Crossroads International Church Basel – Online-Gottesdienstbesuch

In Corona-Zeiten bietet auch die Crossroads International Church Basel ihre Gottesdienste, die komplett in englischer Sprache gehalten sind, als Livestream an, der auf YouTube verfolgt werden kann. Am 25. April 2021 gab es ca. 140 Zuschauende, eine davon war ich.

Welcome to Crossroads

„Welcome to Crossroads“, so wurde ich von verschiedensten Leuten aus allen Teilen der Welt begrüsst, so als wollte Crossroads seine Internationalität gleich zu Beginn unter Beweis stellen.

Geleitet wurde der Gottesdienst vom Senior Pastor der Kirche, David Fortune, und seinem Kollegen, dem Youth Pastor Toni Oyeyemi. Sie erzählten vom Sommercamp der Kirche, dass sie hoffentlich trotz Corona werden durchführen können. Sie seien noch auf der Suche nach weiteren Helfern und jeder, der Interesse hatte, solle sich ungeniert bei ihnen melden.

Der eigentliche Gottesdienst begann dann mit einem kurzen Gebet, indem die Pastoren um Gottes Anwesenheit baten und dafür, dass er sie alle miteinander verbinden möge.

Darauf folgte Klaviermusik, dazu wurden christliche Texte eingeblendet. Eine Frau und zwei Mädchen sangen „Hallelujah, you’re the lifter of my head.“

Zeugnis von einer Bekehrung

Nachdem die Musik verklungen war, fing ein anderer Mann an zu sprechen. Er stellte sich als Sebastian aus Neuchâtel vor. Er war nicht religiös aufgewachsen, er hatte zwar in der Schule eine Bibel geschenkt bekommen, doch diese nie gelesen. Als er 20 gewesen war, hatte er dann eine Freundin in Deutschland, die ihn konvertieren und zu einem Alpha-Kurs schicken wollte. Er wollte das damals aber nicht. Heute sehe er das ganz anders, sagte Sebastian. Mit 20 sei er egoistisch gewesen und Gott hätte so keinen Platz in seinem Leben gehabt. 10 Jahre danach sei seine Welt zerfallen gewesen. Seine Mutter war gestorben, seine Frau hatte ihn verlassen und er war allein gewesen. Er hätte sich verloren gefühlt und gefragt, ob Gott existierte. Also sei er zur Kirche gegangen, um getauft zu werden. Er habe mit dem Pfarrer dort gesprochen und ihm seine ganze Geschichte erzählt. Der Pfarrer habe ihm viel über das Christentum erklärt und ihn zu den sonntäglichen Gottesdiensten eingeladen. Anfangs seien diese für Sebastian sehr befremdlich gewesen, aber er hätte den Eindruck gehabt, dass die Kirche voller Leben sei. Also sei er geblieben. Alle Menschen in der Kirche hätten ihre Schwierigkeiten und Gott hätte ihnen allen geholfen und ihre Leben verändert. Das habe er unbedingt auch für sich gewollt. Sechs Monate später war er getauft worden. Damals habe sein Weg mit Jesus begonnen und er habe für Sebastian alles verändert.

Diese Geschichte von Sebastian solle alle Kirchenmitglieder inspirieren und sie motivieren, Gottes Botschaft an die englischsprachigen Leute in Basel zu tragen, so formulierte es der Senior Pastor. Auf mich wirkte der Bericht schon sehr klischeehaft, z.B. wie Sebastians Leben in Trümmern lag und Gott ihm wieder hinaus geholfen hatte. Als Sebastian betonte, welche Hilfe die Gemeindegelieder erführen und welchen Nutzen ihm der christliche Glauben bringe, beschlich mich die Frage, ob der Egoismus, den Sebastian für die Zeit vor seiner Bekehrung festgestellt hat, nun wirklich überwunden oder bloss christlich getauft ist.

Aber das führt hier zu weit, also weiter mit dem Gottesdienst.

Lesung und Aufforderung zur Missionierung

Es folgte eine Lesung, vorgetragen vom Youth Pastor:

„The two of them, sent on their way by the Holy Spirit, went down to Seleucia and sailed from there to Cyprus. When they arrived in Salamis, they proclaimed the word of God in the Jewish synagogues. John was with them as their helper. They travelled through the whole island until they came to Paphos. There they met a Jewish sorcerer and false prophet named Bar-Jesus, who was an attendant of the proconsul, Sergius Paulus. The proconsul, an intelligent man, sent for Barnabas and Saul because he wanted to hear the word of God. But Elymas the sorcerer (for that is what his name means) opposed them and tried to turn the proconsul from the faith. Then Saul, who was also called Paul, filled with the Holy Spirit, looked straight at Elymas and said, „You are a child of the devil and an enemy of everything that is right! You are full of all kinds of deceit and trickery. Will you never stop perverting the right ways of the Lord? Now the hand of the Lord is against you. You are going to be blind for a time, not even able to see the light of the sun.“ Immediately mist and darkness came over him, and he groped about, seeking someone to lead him by the hand. When the proconsul saw what had happened, he believed, for he was amazed at the teaching about the Lord.“ (Acts 13:4-12, New International Version)

Nach der Lesung wurde ein Gebet gesprochen. Wie Barnabas und Saulus/Paulus sollten die Gottesdienstbesucher die Botschaft Gottes zu den Menschen bringen und damit auch Jesu Geist weitertragen.

Ich war erstaunt über die direkte und unverblümte Art, mit welcher die Teilnehmenden aufgefordert wurden, andere Menschen vom eigenen Glauben zu überzeugen und aktive Missionsarbeit zu leisten.

Predigt: Missionieren wie Barnabas und Paulus

Nach diesem Gebet folgte eine Predigt vom Associate Pastor Nico Hoogenraad. Er sprach zunächst darüber, wie sich das Christentum im 1. Jahrhundert verbreitet hatte, zuerst in Israel und dann langsam weiter nördlich. Er sprach von Barnabas und wie dieser von der Kirche in Jerusalem nach Antiochien geschickt worden war, danach aber weiter zog, um Saulus zu finden. Der Associate Pastor legte besonderes Augenmerk auf Barnabas Rolle als Saulus’/Paulus‘ Förderer und Mentor. Barnabas hatte Paulus geholfen, gross zu werden. So fragte der Pastor alle Gottesdienstbesucher, ob sie denn auch einen Barnabas in ihrem Leben hätten, der sie unterstützt und motiviert, und ob sie denn auch so ein Barnabas für jemand anderen seien.  Die Leute sollten sich auf die Suche nach ihrem Barnabas machen, und wenn die Zeit reif wäre, selbst zu einem werden.

Barnabas und Saulus/Paulus hatten Konflikte miteinander, genau wie alle anderen Menschen auch. Konflikte zu haben sei nicht falsch, erklärte der Pastor, man müsse sie nur in göttlicher Weise lösen. Was auch immer das heissen soll, einen Konflikt auf „göttliche“ Weise zu lösen.

Ausserdem sagte der Pastor, dass die Gemeindeglieder, wenn sie über die Frohe Botschaft Jesu sprechen wollten, dazu den richtigen Moment finden müssten, genau wie Barnabas und Saulus/Paulus. Also sollen die Kirchenmitglieder erst im richtigen Moment andere Menschen zu ihrem Glauben bekehren.

Ein Gebet gegen die Agenten des Satans

Nach der Predigt folgte ein weiteres Gebet. Frei übersetzt: „Wenn wir mit Menschen sprechen, wie dem Zauberer (in der Geschichte von Barnabas), dann komme, Gott, und hilf uns gegen sie vorzugehen. Gegen diejenigen, die vom Teufel geschickt wurden. Gott schicke uns einen Barnabas, der uns hilft und uns aufbaut, und wir bitten darum, anderen ein Barnabas sein zu können. Gott hilf uns in Konflikten, hilf uns sie zu lösen, sodass du stolz sein kannst.“

Dieses Gebet kam mir etwas seltsam vor. Offensichtlich glauben die Pastoren daran, dass es immer wieder Menschen gibt, die vom Teufel geschickt werden und ihrem Glauben auf die Probe stellen. Ausserdem müssten sie gegen diese Leute kämpfen. Dies scheint mir eine eher radikalere Einstellung zu sein, ob dies so auch von den Mitgliedern umgesetzt wird, ist aber eine andere Frage.

Nach diesem „interessanten“ Gebet verabschiedeten sich die Pastoren von den Gottesdienstbesuchern und eine Band begann zu spielen. Eine ältere Sängerin sang mit einer etwas monotonen Stimme „Conquer the power of darkness with love“ und „Jesus I’m only yours and nothing can tear us apart. Living for only Jesus, only you“.

Auch dieser Liedtext war wieder geprägt vom Kampf gegen die Dunkelheit, gegen das Böse in der Welt, das nur mit Jesus besiegt werden kann. Durchaus ein passender Song zum Thema, welcher den Gesamteindruck von Crossroads gelungen abrundete.

Jasmin Schneider, April 2021

Lexikoneintrag Crossroads International Church Basel