Matriarchales Mysterienfest: Herbstfest über Zoom

Eine Wohlfühloase für das Matriarchat

18.50 Uhr. Frisch geduscht mit dampfenden Haaren mache ich mich an die Vorbereitungen auf die Zoom-Sitzung, die ich gleich haben werde. Ich habe mir ein frisches oranges T-Shirt und eine bequeme kurze schwarze Hose angezogen. Die orange-schwarz-Kombination wurde mir durch eine Erinnerungs-E-Mail, die ich heute bekommen habe noch zusätzlich empfohlen. Weiter stand darin, dass ich mir eine wohlige Atmosphäre schaffen solle und mir je nach Lust und Laune eine Kerze anzünden und auch ein Dufträucherwerk oder eine Duftlampe aufstellen dürfe.

Nun sitze ich in meinem Arbeitszimmer – welches ich als das passendste Zimmer eingeschätzt habe – an meinem Pult im Louis XV Stil, an den Wänden rechts und links habe ich zwei volle Bücherregale, direkt hinter mir das von meinem Grossvater handwerklich gefertigte Büffet mit Innenbeleuchtung, links hinter mir den bequemen Ledersessel und unter mir den schön geschmückten Perserteppich meiner Grossmutter. Ich habe mir eine Kerze links vor mir und eine nach Jasmine duftende Kerze rechts vor mir angezündet. Da mir die untergehende Sonne direkt durch das Fenster ins Gesicht scheint und mich blendet, mummelt mich der besinnliche Kerzenschein und das noch milde Aroma der Duftkerze jedoch noch nicht in meine beabsichtigte Wohlfühlatmosphäre.

Ich bin gespannt, denn ich habe überhaupt keine Ahnung was mich nun erwartet. Ein matriarchales Herbstfest, das über Zoom durchgeführt wird – hier stösst meine Vorstellungskraft an ihre Grenzen. Ich denke, durch meine Vorbereitungen auf matriarchale Mysterienfeste, bei denen ich gesehen habe, wie tanzende Frauen im Nebel und Sonnenschein, mit wallenden Gewändern und umgeben von der Natur, den Zyklus der grossen Göttin feiern, fällt es mir schwer zu begreifen, wie eine solche Feier auf ein Zoom-Meeting angepasst werden sollte.

Einführung in das Matriarchat

Punkt 18.58 Uhr logge ich mich also ein und werde gleich in den virtuellen Raum weitergeleitet in dem sich schon fünf weitere Frauen befinden. Eine Frau in einem rot-orangen T-Shirt und schulterlangen hellbraunen Haaren begrüsst mich mit ruhiger aber warmen Stimme. Annas herzliche Art begleitet uns während der ganzen Sitzung und schafft einen Raum und eine wohlige Atmosphäre der Entspannung. Neben Anna leitet Simone das Herbstfest. Auch sie beherrscht die Kunst des Einmummelns sehr gut. Ich bin die letzte Person, die noch gefehlt hat und so fangen wir gleich an. Nachdem sie mich noch nach der Aussprache meines Namens fragen – ich bin überrascht, dass sie ihn gleich richtig aussprechen, da das eher ein seltenes Vorkommnis in meinem Leben ist – gehen wir zum Plan für den heutigen Abend über. Zuerst soll es eine kurze Vorstellungsrunde aller Teilnehmerinnen geben, dann wird das Matriarchat erklärt, anschliessend das Herbstfest und bevor wir am Schluss «eine Perle teilen», werden wir noch eine innere Reise durchführen.

Neben mir sind noch drei andere Teilnehmerinnen da. Anna – es sind zwei Annas da – ist eine junge Frau, die sich aus Russland zugeschalten hat und sehr gutes Deutsch spricht, Gabriele und Bernadette befinden sich beide in Deutschland und sind zwischen 50 und 70 Jahre alt.  Anna und Simone gehören beide zu den Gründerinnen des Matriforums, welches Tagungen und Sitzungen zum Matriarchat und Feste des matriarchalen Jahreskreises durchführen. Anna lebt in Österreich und Simone in Deutschland. Das Matriarchat, erklären sie, sei eine friedlichere Gesellschaftsform im Gegensatz zur heutigen patriarchalen Gesellschaft. In unseren heutigen patriarchalen Gesellschaften, so Anna, befinde sich 1% der Menschen an der Spitze und das Ziel darin sei es, zu nehmen was man kriegen kann und sich zu bereichern. Eine matriarchale Gesellschaft hingegen – und das sei das Ziel des Matriforums – sei eine Gesellschaft in Balance. Im Zentrum stünden mütterliche Eigenschaften wie Fürsorge, Frieden und die Mutter als Nährerin. Ein Matriarchat sei eine egalitäre Gesellschaft, in der jede Person in ihrer Eigenart besonders sei. In einem Matriarchat würde nicht ein abstrakter Glaube im Mittelpunkt stehen, wie der an eine transzendente Gottheit, sondern die Natur und die Göttin. Das Matriarchat fördere Achtsamkeit. Durch Leben im Rhythmus der Natur könne man ein Leben in Balance und Frieden führen und die Göttin erfahren. Heute, so sagen sie, existieren noch 20-25 Matriarchate weltweit, alle erforscht von Heide Göttner-Abendroth, ihrer Ausbildnerin. Diese Information überrascht mich. Abgesehen davon, dass Matriarchate in den Sozialwissenschaften nicht empirisch nachweisbar sind, dachte ich, dass weltweit nur von zwei „Matriarchaten“ die Rede sei: den Mosuo in Südchina und den Minangkabau in Indonesien. Beide Gesellschaften werden wissenschaftlich nicht als Matriarchate betrachtet, werden aber in den Medien oft als «die letzten noch existierenden Matriarchate» thematisiert.

Kopflos vom Schütteln in den «weiblichen Schoss»

Bevor wir nun in den nächsten Teil dieser Sitzung kommen, lädt Anna uns zu einer kurzen Übung ein. Wir stehen also auf, was dazu führt, dass die Kamera bei allen den Kopf abschneidet. Plötzlich keine Gesichter mehr vor mir zu haben, verleiht der Sitzung plötzlich eine gewisse Absurdität, die mich aus dem Ambiente reisst. Mittlerweile ist auch die Sonne hinter der Jurakette verschwunden und das flackernde Licht meiner beiden Kerzen reicht für das kleine Zimmer kaum aus. Ich nutze die kurze Unterbrechung meiner Aufmerksamkeit, um das Licht einzuschalten. Nun hüllt ein warmes Licht von der Stehlampe hinter dem Sessel das Zimmer in sanften Schein, während die Innenbeleuchtung des Buffets durch die gläserne Kabinentür schöne Lichtspiele auf den Teppich wirft. Als ich meinen Blick zurück auf den Bildschirm werfe, bemerke ich, dass es weitergegangen ist. Dem Anschein nach sollen sich nun alle schütteln. Also versuche ich mich nicht allzu fest von den fehlenden Köpfen ablenken zu lassen und höre den Worten zu. Wir sollen alles abschütteln. Nachdem wir uns einige Minuten geschüttelt haben, sollen wir uns an den Händen halten, oder mehr so tun als ob. Nun, nachdem wir uns in den Kreis willkommen haben, sollen wir nun unsere Hände auf unseren «weiblichen Schoss» legen. Bei diesen Worten regte sich in mir eine kindische, unkontrollierte Heiterkeit: «weiblicher Schoss?!» Vielleicht bin ich ja zu «patriarchal» gesteuert, um diesen Ausdruck ernst zu nehmen. Zusätzlich war mir auch nicht ganz klar, was damit gemeint war. Ich legte meine Hände jedoch auf meinen unteren Bauch, so wie ich das bei den anderen sah – befindet sich der «weibliche Schoss» dort, wo sich unsere Gebärmutter und unsere Eierstöcke befinden? Wahrscheinlich ja. Nun sollten wir die Energie von unserem weiblichen Schoss in unsere Hände fliessen lassen. Nach einer kurzen Ruhe legt Anna die Hände auf den Boden und meint, wir sollen nun die Energie an Mutter Erde übergeben. Dabei sollen wir die Erde unter unseren Händen und Füssen spüren und die Verbindung zur Erde fühlen. Ich versuche das meditativ umzuwandeln, doch das Einzige, was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, ist, dass ich hier im fünften Stock bin und meine Energie durch zu viele Räume mit eigener Energie fliessen müsste, um dann auf der Erde noch «rein» anzukommen. Wahrscheinlich spielt hier auch meine Unerfahrenheit im Umgang mit Energien eine Rolle, denn ich habe keine Ahnung, ob das überhaupt so funktioniert – vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken. Was bekanntlich in der Meditation eher kontraproduktiv ist. Nun sollen wir Energie, die uns Mutter Erde gibt, von der Erde in die Hände strömen lassen und diese dann wieder auf den weiblichen Schoss legen, damit dieser diese Energie empfangen kann. Dieselbe energetische Übung sollen wir dann auch noch mit unserem Herzen und dem Kosmos machen.

Das Herbst-, Ernte- und Todesfest aber auch das orange Fest, das Fest der Dunkelheit, der Unterwelt, des Rückzugs, der Ruhe, des Westens, der Tag-und-Nacht-Gleiche und so weiter

Nun bekommen wir eine ausführliche Präsentation zum Herbstfest, welche Simone leitet. Dabei erklärt sie uns zuerst, dass das Herbstfest eines von 12 Festen sei. Da die Feste sich lokal an der Sonne orientieren, haben global nicht alle Matriarchate die gleichen Feste. Wir in unseren Breitengraden, feiern im Winter die Zeit der Widergeburt, und das Lichtfest, im Frühling die Ostara und das Maifest, im Sommer das Sommerfest und die Schnitterin und im Herbst das Herbstfest und Samhain, das Ahninnenfest. Bei jedem Fest werde etwas Bestimmtes gefeiert. Beim Herbstfest sei es die Zeit des Rückzugs. Die Grafik, welche sie zeigen, um das System zu erklären, ist dieselbe, welche auf dem Cover des Buches «Symbolik von Erde und Kosmos – Matriarchale Mysterienfeste, Tarotkarten und Astrologie» (2023) von Heide Göttner-Abendroth zu sehen ist. Diese Kreisgrafik beinhaltet, zum einen die vier Jahreszeiten, die Himmelsrichtungen, die acht Mysterienfeste, die drei Farben/Phasen der Göttin und die vier Elemente. Der Grafik kann ich entnehmen, dass das Herbstfest, noch dem Element Wasser, dem Westen und der schwarzen Göttin zuzuordnen ist. Zudem hat jedes Fest seine eigenen Farben, welche der Natur zu diesem Zeitpunkt zu entnehmen sei.

Ich wechsle nun für ein einfacheres Verständnis vom Konjunktiv in den Indikativ. Doch auch folgende Erklärung wurde uns von Simone so gegeben: Da sich die jetzige Zeit in der Natur durch fallende Herbstblätter und durch goldene Sonnenstrahlen auszeichnet, ist das Herbstfest orange. Deswegen mussten wir uns orange anziehen. Schwarz ist die andere Farbe, welche mit der schwarzen Göttin assoziiert wird. Das Herbstfest ist das Erntefest, aber zugleich auch das Fest des Rückzugs und des Todes. Das Fest wird dem Westen zugeordnet, weil dort die Sonne untergeht und damit die Dunkelheit eintritt. Wie die Natur, die jetzt alles abschüttelt und langsam zur Ruhe kommt, soll auch der Mensch alles abschütteln und zur Ruhe finden.

Die schwarze Göttin steht jetzt im Zentrum. «Sie hat den Faden des Schicksals in der Hand; die Willigen führt die Schicksalsgöttin sanft, die Widerstrebenden zieht sie mit Macht in die Tiefe». Sie macht sich nun bereit in ihrem Zyklus den Weg in die Unterwelt anzutreten. Beim Winterfest, der Zeit der Wiedergeburt, wird sie dann von der weißen Göttin abgelöst, der jungen und wilden Göttin, die wiederum beim Maifest, der Zeit der Liebe, von der roten Göttin, der Mutter und Göttin der erotischen Kraft, abgelöst wird. Die drei Göttinnen oder die drei Phasen der Göttin, so erklärt Simone, werden in vielen Kulturen rund um die Welt durch verschiedenste Göttinnen repräsentiert: Kali, Percht, Hel, Holle, Morrigain, Freya, Hathor, Isis, Inanna usw. Weiter erklärt sie, habe das Patriarchat vielen dieser Göttinnen Unrecht getan. In unserer Gesellschaft gibt es eine grosse Trennung vom Tod, sogar eine Angst vor dem Tod. Und Menschen, die Angst haben, lassen sich gut manipulieren. Doch anders als die patriarchale Vorstellung von linearen Religionen ist der zyklische Lebenskreis der grossen Göttin tröstend. Eine weitere Aussage, die sie macht, ist, dass auch Maria, die Mutter von Jesus, ursprünglich eine Göttin gewesen sei oder sogar die dreifältige Göttin selbst war und deswegen immer in diesen drei Farben schwarz, rot und weiss gezeigt wird.

Die Sonne steht im Sternzeichen der Waage, gleichzeitig ist heute die Länge des Tages und der Nacht genau gleich. «Wachsen und Welken, Leben und Tod kommen ins Gleichgewicht». Wie der Untertitel von diesem Abschnitt zeigt, ist das Herbstfest vielfältig und gleichzeitig auch ein Fest der Balance. Das Herbstfest ist also gleichzeitig das Erntefest und das Fest der Ruhe. Jetzt wird die fertige Ernte gesammelt und eine Zeit der Fülle gefeiert und doch wird auch die Dunkelheit und der Tod gefeiert.

Nun sollen wir in einer weiteren Übung versuchen die heilige Dunkelheit zu fühlen. Nach der einstündigen Einführung in die matriarchalen Mysterien, dem einlullenden Ambiente in meinem Zimmer und dem langsam penetrant werdenden Geruch meiner Duftkerze merke ich in diesem Moment, wie sich langsam Kopfschmerzen anbahnen. Ich schliesse die Augen und versuche herauszufinden, wie ich eine «heilige Dunkelheit» fühlen könnte.

Innere Reise und «geteilte Perle»

Für die Innere Reise sollen wir es uns bequem machen. Also setze ich mich auf den Ledersessel, stelle die Kamera aus, lege den Laptop auf den Boden, lehne mich zurück und schliesse die Augen. Die geführte Meditation beginnt mit der Anweisung alles loszulassen und die eigene Körperlichkeit zu verlassen. Dies versucht Anna indem sie uns durch unseren Körper schickt und uns auffordert die jeweiligen Körperstellen gehen zu lassen. Nun setzt langsame Gitarrenmusik ein, die wahrscheinlich von Anna abgespielt wird. Durch die Zoom-Übertragung jedoch ist die Musik abgehackt und trägt überhaupt nicht zur Entspannung bei. Es meldet sich jedoch niemand und wir werden auf die Reise entsandt. Zuerst werden wir in die Natur geschickt, die von den herbstlichen Farben leuchtet. Nun gehen wir auf einen grossen Baum zu, der grosse Wurzeln hat, die so gross sind, dass man sich in den Wurzeln einnisten kann. Dort in dieser Höhle der Geborgenheit wartet die schwarze Göttin auf uns, welche uns in ihre fürsorglichen Arme nimmt.

Nach dieser Erfahrung mit der schwarzen Göttin öffnen wir langsam wieder die Augen. Unsere Augen hatten wir zu diesem Zeitpunkt 10 Minuten geschlossen, was sich bemerkbar machte, als wir uns alle wieder in den virtuellen Raum begaben: Alle blinzelten ungeschickt in ihre Bildschirme. Als Christin und noch dazu Katholikin wollte ich mich nicht auf ein Treffen mit dieser Göttin einlassen und habe sie kurzerhand mit Gott oder Jesus ersetzt. Bevor wir den Kreis wieder aufschlossen, indem wir uns nochmal imaginativ an den Händen hielten, teilte jede von uns eine «Perle» von diesem Abend: Also ein kleines positives Feedback. Die «heilige Dunkelheit» schnitt dabei am besten von allen ab.

Das Herbstfest über Zoom stellte sich als ein Fest der Entspannung heraus. Anders als tanzende Frauen in farbigen Gewändern, wurde bei diesem Fest Ruhe und Besonnenheit ins Zentrum gestellt. Dabei frage ich mich aber dennoch, ob das Herbstfest in einem nicht-virtuellen Raum, auch mehr als Fest der Ruhe und Einkehr gefeiert wird, oder ob dann nicht doch das Erntefest im Zentrum steht, bei dem Fülle und gemeinsames Essen ins Zentrum gestellt wird. Durch das Herbstfest konnte ich jedoch ein bisschen über die Komplexität dieser matriarchalen Religion erfahren, finde aber gleichzeitig, dass ihre Ansicht darüber, dass sie als Matriarchate keinen abstrakten Glauben an eine transzendente Gottheit haben, durch die innere Reise negiert wurde. Die dreifältige Göttin, welche in vielen Kulturen anscheinend andere Formen annimmt und sich in Phasen mit der Natur bewegt, erscheint mir doch sehr abstrakt und transzendent.

«Typisch Patriarchat» vs. ehrliche Gesellschaftskritik?

Obwohl mir die Mysterienfeste um die dreifältige Göttin zu esoterisch sind und ich mit diesem eindeutigen Dualismus von Patriarchat und Matriarchat nicht einverstanden bin, gibt es einige Botschaften, die ich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe: Unsere Gesellschaft funktioniert, wie sie funktioniert. Es spielt keine Rolle, in welchen Jahreszeiten wir uns befinden; das System geht weiter. Doch den Winter als eine Zeit der positiven Dunkelheit und somit der Ruhe zu sehen, macht für mich Sinn. Im Sommer sind wir aktiv und draussen, im Winter eher ruhig und eingekehrt. Die vorgestellte «besinnliche» Adventszeit zeugt ja auch davon. Leider geht diese besinnliche Zeit im Weihnachtsstress, den Sonntagsverkäufe, Jahresabschlüssen in Firmen, Semesterprüfungen und so weiter, verloren oder rückt in den Hintergrund. Die Anhängerinnen des MatriForums würden das als «typisch Patriarchat» abstempeln; ich jedoch möchte dies hier auch als Gesellschaftskritik auffassen.

Eine weitere Botschaft, die ich mitgenommen habe, ist der Vorwurf, dass Menschen in patriarchalen Gesellschaften zu grosse Angst vor dem Tod hätten oder das der Tod versteckt wird. Natürlich würde ich dieser Pauschalisierung von patriarchalen Gesellschaften nicht zustimmen, da viele Kulturen den Tod anders wahrnehmen, egal wie patriarchal diese nun sind. Doch in unserer Gesellschaft, abgesehen davon, ob sie nun patriarchal ist oder nicht, ist mir diese annähernde Tabuisierung des Todes auch aufgefallen. Der Tod wird an den Rand gedrängt und allfällige Feierlichkeiten werden möglichst schnell durchgeführt und dauern höchstens einige Stunden. Trauer darf nicht gezeigt werden oder muss durch einen Psychologen begleitet werden. Ich denke auch, dass der Tod und die Unterbrechung, die dabei bei den Angehörigen zustande kommt, von der Gesellschaft zu wenig akzeptiert ist.

Alysejah Huber, 8. Oktober 2024