Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu

Die Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu ist eine eingeständige kirchliche Bewegung, die ökumenisch orientiert ist und sich der Reformierten Kirche zugehörig fühlt. Die Gemeinschaft nennt sich nach ihrem ursprünglichen Sitz, dem «Jabärghuus» in Biel, abgekürzt «Jahu».

Im Jahre 1974 fanden zwölf Jugendliche in einem von Pfarrer Markus Jakob geleiteten Konfirmandenlager der reformierten Kirche Biel-Mett einen persönlichen Zugang zum Glauben an Gott. Eine Jugendgruppe begann sich zu formieren, die Teilnehmenden mieteten mit ihren Lehrlingslöhnen das Haus des Lehrers Jaberg, wobei sie das Haus «Jabärhuus» und sich selbst «jahu» nannen. Erst nach längerer Zeit wurde die Gemeinschaft 1994 als «Landeskirchliche Gemeinschaft jahu» gegründet.

Die Gemeinschaft setzt ihren Schwerpunkt auf die Arbeits- und Geschäftswelt, sowie die Erziehung und Bildung. Dies führte im Jahre 1996 auch zur Gründung des «Instituts für biblische Reformen» und 1997 zum Start der «Schulkooperative Biel».

Ab den 2000er Jahren setzte sich Jahu verstärkt für die Zusammenarbeit und Einheit unter den christlichen Gemeinden ein. Es ist Jahu ein Anliegen, dass sich die etablierten Volkskirchen, die Freikirchen und Migrationskirchen in Biel annähern.

Die Gründung des praktisch-theologischen Seminars «The Master’s Comission» im Jahre 2003 soll eine nächste Generation von jungen Christinnen und Christen im In- und Ausland in Theologie und ihrer gemeinsamen Berufung ausbilden.

In der im Mai 2008 eröffneten Christuskirche an der Südeinfahrt Biels finden neben den Gottesdiensten von Jahu auch Veranstaltungen anderer Gemeinden und Organisationen statt.

Aufgrund mehrerer Theologie-Studierenden aus dem Umfeld von Jahu kam es 2014 auf Einladung der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg zur Gründung des Zentrums Glaube & Gesellschaft am Institut für Ökumenische Studien, deren erster Direktor Walter Dürr war.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu versteht sich als der reformierten Kirche zugehörig.

Zur Zeit ihrer Gründung vertrat die Gemeinschaft Jahu ein neocharismatisches Christentum mit besonderer Betonung der Gaben des Heiligen Geistes. Heute wird ein Bibelverständnis gepflegt, das evangelikalen Traditionen nahe steht. Jahu lebt aber verschiedene Frömmigkeitsformen und lässt sich auch theologisch aus unterschiedlichen Richtungen inspirieren, z.B. aus dem orthodoxen Christentum.

Die Gottesdienste der Landeskirchlichen Gemeinschaft Jahu sind sehr vielfältig. So bietet Jahu Familiengottesdienste, meditative Gottesdienste, Lobpreisgottesdienste und traditionelle Gottesdienste an. Die Vertiefung des Kirchenjahres hat dabei eine zentrale Rolle. Dadurch erhofft Jahu sich, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen.

Auch für Kinder und Teenager gibt es ein breites Angebot. Zum einen können die Kleinen am Sonntag während des Gottesdiensts spielerisch die Inhalte der christlichen Werte übermittelt bekommen und ab der 7. Klasse dürfen Teenager bei der Sonntagsschule mitarbeiten.

Weiter ist die Schulkooperative Biel zu nennen, eine vom Kanton bewilligte Privatschule mit christlicher Ausrichtung, die von der Landeskirchlichen Gemeinschaft Jahu gegründet wurde. Im Angebot findet sich ein Kinderhort/eine Spielgruppe, ein Kindergarten, eine Primar- und Sekundarstufe.

Für die Jugend steht eine Jugendgruppe auf dem Programm, die sich jeden Freitagabend in Biel und Thun zum Abendessen trifft, um die Gemeinschaft zu pflegen. Zudem kann das «The Master’s Comission»-Seminar absolviert werden (zehnmonatig, vollzeitlich, ökumenisch, international, zweisprachig), welches die «ganzheitliche Nachfolge» und das persönliche Wachstum anstrebt.

Am Montagabend finden jeweils die sog. Lebensgruppen in kleinerem Rahmen statt. In generationsübergreifenden Gruppen werden Glaubensfragen diskutert.

Die Generation ab 60 Jahren trifft sich monatlich zum Gedankenaustausch und für Ausflüge.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu setzt sich auch stark für Mission und Diakonie ein und unterstützt Missionarinnen und Missionare in Südostasein, in Zentralamerika und in Europa.

In Nachbarschaftstreffen werden die Beziehungen im Quartier gestärkt und Nachhilfekurse angeboten.

Die Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu ist Teil der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn.

Darüber hinaus ist Jahu in verschiedenen ökumenischen Initiativen aktiv beteiligt (wie z.B. Miteinander für Europa, ENC – European Network of Communities, Ökumenische Vesper von Schweizer Kommunitäten und Gemeinschaften).

Jahu wirkt bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz mit.

In den Medien kritisch diskutiert wurde die Landeskirchliche Gemeinschaft Jahu, nachdem sie im Jahr 2011 das umstrittene amerikanische Paar Gary und Anne Marie Ezzo zu einer dreitägigen Veranstaltung eingeladen hatte. Die Ezzos sind berüchtigt für ihre Forderung nach körperlicher Züchtigung der Kinder. Bei Jahu äusserten sich die Ezzos damals zwar nicht zu diesen Inhalten, sondern zu anderen Themen, aber die Einladung derart umstrittener Protagonisten problematischer Praktiken schien Aussenstehenden fragwürdig. Damals wie heute distanziert sich Jahu von Körperstrafen in jeglicher Form.

Weiter kam es im Zusammenhang mit dem Bieler SVP-Politiker und Jahu-Sympathisanten Beat Feurer nach seinem Outing als Homosexueller zu Schlagzeilen. Im Zusammenhang mit der Abstimmung über die staatliche Einführung einer «Ehe für alle» und der Empfehlung der Mitgliedkirchen der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare im Jahr 2019 wurde eine schriftliche Erklärung über das Gespräch der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und der evangelischen Gemeinschaften verfasst. In diesem Prozess war das Jahu massgeblich beteiligt.  Die Leitung von Jahu steht der kirchlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Paare heute immer noch reserviert gegenüber.

Landeskirchliche Gemeinschaft jahu
Portstrasse 28
2503 Biel
https://www.jahu.info/

Landeskirchliche Gemeinschaft jahu
Burgfeldweg 13
3612 Steffisburg

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