«Soldaten des Lichts» – Eine grausame Beobachtung

In kaum einem anderen Film heutzutage müssen Zuschauende so viel Stille und Statik aushalten. Es wirkt anfangs artistisch. Doch das hier ist keine Kulisse von Wes Anderson. Der 2025 erschienene Film «Soldaten des Lichts» hat überhaupt keine Kulisse, er ist eine Dokumentation über Verschwörungstheoretiker und Anhänger des «Königreich Deutschland» post-Corona.

Unter Anleitung von Julian Vogel und Johannes Büttner wurden David Ekwe-Ebobisse und sein Team über einen längeren Zeitraum mit der Kamera begleitet. Ekwe-Ebobisse, auch «Doctor Raw», ist ein charismatischer und fitter roh-veganer Influencer aus Frankfurt am Main, der jeden «mein Lieber» oder «mein Schatz» nennt. Und er ist Reichsbürger.

«Soldaten des Lichts» war beim DOK-Fest 2025 in München der besucherstärkste Film. Doch wieso würden jene, die den Medien misstrauen, sich überhaupt von ihnen filmen lassen? Büttner und Ekwe-Ebobisse kennen sich aus Grundschulzeiten. Und unter der Bedingung einer neutralen Beobachtung kam der Film zustande. «Ihr werdet tatsächlich so dargestellt, wie ihr euch uns darstellt.», hiess es im Interview mit der Tagesschau.

Im Film werden alle Personen mit ihrem Vornamen angesprochen. Um Verwirrung vorzubeugen, wird dieser Bericht das übernehmen. Zusätzlich kann die Rede von «BRD und KRD» als Bundesrepublik Deutschland und «Königreich Deutschland» an die historischen Bezeichnungen BRD und DDR erinnern. So wird möglicherweise die Illusion des «Königreich Deutschland» als legitimer Staat verstärkt. Dieser Bericht wird diese Abkürzungen daher nicht verwenden.

Leben um Doctor Raw

David ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Influencer zum Thema Roh-Veganismus. Gemeinsam mit seinem Team bietet er nicht nur Kurse und einen Onlineshop an, sondern führte auch das Restaurant «Rohkosteria» in Frankfurt. David behauptet Krebs heilen zu können. In einem Livestream sagte er: «Ihr kennt das Down-Syndrom, das Gesicht. Hey Leute, wir haben ein Kind mit Down-Syndrom wieder zu einem ganz normalen Kind gemacht. Das kommt morgen, das Video und das zerreisst alles. Und das war das erste Video, was komplett gelöscht wurde auf YouTube. Wo sofort das draussen war, weil das die Agenda der Dunkelheit ist. Alle Kinder sollen autistisch oder Down-Syndrom, Minimum bekommen, die jetzt geboren werden.»

Und wer sind die Leute um David? Das kann tatsächlich jeder sein. So war einer, der für ihn arbeitet, einst bei der ANTIFA. Ein anderer schon immer rechts. Eine wichtige Figur im Film ist Timo, neu im Team und radikalisiert während der Pandemie. Bei persönlichen Gesprächen zwischen ihm und David wird klar, dass er mentale Probleme hat. David hört ihm aufmerksam zu und nennt das einfach «die Dunkelheit». Auch hat Timo stets einen abwesenden Blick und leichte Zuckungen im Gesicht. Viele seiner Probleme stammen angeblich von seiner früheren fleischreichen Ernährung. David diagnostizierte ihm Würmer in seinen Verdauungsorganen. Für acht bis zehn Stunden Arbeit am Tag bekommt Timo von Davids Team Kost, Logis und eine, angeblich sehr teure, Behandlung für seine Probleme.

In vielen Szenen der Doku sehen wir Davids Team kochen, räumen, arbeiten und Kräuter am Strassenrand sammeln. Sie sprechen über vierstündige Morgenroutinen und die Bastelwerkstatt für freie Energie im Keller. Auch werden immer wieder Personen beim Warten und gedankenverlorenen Umherstarren gezeigt. Allen voran Timo. So steht dieser still vor der Tür, als David eine Autowerkstatt besucht, die sich auch zum «Königreich Deutschland» bekennt. Diese Dynamik, das Warten auf Befehle, wird in anderen Artikeln zum Film mit Sklaverei verglichen. Ähnlich unwirklich sind die vielen Selbstgespräche Davids vor seiner Handykamera sowie ein Telefonat, während dessen er eine Bong raucht.

Wie abgespalten die Gruppe von der Gesellschaft ist, zeigt sich bei einer spirituellen Aufstellung, die sie durchführen. Ziel einer Aufstellung ist es, Unbewusstes ans Licht zu bringen, indem Personen sich repräsentativ für einen Aspekt eines Systems aussprechen. Meist wird das für Familien getan. So könnte zum Beispiel eine Person repräsentativ für den Vater stehen und in sich hinein fühlen, warum er sich so aggressiv verhält. David und sein Team führen die Aufstellung allerdings mit Rollen wie «Königreich Deutschland» und Olaf Scholz durch. Hier wird das Interesse der Gruppe an Politik deutlich und ihr fundamentales Missvertrauen in die Bundesrepublik Deutschland. So sagt ein Teammitglied: «…indem wir auf unserem Personalausweis unterschreiben, unseren Sklavenausweis unterschreiben.»

Ein weiteres Merkmal der Gruppe ist ihre Treue gegenüber Geistheiler Sananda. Dieser scheint für sie eine Art spirituelle Vaterfigur zu sein. So fragt David Timo einmal in einem Livestream, was dieser tun würde, wenn jemand auf Sananda schiesst. «Ich stelle mich vor ihn, auch wenn sie mir die Knarre an den Kopf halten.»

David: «Leute, seht ihr die Entschlossenheit in seinen Augen? Leute, solche Soldaten des Lichts brauche ich an meiner Seite, weil ich bin genauso.»

Ein Gastauftritt von Geistheiler Sananda

Doctor Raw trifft die selbsternannte Reinkarnation von Jesus Christus auf einer luftigen Dachterrasse zum Videointerview. Nicht für die Doku an sich, die beobachtet nur, wie die beiden Content zusammen machen. Sananda ist ganz in Weiss gekleidet und wird mit den Worten «die Persönlichkeit schlechthin in Deutschland, wenn es um Heilung geht, von Tieren sowie Menschen» von David vorgestellt. Sanandas YouTube-Kanal «Unglaubliche Spirituelle Wahrheiten TV» hat über 50 Tausend Abonnierte.

Die Doku zeigt nur Fragmente eines langen Gespräches. In der heutigen Zeit des Wandels würde nach Sananda die Erde gereinigt werden, weil der Mensch sich unverzeihlich an den Tieren versündigt hat. Er erzählt auch: «Auf dieser Erde leben auch sehr viele, die sind keine Menschen. Das sind nur künstliche Wesen. Und die echten Menschen liegen momentan bei 13 Prozent. Und die 87 Prozent sind da, damit die 13 sich erkennen können.» Passend dazu meint er zwischendurch: «Könnt ihr mal die dunkle Putzfrau wegtun? Dunkel meine ich nicht mit der Hautfarbe, sondern…»

David antwortet sofort: «Ich weiss, was du meinst. Die stört, ja. (Zum Kameramann) Wenn sie noch mal kommt, sag ihr ganz lieb, wir machen ein Video.»

Ganz selbstverständlich führt Sananda noch an: «Das war ein Repto.»

Die Implikation, dass ein Grossteil der Menschen nicht «echt» seien, ist nicht einfach nur gruselig. Das ist Elitarismus, ein typisches Merkmal für Verschwörungstheorien. Und es stärkt die Gruppe um Sananda und David.

Sananda verkündet noch vage Prophezeiungen: «Ich denke, dass viele Menschen aufstehen und sich wehren werden, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird Vieles passieren. Ich denke, dass einige Politiker von der Bildfläche verschwinden werden. Es werden Dinge passieren, mit denen niemand rechnet. Es ist alles möglich. In der Endzeit ist alles möglich. Alles. Die Guten werden das überleben, die werden das überstehen. Lassen wir uns einfach mal überraschen, was alles Schönes noch auf uns zukommt.» Der Zeitpunkt dieser Drehaufnahmen lässt sich auf 2022 datieren.

Nachdem fertig gedreht ist, unterhalten sich beide noch, lässig am Geländer der Terrasse gelehnt. Hier wird das Ausmass der Verehrung von David an Sananda noch klarer: «Es gibt keinen Dalai Lama mehr, es gibt keinen Papst mehr. Du bist das geistige Oberhaupt, was es so gibt auf der Erde.

Sananda sinniert: «Ich bin auch immer wieder überrascht über mich selber. Wenn ich ab und zu ein Video von mir angucke, was ich gesagt habe, sage ich zu Annette immer: Wieso habe ich das gesagt?» Auch gesteht er, dass er sich seinen Erfolg früher gewünscht hätte. Doch David meint: «Du sagst ja selber, es sollte scheinbar so sein. Und wenn ich mir dein Auto anschaue… Du bist immer noch in der Phase, wo du es geniessen kannst.»

Sananda: «Ich weiss nicht, wohin mit dem Geld.»

David: «Das glaub ich dir. Aber das hast du auch verdient, muss ich dir sagen.»

Sananda: «Ich als ehemaliger Sozialempfänger, ich darf das.»

Sie sprechen weiter über Geld. So berichtet Sananda «Ich hab jetzt die Preise verdreifacht.» Und das Geschäft würde trotzdem laufen. Danach ist zu sehen, wie «Jesus» in seinem Bentley davonfährt.

Fantasiereise ins «Königreich Deutschland»

Warum gelten Mitglieder des Fantasiestaats «Königreich Deutschland» überhaupt als Reichsbürger? Grundsätzlich präsentiert sich der Fantasiestaat (eigentlich nur ein Verein) als spiritueller als andere rechtsextreme Gruppen. Sie lehnten die Bundesrepublik Deutschland ab und sehen sie als Firma. Der Verein versucht, sich dem deutschen Finanzsystem gänzlich zu entziehen, ein eigener Staat zu werden und letztendlich das System umzustürzen. Daher wird der Verein von dem Bundesamt für Verfassungsschutz der Szene der «Reichsbürger und Selbstverwalter» zugeordnet.

Die Doku ermöglicht es, bei einem Gespräch der Mitglieder des «Königreichs Deutschland» über die Schulter zu schauen. Auch David ist dabei. Die Runde aus ungefähr zehn Leuten besteht fast nur aus Männern. Gründer und Oberster Souverän des Fantasiestaats «Königreich Deutschland» ist Peter Fitzek. Einer, vermutlich neuen, Frau in der Runde wird erklärt, wer für das Königreich arbeitet, würde mit allem versorgt werden. Peter spricht so weit entfernt von jeglichem Selbstzweifel, dass es Zuschauende irritieren kann: «Es ist jetzt schon so, dass es Leute gibt, die aus anderen Nationen langsam auf mich zukommen. Es gibt jetzt Gerichte, die sagen, wir wollen ein Verfahren führen, dass der Staat anerkannt wird, «Königreich Deutschland». Es gibt jetzt schon Landkreise,
die mich anschreiben als Peter I., König von Deutschland, oder als Peter Menschensohn. Überall sind Strukturen da, überall sind alternative Lösungen da. Jetzt ist es nur noch an uns, die Sachen richtig gross zu machen. Alles ist vorbereitet. Also, vom Bankensystem, Geldsystem, Marktsystem, Rechtssystem, Verfassung, Gesundheitssystem, Rentensystem, Bildungssystem, Pflegesystem, Unfallsystem, alles ist da. Kinderkriegen ohne Geburtsurkunde in der BRD.»

Bei einer Hausgeburt ohne Geburtsurkunde wäre eine Mutter fast gestorben, doch Peter hätte sie geheilt. Durch einen Wahrscheinlichkeitswechsel, der nach «Quantenphysik» möglich sei. «Über solche Fähigkeiten verfüge ich halt, aber ich hänge das nicht an die grosse Glocke. Und es ist auch nicht meine Aufgabe, die Einzelschicksale zu bessern, sondern ich möchte dem Kollektiv helfen. Und deswegen mache ich so etwas wie mit dir beispielsweise, und mit ihr jetzt nur noch in extremen Ausnahmefällen. Aber normalerweise gar nicht mehr. Aber möglich ist das alles. Was denken Sie, warum ich das alles überlebe, was ich hier mache.»

Ein anderer Mann meint später: «Oder man könnte sagen, was die Deutschen bisher durchgemacht haben, ist es ein Wunder, dass es sie noch gibt. Andere Völker wären schon weg vom Planeten. Überlegt, was hier in der Vergangenheit gelaufen ist. Allein die ganze Umherziehung nach dem Krieg. Da kann man auch wieder sagen, warum wird gegen uns so vorgegangen? Man hat Angst vor uns, das ist so.»

Peter ergänzt: «Nicht alle oder man, sondern die dunkle Seite hat Angst vor uns.»

Davids Erfahrungen mit Rassismus

Einmalig zeigt sich David in der Doku auch von einer verletzlichen Seite. Allein in seinem Büro mit einer Person hinter der Kamera sagt er: «Ich bin als Schwarzer… Du denkst, ich werde nicht diskriminiert und so. Aber ich spüre das doch. Jeder Blick ist eine Beleidigung, wie ich angeschaut werde auf der Strasse. Kannst du dir gar nicht vorstellen, ist ja klar.»

«Nein, ich kann das mir nicht vorstellen, aber ich glaube nicht, dass du nicht diskriminiert wirst.»

«Aber weisst du, wie subtil diese Diskriminierung ist?»

«Wie gesagt, ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich weiss, dass es passiert.»

«Genau, genau, du weisst, dass es passiert. Und deswegen, wenn du nicht dumm bist und die Augen offen hast, und ich habe einen sehr hellen Verstand, sehr wachen Geist, ich nehme das alles sehr genau wahr. Und deswegen habe ich eine Haltung entwickelt, dass ich da drüberstehe. Und dass ich meine eigene Wirklichkeit kreiere, weil ich weiss, zum Glück habe ich dann viel gelernt, ich bin Schöpfer. Ich muss nicht den ganzen Sachen folgen, ich kreiere die Wirklichkeit. Was die anderen sehen, ist alles gelogen. Und die wissen es gar nicht. Die haben einfach keine Ahnung, wie die Wirklichkeit funktioniert. Und das Traurige ist, ich sehe es ja, dass es bei mir funktioniert. Sonst wäre nicht mein Leben so. Das heisst, wenn die anderen mir mit Lebensentwürfen kommen, sage ich, wie sieht denn dein Leben aus? Bist du gesund? Fit? Hast du Sixpack? Geld? Freude? Spass? Gesunde Nahrung? Hast du das? Ansonsten funktioniert dein Lebensentwurf gar nicht. Du weisst es nicht besser.»

«Ja, man weiss immer nicht genau, wenn du sprichst, sind das Metaphern? Oder glaubst du wirklich,
dass es Geheimbünde gibt, die satanische Kinderrituale machen? Und da weiss ich auch, dass die Fakten keine wissenschaftlichen Fakten sind.»

David meint daraufhin, er solle einfach seine Bücher lesen. Damit meint er die mehrbändige und selbstverlegte «Weltgesundheitsformel», Davids umfangreiche Abrechnung mit der Lebensmittelindustrie. Die Bücher beinhalten sowohl grüne und anti-koloniale Ideen als auch verschwörungstheoretische Inhalte, aus seriösen und unseriösen Quellen.

Skizzierung einer Filmanalyse

Visuell lässt sich der Film dem «Direct Cinema» zuordnen. Das Publikum begegnet dem Geschehen also auf Augenhöhe, fast ohne je die Frosch- oder Vogelperspektive einzunehmen. Standbilder, keine sichtbar künstliche Beleuchtung oder Färbung und eine geringe Schnittfrequenz unterstreichen den wertfreien Ansatz, welchen Vogel und Büttner angestrebt haben. Kurz gesagt: Das Publikum sieht die Geschehnisse wie sie sind. Manchmal sieht es auch über die Schultern der Figuren oder sitzt mit im Auto.

Akustisch fällt sofort auf: Es gibt keine Filmmusik und keinen Erzähler aus dem Off, was für Dokumentationen sonst üblich ist. Selten stellt eine Person hinter der Kamera kurze Fragen für den Kontext. Die Doku steht filmisch auch im Kontrast zu dem spirituellen Content, den das Publikum sonst sieht, wo ködernde Thumbnails, Buchcover und Posts normalerweise sind: bunt und, für die Meisten offensichtlich Schwachsinn. Ist die Rede von scheinbar positiven Themen wie Heilung und die Rettung der Welt, sind Bild und Text nicht kongruent. Diese Unstimmigkeit gibt dem Publikum das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, ganz ohne einen wertenden Erzähler. Filmmusik erfüllt oft eine Polarisierungsfunktion, indem sie visuell neutralen Szenen eine Stimmung gibt. Doch hier ist es gerade die Stille, die rohe Realität, mit dem das Publikum konfrontiert wird. Rechte Bewegungen werden in den öffentlich-rechtlichen Medien sonst nie kommentarlos und wertungsfrei dargestellt. So disruptiert «Soldaten des Lichts» die üblichen Gedankenströme des Publikums zu diesem Thema.

Sprachlich bewegen sich die Figuren um David im conspirituellen Soziolekt (conspriracy/Verschwörung + spirituell, Jargon der sozialen Gruppe). Ihre Worte sind also geprägt von Euphemismen für Radikales (z.B. «Soldaten des Lichts»), nicht-falsifizierbare Aussagen (z.B. Sananda: «…in den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird Vieles passieren.») leeren Signifikanten (z.B. Licht, Liebe, Heilung) und Denkstopp-Phrasen (z.B. David: «…ich bin Schöpfer»). Der conspirituelle Soziolekt ist aufgrund seiner einfachen Verständlichkeit nicht zum Gatekeeping geeignet, jedoch stärkt er die In-Group-Identität. Weder das «Königreich Deutschland» noch die Geschehnisse um David sind von Geheimniskrämerei geprägt, obwohl man das möglicherweise von einer «typische Sekte» erwartet. Es zeigt, dass die Akteure in «Soldaten des Lichts» überzeugt davon sind, das Richtige zu tun und ihren eigenen Lehren wirklich glauben. Und durch die rassistischen Erfahrungen die David berichtet hat, wird das noch unterstrichen.

Trotz dokumentarischer Intention lassen sich im Film Metaphern finden. Eine der eindrucksvollsten ist dabei die Szene, in der zwei Frauen aus Davids Team in der von aussen vandalierten Rohkosteria sitzen. Die Fensterfront nimmt fast den gesamten Hintergrund ein und ist mit rotem Graffiti besprüht. Eine mögliche visuelle Darstellung davon, wie David und sein Team den Rest der Welt sehen, durch einen roten und damit feindlichen Filter. 2023 hielt der Demokratiekreis Riederwald jeden Samstag eine Mahnwache vor der Rohkosteria in Frankfurt. Das Lokal wurde im selben Jahr dauerhaft geschlossen. Ein Vertikalbeet, das David anfangs sorgfältig pflegt, wird später vertrocknet gezeigt.

Timo

Im Laufe der Doku verlässt Timo das Team von David, weil er nicht zum dritten Mal Fasten wollte. Er sieht mittlerweile untergewichtig aus. David findet schnell einen Ersatz für ihn. Im Team schmunzeln sie darüber, dass Timo wieder zu seinen Eltern gezogen ist. Fortan möchte David keine «bedürftigen» Menschen mehr in seine Gruppe aufnehmen, das wolle er dem Team nicht mehr antun.

Das Publikum sieht die typische deutsche Familie auf ihrer Terrasse sitzen. Es ist Timos Familie. Die Stimmung ist gedrückt, denn sie sprechen über Timos Austritt aus Davids Gruppe und ob er noch Kontakt zu ihm habe. Seine Mutter spielt ihm eine Nachricht von David ab: «Das ist wirklich ’ne Frechheit. Ich hab deinen Sohn aufgebaut, guck ihn dir jetzt bitte mal an. Weisst du noch, wie er war, als er zu mir kam? Der Junge war schizophren, schwer psychotisch, schwer krank. Er hat nur von der Dunkelheit geredet. Er ist wieder ganz normal, falls dir das nicht aufgefallen ist.» Timo hört emotionslos und apathisch zu, sein dünner Körper weit in den Stuhl gesackt. «Ich hab ihm da rausgeholfen und mein Bestes gegeben. Da muss ich mir jetzt solche Anschuldigungen anhören? Ein Danke hätte gereicht. Aber mir jetzt so zu kommen… Guck ihm in die Augen, guck dir deinen Sohn einfach bitte mal an. Frag ihn mal, ob er nicht wirklich die ganze Zeit, die letzten drei Monate von uns durchgefüttert wurde. Und es kann nicht sein, dass das jetzt einfach so untergeht. Ja? Und von daher bitte ich dich, das einfach mal im ganzen Kontext zu sehen und mir auch solche Nachrichten nicht mehr zu schreiben. Ja?»

Mit dem Austritt aus der Gruppe musste Timo seine Welt, zumindest räumlich, hinter sich lassen. Für das Publikum fungiert Timos Familie als Identifikationsfiguren. Ihre Terrasse spricht für typische deutsche Bodenständigkeit. Hier herrschen pragmatische Liebe und keine Selbstoptimierung. Ganz im Gegensatz zu Davids Welt wird dem Publikum hier eine archetypische Vertrautheit gezeigt. Keine bunte Esoterikwelt, voller persönlicher Entwicklungslust und lauten Liebesgebeten. Erst hier wird deutlich, wie weit Timo sich von seinem alten Leben entfernt hat. Und die Tatsache, dass diese Familie die Nachbarn von jedem von uns sein könnten, zeigt: Was mit ihrem Sohn passiert ist, kann jeder Familie passieren. Timo wurde in eine Klinik eingewiesen.

Timo schien sich weiterhin roh-vegan zu ernähren. Am Ende zeigt die Kamera ihn noch betend vor dem Essen. Leise Musik ertönt dabei, melancholisch und auch etwas unheimlich.  Die Audioqualität ist hier ungewöhnlich schlecht, verglichen zum Rest des Films. Nach dieser letzten Szene folgt ein Text auf schwarzem Hintergrund: «Sechs Monate nach Ende der Dreharbeiten stirbt Timo in Luxemburg. Bei seinem Tod wiegt er 53 Kilogramm. Wenige Wochen nach seiner Zwangseinweisung hatte ein Richter am Amtsgericht Herford entschieden, dass Timo – gegen den Willen seiner Eltern – die Klinik verlassen darf. Die Staatsanwaltschaft in Luxemburg ermittelt zu den Umständen seines Todes.»

Ausblick

Das Bundesministerium des Inneren hat am 13. Mai 2025 das «Königreich Deutschland» verboten und Peter Fitzek festgenommen. Sananda distanzierte sich im Dezember von David und sieht die Doku als Angriff auf seinen Ruf. Insgesamt ist «Soldaten des Lichts» ein Stilbruch zu den meisten anderen Dokumentationen des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens. Sie ist kein «Wissen to Go» für zwischendurch, mit anschaulicher Visualisierung und sympathischen Experten. Sie ist das, was viele durch den aktuellen Rechtsruck am meisten fürchten: Eine filterlose Konfrontation mit unserer gespalteten Gesellschaft. Da der Film so besucherstark war, erhebt sich jedoch eine leise Hoffnung. Womöglich regt seine besondere Ausführung zum Umdenken an.

Anhang für besonders Interessierte: Sanandas genaue Reaktion

Am 1. Dezember 2025 postete Geistheiler Sananda auf seiner Website (in der einzig dafür angelegten Kategorie «Rufmord/Verfolgung»): «Im Sommer 2022 wurde ich vom Lockvogel Mister R., aus Frankfurt in eine Falle gelockt bei einem Interview mit ihm! Er bracht ein linkes Antifa-Filmteam mit, die offenbar einen Film über Heiler drehen wollten! Dass die von der Antifa sind, im Auftrag des ZDF, und einen Reichsbürgerfilm drehen wollten, wurde mir nicht gesagt! Man hat mich reingelegt, mit Schwarzer Magie behandelt zuvor, und, mich ohne mein Einverständnis heimlich gefilmt! 3 Jahre später, Ende November 2025, erfuhr ich erst von dieser «Doku» der Antifa Berlin! Und von diesem T., der offenbar schwer krank war! Warum die Antifa, dessen Eltern, oder dieser Lockvogel Mister R. nicht zum Arzt mit diesem T. gingen, das weiss ich nicht! Es war von Anfang an geplant, mich aufs Glatteis zu führen! Ein hinterlistiger, unehrenhafter Film, von unehrenhaften Unmenschen! Eine menschenfeindliche und entwürdigende Tat, ein Komplott gegen mich! Sie haben meine Aufmerksamkeit nicht verdient! Ende!»

«…Es ist eine kostenlose Werbung für mich! Ich habe nichts Unrechtes getan, und ich bin nicht für das Leben anderer verantwortlich! Soll sich jeder selbst ein Bild machen, und entscheiden, auf welcher Seite er stehen will, was er als Wahrheit betrachtet, und, was als linke Propaganda! Antifa sagt eigentlich alles! Ich bin kein Reichsbürger, habe mit diesen Idioten nichts zu tun! Man will mich eindeutig einfach nur kaputtmachen, meine Familie und mich zerstören!…»

Am Tag darauf ergänzte er: «Ich dachte erst, da wäre KI im Spiel gewesen, weil ich mich nicht erinnern konnte, so einen Blödsinn gesagt zu haben! Nein! Ich habe das so gesagt, genau so! Unter dem Einfluss von Voodoo! Ich stehe zur Wahrheit und würde nie lügen, auch nicht, um mich besser aussehen zu lassen! Es ist so, wie es ist! Aber, es ist nicht MEINE Aussage! Ich spiegele die Gedanken meines Gegenübers, des Lockvogels! Weil ich ein Medium bin!»

«Dieses Königreich war auch sinnlos und widerlich, diente nur dem Ego vom kleinen grossen Peter!»

«Ich kann mich bis heute nicht an diese Minuten am Geländer erinnern, als Mister mich bedrängte, und komische Fragen stellte! Es fehlt in mir! Wenn jemand schwere Voodoowesen an sich hat, und näher als 1 Meter an mich herankommt, dann attackieren diese Wesen mich, machen mir entweder Kopfschmerzen, oder mir wird schwindlig, oder, ich rede kurze Zeit Blödsinn! Der nicht meiner ist! Wenn mein Gegenüber ein Angeber ist, nehme ich seine Energien kurz an, und werde selbst zum Angeber! Wenn der Gegenüber schwer depressiv ist, werde ich auch depressiv usw.! Darum ist es für mich schwer, Menschen in meiner Nähe zu ertragen! Dies war ein schwarzmagischer Angriff auf mich, und zufällig läuft da eine Kamera! Gelle? Vor ein paar Wochen zeigte mir ein Verkäufer ein Handy in einem Telefonladen. Als er an mir vorbeilief und mich berührte, fiel ich um nach hinten, konnte mich grade noch an einem Regal festhalten! Seine Energien liessen meine Beine einknicken! Mir wurde übel, musste nach draussen! Es wird für mich nicht mehr möglich sein, ein normales Leben zu führen! Liebe Grüsse Geistheiler Sananda»

Von Marla Engelschalk

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