Buddhismus

Der Begriff «Buddhismus» kommt vom Sanskrit-Wort «Buddha», was sinngemäss «der Erwachte» bedeutet. Buddha ist also kein Eigenname, sondern ein Titel für jemanden, der «erwacht» ist. «Bodhi» bedeutet «Erwachen» und stammt von derselben Sanskrit-Wurzel, wie «Buddha».

Buddhas Lehren sind in unterschiedlichen Kanons aufgezeichnet und entstammen einer mündlichen Tradition. Der Pali Kanon ist dabei der Einzige, der noch vollständig erhalten ist. Sein Name entstammt der Sprache Pali, in der der Kanon verfasst ist (mit dem Sanskrit verwandt). Der Pali Kanon entstand um die Mitte des 1.Jahrhunderts v. Chr. auf Sri Lanka. Er besteht aus drei Körben: die Abhandlungen des Buddha (Pali: abhidhamma; Sanskrit: abhidharma), die Ordensregeln (Pali/Sanskrit: vinaya) und die Lehrschriften (Pali: sutta; Sanskrit: sūtra). Weitere bedeutende Kanones sind unter anderem der chinesische Kanon und der tibetische Kanon.

Es gibt nicht «den» Buddhismus. Vielmehr wird von verschiedenen Schulen gesprochen, die sich in der Auslegungstradition und in den Diskursgemeinschaften unterscheiden. Es gab verschiedene buddhistische Konzilien, welche zu Spaltungen und unterschiedlichen Auffassungen führten.
Grob wird zwischen Dhammayana (auch Hinayana oder «kleines Fahrzeug» genannt), Mahāyāna (auch «grosses Fahrzeug» genannt) und Vajrayāna (auch Tantrayana, tibetischer Buddhismus oder «Diamantfahrzeug» genannt) unterschieden. Aus dem Dhammayana ist der Theravāda hervorgegangen, welcher insbesondere in Sri Lanka, Burma/Myanmar, Thailand, Laos und Kambodscha vertreten ist. Dazu gab es auch frühere Schulen, die vom Dhammayana abstammen, aber heute ausgestorben sind. Das Mahayana hat verschiedene Untergruppen (u.a. Zen und Amida) und ist insbesondere in Japan, Korea, China, Taiwan, Vietnam, Europa und den USA verbreitet. Auch das Vajrayāna hat verschiedene Untergruppen wie, Shakya, Kagyü, Gelugpa oder Nyingma.

Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass der Buddha tatsächlich existiert hat. Er hat wohl im 6./5. Jh. v. Chr. gelebt. Die genaue Datierung seines Lebens ist jedoch bis heute umstritten. Noch komplizierter ist die Rekonstruktion seiner Biografie und der Lebensumstände. Es gibt zahlreiche überlieferte Berichte und Geschichten, die das Leben des Buddhas nacherzählen und eventuelle historische Fakten mit Fiktion vermischen. Von der heutigen Forschung werden diese meist als Hagiographien betrachtet. Es sind also viele Details bekannt, wie sich die Menschen das Leben des Buddhas vorgestellt haben. Was aber «wirklich» geschehen ist, kann nicht ermittelt werden.

Legende der Geburt und Kindheit:
Einige der Legenden zum Leben des Buddhas beginnen mit einem Traum der Königin Māyā, der Mutter des Buddhas, die von der Empfängnis träumt. Dabei schlüpft ein weisser Elefant in ihre rechte Seite hinein, während sie schläft. Als die Königin zum Traumdeuter geht, prophezeit ihr dieser, dass sie schwanger ist. (In anderen Erzählungen wird nicht von einer königlichen, sondern von einer wohlhabenden oder einflussreichen Familie gesprochen.)
In Indien war es damals Sitte, dass eine schwangere Frau zur Geburt aus ihrem Haus zurück ins Mutterhaus zieht. Daher machte sich Māyā von der Hauptstadt Śākyas auf den Weg in die Heimat ihrer Verwandten. Bei einem Zwischenhalt in Lumbinī (Grenzgebiet von Indien und Nepal), kommt der künftige Buddha unter der Krone eines Baumes zur Welt. Er erhält den Namen Siddhārtha Gautama (Pāli: Siddhattha Gotama). Kurz nach der Geburt macht der kleine Siddhārtha sieben Schritte und bei jedem Schritt blüht eine Lotusblüte dort auf, wo er seinen Fuss aufsetzt. Zudem verkündet er, dass dies seine letzte Wiedergeburt sei. Die Mutter stirbt sieben Tage nach der Geburt und Siddhārtha wird von ihrer Schwester grossgezogen, die später die zweite Frau von Siddhārthas Vater, Śuddhodanas, wird. Kurz nach der Geburt prophezeit ein Weiser, dass der Neugeborene entweder Weltherrscher oder ein Buddha werden wird. Der wohlhabende Vater will die politische Karriere seines Sohnes stärken und versucht ihn von existenziellen Gedanken fernzuhalten, indem er seinen Sohn mit Luxus und schönen Frauen umgibt. So fehlt es Siddhārtha an nichts und er bleibt innerhalb der Palastmauern. Er heiratet Yaśodharā und gemeinsam bekommen sie einen Sohn Namens Rāhula.

Die vier Ausfahrten:
Trotz des behüteten Lebens innerhalb der Palastmauern soll sich Siddhārtha nach spiritueller Erfüllung gesehnt haben. In einem Streitwagen unternimmt er vier Ausfahrten in die Stadt. Sein Vater ordnet an, dass alles geputzt wird und, dass die Armen, Alten und Kranken von der Strasse verschwinden, damit Siddhārtha nicht beunruhigt ist. Jedoch entdeckt dieser bei seiner ersten Ausfahrt einen Greis, was ihn in Schrecken versetzt, und Umkehren lässt. Auf dem Weg denkt Siddhārtha über das Altern nach. Bei seiner zweiten Ausfahrt begegnet er einem kranken Menschen und auf der dritten einer Leiche, die zur Einäscherung getragen wird. Zum ersten Mal erfährt Siddhārtha von der Vergänglichkeit des Lebens. Auf der vierten Ausfahrt begegnet Siddhārtha einem Bettelmönch, der ihn dazu inspiriert selbst eine Lösung für das menschliche Leid zu finden. Er beschliesst den Palast, seine Frau und sein Kind zu verlassen, um selbst Bettelmönch zu werden. Noch in derselben Nacht legt er all seine kostbaren Güter ab, schärt sich das Haar, verlässt den Palast und lässt das weltliche Leben hinter sich.

Die Askese/Die Entsagung:
Siddhārtha lernt von zwei Meistern verschiedene Meditations- und Versenkungspraktiken. Als er alles von ihnen gelernt hat, wendet er sich der Askese zu. Er geht an die Grenzen der Askese-Praktiken, indem er zeitweise seinen Atem reduziert oder beim Fasten kaum noch Nahrung zu sich nimmt. Während seiner sechsjährigen Askese Phase schliessen sich ihm fünf Gefährten an. Doch durch eine Kindheitserinnerung, bei der er unter einem Baum in Versenkung gefallen ist, wird ihm klar, dass weder die Askese/die Entsagung, noch das Leben im Luxus und im Überfluss Erleuchtung ermöglicht. Er entscheidet sich also für den «Mittleren Weg». Daher gibt Siddhārtha das strenge Fasten auf und beginnt sich in bescheidenem Masse wieder zu ernähren. Daraufhin wenden sich die fünf Gefährten von ihm ab. Siddhārtha ist nun jedoch physisch gestärkt und lässt sich unter einem Baum nieder und beginnt zu meditieren. Unter dem Bodhi Baum wird er erleuchtet.

Im Buddhismus glaubt man an die Wiedergeburt und damit an den Kreislauf der Wiedergeburten, Samsara (Pali/Sanskrit: saṃsāra) genannt. Diese Wiedergeburtsvorstellung gab es schon vor dem Buddhismus in anderen Kulturen und Religionen, wie beispielsweise in der Antike. Speziell an der indischen Reinkarnationsvorstellung ist jedoch, dass die Wiedergeburten an das Karma (Pali: kamma) gekoppelt sind. Damit ist das künftige Leben vom Handeln im jetzigen Leben abhängig. Im buddhistischen Weltsystem, insbesondere im tibetischen Buddhismus, gibt es sechs Reiche der Wiedergeburt, die in der Kunst häufig als Rad des Lebens dargestellt werden. Drei dieser Reiche gelten als unglücklich (die unteren drei), während die oberen drei ein schöneres Leben ermöglichen. Eine Person kann dabei die Reiche mehrfach durchwandern. Insgesamt sind 31 Wiedergeburtsschicksale möglich. Als unterste Stufe gilt die Hölle, die in eine kalte und eine heisse Hölle getrennt ist. Über der Hölle befindet sich das Tierreich, was eine Wiedergeburt als Tier nicht erstrebenswert erscheinen lässt. Darüber ist das Reich der Geister (meist frühere Menschen, die nicht von der Erde loskommen). Die vierte Stufe machen die Titanen aus, dämonische Krieger, die gewalttätigen Impulsen unterworfen sind. Die fünfte Stufe umfasst die menschliche Welt, was als erstrebenswerte Stufe gilt, aber nur schwer zu erreichen ist. Auf den Ebenen 6-31 befinden sich die Häuser der Götter. Auch diese sind dem Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen. Erstrebenswert ist eine Wiedergeburt in der menschlichen Ebene, da es hier durch den «mittleren Weg» möglich sein soll, Nirvana (Pali: nibbāna; Sanskrit: nirvāṇa) zu erreichen. Nirvana erreichen bedeutet der Ausstieg aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und somit aus dem Kreislauf des Leidens.

Die drei Daseinsmerkmale (Pali: tilakkhaṇa; Sanskrit: trilakṣaṇa) erklären das buddhistische Verständnis der Wirklichkeit und der Existenz.

  1. Unbeständigkeit (Pali: anicca; Sanskrit: anitya): Alles ist vergänglich und nichts bleibt bestehen. Alles befindet sich in einem stetigen Wandel.
  2. Nicht-Selbstheit (Pali: anatta; Sanskrit: anātman): Es gibt kein festes Selbst. Auch das eigene Ich verändert sich stetig in Abhängigkeit von anderem. Im Buddhismus wird also nicht an eine Form von Seele geglaubt.
  3. Leidhaftigkeit (Pali: dukkha; Sanskrit: duḥkha): Nichts kann dauerhaft Zufriedenheit verschaffen, da alles vergänglich ist. Daraus entsteht Leiden/Unzufriedenheit.

Als eine zentrale Lehre des Buddhismus und Inhalt der ersten Lehrrede des Buddha gelten die vier edlen Wahrheiten (Pali: cattāri ariyasaccāni; Sanskrit: catvāri āryasatyāni). Sie sollen dabei helfen, das Leben zu bewältigen und Leiden zu überwinden.

  1. Die Wahrheit über das Leiden (Pali: dukkha; Sanskrit: duḥkha): Leben ist Leiden.
  2. Die Wahrheit über die Ursache des Leidens (Pali/Sanskrit: samudaya): Leiden entsteht durch Begehren und Anhaftung am Leben.
  3. Die Wahrheit über die Beendigung des Leidens (Pali/Sanskrit: nirodha): Leiden kann beendet werden, weil die Ursache des Leidens bekannt ist.
  4. Die Wahrheit über den (achtfachen) Weg zur Beendigung des Leidens (Pali: magga; Sanskrit: mārga): Es gibt einen Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt. Dieser wird Achtfacher Pfad genannt, da er acht Schritte umfasst. Dazu gehören: rechte (Ein)sicht, rechte Absicht/Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter/s Leben(-serwerb), rechte/s Bemühen/Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Konzentration/Sammlung. Die acht Schritte lassen sich in drei Bereiche einteilen: Weisheit (Pali: paññā; Sanskrit: prajñā), Ethik/Verhalten (Pali: sīla; Sanskrit: śīla) und Sammlung/Geistesstabilität (Pali/Sanskrit: samādhi).
    Die vierte edle Wahrheit, also der Achfache Pfad, ist eine Anleitung, die das Erreichen der Erlösung / des Nirvanas (Pali: nibbāna; Sanskrit: nirvāṇa) ermöglichen soll.

Der Buddhismus gelangte über Indien, China und Japan in den Westen, nach Europa und in die USA, wo er von wissenschaftlichen und intellektuellen Kreisen mit grossem Interesse beobachtet wurde. Erst durch die Reisen von Marco Polo im 13. Jahrhundert nach Zentralasien, kam der «Westen» mit dem Mahayana-Buddhismus in Kontakt. Um 1498, als Portugal einen Seeweg nach Indien entdeckte, gab es länger anhaltende Kontakte zwischen «Ost» und «West», wobei sich das gegenseitige Interesse hauptsächlich auf den Handel beschränkte. Ein ernsthaftes Interesse wurde dem Buddhismus erst von den Jesuiten entgegengebracht. Sie begegneten ihm in China und Japan, wobei sich dieses Interesse erst im 19. Jahrhundert festigte. Ab dieser Zeit waren die buddhistischen Lehren auch bereits der breiten «westlichen» Öffentlichkeit bekannt. Der Buddhismus kam insbesondere durch Wissenschaft, Philosophie, Intellektuelle, Schriftsteller und Schriftstellerinnen, Kunstschaffende und durch die Einwanderung von asiatischen Immigranten und Immigrantinnen in die USA und Europa in den «Westen».

In der Kolonialzeit, als europäische Regierungsbeamte in unterschiedliche asiatische Regionen versetzt wurden, begannen sich akademische Kreise vermehrt für den Buddhismus zu interessieren.  Dabei leisteten insbesondere die britischen Regierungsbeamten B.H. Hodgson und T. W. Rhys, einen Beitrag zur Erforschung des Mahayana- und Theravada-Buddhismus. Neben den Intellektuellen spielten aber auch Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern eine wichtige Rolle in der Vermittlung des Buddhismus im Westen. Eugène Burnouf veröffentlichte 1844 beispielsweise die «Introduction à l’histoire du buddhisme indien» und übersetzte das Lotus Sutra. Hermann Oldenberg weckte mit seinem Buch «Buddha: Sein Leben, Seine Lehre, Seine Gemeinde» das Interesse am Buddhismus im Westen. Als 1893 zum ersten Mal das Weltparlament der Religionen in Chicago stattfand, war der Sri-Lanker Anagarika Dharmapala als Vertreter der buddhistischen Delegation eingeladen. Er war der Gründer des amerikanischen Zweiges der Maha Bodhi Society, die erste internationale buddhistische Vereinigung mit Hauptsitz in Kalkutta. Dieser neue Standort bildete die erste buddhistische Organisation im «Westen». Bis zu diesem Zeitpunkt konzentrierte sich die «westliche» Forschung auf den südasiatischen Buddhismus. Nach 1900 nahm das Interesse durch chinesische und tibetische Quellen auch am Mahayana Buddhismus zu.

Auch die Philosophie, Kultur und Kunst hatten einen erheblichen Einfluss auf die Verbreitung des Buddhismus im «Westen». Insbesondere Arthur Schopenhauers Schriften zum Buddhismus inspirierten die «westliche» Gesellschaft seiner Zeit. Er erachtete den Buddhismus, aufgrund mangelnder Quellen, als dem Christentum überlegen und bezog sich dabei auf Schriften, in denen der Buddhismus als atheistische, rationale und ethische Lehre bezeichnet wurde. Durch seine Anmerkungen zum Buddhismus in seinen Schriften, wurden viele «westliche» Intellektuelle auf den Buddhismus aufmerksam. Auch Edwin Arnolds «The Light of Asia», welches das Leben von Siddhārtha Gautama beschreibt, machte den Buddhismus in der viktorianischen Mittelschicht des «Westens» beliebt. Mit der Gründung der Theosophischen Gesellschaft 1875 wurde der Buddhismus dann «salonfähig». Eine Vielzahl an Büchern und Filmen (z.B. «Little Buddha», «Kundun» oder «Seven Years in Tibet») überschwemmten den Markt und sprachen damit ein populäres Publikum an. Insbesondere Schriftsteller galten damals als wichtige Vermittler der neuen religiösen Gedanken. Hermann Hesse und seine Werke «Siddharta» und «Der Steppenwolf» wurden beispielsweise zu Kultbüchern in den USA und in Europa. Sie boten den entstehenden Protestbewegungen der damaligen Gesellschaft eine spirituelle Alternative.

Weiter waren auch asiatische Einwanderer und Einwanderinnen für den Aufschwung des Buddhismus im «Westen» verantwortlich. Insbesondere die USA erlebte eine grosse Einwanderung, als um 1830 chinesische Arbeitende für den Eisenbahnbau sowie für die Arbeit in Goldminen ins Land kamen und sich auf Hawaii niederliessen. Nach dem Vietnamkrieg kam ungefähr eine Million chinesischer Buddhistinnen und Buddhisten aus Südostasien in die USA. Meist bauten sie lokale Tempel auf, um ihre kulturelle Identität zu bewahren. Ab der ersten und zweiten Generation stiessen auch Menschen mit anderen kulturellen Herkünften hinzu und brachen die ethnischen Gruppen auf. Heute sind alle grossen Strömungen des Buddhismus im Westen vertreten, wobei die Zahl der Anhänger und Anhängerinnen aufgrund starker Schwankungen nur schwer festzustellen ist.

Oliver Freiberger und Christoph Kleine haben 2011 das Werk «Buddhismus – Handbuch und kritische Einführung» veröffentlicht (überarbeitet 2015). In diesem Überblick werden auch typische Vorurteile und Irrtümer über den Buddhismus vorgestellt. Der folgende Abschnitt fasst einige dieser Vorurteile zusammen.

Keine Religion: Im Zuge der Rationalisierung des Buddhismus im Westen wurde er vermehrt als Philosophie oder Lebensstil gesehen und seine religiöse Natur negiert. Diese Anschauung hängt mit der westlichen Buddhismus-Rezeption zusammen, in der der Buddhismus rationalistisch interpretiert wurde. Insbesondere der Theosoph Henry Steel Olcott und der von ihm beeinflusste singhalesische Buddhismus-Reformer Anagarika Dharmapala (gründete Maha Bodhi Society: erste buddhistische Organisation im Westen) trieben die Rationalisierung des Buddhismus voran. Aus religionswissenschaftlicher Sicht steht fest, dass der Buddhismus alle typischen Merkmale einer Religion aufweist. Dazu gehören laut Freiberger und Kleine unter anderem: Vergemeinschaftsformen, ein kohärentes Lehrsystem, Rituale, Mythologie, verbindliche Normen, konsistente Weltdeutungen und Weltbilder, sakrale Gegenstände und Handlungen, eine Heils- und Vergeltungslehre, welche Himmel und Hölle einschliesst, den Glauben an übermenschliche Mächte, Heiligenverehrung, usw.

Gewaltlosigkeit: Der Buddhismus hat ein friedfertiges und tolerantes Image. Das «Nichtverletzen von Lebewesen» gilt als Regel für Nonnen und Mönche und nach Möglichkeit auch für Laien. Der Buddhismus erkennt jedoch sogenannte «gesellschaftliche Realitäten» und trägt keinen Anspruch nach gesellschaftlicher Reform in sich. Die Existenz und eventuelle Notwendigkeit von Berufen, bei welchen getötet werden muss, wird also anerkannt. Wer die Wahl hat, sollte jedoch einen anderen, friedfertigeren Beruf aussuchen. Im Mahayana Buddhismus gibt es jedoch das sogenannte «mitleidige Töten», welches die Tötung von Menschen unter bestimmten Umständen erlaubt oder sogar fordert. Auch in anderen buddhistischen Schulen gibt es Ausnahmen, die das Töten unter gewissen Umständen erlauben. Dazu gehört beispielsweise der Tyrannenmord.
Im Laufe der Geschichte wurden buddhistische Mönche immer wieder gewalttätig. In China und Korea gab es sogenannte Mönchskrieger, die für die Landesverteidigung eingesetzt wurden. Auch in Japan gab es seit dem 10. Jahrhundert Mönchsarmeen.

Keine Missionierung: Entgegen der geläufigen Annahme der Buddhismus missioniere nicht, lassen sich in der Geschichte des Buddhismus verschiedene Formen der Mission beobachten. Dass die zahlenmässig erfolgreichste buddhistische Organisation in der Schweiz, Soka Gakkai, betont missionarisch ist, relativiert das Bild vom auf Werbung verzichtenden Buddhismus. Auch die Anzeigen für buddhistische Meditationsretreats zeigen, wie der Buddhismus im Westen um Interesse wirbt. Bereits der Buddha soll zu seiner Zeit einen Missionsbefehl gegeben haben, wobei die Verbreitung des Dharma als verdienstvoll galt und die Methoden sehr unterschiedlich waren.

Kein «Glaube»: Häufig wird davon gesprochen, dass der Buddhismus keinen blinden Glauben an eine Lehre verlangt. Vielmehr soll der Mensch zur persönlichen Einsicht aufgrund eigener Erfahrungen kommen. Die Lehre Buddhas sei lediglich ein Hilfswerk, aber zur Erkenntnis müsse jeder selbst gelangen. Das ist eine stark vereinfachte und nur teilweise richtige Annahme. Denn um Buddhistin oder Buddhist zu sein muss man daran glauben, dass Buddha wirklich ein Erwachter war. Ebenso muss man an den Kreislauf der Wiedergeburten und die karmische Vergeltung glauben. Der Glaube ist dabei ebenso zentral wie in anderen Religionen. Zentrale Texte des Buddhismus gelten als das Wort Buddhas und sind keine Sammelsurien rationaler Argumente.

Nur Meditation: Typisch ist auch die Ansicht, dass sich der Buddhismus vollkommen auf die Meditationspraxis ausrichtet. Jedoch spielt die Meditationspraxis eher eine untergeordnete Rolle in der monastischen Praxis. Die Schule des Reinen Landes oder die Nichiren-Tradition weisen nicht einmal solche Formen der Meditation auf. Dieses Vorurteil geht, wie so vieles, auf die frühe westliche Buddhismusrezeption zurück, in der der Buddhismus rationalisiert wurde. Erneut waren es insbesondere Henry Steel Olcott und Anagarika Dharmapala, die diese Sicht prägten. Auch der japanische Laien-Buddhist D.T. Suzuki, der das Bild des Zens massgeblich bestimmte, war an der Verbreitung des Meditation-Topos beteiligt. Interessanterweise beeinflusste die westliche Begeisterung für die Meditation auch den asiatischen Buddhismus, wo die Zen-Meditation einen Aufschwung erlebt. Jedoch gilt im asiatischen Buddhismus weiterhin, dass die Meditationspraxis nicht unabhängig von religiösen Anschauungen funktioniert.

Kein Himmel, keine Hölle: Der Buddhismus wird oft als Religion dargestellt, die keinen Himmel und keine Hölle hat. Dies ist eine falsche Annahme, da der Buddhismus eine Vielzahl an Himmeln kennt. Im Theravada beispielsweise gibt es 26 Himmel. Der berühmteste ist Tusita, aus dem der Buddha Sakyamuni auf die Erde niederkam und in dem der künftige Buddha Maitreya auf seinen Einsatz wartet. Eine Geburt in einem Himmelsbereich war für Buddhistinnen und Buddhisten schon immer erstrebenswert, wobei im Pali-Kanon Praktiken zur Realisierung dieses Wunsches niedergeschrieben sind. Auch die Hölle ist im Buddhismus vertreten. Zu Beginn war es noch eine grosse Hölle, die sich im Verlaufe der Zeit zu einem System von acht Höllen mit jeweils vier zugeordneten Höllen entwickelte. Schliesslich wurden die Höllen in acht heisse und acht kalte mit kleinen Nebenhöllen eingeteilt. Die Zeit in der Hölle ist, wie jeder andere Bereich des buddhistischen Daseins, nur begrenzt und dauert so lange wie das schlechte Karma anhält.

Vegetarismus: Überzeugte Buddhistinnen und Buddhisten essen kein Fleisch – so die weit verbreitete Annahme. Zwar gehört der Vegetarismus zu den Merkmalen des chinesischen Buddhismus aber die Ordensregeln schreiben ihn nicht vor. Mönchen und Nonnen ist es verboten, als Almosen angebotene Speisen abzulehnen, auch wenn es sich um Fleisch oder Fisch handelt. Jedoch ist der Fleischverzehr an drei Bedingungen geknüpft, die das Fleisch «rein» machen: Das Fleisch darf nicht von einem Tier stammen, von dem der Mönch oder die Nonne annimmt, dass es für ihn oder sie getötet wurde. Damit steht die Entkoppelung von Verzehr und Tötung im Fokus. Der Mönch oder die Nonne darf nicht die Ursache für das Leiden des Tieres sein.

Unterbereiche der Kategorie «Buddhismus»

Zurück zur Übersicht