Besuch eines Gottesdienstes

Kaylena Steiner, 2019

Es war kurz vor neun Uhr in der Früh, als ich in Wallisellen aus dem Bus stieg. Ich wanderte eine Weile umher, bevor Google Maps mich endlich in die richtige Richtung wies. Anders als andere Kirchen, die ich besucht hatte, schien Lighthouse Chapel nicht gut beschildert zu sein.

Es gab dort grosse Gebäude, die Firmensitze gewesen sein könnten, aber keine Kirche. Ich schlenderte ein wenig umher, bevor ich ein kleines Schild in dem Gelb der Lighthouse Chapel bemerkte. Mittlerweile war es viertel nach neun – der Gottesdienst sollte um 09.30 Uhr beginnen und ich wollte nicht zu spät kommen, doch ich konnte nicht hinein. Die Tür war verschlossen.

In diesem Moment kam ein Mann mit afrikanischen Wurzeln mit seinen zwei Jungen auf die Türe zu, und er fragte mich, ob er mir helfen könne. Ich erklärte, dass ich die Kirche besuchen wollte. Er schloss die Tür auf und während er mich hinein liess, fragte er mich, woher ich von Lighthouse Chapel wusste, ob ich eingeladen worden sei. Ich antwortete ihm, ich sei im Auftrag von Relinfo dort, und erzählte ihm ein wenig darüber.

Drinnen sagte er mir, ich könne meine Jacke aufhängen, und wir gingen in den Saal hinein. Er war gefüllt mit Reihen von zusammenhängenden blauen Stühlen. Es waren sieben Sitze pro Reihe, im ganzen 168. Rote Vorhänge hingen vor den Fenstern, Blumentöpfe waren im Raum verteilt und vier Bildschirme waren strategisch an den Wänden befestigt. Die Bühne am einen Ende des Saales war gross und gut ausgerüstet, und ein kleiner Raum im hinteren Teil beherbergte den Medienbereich.

Der Mann, der, wie ich erfuhr, der Medienverantwortliche war, forderte mich auf, mich zu setzten, und wir redeten noch etwas mehr über die Kirche und über den Grund meines Besuchs. Er sagte, ich solle mit dem Pastor sprechen, da einige mich möglicherweise für verdächtig halten und glauben könnten, ich sei ein Spitzel oder von der Polizei. Ich war geschockt, aber er erklärte mir, dass die Gemeinde bereits zuvor einige Male von der Polizei besucht wurden, was mich noch mehr erschreckte. Er sagte mir, ich würde mit dem Pastor reden können, sobald dieser ankam, zwischen 09.30 und 10.00 Uhr. Ich war überrascht, weil ich gedacht hatte, der Gottesdienst begänne um 09.00 Uhr. Er erklärte, vor kurzem hätte es viele Änderungen gegeben. So auch einen neuen Pastor, Ebenezer Johnson, welcher Bischof Kweku, den ich zu treffen geglaubt hatte, ersetzte. Bischof Kweku sei nach Barcelona versetzt worden.

Als er bemerkte, wie überrascht ich war, schauten wir uns die Website an, und er erläuterte, dass sie veraltet sei. Sie würden sich nicht mehr Lighthouse Chapel International nennen, sondern Mustard Seed Chapel International of the United Denomination Lighthouse Group of Churches – ihr Logo ist eher golden, während es zuvor ein leuchtendes Gelb war. Es gäbe viele Mustard Seed Chapels auf der Welt verteilt, aber es gäbe auch Gemeinden, die einen anderen Namen trügen. Ein Beispiel dafür seien die First Love Chapels, welche sich an die Jugend und an Universitätsstudenten richten. Die tatsächlichen Gottesdienstzeiten bestünden aus einem Gebet von 10 bis 11 Uhr sonntags und einem anschliessenden Gottesdienst.

Während wir redeten, traf der Pastor ein und grüsste den Medienverantwortlichen. Ich stellte mich vor. Der Pastor trug einen einfachen blauen Pullover mit einem Zitat darauf. Er hatte eine angenehme, tiefe Stimme, von der ich vermutete, dass sie zum Predigen sehr gut geeignet ist. Ich erklärte ein weiteres Mal, wozu ich gekommen war und für wen ich arbeitete, und der Pastor bat den Medienverantwortlichen, Relinfo online nachzuschlagen. Ich zeigte ihnen die Website, und sobald sie erkannten, dass es um alle religiösen Bewegungen ging, willigten sie ein, mich bleiben zu lassen. Ich fragte den Pastor, ob ich ihn vielleicht einmal interviewen dürfte, und er antwortete Ja, wies mich an den Medienverantwortlichen und sagte, ich könne ihm meine Kontaktinformationen geben, sodass der Pastor mich anschreiben könne.

Allmählich kamen mehr Leute und sie waren sehr freundlich: Nett, aufgeschlossen, gesprächig, und hilfsbereit. Ich unterhielt mich mit einer Frau, die Französisch sprach. Mehrere Male wurde ich gefragt, ob mich jemand eingeladen hätte, was mir erneut den Eindruck gab, dass nur die Wenigsten selbständig zur Kirche finden.

Um 10 Uhr schloss ich mich dem Gebet in einem Nebenraum an. Der Pastor begann zu beten, aber mir wurde nach kurzer Zeit bedeutet zu gehen. Der Medienverantwortliche entschuldigte sich, das Gebet sei an diesem Tag nur für Leiter bestimmt. Ich sagte ihm, das sei schon in Ordnung, und setzte mich im Gottesdienstraum.

Nun kamen einige Jungen auf die Bühne und ich schaute interessiert zu, wie sie zu spielen begannen. Es gab ein Keyboard, eine elektrische Gitarre, ein Schlagzeug und einige Bongos. Links war Platz für einen Chor. „Ein Chor?!“, hatte ich zuvor überrascht gefragt, worauf der Medienverantwortliche antwortete: „Natürlich!“ Ein Mann stellte sich vorne hin und ging mit den Jungen die Musik durch. Er sang mit und machte hie und da kleine Korrekturen. Andere Musik drang aus den zwei Lautsprechern, die ich nahe der Bühne sah. Ich zählte für den Chor zehn bis fünfzehn Sitze auf der Bühne. Ausserdem sah ich einige eigenartige gelbe Taschen mit dem LCI-Logo, aber ich konnte nicht herausfinden, wofür sie waren. Anders als andere Kirchen, die Informationen auf Leinwände projizierten, hatte diese vier Fernsehbildschirme. Vor der Predigt zeigten sie ein schwarzes Kreuz mit vertikalen Streifen in den Farben eines Regenbogens dahinter. Die Worte Lighthouse Chapel International standen darauf. Später wurden die Bildschirme benutzt, um die Verse der Predigt oder den Text der Lieder abzubilden.

Während mehr und mehr Leute den Raum betraten, bemerkte ich, dass die überwiegende Zahl der Ankommenden englischsprachig war. Je mehr wir uns 11 Uhr näherten, desto mehr Leute kamen herein. Es gab Musik, viel Gelächter und Umarmungen zur Begrüssung. Die Stimmung war unglaublich. Die Sitze in den vorderen Reihen füllten sich langsam, während kaum jemand hinten oder in der Mitte sass, wo ich mich hingesetzt hatte.

Um 11 Uhr, als der Gottesdienst starten sollte, kam der Pastor nach vorne und begann mit einem Gebet für die Einheit. Die Musik spielte im Hintergrund weiter, während er in Zungen betete und lobte. Mehr Leute kamen, alle gingen zu den vorderen Sitzen und standen dort.

Beinahe jeder stand und tanzte herum, bewegte seine Lippen in stillen Gebeten und Lobpreis. Die einzigen Leute, die auf den Stühlen sassen, waren jene mit Kindern auf dem Schoss, und ich, weil ich mit meinen Notizen beschäftigt war. Je mehr Menschen hereinkamen, desto schwieriger wurde es, den Pastor vorne zu sehen, da er dazu tendierte, nicht auf der Bühne, sondern auf dem Boden zu stehen. Nach und nach verliessen die Kinder den Raum.

Die Musik wurde ruhiger und der Pastor zitierte Epheser 1, 15-18 aus der King James Übersetzung (hier auf Deutsch jeweils aus der Luther-Bibel), um den Lobpreis einzuleiten. Er konzentrierte sich auf den „spirit of wisdom and revelation in the knowledge of him“, den „Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen“ aus dem Vers 17, und auf „the eyes of your understanding being enlightened“, auf „erleuchtete Augen des Herzens“ aus Vers 18. Er erklärte, wie wichtig es sei, zu verstehen, wie das Wissen ohne Verständnis nichts wert sei, und wie, sobald man versteht, sich das Leben verändert. Dann fügte er Jesaja 11, 3 an und zitierte: „And shall make him of quick understanding.“ In diesem Abschnitt geht es darum, dass ein Mensch die Ehrfurcht vor Gott schnell erfassen soll. Wobei „quick understanding“, „schnelles Erfassen“ nur in der King James Version vorkommt. In anderen Übersetzungen heisst es, die Ehrfurcht vor dem Herrn, beziehungsweise ihm zu gehorchen, sei eine Freude. Das Zitat wurde ein paar Mal wiederholt und betont, bevor ein neues Gebet begann. Darin wurde um den Geist des Verstehens gebeten. Wie das vorhergehende Gebet wurde auch dieses von Musik begleitet, während die Menge pries und betete und in Zungen redete.

Sprüche 4, 7 war der nächste rezitierte Text: „Wisdom is the principal thing; therefore get wisdom: and with all thy getting get understanding” oder auf Deutsch: „Denn der Weisheit Anfang ist: Erwirb Weisheit und erwirb Einsicht mit allem, was du hast.“ Er erklärte, der Geist des Verstehens führe zur Transformation und deshalb wolle er noch ein Gebet für den Geist sprechen.

Nun übernahm ein neuer Sprecher und leitete zum Lobpreis über, welcher mit dem ersten Lied „Crown Him“ eingeleitet wurde. Das Lied wurde oft wiederholt. Nach kurzer Zeit begannen einige in Zungen zu reden, die anderen sangen weiter. So oder so, alle wiegten sich zumindest hin und her oder tanzten gar.

Nach einer Weile wurde von „Crown Him“ zu „My Heart Sings“ gewechselt, welches ein paar Mal auf Englisch und dann auf Deutsch gesungen wurde. Auch dieses Lied spielten sie eine gewisse Zeit. Ich bemerkte, dass christliche Lieder in diesem langsamen Pop-Stil oft eine Strophe und einen Refrain haben, welche immer und immer wieder wiederholt werden, wodurch sie sich länger anfühlen, als sie sind.

Der Sprecher segnete die Gemeinde kurz und pries den Herrn. Dann folgte das Lied „Hosanna (Let Our King Be Lifted Up)” welches sie mehrere Male wiederholten, bevor sie sich damit begnügten, immer wieder das Wort „higher“ zu singen. Je länger es dauerte, desto mehr liessen sich die Leute mitreissen. Sie klatschten mit, riefen, jauchzten, brüllten, schrien laut „Amen!“ und „Halleluja!“

Gebet und Zungenrede führte über zum letzten Lied, „I Know Who I Am“. Dieses Lied war lebhaft und fröhlich – alle waren voll dabei, tanzten und sangen so laut sie konnten mit. Es war sehr laut, aber die Stimmung im Raum war unglaublich mit dem Springen, Tanzen und Klatschen, und alle machten mit.

Insgesamt nahm der Lobpreis eine Stunde in Anspruch. Nun witzelte der Pastor, dass er der Gemeinde mehr Zeit gegeben hatte, um zu tanzen, also müssten sie vielleicht für die Predigt länger bleiben.

Um 12 Uhr setzen sich schliesslich alle für die Ankündigungen. Es gab ein Begrüssungs-Video, in welchem zwischen Schweizerdeutsch und Englisch abgewechselt wurde, wobei jeweils in beiden Sprachen dasselbe gesagt wurde: Die Gemeinde wurde daran erinnert, dass Juli der Monat der Evangelisation sein würde. Im Video wurde der 31. Juli erwähnt, an dem sie sich um 14 Uhr treffen wollten, um nach gemeinsamem Lobpreis Seelen zu gewinnen. Der Redner erwähnte ferner das Buch „How You Can Preach Salvation“ („Wie du die Erlösung predigen kannst“) des Kirchenleiters und vorsitzenden Bischofs Dag Heward-Mills, und legte den Anwesenden nahe, dass Buch zu kaufen, falls sie es nicht schon besitzen, um sich darauf vorzubereiten, Seelen für Gott zu erreichen. Der letzte grosse Anlass, zu welchem eingeladen wurde, war das jährliche „Chilling and Grilling“, an dem die Gemeinde ein Barbecue und Spiele veranstaltet. Die Kirchgänger wurden ermutigt, ihre Freunde mitzubringen.

Als das Video vorbei war, stellte ich fest, dass die offizielle Predigt wohl anfangen würde, also schaute ich umher, um das Publikum einzuschätzen. Die Altersgruppen schienen gleichmässig verteilt, und das Verhältnis zwischen Männern und Frauen schien etwa halb-halb zu sein. Die Besuchenden mit afrikanischen Wurzeln stellten die grosse Mehrheit des Publikums. Es gab höchstens zehn Personen ohne afrikanische Wurzeln, mich eingeschlossen. Es hatte etwa 30-40 leere Sitzplätze, und ich würde sagen, dass etwa 140 Leute gesamt anwesend waren, dabei habe ich die Kinder und ihre Betreuer mitgezählt.

Die Predigt wurde mit 2. Samuel 24, 21-25 eingeleitet, in welchem König David zu einem Mann, Arauna, geht, um dessen Tenne zu kaufen, darauf einen Altar zu bauen und so die Pest aufzuhalten. Der Pastor konzentrierte sich darauf, dass Arauna König David alles umsonst geben wollte, König David dies aber verweigerte, indem er sagte, er würde Gott kein Brandopfer geben, welches ihn nichts gekostet hatte. Pastor Ebenzer sprach von Opfer bringen und was es bedeutet: Ein Opfer müsse etwas kosten, ansonsten sei es wertlos. Dann ging er weiter auf Vers 25 ein, in welchem König Davids Opfer Gott dazu gebracht hat, die Pest von Israel fern zu halten. Er versprach, dass Krankheiten und Probleme verschwinden würden, wenn man Opfer gäbe, dann bat er alle darum, zu spenden. Nun wurde klar, wofür die gelben Taschen waren, da sie herumgereicht wurden, um Geld hineinzulegen. In der Zwischenzeit wurde über dem Opfer gebetet.

Das Thema der Predigt war: Forgive-ness Made Easy, (Vergeben einfach gemacht), was auch der Titel eines Buches von Dag Heward-Mills ist. In Mustard Seed Chapel wird regelmässig basierend auf den Büchern des vorsitzenden Bischofs gepredigt. Der zuerst besprochene Vers war 2. Korinther 5. Darin geht es um das Alte, das neu wird. Dann kehrte er zum Thema Vergebung zurück. Er erklärte, es gäbe verschiedene Tests der Vergebung.

Satan verursache Zwist, Streit und Zorn, denn Satan habe Angst vor Einheit. Pastor Ebenezer sprach davon, dass Zorn dämonisch, ungesund und die Einheit zerstörend sei.

Die nächsten zitierten Verse zum Thema Vergebung waren Jakobus 3, 10-16, bei denen sich der Pastor darauf konzentrierte, dass Menschen nicht verfluchen, Eifersüchtig sein oder Zwietracht sähen sollten. Er betonte Jakobus 3, 16: „For where envying and strife is, there is confusion and every evil work.” („Denn wo Neid und Streit ist, da sind Unordnung und lauter böse Dinge.“) Er redete über schlechte Menschen, die absichtlich Streit anfangen und nannte sie dämonisch. „Menschen sind krank!“, wiederholte er einige Male, um eine neue Geschichte einzufädeln. Dieses Mal ging es um ein Begräbnis eines Mannes. Seine Frau war dort und beweinte seinen Tod, als die Schwester des Mannes sagte: „Mit wem soll ich nun zanken?“ Der Pastor nutzte dies als ein Beispiel eines „kranken Menschen“, und behauptete, die Schwester brauche jemanden zum streiten, da sie schlecht und von Dämonen erfüllt sei, deshalb verursache sie Zwist. Er ermahnte die Gemeinde, sich von solchen Leuten fernzuhalten, denen es Spass macht, Streit zu verursachen.

Anschliessend kam der Pastor auf die Schritte zur Vergebung zu sprechen.

Schritt 1: Analysiere den Täter. Der Pastor sagte, man würde ja kaum durch das Handeln eines Kindes beleidigt sein, also solle man lernen, wann man etwas persönlich nehmen solle. Er riet zum Beispiel, nicht einen Fehler eine 15-jährige Beziehung zerstören zu lassen. „Zu analysieren ist die reife Weise, damit umzugehen“, sagte er. Er fand, anderen zu vergeben sei wichtig, andernfalls würde man auch selbst verurteilt. Dazu wurde der Vers Lukas 23, 34 erwähnt, der von Pilatus’ Urteil zur Kreuzigung Jesu’ handelt. Dann folgte Jakobus 3, 2 und der Pastor konzentrierte sich darauf, dass niemand von uns perfekt ist. Er ging zu Johannes 7, 53 – 8, 11 über, zu der jungen Frau, welche Ehebruch beging, und dabei entdeckt und verhaftet wurde, wozu Jesus sagte: „He that is without sin among you, let him first cast a stone at her.” („Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“) Pastor Ebenezer scherzte, dass die Leute, welche die Frau steinigen wollten, vermutlich ebenfalls mit ihr geschlafen hatten – wie sonst hätten sie wissen sollen, wo sie zu finden war.

Schritt 2: Analysiere deine vergangenen Sünden. Hier wurde Jakobus 3, 1-2 angeführt und auf den ersten Teil von Vers 2 Bezug genommen: „For in many things we hurt all.“ („Denn wir verfehlen uns alle mannigfaltig.“) Der Pastor erklärte, andere zu verletzen, andere zu beleidigen, sei unvermeidlich. Er zitierte eine Stelle in der Bibel, die feststellt, dass Christen jemanden, der gegen sie sündigt, zurechtweisen müssen, und ihm vergeben sollen, wenn er sich entschuldigt.

Schritt 3: Analysiere das Resultat. Als Pastor Ebenezer mit Schritt drei begann, schweifte er zuerst ab, sprach auf Französisch und sagte, dass die Gemeinde mehr französisch- und deutschsprachige Menschen erwarten solle, da die Kirche oft hinausgeht, um Seelen zu gewinnen. Er sagte, sie hätten Headsets und Aufnahmen für Leute, die andere Sprachen sprechen. Er kam zurück zur Vergebung und gab ein Beispiel dafür, wann das Resultat analysiert werden solle: Depressionen würden einen zu einem besseren Menschen machen – vielleicht sei es nicht schön während den Depressionen, aber nachdem man sie durchgestanden hat, sei man ein besserer Mensch. Dann brachte er die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern, und die Gemeinde zitierte mit ihm: „You meant it for evil, but God meant it for good.”(Gen 50, 20) („Ihr gedachtet’s böse mit mir zu machen; aber Gott gedachte es gut zu machen.“) Er meinte, man solle sich nicht beschweren, wenn man vor einer schwierigen Aufgabe steht, denn das Problem mache einen zu einem besseren Menschen. Er fuhr fort, scherzte, dass jeder im Raum dankbar sein sollte für die Stiefmutter, die einen zu Hause kochen und putzen liess, denn jetzt wüssten sie, wie man kocht und putzt. Viele Leute würden einen schlecht behandeln, meinte er, aber ihr Verhalten gebe einem Gelegenheit, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Ich mochte weder seine Beschreibung von Depressionen noch von Stiefmüttern. Depressionen sind nicht etwas, dass einfach so verschwindet und im Nachhinein denkt man: „Naja, hey, das hat sich gelohnt, denn es hat mich was gelehrt.“ Und auch Stiefmütter, die ihre Kinder schlecht behandeln und sie zwingen zu arbeiten, zu kochen und zu putzen, sind nichts, worüber man sich lustig machen sollte: Eine solche Behandlung, besonders bei einem Kind, kann zu langanhaltenden psychischen Problemen führen.

Nun folgte eine andere Erzählung: Ein erfolgreicher CEO behauptete, keine Zeit für die Kirche zu haben. Dann wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert, vom Typ, für den eine Chemotherapie bereits zu spät war. Seine Frau war schockiert festzustellen, dass er von dort an jeden Sontag in die Kirche ging und jeden Morgen Familiengebetstreffen abhielt. Das lag daran, dass er seine Prioritäten falsch gesetzt hatte. Er hatte Arbeit und Geld über Gott und die Kirche gestellt, was man nie tun solle. Man solle sich für Gott Zeit nehmen, niemals etwas anderes voranstellen. Der Pastor benutzte diejenigen, die Fussball Gott vorziehen, als ein Beispiel. Dann zitierte er Psalm 66, 10-13, der von einem Test von Gott handelt, der es aber wert sei, da Gott am Ende seine Kinder an einen reichen Ort bringt.

Während er Schritt drei erklärte, fiel mir auf, dass der Pastor immer wieder die falschen Versangaben nannte, und dann den Medienzuständigen dafür aufzog, nicht dir richtigen Verse auf dem Bildschirm zu haben, obwohl der Pastor derjenige war, der die falschen Angaben nannte.

Schritt 4: Kenne die Nachteile des Nichtvergebens. Der Pastor führte diesen Schritt mit einem Witz über einen anderen CEO ein. Diesem CEO wurde gesagt, er solle sich nicht kümmern, dass ein Mann ihn beleidigt hatte, da der Mann sich wie ein Baby aufführte. Der CEO antwortete „Ja, aber dieses Baby hat scharfe Zähne.“ Der Pastor wandte sich an die Frauen in der Kirche und sagte ihnen, wie wundervoll sie seien. Er habe einmal eine Mutter weinen sehen, als sie ihr Baby an der Brust stillte. Als er sie nach dem Grund für ihre Tränen fragte, antwortete sie, ihre Brustwarze sei wund. Er scherzte, das sei etwas, dass die Männer der Kirche nicht verstehen könnten. Die Frau stillte ihr Baby, obwohl sie Schmerzen hatte, da der Schmerz es wert sei. Das Baby würde sterben, wenn sie ihm die Brust verweigern würde, also vergab sie ihm, da nicht zu vergeben nachteilig sein würde.

Ich mochte das Beispiel mit dem Baby nicht. Es ist offensichtlich, dass man seinem Baby vergeben würde – ein Baby weiss es nicht besser, hat keine andere Wahl und ist das eigene Kind. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man von einem Freund verraten wird, und sich dieser danach nicht schlecht fühlt. In meinem Beispiel gibt es keine familiäre Beziehung und die Person ist alt genug, um zu wissen, dass Verrat falsch ist. Ich hätte gerne etwas reifere Beispiele gehört, etwas komplexere, um widerzuspiegeln, wie schwierig es ist, jemandem zu vergeben, der einem etwas wirklich Ungerechtes angetan hat.

Schritt 5: Kenne die Vorteile des Vergebens. Pastor Ebenezer benutzte hier Nelson Mandela als Beispiel, indem er sagte, grossartig an Mandela sei seine Fähigkeit zu vergeben gewesen, welche ihn zu einem Symbol des Friedens auf der ganzen Welt machte. „Vergebung macht dich zu einer grossartigen Person“, schloss er.

Er steigerte sich ziemlich in seine Rede hinein, wurde immer lauter und lauter, bis er beinahe schrie. „Wie können wir die Welt mit Christus versöhnen, wenn wir uns nicht miteinander versöhnen können?“, fragte er. „Wir sind die Botschafter für Christus.“ Er bezeichnete die Gemeinde als Botschafter für Christus, für Frieden, für Hoffnung und für Freude. Er sagte, als Botschafter sollten die Gläubigen nicht sagen, was sie selbst wollten, oder was sie dachten – das sei irrelevant. Sie bräuchten nur zu sagen, was Gott wolle. Sobald sie dies täten, fange Gott an, Wunder durch sie zu wirken.

Der Pastor schloss mit einem Gebet der Versöhnung, und scherzte dann, das seine Zeit um sei. Eingangs hatte er es als Witz gemeint, dass die Gemeinde wegen dem Tanzen länger bleiben müsste, aber es hatte sich als wahr heraus gestellt. Wie dem auch sei, er schien den Gottesdienst zu beenden, und sie fingen wieder an zu singen. Das erste Lied hiess „We Will Stand“, welches sie für eine kurze Weile sangen, bevor der Pastor überleitete, um über Wiedergeburt zu sprechen. Er sagte, diejenigen, die nicht wiedergeboren seien, wären Sünder und ungehorsam. Er rief einen Mann nach vorne, um für seine Wiedergeburt zu beten; ich glaube, er war zum ersten Mal da. Dann fing die Gemeinde wieder an zu singen, etwas leiser als zuvor. Nachdem über dem Mann gebetet wurde, führte der Pastor die Gemeinde in ein Übergabegebet; er sagte die Worte vor, und die anderen sprachen nach.

Der Pastor sprach dann kurz über Dag Heward-Mills Bücher und sagte, dass sie einige gratis am Ende der Predigt verteilen würden. Das Buch, das ich als erstmalige Besucherin erhielt, war How To Be Born Again and Avoid Hell (Wie man wiedergeboren wird und der Hölle entkommt).

Ich fand diesen Titel ein wenig stillos, besonders für einen Erstbesucher.

Im nächsten Teil rief der Pastor Segensformeln aus und sprach wieder in Zungen, er forderte die Gemeinde auf, mitzumachen, und meinte, sobald man wiedergeboren wäre und Christus vertraue, würden sich die Dinge ändern. Jesus könne nicht in Mathe durchfallen, ein Vorstellungsgespräch vermasseln oder eine Prüfung nicht bestehen. Durch die Kraft des Abendmahls würden die Gläubigen nie mehr in einer Prüfung durchfallen. Nun wurde über Brot und Wein gebetet. Pastor Johnson sagte über das Brot: „Es ist illegal, dass irgendetwas in deinem Körper bricht, nachdem der Körper Christi für dich gebrochen wurde.“

Ich fand das Versprechen, dass Gott einen nie mehr einen Test oder ein Vorstellungsgespräch vermasseln liesse, und dass nichts mehr im Körper brechen könne, sehr problematisch. Wie rechtfertigt es der Pastor gegenüber seinen Gemeindemitgliedern, wenn sie keinen Job erhalten? Was sagt er ihnen, wenn sie doch in einem Test durchfallen. Wem gibt er die Schuld, wenn sie sich verletzten nach diesem Abendmahl? Sagt er ihnen, sie hätten in der Zwischenzeit gesündigt, und deswegen seien sie verletzt worden?

Nachdem die kleinen Körbchen Brot und die Becher herumgereicht wurden, erklang wieder Musik. „No Longer Slaves“ war das erste Lied, welches kurz war, verglichen mit den anderen. Der Pastor unterbrach den Gesang, aber nicht die Musik, um diejenigen nach vorne zu bitten, welche ihre Spenden in Umschlägen übergeben wollten, damit er sie segnen könne. Einige Leute brachten ihre Umschläge und der Pastor legte seine Hand auf sie und betete. Das Lied wechselte zu „God All By Yourself“. Alle sangen mit, während die Becher eingesammelt und die Spendentaschen noch einmal herumgereicht wurden. Dann betete der Pastor ein Gebet, dass auf dem Bildschirm gezeigt wurde, und uns wurde gesagt, wir sollen jemandes Hand halten und dieser Person sagen, was auf dem Bildschirm stand und der Pastor vorsagte. Eine Frau, die hinter mir sass, tippte mir auf die Schulter und nahm meine Hand, als wir vorlasen, was auf dem Bildschirm stand: Man segnete die andere Person, wünschte ihr Gutes und sprach ein kurzes Gebet für sie.

Das war das Ende der eigentlichen Predigt, aber nicht das Ende meines Besuchs. Die Leute begannen zu gehen, aber der Pastor bat um Ruhe und lud alle Erstbesucher ein, nach vorne zu kommen. Ich habe seine Aufforderung nicht verstanden, da er gleich darauf die Gemeinde erinnerte, am nächsten Sonntag mehr Besucher mitzubringen. Einer der Anwesenden brachte mich zum Pastor, der mich segnete und mir das zuvor erwähnte Buch von Dag Heward-Mills gab.

Ich verliess den Pastor und kehrte zu meinem Sitz zurück, um Notizen über das Geschehene zu machen. Eine Frau kam auf mich zu, sagte Hallo und fragte mich, wie mir mein Besuch in der Kirche gefalle. Diese junge Frau sagte, sie würde gerne irgendwo mit mir reden, wo es ruhiger war. Wir gingen in einen kleinen Nebenraum. Dort wurde mir bedeutet, mich mit ihr und einer weiteren Frau zu setzten und mir wurde ein Formular zum Ausfüllen gegeben, das nach meinen Personalien fragte. Sie fragten sehr persönliche Sachen: Name, Zivilstand, Geschlecht, Adresse, E-Mail, Telefonnummer, wie ich die Kirche gefunden hatte, Datum, und, ob ich der Kirche beitreten würde (Ja, Nein, Unentschieden). Als ich fragte, wozu sie diese ganzen Informationen brauchten, antworteten sie, sie wollten wissen, wer die Kirche besuchte. Sie waren sehr nett und boten mir zu essen an, als sie hörten, dass die Zeitangaben auf der Webseite falsch waren – mir wurde eine Cola, zwei Kekse, und eine Fleischpastete gegeben.

Auf dem Formular wurde ausserdem die Frage gestellt: Was war Ihr Lieblingsteil der Predigt, welcher Teil gefiel Ihnen am Besten? Ich konnte mich zwischen der Predigt und dem Lobpreis nicht entscheiden. Der Lobpreis war teilweise langsam und eher langweilig für mich, aber einige Lieder waren peppig, und die Stimmung am Anfang war unglaublich. Die Predigt hingegen war interessant und mir gefiel, wie sie aufgebaut war (ausserdem fand ich es sehr witzig, dass der Pastor ständig lustige Sprüche und Anekdoten anfügte), aber ein paar Dinge frustrierten mich auch. Schliesslich schrieb ich einfach die Predigt hin, die junge Frau las es und war sehr zufrieden.

Ich fragte die junge Frau nochmals, warum sie meine Daten brauchten, und sie erklärte, dass jeder Erstbesucher einen Freund zugeteilt bekommt. Das war sie in meinem Fall. Dieser Freund bleibe mit dem Erstbesucher durch Textnachrichten und E-Mail in Kontakt. Manchmal würden auch Briefe mit Informationen über die Kirche geschickt. Sie versicherte mir, dass sie nicht aufdringlich sein und nicht viele Mails schicken würde, sondern nur hin und wieder mal Kontakt aufnehmen würde, um sich nach mir zu erkundigen. Sie erläuterte, dass einige Leute zur Kirche kamen, um Freunde zu finden, da sie einsam sind. Da seien die zugeteilten Freunde hilfreich. Ich meinte, dass es unwahrscheinlich sei, dass ich beitreten würde. Sie sagte, das wäre in Ordnung, garantierte mir, dass mich am Montag jemand kontaktieren würde, um zu fragen, wie es mir geht. Sie behauptete, sie würde mir am Montag eine Textnachricht mit der E-Mail-Adresse und/oder der Telefonnummer des Pastors schicken.

Nachdem sie sich verabschiedet hatte, packte ich schnell meine Sachen und machte mich bereit zu gehen. Es war beinahe 15 Uhr – es war ein langer Besuch gewesen. Ich holte mir gerade meine Jacke, als der Medienverantwortliche mich erwischte. Wir redeten ein wenig über die Predigt, er dankte mir für meinen Besuch und ich bedankte mich bei ihm, dass ich kommen durfte und besonders, dass er mich hinein liess, obwohl ich beinahe zwei Stunden zu früh war. Dann verabschiedete ich mich.

Am folgenden Montag hat mir niemand geschrieben, trotz des gegenteiligen Versprechens und der Tatsache, dass sie meine ganzen Kontaktinformationen hatten. Das schätzte ich nicht.

Wie dem auch sei, zu meiner Überraschung erhielt ich drei Wochen später eine Nachricht vom Medienverantwortlichen. Er schickte ein Foto und eine Nachricht, um mich zu einem speziellen Gottesdienst einzuladen. Die Nachricht war freundlich und gut formuliert. Wiederum eine Woche später wurden mir zwei Bilder gesendet. Diese warben für ihr Grillin’ and Chillin’, welches sie an dem Sonntag, an dem ich die Gemeinde besucht hatte, erwähnt hatten.

Ich schrieb zurück und fragte nach dem versprochenen Interview mit Pastor Ebenezer. Die Antwort überraschte mich: „Interview geht vielleicht nicht“. Doch beteuerte der Medienverantwortliche, dass sie mich nicht vergessen hätten und dass sie sich wünschten, ich käme zu ihren Events. Ich fragte, warum das mit dem Interview vielleicht nicht klappen würde. Sie wollten wissen, ob der Pastor mir versprochen habe, ein Interview durchführen zu dürfen. Ich erklärte dass er es mit mir abgemacht hatte. Der Medienverantwortliche antwortete, er würde den Pastor fragen.

Von da an hörte ich nichts mehr in Sachen Interview, obwohl ich weiterhin verschiedene Bilder und Einladungen zu verschiedenen Events bekomme. Diese Nachrichten sind jeweils gut geschrieben, und ich nehme an, dass sie kopiert und an alle gesendet werden, welche die Gemeinde nur einmal besucht haben. Eine Nachricht, die ich erhielt, enthielt ein kleines Gebet, welches beschrieben wurde mit: „Ich habe diesen Text nicht kopiert, das ist mein echtes Gebet für dich.“

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