ASATRU – Gemeinschaften

Die Asen und die Vanen sind zwei germanische Göttergenerationen. Zu den Asen gehören Götter wie Odin, Baldur, Thor, Tyr und Ostara, zu den Vanen Zwillingsgottheiten wie Freyja und Freyr. Der mythische Krieg zwischen Asen und Vanen kennt keine Sieger und keine Besiegten und wird mit einem Friedensschluss besiegelt. «Asatru» verbindet «Asa» mit «Tru», «Treue». Diese Treue gilt in der Regel den Asen und Vanen, d.h. den altnordischen und altgermanischen Gottheiten schlechthin. Wenn einem Neo-Germanen dieser grosszügig-pauschale Umgang mit alten Namen nicht behagt, setzt er Vanatru als spezielle Verehrung der erdnah gedachten Vanen als notwendige Ergänzung neben Asatru, die Verehrung der Asen.

Die Asatru-Gemeinschaften wollen die alte, vorchristliche Germanenreligion wieder aufleben lassen. Wegleitend sind die Überlieferungen der germanischen Volksstämme und der späteren Wikinger (oder das, was als altgermanische oder nordische Überlieferung gilt), vor allem die Edda (die eindrücklichste Sammlung heidnisch-germanischer Texte aus der Übergangszeit ins Christentum, die in altisländischer Sprache überliefert ist), Islandsagas, archäologische Funde und Runeninschriften (Runen = altes germanisches Alphabet).

Asatru bildet sog. «kinreds», das sind kleinere Gruppen oder Sippschaften. Man trifft sich zu gemeinsamen Unternehmungen und Ritualen, um die Götter zu ehren. Blot ist ein traditionelles Opferritual, heute praktiziert mit Speis- und Trankopfer und anschliessendem Festmahl. Sumbel ist eine Form der rituellen, religiösen Trinksprüche, die einer Göttin oder einem Gott zugesprochen werden. Zur naturreligiösen Philosophie, in der diese Rituale gründen, meint Asatru:

«Ásatrú enthält … naturreligiöse Elemente. So sind natürliche Vorgänge weder positiv noch negativ. Die allgemein verbreitete Einteilung in Gut und Böse hat im Ásatrú keine Bedeutung. Leben entsteht und vergeht. Alles bewegt sich in einem ewigen Kreislauf, der in den natürlichen Vorgängen um uns herum wiederzufinden ist (Jahreskreis und Lebenskreis). Göttlichkeit wird als in der Natur enthalten aufgefasst. Die Gottheiten einer Naturreligion sind keine allmächtigen, weit entfernten Herrschergötter, sondern mit den Kreisläufen der Welt verbunden und stellen in der Natur wiedererkennbare Konzepte dar. Dem Menschen bekannte Konzepte wie Fruchtbarkeit, Aggression, Liebe und Gerechtigkeit werden durch eigene Gottheiten verkörpert, die ebenso wie die Natur in einem eigenen Gleichgewicht stehen. Der Mensch ist Teil des Gleichgewichts, steht nicht ausserhalb, nicht darüber. Die wiederkehrenden Zyklen der Natur wer- den bewusst als solche erkannt und in den Jahresfesten verehrt, denn in ihnen ist die Harmonie unserer Welt erkennbar.»

Es gibt Asatru-Gruppen in Deutschland, Skandinavien, Island und in den USA. In den USA sind die zahlreichen kinreds in der Asatru Alliance eingebunden, die regional und national die Asatru-Anliegen fördert. Den sozialen Bindungen kommt in den Asatru-Gemeinschaften hohe Bedeutung zu, denn sie sind die wesentlichen Träger der moralischen Ordnung im Sinne der Sippenlehre. Asatru versucht sich – m.E. mit zweifelhaftem Erfolg – von rechtsradikalen Standpunkten und Kreisen zu distanzieren.Geschichte und Glaube