Ab in den Keller
Viele junge Leute stehen in kleinen, vertrauten Gruppen vor dem Seiteneingang der Minoritätsgemeinde Aarau. Es ist Sonntag und die Nachmittagssonne brennt ohne Erbarmen. Meine Begleitung packt noch schnell ihr Hütchen mit der Aufschrift «queer und hässig» weg. Wir wollen nicht gleich aus der Reihe tanzen. Wir wissen nicht, wie die MSCI-Kirche zu LGBTQIA+ eingestellt ist. Um 13 Uhr ist Türöffnung. Wir werden von mehreren Jugendlichen freundlich angelächelt und begrüsst. Der Gottesdienst findet im Keller statt. Der Raum ist recht dunkel, doch farbenwechselnde LED-Streifen und dröhnende Worship Musik sorgen für Stimmung. Gemeinsam mit einem ca. 16-jährigen Jungen, der auch neu zu sein scheint, werden wir im hinteren Teil des Saales platziert. Die vorderen Stühle sind schon eng besetzt und auch hinter uns füllen sich die Reihen. Die Demografie der Anwesenden erstaunt mich. Es scheint niemand viel älter als fünfundzwanzig zu sein. Die untere Altersgrenze ist schwammiger. Einige Jungs vor uns schätzen wir auf dreizehn, in der hintersten Reihe entdecke ich sogar einen ca. 6-Jährigen. Neben ihm ein Mann Mitte zwanzig, vielleicht sein grosser Bruder? Abgesehen vom Alter sind die ca. 100 Anwesenden sehr divers. Es hat ungefähr gleich viele junge Frauen, wie junge Männer. Auch die Nationalitäten sind vielfältig, ein stolzes Merkmal der MSCI Aarau. So veranstalteten sie kürzlich den «International Sunday», ein Gottesdienst bei dem alle, in den Farben ihres Heimatlandes gekleidet, anderen ihre Landessprachen näherbringen konnten. Uns steht jedoch der gewöhnliche, wöchentliche Gottesdienst bevor.
Im Hintergrund schallt es noch immer «All Hail Jesus», doch die restliche Geräuschkulisse nimmt langsam ab und eine Leinwand wird runtergezogen.
Drastischer Einstieg
Ein Pastor Anfangs zwanzig, in rot-schwarz kariertem Hemd bittet uns alle aufzustehen. Als erstes danken wir Jesus von Herzen für seine Liebe und bitten ihn um Vergebung für unsere Sünden. Dies tun wir angeleitet vom Pastor, der von epischer Klaviermusik und einem undefinierbaren Echo begleitet wird. Als Nächstes kommt die Leinwand mit Songtexten zum Einsatz. Wir singen mehrere Worship Lieder auf deutsch und englisch zum einwärmen. Beim letzten Lied werden wir dazu aufgefordert für Jesus zu hüpfen. Einige hochmotivierte, junge Leute springen sofort nach vorne zum Pastor und hüpfen mit ihm zum Takt. Am Ende des Liedes bildet sich sogar ein kleiner Moshpit. Die Stimmung ist heiter und genau da setzt der Pastor an.
Auf der Leinwand erstrahlt Matthäus 19,14: Doch Jesus sprach: «Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen, denn solchen gehört das Himmelreich.»
Er erklärte uns, dass Jesus unter Kindern junge Menschen voller Energie, Lebensfreude und Begeisterung versteht. Genau solche Menschen wie wir. Er schaut uns strahlend an und meint, wenn wir nicht zurück lachen, können wir sofort den Gottesdienst, ja sogar die Kirche verlassen. Wer zu Jesus gefunden habe, soll für Jesus tanzen, hüpfen und glücklich sein. Soweit so fröhlich, doch nun die unerwartete Wendung. Der Pastor greift ohne Vorwarnung das Thema «Ritzen und Selbstverletzung» auf. Er erzählt von einem Mädchen, das nicht in kurzer Kleidung das Haus verlassen kann, weil sie sich überall Wunden zugefügt habe. Er warnt uns, dass wir den Teufel nicht zu uns lassen sollen, weil sonst solches passieren könne. Eine Person, die im Stande sei sich selbst zu verletzen, habe einen zu schwachen Glauben. Also keine Sorge, an die guten, glücklichen Christen kommt der Teufel nicht so schnell ran. Damit ist das prekäre Thema für ihn und somit gezwungenermassen für alle anderen abgeschlossen. Ich bin sprachlos, meine Begleitung schüttelt nur den Kopf. Dieser junge Pastor hat soeben hundert anderen jungen Leuten erklärt, dass Selbstverletzung mit Nähe zum Teufel einher geht. Kein Wort über ein Hilfsangebot, nur wortwörtliche Verteufelung von Betroffenen.
Dancing Stars
Weiter gehts mit einer modernen Tanzeinlage von den Hauseigenen «Dancing Stars». Sie gehören zu den aktiven Mitgliedern der Kirche, erklärt mir nach dem Gottesdienst eine junge Frau. Neben den «Dancing Stars» gibt es das «Media Team», den «Chor» und die «Ushers». Alle tragen einen Erkennungsausweis um den Hals, der ihre Funktion in der Kirche preisgibt. Die meisten sind schon etwas älter und grösser, sie haben eine gewisse Autorität. Nach meinem Gefühl herrscht dadurch eine leichte Hierarchie.
Die «Dancing Stars» geben Vollgas. Zu lauter, rhythmischer Worship Musik schwingen sie die Hüften. Ihre Outfits sind abgestimmt, weiss mit Jeans-Akzenten, das Publikum johlt. Der Auftritt ist sehr modern, einige Tanzelemente erinnern an TikTok-Trends.
Die Stimmung wird ruhiger aber nicht weniger begeistert als der in weiss gekleidete Chor nach vorne tritt. Der Gesang ist wohlklingend und recht anspruchsvoll. Es wird im Kanon und mit Echo für Salbung gebetet.
Freiwillige Spende aus reinem Herzen
Nach dem Chor lenkt der Pastor das Thema geschickt auf Opfergaben. Ein riesiger QR-Code und eine IBAN-Nummer werden auf der Leinwand eingeblendet. Sofort wird klar, was folgt: die Zehnten- und Spendenabgabe. Alle werden dazu aufgefordert ihre «freiwillige» Spende in die Höhe zu halten um gemeinsam zu beten. Alle ausser wir und per Zufall ein junger Mann neben uns halten ihre Bargeld oder TWINT umklammernde Hand hoch. Der Pastor betet für alle Spendenden, mögen ihre Hosentaschen im Gegenzug vor Geld platzen. Er betet auch für die Nicht-Spendenden, mögen sie nächste Woche bereit sein aus Gutherzigkeit zu spenden.
2. Korinther 9,7 wird eingeblendet: Jeder aber gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
Die «Ushers» stehen auf und geben riesige senfgelbe Urnen durch die Reihen. Wie viel Geld die Leute abgeben kann ich nicht erkennen. Ich sehe, wie der neue Junge neben mir am Handy nervös auf einer Raiffeisen Seite rumdrückt. Auch für uns war es unangenehm nicht zu spenden und zwar aus einer rein zwischenmenschlichen Dynamik. Ich kann mir nicht vorstellen, wie hoch der Druck für eine Person ist, deren Selbstverständnis an eine solche Opfergabe gehaftet ist.
Tiktok Pastor
Vor uns steht ein weiterer Pastor, ich kenne sein Gesicht von MSCI TikTok Videos. Sein Name ist Pastor Josh oder «PJ», wie er von vielen liebevoll genannt wird. Er ist älter als die meisten Besuchenden, wahrscheinlich Ende zwanzig und trägt ein Shirt mit der Aufschrift «I am Ready to Preach Gospel». «Ready» ist er wirklich, er übernimmt den Hauptteil der Predigt, spricht mitreissend, interaktiv und mit viel Emotionen, selten spickt er mit seinem Handy. Wenn das Publikum nicht laut genug auf Fragen oder Aufforderungen reagiert, fragt er empört nach mehr Lärm. Es erinnert mich an ein Popkonzert. Auch seine Sprache ist modern. Er spricht schweizerdeutsch aber verwendet viele Anglizismen und Jungendslang.
Josh beginnt mit einer Aufzählung von vier Arten von Leuten, die die Kirche besuchen.
Auf der Leinwand erscheint Matthäus 13,20-23: Der Same, der auf den felsigen Boden gesät wurde: Hier hört einer das Wort und nimmt es sogleich freudig auf, doch er hat keine Wurzeln, sondern ist unbeständig. Wenn es dann zu Bedrängnis und Verfolgung kommt um des Wortes willen, kommt er gleich zu Fall. Der Same, der unter Dornen fiel: Hier hört einer das Wort, und die Sorge dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. Der Same, der auf guten Boden gesät wurde: Hier ist einer, der das Wort hört und versteht. Der trägt dann Frucht – sei es hundertfach, sei es sechzigfach, sei es dreissigfach.
Er beginnt mit Typ 1 der Kirchenbesuchenden. Laut Josh interessiert diese Leute das Wort Gottes «en füechte Furz». Sie sind voll mit Hass und Unzufriedenheit. Typ 2 beinhaltet alle Leute, die der Kirche zu wenig Zeit widmen wollen. Vielleicht haben sie kleine Kinder oder viele Prüfungen oder Stress mit der Mutter und widmen deshalb zu wenig Zeit ihrem Glauben. Bei ihnen sei der Samen unter Dornen gefallen, das Wort wird vergessen oder verdrängt. Beim Typ 3 wird es persönlich, er spielt darauf an, dass einige Anwesenden zu diesem Typ gehören. Der Samen, der auf felsigem Boden gesät wurde, ist unbeständig und unsicher. Gemeint sind die Übereuphorischen, die im Vordergrund ihren Glauben lautstark präsentieren. Sie hüpfen, tanzen und jubeln, befassen sich aber abseits des Spotlights nicht weiter mit ihrem Glauben oder der Kirche. Er erzählt in einer Anekdote von einem Jungen mit einem «Saved by Jesus» Shirt, der im Bus seine Filter, Papes und seinen Tabak aus der Tasche holte. Der ganze Raum schreit entsetzt auf und Buhrufe ertönen. Josh kommentiert darauf, dass er bezweifelt, ob viele der euphorischen Jugendlichen in den ersten Reihen – die dieselben Shirts tragen – tatsächlich «besser» sind als der Junge aus dem Bus. Er geht sogar so weit zu hinterfragen, ob sie überhaupt in der Lage wären, einen einzigen Bibelvers aufzusagen. Die erste Reihe will dies nicht auf sich sitzen lassen. Einzelne versuchen sich zu beweisen, indem sie irgendwelche Bibelstellen zitieren. Eine Situation in der sich bei mir wieder dieses Gefühl von Hierarchie und ungleichmässigem Machtverhältnis einschleicht.
Josh geht über zum Typ 4, den er als Christ (es wird immer nur von Christen gesprochen, Christinnen werden nie erwähnt), dessen Glauben ein tief verankertes Fundament hat, beschreibt. Hier wurde der Samen auf gutem, fruchtbarem Boden gesät. Seine Weiterführungen gehen auf dieses tiefe Fundament ein.
Dazu blendet er Matthäus 7,25 ein: Da gingen Regengüsse nieder, Sturzbäche kamen, und Winde wehten und warfen sich gegen das Haus, und es stürzte nicht ein. Denn Fels war sein Fundament.
Er beschreibt den unzureichenden, unsicheren Glauben als Haus, das ohne Fundament und Verankerung leicht davongewischt wird. Ein Haus, beziehungsweise ein Glaube mit tiefem Fundament hingegen halte jedem Sturm entgegen. Stürme und Widerstand seien Situationen, die Christen viel antreffen werden. Denn Glaube sei kein Glaube, wenn dieser nicht auf die Probe gestellt werden könne. Deshalb treffe es die gläubigen Christen manchmal am härtesten. Josh beschreibt das Durchfallen bei Prüfungen, den Streit mit dem Lehrmeister oder das Lästern deiner besten Freundin als «von Gott bewaffnet werden». Gott wisse, dass tief verankerte Gläubige mehr aushalten könnten, als schwache Gläubige. Dadurch kreiert Josh meiner Meinung nach ein leistungsorientiertes Glaubensbild: Je stärker ich glauben kann, desto besser bin ich für mein Leben gewappnet, weil Gott mir härtere Aufgaben stellt. Mir stellt sich die Frage, warum man in diesem Fall überhaupt glauben soll. Wenn ich «schwach glaube» muss ich mich keiner harten Probe entgegenstellen und kann ein schönes, entspanntes Leben führen. Ich muss aber wohl mit dem Wissen Leben, dass ich zu schwach für jegliche Herausforderungen bin.
Dazu las er uns vor Offenbarung 2,1-3: Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: So spricht, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der einhergeht inmitten der sieben goldenen Leuchter: Ich kenne deine Werke und deinen Einsatz und deine Beharrlichkeit, und ich weiss, dass du die Bösen nicht ertragen kannst, dass du geprüft hast, die da sagen, sie seien Apostel, und es nicht sind, und dass du sie als Lügner entlarvt hast. Ausgeharrt hast du, und um meines Namens willen erträgst du dies alles und bist nicht müde geworden.
Um diese Worte noch eingänglicher zu verstehen, singen wir ein weiteres Lied.
«I’m safe with you. I’m going to make it through. Rain came and wind blew but my house was built on you.»
Exkurs zu Dag Heward-Mills
Dag Heward-Mills ist der Gründer der United Denomination Lighthouse Group of Churches, zu welcher die MSCI Aarau gehört. Die Mitglieder der MSCI bezeichnen Heward-Mills als ihren Bishop und lesen seine unzähligen Bücher. Ich habe sein Werk «Wie man von neuem geboren wird und der Hölle entgeht» als Vorbereitung gelesen. Laut ihm soll man die Liebe Gottes als die grösste Liebe anerkennen und wertschätzen. Zudem schreibt er vom «errettet werden» was dem «neu geboren werden» entspricht. Nur Christ*innen, die ihr Herz für Gott öffnen und richtig glauben, würden neu geboren und seien somit errettet. Alle anderen Menschen kämen in die Hölle. Ich bin mir sicher, dass Josh dieses Buch auch gelesen hat, denn im folgenden Teil seiner Predigt höre ich immer wieder Anspielungen darauf.
Sex, Drugs and Sins
Nach dem gemeinsamen Singen findet Josh seinen Roten Faden wieder und fährt fort mit
Offenbarung 2,4: Ich habe dir aber Vorzuwerfen, dass du deine erste Liebe verlassen hast.
Der Pastor bezeichnet den ersten Tag, an dem man zu Gott findet, als den Zeitpunkt der grössten Liebe zu Gott. Alle Gläubigen sollen also Gott als ihre grosse und erste Liebe anerkennen. Gottes Liebe sei stärker als jegliche zwischenmenschliche Liebe. Beim Thema «erste Liebe», ist das Thema «Sex» nicht weit weg. Doch Josh stellt ganz klar fest, dass Liebe nicht gleich Sex ist. Er bezeichnet Sex vor der Ehe zu haben als Sünde und erklärt uns: Wenn wir errettet worden sind, wohne der Heilige Geist in uns. Der Heilige Geist sei also bei all unseren Taten mit dabei und müsse zuschauen, ja sogar mitmachen bei unseren Sünden. Ich zitiere wörtlich: «De Heilig Geist isch mit dir wenn du din Finger ih ihri Vagina ine stecksch.». Die Empörung im Saal ist gross, einige geben angewiderte Laute von sich. Josh legt noch einen drauf: «De Heilig Geist isch mit dir wenn du ah de Unterhose vo dinere Exfründin schmöksch oder dim Exfründ wo dich eh nume vermöblet und verprüglet hesch nachetruursch.»
Ich weiss nicht was ich dazu sagen soll. Ein Opfer häuslicher Gewalt wird als Beispiel für Fehlverhalten verwendet. Die von Gewalt betroffene Frau, die Mühe hat sich aus einer toxischen Beziehung zu lösen, wird als Sünderin dargestellt. In einem einfachen Nebensatz hat Josh kurz die Opfer- und Täterrollen getauscht, niemand scheint es zu kümmern. Im Gegenteil, Josh erklärt gerade, wie wir den Tempel des Heiligen Geistes (also unseren Körper) mit «fremdem Sperma vollpumpen».
Dazu liest er uns vor 1. Korinther 6,19: Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wirkt und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?
Auch Alkohol und Drogen kritisiert er scharf. Im Sinne von du sollst ja nicht den Heiligen Geist abfüllen.
Der Heilige Geist auf dir
Josh findet wie immer einen passenden Übergang vom heiligen Geist in dir zum heiligen Geist auf dir.
Auf der Leinwand erscheint Apostelgeschichte 10,38: Ihr kennt Jesus von Nazareth und wisst, wie Gott ihn mit dem Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat; er zog umher und tat Gutes und heilte alle, die vom Teufel unterdrückt wurden, weil Gott mit ihm war.
Der Heilige Geist auf uns sei nach aussen gerichtet und er werde durch Salbung gestärkt. Laut Josh würden alle unseren guten Taten erst nach der Salbung Wert erlangen. Dann sei der Heilige Geist mit uns, Gott sähe unsere Taten und würde uns dafür entlöhnen. Um dies zu verstehen, verbildlichte Josh: Wenn eine Fachfrau Gesundheit plötzlich bei der Post arbeiten geht ohne sich beworben zu haben, bekommt sie keinen Lohn. Sie ist ja nicht bei der Post angestellt. Genau gleich sei es mit den guten Taten, die erst durch Salbung Wert erlangten.
Josh kommt aus mir unerklärlichen Gründen nun nochmals auf das Thema «Sex» zu sprechen.
Eingeblendet wird Hohelied 1,1-3:Das Lied der Lieder Salomos. Er küsse mich mit Küssen seines Mundes! Köstlicher als Wein ist deine Liebe, köstlicher als der Duft deiner Salböle. Ausgegossenes Salböl ist dein Name, darum lieben dich die jungen Frauen.
Mir scheint als wäre Josh ein bisschen unter Zeitdruck. Er erzählt, dass die Liebe zu Gott besser als Sex und Alkohol sei. Zudem sollten wir in die Bibel eintauchen, nicht in die Geschlechtsteile anderer Leute, so verstehe ich seine Aussagen zumindest.
They Love Me
Bevor wir nach zweieinhalb Stunden aus dem Keller, der mittlerweile recht stark nach abgestandenem Parfüm und Schweiss riecht, entlassen werden, folgt eine weitere Zehnten- und Spendenabgabe. Das gleiche Prozedere mit QR-Code und erhobenen Händen erfolgt nochmals. Dieses Mal wird zusätzlich ein Kinderheim in Ghana erwähnt, an welches die Spenden gehen sollen. Wir singen ein letztes Lied und bekommen Zeit für eigene Gebete. Zwei Mädchen vor uns werden sehr emotional und weinen lautstark. Alle anderen beten inbrünstig mit erhobenen Händen und in leichtem Schwanken weiter.
Alle dürfen sich setzen, die Erstbesuchenden werden gebeten aufzustehen. Meine Freundin, der Junge neben mir und ich stehen auf, dazu noch sechs weitere junge Leute. Um uns tobt Applaus und alle schreien uns zu «we love you». Danach werden wir aus dem Saal gebeten, um freiwillig unsere Kontaktdaten abzugeben. Eine junge Frau aus dem Media Team verspricht mir Eintritt in den MSCI Aarau Gruppenchat und lädt mich zu den Biblestudies ein. Alle sind sehr freundlich und zuvorkommend, das Interesse bei den anderen «Neuen» scheint gross zu sein. Einer der neuen Jungen bietet sogar an, eine Webseite für die Gemeinschaft zu programmieren. Wir verabschieden uns und atmen draussen, trotz der heissen Luft, tief auf.
Lou Büchler, 24. Juni 2025