Spirituelle Trends 2026
Zurzeit wird diskutiert, ob die Generation heutiger junger Erwachsener (Gen Z) sich wieder verstärkt Kirchen und Religionen zuwendet. Bisher existieren hierzu aus der Schweiz nur Einzelbeobachtungen, noch keine belastbaren Studien, aber diese weisen darauf hin, dass kirchliche Angebote bei jungen Menschen wieder auf grössere Akzeptanz stossen als in den letzten Jahrzehnten. Gerade im Bereich der reformierten Kirchen existieren zahlreiche lokale und regionale Gefässe für Nachkonfarbeit, die sehr gut laufen, und es kommen neue dazu.
Gerade Gemeinschaften, die junge Menschen ansprechen, berichten davon, dass bis zu 50% der neu Hinzugekommenen die Gemeinschaft über Social Media kennengelernt haben. Die Erfarhung vergangener Jahrzehnte, dass Wachstum von Gemeinschaften nur über persönliche Kontakte möglich ist, scheint nicht mehr zuzutreffen.
Genauso wie ihre säkularen Kolleginnen und Kollegen erfreuen sich die religiösen Influencers z.T. sehr hoher Reichweite, die sich durch immense Nutzendenzahlen ausdrückt. Inhaltlich verteilen sich die religiösen Influencers auf ganz verschiedene religiöse und weltanschauliche Bewegungen, zu nennen etwa christlich-evangelikale resp. neocharismatische Influencers (sog. «Christfluencers»), mormonische Influencerinnen («Mormon Tradwives»), konservativ-muslimische und salafistische Influencers, esoterische Angebote, z.B. aus dem Bereich des Positiven Denkens (Manifestationen, Affirmationen, Visualisierungen), neue Hexen («Witchtok»), sog. Nordische Religion, aber auch satanistische Influencers
Die wachsende Bedeutung von Social Media macht die Werbung radikaler Gemeinschaften auf der Strasse nicht obsolet, ganz im Gegenteil. Zurzeit werben etwa die koreanische Neuoffenbarungsbewegung Shincheonji und die umstrittene Freikirche Living Waters International (ehemals Mustard Seed Chapel International) intensiv junge Menschen im öffentlichen Raum an, wobei gerade von Seiten von Shincheonji stets neue Taktiken zur Anwendung kommen.
Die in der Schweiz während der Pandemie entstandene und stark angewachsene Post-Corona-Bewegung ist zurzeit eher im Rückgang begriffen. Viele gegen die Corona-Massnahmen Engagierte haben sich wieder mit der Gesellschaft versöhnt. Andere versuchen weiterhin, eine alternative Gesellschaft aufzubauen, indem sie sich mit gesellschaftskritischen weltanschaulichen Bewegungen etwa aus dem konservativ-christlichen Bereich vernetzen. Die Impulse etwa zur Gründung eigener Schulen haben aber an Schwung verloren.
Nach wie vor aktiv ist die Esoterik-Szene, die aber dann, wenn sie über Selbstoptimierungsideen wie Positives Denken hinausgeht, bei jungen Menschen nur auf geringe Resonanz stösst. An esoterischen Veranstaltungen sind deshalb Menschen jenseits der Lebensmitte typischerweise deutlich übervertreten, so zieht auch die mittlerweile 24jährige Christina von Dreien nicht etwa ihre Altersgenossinnen und -genossen aus der Gen Z an, sondern fast ausschliesslich ältere Personen. Auch bei der Esoterik zeigt sich eine Verlagerung der Angebote ins Internet, so hat das renommierte Berner Esoterik-Institut «Die Quelle» auf Ende 2025 hin seine physischen Tore geschlossen und existiert nur noch als Online-Plattform.
Grosser Beliebtheit erfreuen sich seit einigen Jahren Angebote aus dem Bereich Schamanismus / Neoschamanismus. Mit ihrer programmatischen Bezogenheit auf die Natur, ihrer betonten Erfahrungsorientierung und ihrem weitgehenden Verzicht auf weltanschauliche Festlegung sind sie anschlussfähig für Menschen ganz unterschiedlicher Prägungen. Schamanische Praktiken finden Eingang in zahlreiche spirituelle Kontexte, wobei auch problematischere Trends wie der Konsum von Naturdrogen zu beobachten sind.