birgit Fischer

Sie ist Medium, Spiritual Teacher und Prophetin. Und sie bildet übrigens auch aus. Birgit Fischer zieht im Gegensatz zu anderen spirituellen Speakern die Menschen nicht nur mit dem Versprechen von weniger Stress zu sich. Sie steigt lieber auf und ködert uns mit der Sehnsucht, die wir alle kennen, wenn wir in verzweifelten Stunden zum Nachthimmel hinaufsehen. Ihr Hauptthema sind «Starseeds», ein cooleres Wort für Aliens.

Dieser Bericht befasst sich mit dem ersten Buch, das Birgit Fischer veröffentlicht hat: «Starseeds – Warum wir hier sind und wohin wir gehen, Transformierende Botschaften aus fernen Galaxien». Fischer geht im Buch zunächst auf ihre eigene Geschichte ein, dann auf konkrete Räte im Universum sowie Völker von Ausserirdischen, und zuletzt auf eigene Prophezeiungen für die Zukunft der Menschheit. Manchmal ist sie dabei in ihren Beschreibungen und Erklärungen konkret, teilweise auch oberflächlich. Ziel dieses Beitrags ist es, einen Überblick über Birgit Fischers Lehren in ihrem ersten Buch zu geben. Denn hier handelt es sich nicht um ein typisches, spirituell angehauchtes Selbsthilfebuch. Fischer setzt nämlich voraus, dass die Leserschaft mit allen gängigen Esoterik-Begriffen und -Phänomenen (wie Ego, Dimension, Reinkarnation) bekannt ist. Und da Aliens auch ein spezielleres Thema sind, scheint die Zielgruppe dieses Buches «erfahrene Esoterikinteressierte» zu sein. Und das macht es besonders interessant.

Raketenstart im Vorwort

Ich nehme die Weltraumreise durch ihr erstes Buch auf mich, damit ihr es nicht müsst. Und gewappnet muss die Leserschaft sein für die Reise in die Ferne, denn Fischer tritt mit den ersten Sätzen des Buches ziemlich nah: «Hast du manchmal das Gefühl, adoptiert zu sein? Das Gefühl, dass dich niemand versteht? Berührt dich der Anblick der Sterne auf eine Art und Weise, wie der eines Menschen es kaum vermag?» (S. 9) Neugierig macht dieser Beginn allemal. Aber diese Ansprache ist auch emotionalisierend und kann einen Nerv treffen, vor allem falls sich Lesende gerade einsam fühlen.

Wie typisch für Bücher dieses Genres geht es auf der ersten Seite gleich weiter mit «dieser eigenartigen Zeit, diese Transformation», die wir alle spüren. Fischer weiss, obwohl die Welt noch nicht bereit für ihre Hellsichtigkeit ist, darf sie diese trotzdem leben. Und nicht nur die Erde, das ganze Universum befände sich derzeit im Wandel. Auch wir, die Lesenden, hätten besondere Fähigkeiten. Und wir werden eins mit uns selbst, wenn wir uns als Individuum akzeptieren und damit auch eins mit allem. Ein guter Start, der mit der Beantwortung existenzieller Fragen lockt.

Doch nochmal zurück zur Erde: Birgit Fischers persönliche Geschichte

Erst einmal zur Autorin: sie ist nach eigenen Angaben «nicht normal und kein braves Mädchen». Als Medium arbeitet sie seit 2017, doch schon als Kind sei sie manchmal einfach so in andere Welten verschwunden. Angeblich sah sie in jeder Person, die ihr begegnete, deren Energien, Probleme und Zukunft. Daraufhin schickte ihre Mutter sie zu einer Psychologin, die nichts mit ihr anfangen konnte. Fischer ist überzeugt, auch bei den Traumata, die sie erlebt hat, konnte ihr ausschliesslich Energiearbeit helfen und keine psychologische Begleitung. Eine nicht ungefährliche Aussage. Zumal sie kurz darauf auch davon schreibt, dass Alkohol ihre Medialität noch gesteigert hätte. Mittlerweile habe sie aber von Drogen Abstand genommen.

Sie berichtet auch von ihrer medialen Ausbildung am Arthur Findlay College in England (Die Kurse dort sind nicht akkrediert). Doch sogar dort glaubten viele Teilnehmende nicht an ihre Starseeds. Fischer sei selbst eine skeptische Person, aber habe im Laufe der Zeit einfach zu viel gutes Feedback für ihre Trancen bekommen und ihre Mitmenschen überzeugt. Demnach muss es Starseeds wirklich geben. Wie können sich denn so viele Menschen zusammen irren?

Natürlich beherrscht Birgit Fischer auch Fernwahrnehmung oder Remote Viewing. Sie würde auch die Non-Profit-Organisation «Find me Group» dabei unterstützen, vermisste Personen zu finden. Wer schon ein paar von Remote Viewing im Zusammenhang mit Vermisstenfällen gehört hat, weiss, dass die CIA-Experimente dazu und das Geld, was die US-Regierung in die Forschung dazu gesteckt hat, immer als Beweis erwähnt werden. Interessanterweise wird nie auf Studien verwiesen, die zeigen, wie viele Menschen tatsächlich durch mediale Fähigkeiten wiedergefunden wurden. Auch Fischer tut das nicht. Und sie erwähnt auch nicht, wie viele Personen dank ihr schon wieder aufgetaucht sind.

Fischer erklärt noch, dass ausgerechnet sie die Starseeds erforschen kann, weil sie in der Lage sei Wissen wirklich zu fühlen und nicht nur zu lernen. Und dass, obwohl sie doch eine «spirituelle Barbie» sei, weil sie blondierte Haare hat und pinke Sneaker trägt. Sie kritisiert an der spirituellen Szene, dass sie mittlerweile zu sehr zu einer Schule geworden sei und es nicht mehr genug um Gefühle ginge. Und was sei so schlimm an einfach verständlicher Sprache? Sie schliesst das Kapitel ab mit den Worten: «Wir sind alle spirituelle, hellsichtige Wesen. Wir dürfen konservativ sein, ohne uns zu verurteilen. Wir dürfen im Milieu leben, ohne Verbrecher zu sein.» (S. 21) Das sind spezifische Beispiele. Überhaupt, das ganze Kapitel wirkt, als würde Birgit Fischer uns deutlich machen wollen, dass sie nicht wie alle anderen Medien in der Szene ist, kapiert?

Kreisen um den blauen Planeten: Was ist eigentlich mit dir, Lesende?

Hast du Heimweh? Bist du sensibel und empathisch? Allergien, Tinnitus, schnell überreizte Sinne? Extreme medizinische Vergangenheit? Magst du Science-Fiktion? Fühlst du dich besonders, kreativ und hellsichtig? Wenn du (es wird nicht näher beschrieben wie viele) diese Kriterien erfüllst, gehörst du zu den Menschen «die sich bewusst zu galaktischen Energien hingezogen fühlen» (S. 25f). Fischer ermutigt dich, deine mediale Gabe zu entfalten und mit Starseeds in Kommunikation zu treten. Doch vorher ein Exkurs zur Erde, denn die Starseeds waren schon vor uns Menschen hier.

Die galaktische Föderation brauchte Energie für die Kriege, die sie führten. Auf der Erde existiert «physische Liebe und physischer Tod». Dadurch entsteht emotionaler Druck und wenn dieser losgelassen wird, entsteht viel wertvolle Energie. Doch schon bevor wir Menschen die Erde bewohnten, hausten hier die Starseed-Völker Reptiloide, Annunaki und Lyrer. Um die wird es später noch genauer gehen, doch es sei vorab gesagt, dass sie alle nicht komplett «gut oder böse» sind, sondern fliessend. Ob diese Starseeds nun immer noch auf unserer Erde hausen oder wie die ersten Menschen entstanden, erzählt Fischer nicht. Stattdessen erklärt sie welche Portale für welche Entwicklungsstufen der Seele stehen. Beim Lesen lässt sich das alles gar nicht so einfach verstehen. Zum Glück meint Fischer: «Was in der neuen Zeit gebraucht wird, ist aber nicht das menschliche Wissen, sondern das energetische Wissen, das nichts benennen muss.» (S. 30f). Damit können alle Logik-Lücken in Fischers Weltbild entschuldigt werden, denn nur das Fühlen ist wichtig.

Besuch beim galaktischen Rat

Fischer wird im Alltag häufig in galaktische Ratssitzungen gezwungen. Vertritt sie uns dort als Menschheit? Was genau wird dort besprochen? Diese Details scheinen nicht so wichtig zu sein, denn Fischer weicht vom Thema ab: Wichtig ist es vor allem, dass wir selbst für die Kommunikation mit verschiedenen Starseeds offenbleiben, die immerhin aus ungefähr 250 Dimensionen stammen könnten. Und übrigens haben alle Starseeds, auch körperlich unsterbliche, drei Entwicklungsphasen: «1. Jung und ungestüm, 2. Erwachsen, darf aber auch Fehler machen, 3. Alt, weise und wissend.» (S. 34) Das klingt ähnlich zu uns Menschen, doch viele Starseeds sollen diese Phasen alle gleichzeitig durchlaufen.

Doch zurück zu den Ratssitzungen, zu denen Fischer immer wieder gezwungen wird. Es soll viele verschiedene Räte geben, einer davon ist der Rat der Fünf. Der sei auch intensiv für die Erde zuständig und würde sehr viel für uns tun. Die Ratsmitglieder hätten schon oftmals mit hochrangigen irdischen Führungskräften kommuniziert. Doch diese Verbindungen wurden immer wieder abgebrochen, da die Menschen noch nicht bereit waren. Mit Fischer hält der Rat der Fünf natürlich Kontakt. Und davon wird nun jedes Mitglied vorgestellt.

«Vegorianz» erschien ihr als blaugrünes Wesen mit sehr langen Fingern, welches nach Fisch riecht. Es folgt ein aufgezeichneter Dialog zwischen ihm und Fischer. Das Wesen mahnt, die Menschheit dürfte die Erde nicht weiter ausbeuten und solle keine Tiere mehr essen. All die Probleme der Menschheit könnten leicht von den Wesen aus höheren Dimensionen gelöst werden. Aber, und dieses Argument fällt in der esoterischen Szene häufig, da wir Menschen alle freiwillig auf der Erde inkarniert sind und wir selbst beschlossen haben, was wir erleben wollten, können äussere Kräfte nichts daran ändern. Doch keine Sorge, diese «geplanten Schicksalsschläge» können von gut ausgebildeten Starseed-Coaches und medialen Heilern verhindert werden. Diese Idee, dass zum Beispiel sogar Kinder, die in Kriegsgebieten aufwachsen, vor ihrer Geburt «die Entscheidung getroffen haben, diese Erfahrung zu machen, um zu wachsen» klingt vielleicht erst einmal logischer als ein Zufall. Doch Ausgestiegene aus der esoterischen Szene berichten, dass sie sich durch diese Herangehensweise selbst die Schuld an traumatischen Erlebnissen gegeben haben. Denkt man noch länger darüber nach, kann diese Ansicht sogar implizieren, dass Täter von Gewalttaten ja nicht schuldig sind, da ihre Opfer die Erfahrung machen wollten. Eigen Menschen hilft die Ansicht von Fischer vielleicht, aber sicherlich nicht allen. Dafür wirft sie einfach zu viele Fragen auf.

«Rafimojah» ist ein weiteres Mitglied im Rat der Fünf. Sie erschien Fischer als bernsteingelbes und eindeutig weibliches Drachenwesen. Im Dialog meinte sie, ihre Aufgabe sei es, den Menschen bei ihrer emotionalen Entwicklung zu helfen.

«Karsunay» sieht fast aus wie ein Mensch, nackt, blauäugig und hellblond. Sie lieben Kälte und mussten ihren Heimatplaneten verlassen, da dieser sich erhitzt hat. Auf der Erde hätten sie schon Malereien in Höhlen und den Pyramiden hinterlassen. Sie sollen dabei helfen, Hindernisse zu überwinden und riechen nach Schnee. Im Gespräch zwischen Fischer und dem Wesen wird berichtet: Diese Spezies hat nur noch drei Chakren und ist damit quasi die nächste Stufe der Menschheit. Das bedeutet, auch unsere Erde wird irgendwann zu heiss und wir werden dann weiterziehen. Wir werden ausserdem «robotisiert», uns mit Technik verbinden, und dabei würden einige von uns sterben. Auch seinen Karsunay jene, die der Kultur der Maya einst Informationen vermittelten. Die Maya waren demnach für ihre Entwicklung auf blonde, blauäugige Aliens angewiesen? Laut Fischer wird zwar vielen Menschen oder Menschengruppen von Starseeds geholfen. Trotzdem hat diese Aussage einen Beigeschmack von der Entwertung der Errungenschaften der Maya-Zivilisation.

«Omyron» erschien Fischer als ein schwarzes Wesen durchzogen von silbernen Glitzerstreifen. Diese Wesen sollen den Menschen Hoffnung geben. Fischer dachte zuerst, Omyron sei der Tod. Doch das ist gar nicht so weit hergeholt, denn diese Wesen würden angeblich Gespräche mit verstorbenen Menschen führen.

«VibrationZ» nennt Fischer als letztes Mitglied im Rat der Fünf. Sie erscheine ihr als pfirsichpinke Krake, ähnlich wie die im Film «Fluch der Karibik». Da Fischer ihre Hellsinne nie ausstellen oder ignorieren kann, nahm sie erstmals in einem Dubai-Urlaub richtigen Kontakt zu dem Wesen auf. Wie viele andere, habe es sich aber bereits lange vorher angekündigt. VibrationZ soll nur in Frequenzen kommunizieren und auch so Teile der Erde, wie die Antarktis, den Iran und Irak unterstützen.

Nach dieser Vorstellungsrunde erklärt Fischer endlich, was es mit der «Galaktischen Föderation des Lichts» auf sich hat. Dieser Rat aus vielen verschiedenen Starseeds sei weniger autoritär und mehr ordnend, also keine klassische Obrigkeit. Unter anderem sollen sich ihre Energien im starken Schneefall im Winter 2020/21 gezeigt haben. Auch sei der Rat nicht nur für die Erde zuständig, sondern für viele Wesen im Universum. Fischer und andere Medien dürften den Rat oft bei Sitzungen beobachten.

Fischer sei dabei gewesen, als sich ein Rat speziell für die Entwicklung der Menschheit gegründet hat, der sogenannte «Rat des goldenen Lichts». Viele Starseeds hätten Interesse an den Menschen, da sie sterblich seien und Emotionen haben. Das scheint im Universum selten zu sein. Wir Menschen sind nicht unterentwickelt, sondern einfach anders. Bei der Gründungssitzung des Rates, seien neben Fischer noch zwei Frauen aus den USA und Russland als einzige Menschen dort gewesen. Es seien deswegen nur Frauen, da sie der «Inbegriff von Emotionen» seien.

Wir treffen einzelne Starseed-Intelligenzen

Mit Starseed-Intelligenzen seien hier quasi Völker von Ausserirdischen gemeint. In diesem Buch geht Fischer auf 24 konkrete Gruppen ein und 3 weitere auf einer «höheren Ebene des Seins». Dieser Bericht wird sich auf jene Gruppen beschränken, die in der Esoterik- und Verschwörungstheorieszene verbreitet sind. Fischer beschreibt die Gruppen nicht nach einem einheitlichen Schema und die einzelnen Einträge unterscheiden sich in Länge und Genauigkeit. Vereinzelt werden auch geistige Übungen erklärt, um selbst mit den jeweiligen Starseeds in Kontakt zu treten.

Es fällt auch allgemein die Geozentriertheit und Ungenauigkeit von Fischer auf. So sind wir als Menschheit anscheinend eine eigene Starseed-Energie, die Nachbargalaxie Andromeda aber auch. Dabei bevölkern wir nur einen Planeten. Und im Gegensatz dazu sei die gesamte Galaxie Andromeda eine einheitliche Starseed-Gruppe wie wir? Diese Kritiken sind dazu noch schwer hervorzubringen, weil Fischers Text auf ihren persönlichen Erfahrungen und Gefühlen basiert. Jede Ungenauigkeit kann damit gerechtfertigt werden, dass Fischer die Dinge nur so notiert, wie sie sie wahrnimmt. Zusätzlich bezeichnet Fischer logisches und skeptisches Denken im Buch als «Erbsenverstand». Damit vermittelt sie den Eindruck, als sei es lächerlich, sich auf empirische Beweise berufen zu wollen. Paradoxerweise bezeichnet sie ihre eigenen medialen Erfahrungen häufig als ihre «Forschungen». Nach dieser Herangehensweise ist alles das, was ein Individuum fühlt also wahr? Bei Birgit Fischer, wie so oft in der New-Age Szene ist die Rede vom Frieden und der Einheit, die geschaffen werden muss. Doch wenn jedes subjektive Gefühl ein Fakt sein soll, wie soll die Menschheit dann jemals diese Einheit erreichen?

Was Fischers Weltanschauung noch komplizierter macht, ist ihre Idee von Reinkarnation. Die Seele eines anderen Sternenvolks ist demnach in der Lage, in den Körper eines Menschen zu inkarnieren. Das würde sich dann vor allem in der Persönlichkeit zeigen. Allerdings könne eine Person auch von einer oder mehreren Starseed-Energien begleitet werden. Was wann zutrifft oder wie es dazu kommt wird nicht klar beschrieben.

Oase der Plejaden

Was wäre ein Buch über Aliens ohne die in der Szene so geliebten Plejaden? Diese Popularität liegt laut Fischer daran, dass diese in der 5. Dimension leben und damit einfach zu channeln seien. Sie schreibt «Das Kernwesen der plejadischen Energie ist dieses liebliche Gefühl des Mütterlich-Kindlichen. Vor Glitzer und Schlimmer kann sie kaum genug bekommen. Einhörner, Schmetterlinge und Regenbogen, wohin man schaut.» (S. 94). Auch Jesus Christus würde sich dort aufhalten. Menschliche Seelen sollen nach ihrem Tod zu den Plejaden aufsteigen und liebevoll empfangen werden. Dies geschieht unabhängig von Karma oder Schuld, denn das würde während des Aufstiegs schon bereinigt. Auch helfen die Plejaden bei der Planung des nächsten Lebens. Ausserdem werden sie auch häufig von Reptiloiden angegriffen. Zu denen gibt es natürlich auch ein Kapitel.

Die bösen Reptiloiden

Die Kollegschaft von Fischer rät vom Kontakt zu diesen gefährlichen Wesen ganz ab, doch Fischer möchte alle Seiten kennenlernen. Auch bevor sie in der Szene tätig wurde, gab es bereits zahlreiche Verschwörungstheorien zu Reptiloiden. Laut Fischer hätten sie ihre Heimatwelt im Krieg zerstört. In unserer Welt der Dualität empfindet Fischer es als angemessen, Reptiloide als negativ zu bezeichnen. Doch das kommt auch stark auf die Entwicklung der einzelnen Wesen an. So seien unreife Reptiloiden wie Parasiten.

Reptiloiden sollen sich von Menschen mit negativen Gefühlen nähren. «Ich habe erlebt, dass die betroffenen Menschen dann an typischen physischen Phänomenen litten: Bluthochdruck, Schlaganfälle, Übersäuerung, Aggressionen gegen die eigene Familie, dass sie in kürzester Zeit drogensüchtig oder kriminell wurden, usw. Die Liste ist lang. Und dennoch gilt, dass wir Menschen es in der Hand haben, zu welchen Energien oder Intelligenzen wir eine Verbindung aufbauen. Wir entscheiden.» (S. 145). Die gelisteten «physischen Phänomene» haben auffällig viel Ähnlichkeit mit den Folgen von chronischem Stress, oder? Und entscheiden wir jetzt selbst über unsere Handlungen oder beeinflussen uns die Starseed-Energien? Und was ist, wenn die Beispiele mit strukturellen Problemen oder Vererbung zusammenhängen? Das lässt sich vermutlich auch auf negative Energie schieben.

Angeblich gibt es auch freundliche Draconier, die weiss sind. Diese seien die Hüter des Wissens über Emotionen und damit «Heilung pur» für Menschen. Sie sollen uns die Emotionen sogar überhaupt erst beigebracht haben.

Weitere erwähnenswerte Aliens

Viele der altbekannten Fabelwesen, die in den Märchen der Menschheit vorkommen, zählen nach Fischer übrigens auch als eigenes Sternenvolk. Elfen, Feen und Kobolde gehören dabei zu der Gruppe «Utopia und Ashtara». Sie würden auf einer anderen Dimension leben: «Diese Welt ist in gewisser Hinsicht ein Spiegelbild der irdischen Natur und hilft enorm bei deren Erhaltung.» (S. 121).

Und dann wären da auch noch Riesen, auch Iceseed genannt. Sie begegneten Fischer erstmals bei einem Remote Viewing der Antarktis. Sie seien Einzelgänger und leben in kalten Regionen. Ihr Ziel sei es, Wissen zu erwerben und dann in Wasser einzufrieren. Ihr Aussehen soll dem von Bigfoot entsprechen. Und damit, sowie mit dem Thema der «verdächtigen Antarktis», befinden wir uns wieder im Bereich der klassischen Verschwörungstheorien. Es sind auch immer wieder die Gleichen.

Reise in die Zukunft: Prophezeiungen

In den nächsten Jahrzehnten solle sich nach Fischer die Landwirtschaft entwickeln. Es wird auch Naturkatastrophen geben und der Konsum von Tierprodukten wird abnehmen. Mensch und Technik werden sich so verbinden, dass wir die Nachrichten vor unseren Augen sehen können. Die Menschen werden Gehirnchips haben und vieles wird weniger Geld kosten. Es soll mehr Gemüse- als Aktienhandel geben. Alkohol wird nicht mehr konsumiert.

Für die nächsten 150 Jahre sagt Fischer folgendes voraus: Weniger Druck wird von der Politik ausgehen und es werden weniger Naturkatastrophen stattfinden. Ausserdem kommt es zu Erstkontakten mit Aliens (die natürlich im geheimen schon seit den 1970ern bestehen). Flugzeuge sieht Fischer nicht mehr, dafür fliegende Autos und Raketen. Österreich wird an der Küste liegen, da der Meeresspiegel gestiegen ist. Es wird weniger Haustiere geben. Energieproduktion wird kostenlos.

Mir fällt auf, dass Fischer vor allem von Technik und Aliens in der Zukunft spricht. Humanitäre Entwicklungen und Menschenrechte werden ausgelassen.

Nachwort

Das energetische Heilen mit Starseeds wird in den nächsten Jahren «zur Hausapotheke» gehören. Wir sollen uns daran erinnern, dass das Leben auf der Erde nur kurz ist und danach weiter geht. So beendet Fischer ihr erstes Buch. Sie erklärt sich bereit, mit der Wissenschaft zusammen zu arbeiten. Doch dann heisst es im letzten Absatz: «Die Wissenschaft ist sozusagen das Ego der Menschheit. Es braucht Bestätigung, um zu wachsen, zu wissen.» (S. 284). Demnach würde uns diese «Ego-Energie» in unserer Entwicklung verlangsamen. Fischer stellt einen Menschen, der nach Anerkennung sucht, gleich mit der Wissenschaft, die nach Beweisen sucht. Doch im Gegensatz zu einem Ego geht die Wissenschaft systematisch mit Unsicherheit um. Ein Grundprinzip der Wissenschaft ist die Offenheit für Falsifizierung. Davon kann bei einem Ego nicht die Rede sein.

Fazit: Notlandung auf der Erde

Birgit Fischer ist kreativ und denkt sich wenigstens neue Ideen aus, anstatt das aber tausendste Buch mit vagen esoterischen Voraussagungen zu veröffentlichen. Kann Fischer vielleicht einfach Muster im Leben ihrer Kundschaft erkennen? Und denkt sich anschliessend auf Grundlage dessen Starseed-Energien aus? Aliens, die man vermarkten kann? Man muss ihr jedoch lassen, dass es kein Merchandise für jede Spezies von Ausserirdischen verkauft wird, als wären es Sternzeichen oder Hogwarts-Häuser. Zumindest noch nicht.

Fischer unterstreicht bei jeder Starseed-Energie, wie sie die Menschheit beeinflusst haben. Doch das spricht den Menschen, die uns weitergebracht haben, ihre Leistung ab. Und den Monstern der Geschichte die Verantwortung. Zusätzlich bleibt Fischer bei jeder ihrer Behauptungen vage genug, um die Verantwortung jederzeit ablegen zu können.

Dieser Spiegel-Bestseller hätte auch ein Science-Fiktion Roman sein können, was das Lesen spassiger gemacht hätte. Ist dieses Buch ein Zeichen für die «neue Zeit»? Oder ist es ein Mahnmal dafür, was manche sich einbilden müssen, um ein normales Leben führen zu können? So oft wurde mit dem Wort «Heimweh» geködert. Wer sich einsam und fehl am Platz fühlt, sollte nach Birgit Fischer lieber mit Aliens sprechen, ob sie nun existieren oder nicht ist dabei eigentlich fast egal, anstatt mit den Mitmenschen auf der Erde. Natürlich sind die Sterne in der Ferne schön. Doch unsere Sonne ist auch ein Stern.

Marla Engelschalk, Dezember 2025

Lexikoneintrag Birgit Fischer