Themenabend mit Armin Risi: Der Radikale Mittelweg durch Verschwörungserzählungen, Prophezeiungen und Russland-Propaganda

Ganzheitlicher Einstieg
Bei meinen Recherchen zum Magazin «DIE FREIEN» bin ich auf die Ausschreibung des Themenabends «Positive Prophezeiungen mit Armin Risi» gestossen. Das Magazin steht in Verbindung mit der «Graswurzle»-Bewegung: Prisca Würgler ist die Gründerin und Geschäftsleiterin beider Organisationen. 

Der Themenabend findet in dem Kulturlokal «Konservi» in Seon statt. Kurz vor 19 Uhr fährt mein Zug in Seon Nord ein, die Dämmerung hat schon eingesetzt und der kalte Wind treibt mich über den Parkplatz direkt in den Eingangsbereich der «Konservi». Empfangen werde ich von einem Verkaufsstand, an dem Ausgaben des «DIE FREIEN» Magazins, «DIE FREIEN» Tassen und unzählige Veröffentlichungen von Armin Risi gekauft werden können. Ich zeige mein Ticket und eine Tischnummer wird mir zugewiesen. Der Saal ist gemütlich eingerichtet, überall stehen kleine runde Tischchen, um die sich Menschen drängen. Im hinteren Teil befindet sich eine grosse, geschäftige Bar und im ganzen Raum gibt es verschiedene Lampen, die warmes Licht verbreiten. An meinem Tisch werde ich von vier Frauen freundlich begrüsst, sie scheinen sich untereinander auch nicht zu kennen. Die Stimmung im Saal ist gemütlich aber langsam auch ein bisschen eng. Es scheinen um die 150 Menschen anwesend zu sein, die meisten schätze ich auf vierzig oder älter. 

Als das Licht ausgeht tritt Stille ein und Prisca Würgler steigt auf die Bühne. Sie stellt den Philosophen, Autor und Referent Armin Risi vor und schwärmt von seinen Büchern. Er sei einer der besten Autoren zurzeit und es sei eine grosse Ehre ihn begrüssen zu dürfen. Sie betont, dass der Themenabend eine ganzheitliche Erfahrung sein soll, deshalb habe Armin Risi einem musikalischen Einstieg zugestimmt. 

Armin Risi erscheint auf der Bühne und stellt seine «Tanpura» als indische Laute vor. Mit wohlklingender Stimme singt er indische, altägyptische und deutsche Mantras. Danach steht er an das Rednerpult und blendet seine Präsentation ein. Ohne Umschweife kommt Risi auf Nostradamus zu sprechen. Er zeigt uns verschiedene Ausgaben einer astrologischen Zeitschrift, welche jährlich eine Nostradamus-Special-Edition veröffentlicht. Risi blendet die Ausgabe aus dem Jahr 2020 ein, worin für den März viel Freude und grosser Aufschwung prophezeit wurde. Das ganze Publikum fängt an zu lachen. Risi grinst, lässt das Stichwort «Corona» fallen und bezeichnet die Zeitschrift als Scharlatanerie. 

Er erwähnt die hohe Zahl an negativen Prophezeiungen, hunderte von Hellseher*innen hätten grosse Kriege, Krisen und Eskalationen prophezeit. Um diese kommende Negativität abzuwenden, brauche es ein radikales Umdenken. 

Schwebende Steine durch Meditation 
Risi behauptet, dass alle alten Traditionen den Kosmos als multidimensional, nicht nur als materiell verstanden hätten. Durch dieses Verständnis sei grundlegendes Wissen möglich gewesen. Die physikalische Dimension sei zwar wichtig, aber sie sei die unterste Ebene. So würden Krankheiten immer zuerst in der feinstofflichen Dimension beginnen und erst dann die physische Dimension erreichen. Früher habe man durch den Zugang zu dieser feinstofflichen Dimension kosmisches Wissen gehabt, wodurch sogar paranormale Kräfte möglich gewesen seien. 

Der Bau von Pyramiden und Tempeln sei ein Beispiel für diese aussergewöhnlichen Kräfte. Er zeigt uns Bilder von imposanten Tempelanlagen in Indien, bei welchen die Tempelspitze aus einem einzelnen Stein, mit einem Gewicht von mehreren Tonnen, bestehe. Dazu bezieht er sich auf Abbildungen von Gerüstkonstruktionen aus einem Lehrbuch für Architektur. Ein Bild zeigt eine Rampe, die von einem Holzgerüst gestützt wird und so zur Tempelspitze reicht. Risi macht sich lustig über diese Abbildung und behauptet, dass ein solches Vorgehen physikalisch unmöglich sei. Das Publikum lacht beherzt mit. Risi führt fort, es sei doch ganz klar, dass da paranormale «Shiva-Kräfte» im Spiel gewesen seien. Der tonnenschwere Stein sei also durch Meditation hochgehoben und platziert worden. Damit ist das Thema für ihn beendet. 

Zeitalter der Spaltung mit «Russenpropaganda»
Risi erklärt, dass wir uns seit 5000 Jahren im Zeitalter der Spaltung, auch «Kali Yuga» genannt, befänden. Viele Menschen würden ihre Energie nicht mehr von der göttlichen Quelle beziehen und seien deshalb auf der Jagd nach anderen Energiequellen. Dies sei die Ursache der Spaltung und des Bösen. 

Auch das Kalendersystem der Maya zeige, dass wir momentan in einer Übergangszeit leben. Laut Berechnungen von Risi, die mein mathematisches Verständnis übersteigen, herrsche nach dem Tzolkin-Kalender zwischen 1987 und 2037 das Zeitalter der Erwachung. 

An dieser Stelle macht Risi, aus für mich unerkenntlichen Gründen, einen Exkurs zu Kiew. Dabei erwähnt er, dass seine folgende Aussage als «Russenpropaganda» gelte und schmunzelt, dass ihm das Publikum also keinen Glauben schenken müsse. 
Risi behauptet, dass die ukrainische Revolution von 2014 (Euromaidan) eine ausländische Intervention gewesen sei, mit dem Ziel Janukowitsch abzusetzen. 

Die Ukraine wurde von 1991 bis 2014 von der USA finanziell unterstützt, eine direkte Beteiligung der USA an den Protesten wird von Expert*innen aber klar als Verschwörungserzählung eingestuft. 

Risi findet zurück zu seinem eigentlichen Vortragsthema. Anhand der Malachias-Weissagung und der Garabandal-Prophezeiungen versucht er zu erklären, dass wir uns tatsächlich in der «Übergangszeit» befänden. Er hinterfragt die Prophezeiungen nicht und fasst sie als faktisch auf. 

Nostradamus & Niklaus Von Flüe
Risi stellt uns Niklaus von Flüe, später auch Bruder Klaus genannt, vor. Er sei ein wohlhabender, politisch aktiver Bergbauer und Familienvater gewesen, der zum Einsiedler geworden ist. Niklaus von Flüe habe eine Vision gehabt, welche nicht der katholischen Weltsicht seiner Zeit entsprach. Deshalb habe er die sogenannte «Pilgervision» nur seiner Frau und seiner zweitältesten Tochter anvertraut. Ein Enkel von Niklaus von Flüe, habe die Vision später zu Protokoll gegeben, diese Niederschrift sei jedoch vernichtet worden. Erst in den 1920er Jahren habe man durch Glück im Kapuzinerkloster Wesmelin in Luzern eine weitere Abschrift entdeckt. 

In der besagten Vision habe Bruder Klaus folgendes gesehen: Eine Gottesgestalt in Erscheinung eines Pilgers habe sich in einen strahlenden Mann mit «braunem Antlitz», der «vom Sonnenaufgang komme», verwandelt. Für Risi ist der Fall klar, diese Person sei also ein «Ausländer, eine Erscheinung aus dem Osten» gewesen und könne dementsprechend nicht Jesus darstellen. Dieser goldene Fremde in «exotische» Kleidung aus Seide gehüllt, habe Niklaus mit einer überwältigenden Liebe überflutet. 

Der Frieden, der Niklaus in seinem weiteren Leben stiften konnte, sei durch die Weitergabe dieser Liebe möglich gewesen. 

Bei diesen Aussagen wird Risis rassistisches Gedankengut deutlich, was ihm schon öfters vorgeworfen wurde. 

Das Ornament grosser Klarheit
Risi spannt den Bogen zurück zu Nostradamus, dieser sei oft missverstanden worden. Seine Prophezeiungen seien nämlich nicht nur negativ aufzufassen. Es sei zwar teils schwierig die Voraussagungen richtig zu deuten, da Nostradamus sich doch recht kryptisch ausgedrückt habe. Aus gutem Grund natürlich, Nostradamus habe sich selbst vor der Inquisition schützen müssen. Er habe also die Inquisition an der Nase herumgeführt, in dem er sich schwammig ausdrückte, so hätten sie ihm nie etwas konkretes vorwerfen können. Aber eindeutig habe Nostradamus vorhergesagt, dass in 500 Jahren auf einmal grosse Klarheit herrschen würde. Ab nun scheint Risi etwas Zeitdruck zu verspüren, seine Erklärungen sind lückenhaft und nicht mehr nachvollziehbar. Er hat seine Ausführungen zu diesem Thema jedoch bereits in einem Artikel im «DIE FREIEN» Magazin veröffentlicht. Ich versuche sie wiederzugeben: Etwas genauer besagte die Prophezeiung, dass man in 500 Jahren dem «Ornament seiner Zeit» mehr Beachtung schenken werde und dadurch werde es grosse Klarheit geben. Um auf den Zeitpunkt zu stossen, an welchem die Prophezeiung einsetzen werde, müssen jedoch nicht einfach 500 Jahre zum Veröffentlichungsdatum der Prophezeiung gerechnet werden. Nicht das Veröffentlichungsdatum, sondern die Lebzeiten der Person, die Nostradamus unter dem «Ornament» versteht, seien entscheidend. «Or» bedeute auf Französisch «Gold» und im Hebräischen «Licht», das «Ornament» sei also eine goldene Lichtgestalt. Welche Daten bezüglich goldener Lichtgestalt Risi verwendet und wie seine Rechnung funktioniert, verstehe ich nicht. Trotzdem präsentiert er sein Ergebnis stolz: Nostradamus beziehe sich mit seiner Zeitangabe auf das Jahr 2026. Dadurch sieht sich Risi wieder bestärkt in seiner Ansicht, dass wir uns im Zeitalter der Spaltung, in einer «Übergangszeit» befinden würden. 
Diese konstruierten und widerlegbaren Herleitungen sind bei Verschwörungserzählungen weit verbreitet. 

Für Risi besteht die Spaltung aus zwei gegensätzlichen Hälften: Dem Atheismus und dem Monotheismus. Einerseits existiere der immaterielle Atheismus, der im Namen der Wissenschaft alles «Höherdimensionelle und Immaterielle» bestreite. Auf der anderen Seite herrsche der Monotheismus mit seinen «fundamentalistischen und religiös-dogmatischen» Ansichten. Beide Seiten haben laut Risi einen Absolutheitsanspruch, deshalb plädiert er für den «radikalen Mittelweg». Dieser befinde sich auf «der Messers Schneide» zwischen den beiden Seiten. Damit schliesst Risi seinen Vortrag und stellt uns einige seiner Bücher vor, die gerne gekauft werden können. 

Gretas Vorhersage
In der Pause kann sich das Publikum mit einem Stück Kuchen verwöhnen. Der Vortrag scheint die Anwesenden recht zufrieden gestellt und angeregt zu haben. Ich höre einzelne Gesprächsfetzen über Themen aus dem Vortrag und Prisca Würgler nimmt mehrere Fragen aus dem Publikum für die Fragerunde entgegen. Vereinzelte Menschen brechen jedoch schon auf, wickeln sich in ihre Winterjacken und verlassen das Lokal. 

In der Fragerunde betont Risi nochmals die Wichtigkeit einer Bewusstseinsveränderung, bevor überhaupt eine andere Veränderung geschehen könne. Es gelte das Licht zu stärken, doch nicht aus Angst vor Dunkelheit und bösen Prophezeiungen, sondern aus Liebe. 
Auf die Frage, ob die grosse Klarheit selbst erreicht werden könne oder, ob es dazu einen Propheten brauche, antwortet Risi, dass jede Person Licht in die Dunkelheit bringen könne. Wer selbst mit der Quelle verbunden sei, brauche keine fremde Energie. Dazu bringt er ein Beispiel, das beim Publikum heftige Zustimmung auslöst: Die Massenmedien hätten gesagt, dass sich alle «gegen Corona einen Pieckser geben müssten». Die Menschen seien zu gutmütig, würden alles glauben und deshalb mitmachen. Nun schaltet sich Würgler dazwischen: Dies sei auch der Grund, wieso sich Menschen dazu verführen liessen, sich auf die Strasse zu kleben. Risi lacht und meint: «Ja, die Greta, laut der, wäre die Welt schon längst untergegangen.» 
Irgendwie empfinde ich diese Aussage als ironisch, einen ganzen Abend lang hat Risi über unzählige Prophezeiungen referiert und schlussendlich wird Greta Thunbergs (wissenschaftlich fundierte) «Vorhersagung» zur Klimaerwärmung diskreditiert. 

Mit den Worten, wir sollen den Propheten in uns selbst finden und das Licht stärken, schliesst Prisca Würgler den Abend. Die Anwesenden reagieren mit lautem Applaus und freudiger Zustimmung. 

Armin Risi ergreift seine Tanpura und singt weitere Mantras vor, das Publikum summt leise mit. Als die letzten Töne verklingen, herrscht Ruhe im ganzen Saal und erst einige Momente später beginnen sich die Leute aufzurichten und ihre Taschen zu packen. Auch ich, mittlerweile recht müde, verabschiede mich von meinem Tisch, gehe am Verkaufsstand vorbei und verlasse das Kulturlokal. 

Mein schleichendes Gefühl
Die Kälte dringt durch meine Kleidung, also entscheide ich mich noch für einen Spaziergang durch Seon, um auf meinen Zug zu warten. Ich lasse meine Gedanken nochmals zum heutigen Abend gleiten: Es war ein interessanter Abend mit einer schwierig zu beschreibenden Stimmung. Oft hatte ich das Gefühl, dass die Mehrheit des Publikums eine Verbindung hatte, zu der ich keinen Zugang fand. Risi hat viele Andeutungen und Witze gemacht und anhand der Reaktionen, schien es mir, als wüssten meist alle genau, was er damit meinte. Als sei ihnen eine Wahrheit offenbart, die nur sie kennen und verstehen. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und gleicher Meinung Sein schien ein essenzieller Teil des Abends ausgemacht zu haben. Unterstützt wurde diese Zusammengehörigkeit durch das Mantra Singen und die darauffolgende achtsame Ruhepause, die für mich wie ein Gemeinschaftsritual wirkten. Doch trotzt dieser Idee vom Zusammengehören braucht es die «Anderen», die «Dunkelheit», die «durch die Massenmedien Verführten», die «Klimakleber», um sich von ihnen abzuheben. 

Lou Büchler, 7. November 2025

Lexikoneintrag Armin Risi