Römisch-katholische Kirche

Die römisch-katholische Kirche umfasst heute fast die Hälfte der gesamten Christenheit. Im I. Vatikanischen Konzil (1869–1870) wurde durch die Primatsund Unfehlbarkeitserklärung die Stellung und Bedeutung des Papstes hervorgehoben. Das II. Vatikanische Konzil (1962–1965) brachte die Besinnung über das Wesen der Kirche und über die Aufgaben in und an der heutigen Welt und damit eine bedeutende innerkirchliche Wandlung. Der Papst ist nach römisch-katholischer Auffassung der Nachfolger von Petrus, Stellvertreter Christi und damit Inhaber des obersten Hirten- und Lehramtes. Zur weiteren von der Kirche festgesetzten Hierarchie mit abgestufter geistlicher Macht gehören Bischof, Priester und Diakon. Ihr Dienst wurzelt im dreifachen Amt Jesu Christi (Prophet/Lehrer, Hirte, Priester). Das Kardinalat ist nicht ein Amt, sondern eine Würdestellung. Die Kardinäle wählen den Papst. Die römisch-katholische Kirche hält sich für den einen Leib Christi und die wahre Kirche. Sie hat darum lange Zeit anderen Kirchen gegenüber grösste Vorbehalte angemeldet. Das II. Vatikanische Konzil und die darauf folgende Zeit öffneten dann den Weg zu einer vielfachen Kontaktnahme mit andern Kirchen.

Die Offenbarung des Glaubens findet die römisch-katholische Kirche in der Heiligen Schrift und in der «Tradition» (Aussagen von bedeutenden Kirchenlehrern). Der Gottesdienst umfasst neben Gesang und Gebet besonders Schriftlesung, Predigt und Feier des Sakraments. Heute rechnet die römischkatholische Kirche mit der Präsenz Christi sowohl im Wort der Verkündigung als auch im Mahl der Eucharistie und in den anderen heilsvermittelnden Sakramenten (Taufe, Firmung, Busse, Krankensalbung, Priesterweihe und Ehe). Zum katholischen Verständnis der Eucharistie gehört die Überzeugung, dass sich Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandeln (und damit in ihrer Substanz nicht mehr Brot und Wein sind). Damit verbunden ist die Überzeugung, dass die Eucharistie auf unblutige Weise das blutige Opfer, das Jesus erbracht hat, wiederholt. In der Praxis des Busssakraments wurde die Privatbeichte durch gemeinsame Bussfeiern ergänzt oder beinah ersetzt. Für viele ein Ärgernis, für andere Zeichen lebendiger Glaubensgemeinschaft sind die unüberhörbaren Debatten um die rechte oder überzeugende Form katholischen Christentums, Debatten, die von den Konservativen mit Eifer und Nachdruck, von den der Gegenwart gegenüber Aufgeschlossenen oft mit einer besonderen «katholischen» Mischung von Humor und Hartnäckigkeit durchgestanden werden. Unter den Strömungen, die in der katholischen Kirche sich neuerdings ausbreiten, sind besonders zu erwähnen die charismatische Bewegung, deren Anhänger ähnliche Erfahrungen machen wie die Gemeinden der Pfingstbewegung, und die vielen Formen alter und neuer marianischer Frömmigkeit. Die Intensität der Marienverehrung variiert von verehrender Achtung für Maria als Mutter des Herrn bis zum Verständnis Marias als Miterlöserin und als Gnadenvermittlerin. Bedeutende kirchlich anerkannte Marienwallfahrtsorte sind u.a. Einsiedeln, Lourdes, Fatima, während z.B. Heroldsbach (Deutschland), Garabandal (Spanien) und Medjugorje (Bosnien und Herzegowina) zwar vielfach aufgesucht werden, aber kirchenamtlich nicht anerkannt sind. (Das Erscheinungsgeschehen an gewissen Marienwallfahrtsorten und die dort übermittelten Botschaften Mariens erschweren oder verunmöglichen den kirchlichen Behörden oft die offizielle Zustimmung. Nicht alles, was sich als Marienverehrung versteht und der Maria dient, dient auch der katholischen Kirche.) Die römisch-katholischen Missionswerke sind an vielen Orten tätig. Die oberste Instanz für alle Missionsgebiete ist die kuriale Kongregation für die Missionen. Die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen. Das katholische Einheitssekretariat der Christen und das Sekretariat des Ökumenischen Rates in Genf stehen indessen in Gesprächskontakten. Entsprechende mehr oder weniger intensive Kontakte haben sich in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich auch auf verschiedenen kirchlichen Ebenen gebildet.
Als Gemeinschaften Gleichgesinnter, als «Orte lebendigen Glaubens» oder «Oasen» verstehen sich verschiedene Vereinigungen innerhalb der katholischen Kirche, die vor allem Laien anziehen. Sie wenden sich an alle Lebensstände und Berufe und suchen zugleich in alle Lebensbereiche der modernen Gesellschaft hineinzuwirken. Man hat auch schon von einem «totalen Apostolat» gesprochen. Zu diesen sehr unterschiedlich geprägten geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen gehören nicht zuletzt die weiter unten besprochenen Erneuerungsbewegungen.

Weltweit: 1 Milliarde M / D: 5 Erzbistümer, 18 weitere Bistümer, 1 Apostolische Administratur, 3 Bischöflich

Ämter: 27 000 000 M

Österreich: 2 Erzbistümer, 7 Bistümer, 5 900 000 M (1999)

Schweiz: 6 Bistümer (und die beiden unabhängigen Abteien Maria Einsiedeln und Saint-Maurice mit 6 G), rd. 3 047 887 M (Volkszählung 2000)

Deutsche Bischofskonferenz
Kaiserstr. 163
D-53113 Bonn
Tel.: +49 (0)228 10 32 90

Österreichische Bischofskonferenz
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