Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (HTL)

1830 / 1847
andere Namen: Utah-Mormonen, Mormonen


Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (HLT) geht, wie alle mormonischen Gemeinschaften, zurück auf die Wirksamkeit von Joseph Smith (1805– 1844) und auf die von ihm 1830 gegründete Kirche. Nach Joseph Smiths Tod kam es zu Auseinandersetzungen um seine Nachfolge. Dabei konnte Brigham Young (1801–1877) die grösste Gruppe auf sich vereinigen und zog mit dieser 1847 ins damals unbesiedelte Salzseetal. Dort gründete Young, als der zweite Präsident der HLT nach Joseph Smith, einen Mormonenstaat, den nachmaligen US-Bundesstaat Utah, mit Salt Lake City als Hauptstadt, wo sich seit- her das Zentrum der HLT befindet.
Die HLT ist bei weitem die grösste aus dem Mormonentum herausgewachsene Gemeinschaft, weshalb der Name «Mormonen» mancherorts zu einem Wechselbegriff für die HLT wurde und z.T. auch von der HLT so verwendet wird – obwohl dies sachlich eigentlich nicht gerechtfertigt ist. Lehrmässig steht die HLT auf der Basis der Spätlehren Joseph Smiths (s. dazu das Einleitungskapitel). Die Polygamie für Männer wurde allerdings 1890 auf Druck der amerikanischen Behörden hin verboten. An ihrer theologischen Richtigkeit wird allerdings weiterhin festgehalten (weshalb geschiedene Männer im Unterschied zu geschiedenen Frauen ohne weiteres wieder heiraten können). Weiterentwickelt wurden die schon bei Joseph Smith belegten Ansätze einer Gottes-Entwicklungs-Lehre, in ihrer bis heute gültigen Endfassung dargestellt in der Kurzform des fünften HLT-Präsidenten Lorenzo Snow: «Wie der Mensch ist, war Gott einst, wie Gott ist, kann der Mensch einst werden.» Nach der Vorstellung der HLT ist es dem Menschen möglich, nach dem Tod selbst Gott zu werden und eine eigene Welt zu erschaffen. Notwendig hierzu ist aber das Endowment, die Versiegelung im Tempel, welche einmal im Leben empfangen wird. Nur versiegelte Menschen gelangen in die gottgleiche höchste Stufe der Seligkeit. Seit 1978 werden, wiederum auf Druck der amerikanischen Behörden, auch Menschen dunkler Hautfarbe zum Priestertum zugelassen. Vorher war dies nicht möglich. Verschlossen bleibt das Priestertum weiterhin den Frauen. Wichtig geworden ist der HLT die Ahnenforschung, betrieben in der Absicht, verstorbenen Menschen durch postume Taufe und Endowment die Gelegenheit zu geben, der höchsten Stufe der Seligkeit, die HLT-Angehörigen vorbehalten ist, teilhaftig zu werden. Inzwischen verfügt die HLT in Salt Lake City über ein gewaltiges genealogisches Archiv. Offenbarungsrang misst die HLT folgenden Schriften zu: der Bibel (allerdings mit Joseph Smiths Vorbehalt: «soweit sie richtig übersetzt ist»), dem Buch Mormon, dem Werk «Lehre und Bündnisse» mit den Offenbarungen an Joseph Smith, ergänzt durch zwei «Amtliche Erklärungen», betreffend die Abschaffung der Polygamie und die Zulassung Schwarzer zum Priestertum, und schliesslich das Buch «Die köstliche Perle», welches u.a. das «Buch Abraham» enthält.

Im deutschen Sprachraum ist die HLT schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts tätig (1843/44 Darmstadt, 1851 Hamburg, nach 1850 Genf und Basel). Seit 1955 steht in Zollikofen bei Bern ein Mormonentempel, es war der erste in Europa. Der Öffentlichkeit sind die Tempel, die auch von HLT- Mitgliedern nur mit einem «Tempelempfehlungsschein» der lokalen Gemeindeleitung betreten werden können, normalerweise nicht zugänglich.

Die HLT erlebte im 20. Jahrhundert ein beachtliches Wachstum, das sich z.T. aus der typischerweise grossen Kinderzahl der HLT-Familien ergibt, zum grösseren Teil aber auf dem missionarischen Einsatz beruht, zu welchem junge HLT-Angehörige angehalten werden.

An der Spitze der HLT steht deren Präsident als «Seher, Prophet und Offenbarer». Aktueller Inhaber dieses Amtes ist seit 1995 Gordon B. Hinckley.

Finanziert wird die HLT durch den Zehnten auf dem Einkommen der Mitglieder.

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