Syrisch-orthodoxe Kirche
Syrisch-orthodoxes Patriarchat von Antiochien
anderer Name: Assyrer
Fremdbezeichnungen: Aramäer, Jakobiten
Die Mitglieder der Syrisch-orthodoxen Kirche bezeichnen sich selbst auch als «Assyrer», was auf ihre Herkunft aus Syrien hinweisen soll. Mit dem antiken Volk der Assyrer, dessen ostsemitischer Religion und dessen assyrischer Sprache haben sie nichts zu tun. Der Begriff «Assyrer» bezeichnet allerdings auch syrischsprachige Menschen, die nicht zur Syrisch-orthodoxen Kirche gehören (ca. 1’000 in der Schweiz), weshalb er nicht unproblematisch ist.
Weil sie selbst die Syrische Sprache verwendet, die einen ostaramäischen Dialekt darstellt, wurde die Syrisch-orthodoxe Kirche in der Vergangenheit oft als «Aramäer» bezeichnet. Diesen Begriff lehnt die Kirche selbst aber ab.
Nach Jakob Baradai, dem Organisator der unabhängigen Syrisch-orthodoxen Kirche, werden die Kirchenmitglieder auch als Jakobiten bezeichnet, insbesondere von ihrem arabischsprachigen Umfeld (يعاقبة Yaʿāqiba oder يعقوبيون Yaʿqūbiyyūn). Der Ausdruck Jakobiten wird von der Kirche selbst ebenfalls abgelehnt.
Die syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien gilt als älteste christliche Kirche überhaupt. 14 Jahre soll der Apostel Petrus in Antiochien gelebt haben und dort im Jahr 42 den Apostolischen Stuhl gegründet haben. Noch heute spricht die syrisch-orthodoxe Kirche als Glaubensgemeinschaft der christlichen Assyrer die Sprache Jesu in der Form des ostaramäischen Dialekts der Stadt Edessa, der heute als Syrische Sprache bezeichnet wird. Stammland der Kirche war der Südosten der Türkei.
1915 wurden im Zusammenhang mit dem Genozid an den Armeniern in der Türkei auch etwa 500’000 Assyrer umgebracht. Heute leben im Südosten der Türkei noch etwa 3000 Assyrer.
Im Jahr 1953 wurde der Sitz des Patriarchats von Antiochien nach Damaskus verlegt.
Die Diskriminierung der christlichen Minderheit in der Türkei setzt sich bis heute fort. Seit den Neunzigerjahren geraten die Assyrer auch zwischen die Fronten der aufständischen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der türkischen Armee. Wer auswandert, kehrt kaum mehr zurück. Einige Familien sind wieder in die Heimat zurückgekehrt und haben neue Häuser oder Quartiere aufgebaut. Viele kamen in den 60er und 70er Jahren als Gastarbeiter nach Westeuropa. Andere stellten und stellen im Westen einen Asylantrag. In Europa wurden eigene Diözesen gegründet.
Im Jahr 1996 übernahm die Syrisch-orthodoxe Kirche das 1682 erbaute Kapuzinerkloster St. Zeno in Arth und führt es seither als Kloster St. Avgin (Mor Avgin, St. Eugen). Es ist heute der Hauptsitz der Erzdiözese Schweiz und Österreich. Das Kloster im Herzen der Schweiz soll dazu beitragen, Religion und Sprache der Assyrer in Mitteleuropa zu pflegen und christliche Werte weiterzuvermitteln.
Integrierter Teil der syrisch-orthodoxen Kirche ist die syrisch-orthodoxe Kirche in Indien, die sog. Thomaskirche, beheimatet vor allem in Kerala. Sie ist die älteste christliche Kirche Indiens, die sich auf eine Gruppe von Christen zurückführt, die 345 n.Chr. von Edessa nach Indien kam. Sie hat in letzter Zeit auch Diözesen in der Golfregion und in Nordamerika gegründet.
Die Syrisch-orthodoxe Kirche lehrt monophysitisch, d.h. sie lehnt die Zwei-Naturen-Lehre, nach welcher Jesus Christus sowohl über eine göttliche Natur als auch über eine menschliche Natur verfüge, ab. Stattdessen lehrt sie, dass Jesus Christus nur eine sowohl göttliche als auch menschliche Natur hat.
Die Syrisch-orthodoxe Kirche von Antiochien wird geführt vom Patriarchen von Antiochien mit Sitz in Damaskus. Derzeitiger Amtsinhaber ist seit 2014 der Patriarch Mor Ignatius Aphrem II, der als 123. Nachfolger des heiligen Petrus gilt.
Für die Schweiz zuständig ist das Patriarchalvikariat Schweiz und Österreich, dem seit 2006 Patriarchalvikar Mor Dionysios İsa Gürbüz vorsteht.
Weltweit gibt es ca. 14 Millionen syrisch-orthodoxe Christinnen und Christen, davon 1,5 Millionen in Indien.
In der Schweiz zählen sich ca. 10’000 Menschen zur Syrisch-orthodoxen Kirche.
In der Schweiz existieren sechs Gemeinden, die zum Syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochien gehoren:
Syrisch-Orthodoxe Kirchgemeinde Hl. Ephrem
Syrisch-Orthodoxe Kirche St.Gabriel Schweiz
Postfach 217
9542 Münchwilen
https://www.syrisch-orthodox.ch/
Syrisch-Orthodoxe Gemeinde
Köllikerstr. 32
5036 Oberentfelden
Kloster St. Avgin
Klosterstrasse 10
6415 Arth
https://www.kloster-st-avgin.ch/