Internationale Akademie HAGIA

Die Akademie HAGIA wurde 1986 von Heide Göttner-Abendroth gegründet. Da Göttner-Abendroth die Universität zu patriarchal erschien, sollte die private Bildungsstätte als unabhängiges Forschungsinstitut fungieren, das sich hauptsächlich um die Matriarchatsforschung kümmert. Die Internationale Akademie HAGIA betreibt interdisziplinäre Matriarchatsforschung und schaut dabei vergangene, wie auch gegenwärtige matriarchale Gesellschaften an.

Seit 2004 gibt es zweijährige Studiengänge, welche das ganze Spektrum der modernen Matriarchatsforschung umfassen. Dabei erwerben Studenten und Studentinnen die Qualifikation «ReferentIn für Moderne Matriarchatsforschung».

Seit der Entstehung der Akademie leitete Heide Göttner-Abendroth zwei Weltkongresse für Matriarchatsforschung und Matriarchatspolitik. Der erste Weltkongress fand 2003 in Luxemburg statt mit dem Titel «Gesellschaft in Balance», und der zweite «Societies of Peace» 2005 in San Marcos in den USA. Dabei wurde die moderne Matriarchatsforschung einem internationalen Publikum vorgestellt. 2009 wurde eine internationale Konferenz «A (M)otherworld is Possible: Two Feminist Visions. Matriarchal Studies and The Gift of Economy» in Toronto gehalten, bei der Heide Göttner-Abendroth Rednerin war. 2011 hielt sie einen internationalen Kongress für Matriarchatspolitik in St. Gallen mit dem Titel «Die Zeit ist reif» und 2021 fand eine zwei-tägige Konferenz in Berlin

Direktorinnen der internationalen Akademie Hagia:

Heide Göttner-Abendroth leitet die Akademie Hagia seit sie sie im Jahr 1986 gegründet hatte.

Seit 1997 leitet Cécile Keller die Akademie HAGIA mit Heide Göttner-Abendroth. Cécile Keller wurde 1948 in der Schweiz geboren. Ihr Schwerpunkt ist die matriarchale Medizin, dazu gehört auch die Leibseelen-Therapie und Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). In der Akademie HAGIA leitet sie die matriarchalen Mysterienfeste und die spirituellen Heilkreise.

Bei der Internationalen Akademie HAGIA werden grosse Studiengänge, Kongresse, Konferenzen, Tagungen, Workshops, Wochenendseminare, Studien- und Wanderreisen angeboten, aber auch matriarchale Mysterienfeste, spirituelle Heilkreise und Heiltänze ausgeübt.

Grosse Studiengänge: Für die grossen Studiengänge werden jährlich an sechs Wochenenden Seminare gebucht. Seit 2020 werden die Studiengänge online durchgeführt. Der Studiengang bietet eine Ausbildung in moderner Matriarchatsforschung und das Zertifikat weist den Absolventen/die Absolventin als «ReferntIn für Matriarchatsforschung» aus.
Bereiche:

  • Matriarchale Gesellschaften weltweit in Gegenwart und Geschichte
  • Matriarchale Mythologie und Symbolik
  • Matriarchale Ästhetik und Kunst
  • Matriarchale Medizin
  • Entstehung des Patriarchats
  • Matriarchale Politik heute und Zukunftsvisionen
  • Argumentationslehre und praktische Übungen
  • Exkursionen: matriarchale Spuren in der heimischen Landschaft

Studien- und Wanderreisen: Die Studien- und Wanderreisen dienen dazu, Spuren matriarchaler Kultur vor Ort aufzufinden und in das Gesamtbild matriarchaler Gesellschaften weltweit einzuordnen. Die Reisen finden weltweit in anderen Kontinenten, europäisch-international oder lokal in der Nähe statt.

Allgemeine Information zu den Mysterienfesten:

Die Mysterienfeste folgen einer europäischen Tradition. Der Begriff «Mysterien» stammt aus dem antiken Griechenland. Mysterien, wie von der Akademie definiert, sind nicht mysteriöse Angelegenheiten, sondern elementare Phasen und Übergänge des Lebens. Dazu gehören: geboren werden, wachsen, zur vollen Entfaltung kommen, Schritte in die Reife, Schritte in die Anderswelt, in die Anderswelt gehen und glücklich wiedergeboren werden. Die Akademie HAGIA behauptet, dass solche Mysterien in matriarchalen Kulturen gefeiert wurden und dort im Zentrum standen.

Im Laufe des Jahres wird der neopagane Jahreskreis gefeiert, der aber symbolisch auch für den Lebenskreis steht. Die Frühlingsfeste sind die Feste des Beginns, der Jugend. Im Sommer folgen die Feste der Entfaltung und auch der erotischen Kraft. Im Herbst werden die Feste der Reife oder das Fest des Abstiegs in die Tiefe gefeiert. Mit der Wintersonnenwende wird auch das Fest der Wiederkehr oder der Wiedergeburt begangen. In matriarchalen Kulturen habe man, so die Akademie, immer die drei Lebensstadien gefeiert: die Jugend, die voll erblühte Frau und die reife Frau bis hin zur weisen Alten. Diese Dreiheit finde man auch in den grossen Göttinnen wieder. Es handle sich immer ungefähr um drei Jahrzehnte. Die ersten drei Jahrzehnte der Jugend gehören zur weissen Phase, die nächsten drei Jahrzehnte der erblühten Frau gehören zur roten Phase und die letzte Phase ist die schwarze Phase.

Die Lebensstadienfeste werden parallel zu den acht Festen im neopaganen Jahreskreis gefeiert. Die Lebensstadienfeste werden in die dazugehörige Jahreszeit gelegt, z.B das Initiationsfest für Mädchen (zwischen 12 und 14 Jahren) wird im Frühling begangen.

Ablauf eines Festes:

  1. Einstimmung, Gang zur Erde, zum magischen Ort der Erde, wo diese die Jahreszeit am intensivsten ausdrückt. Dieser Ort wird vorher von den Priesterinnen gesucht. Einstimmen auf das, was die Erde in diesem Moment verkörpert, was ihre Energie ist.
  2. Tänze, Meditationen im Zentrum
  3. Ausklang, Dank an die Erde. Dank an das, was die Erde den Menschen in dieser besonderen Jahreszeit gibt. Dies wird dann umrahmt vom Zirkel.

Matriarchale Feste und Mysterienfeste in der Internationalen Akademie HAGIA:

Die Feste dauern jeweils ein ganzes Wochenende.

Kleiner Zyklus:

  • Frühlingsfest
  • Sommerfest
  • Herbstfest
  • Winterfest

Grosser Zyklus:

  • Lichtfest
  • Frühlingsfest
  • Maifest
  • Sommerfest
  • Schnitterinfest
  • Herbstfest
  • AhnInnenfest
  • Wiedergeburtsfest

Die Interessierten können sich nur für den gesamten Zyklus anmelden, da die Feste inhaltlich aufeinander aufbauen. Mit der Anmeldung verpflichten die Teilnehmenden sich, an allen Festen dabei zu sein. Ein Wochenende kostet 210 Euro.

Bei den Studiengängen werden die Wochenendseminare auch einzeln bezahlt. Eine Wochenend-Lerneinheit kostet 190 Euro.

Kritik der ehemaligen Matriarchats-Anhängerin und Partnerin von Heide Göttner-Abendroth: Martina Schäfer

Wer ist Martina Schäfer? Auch in Bezug auf Heide Göttner-Abendroth

In ihrem Buch Die Wolfsfrau im Schafspelz (2001 erschienen in Kreuzlingen/München) erklärt Martina Schäfer, weshalb moderne Matriarchatsforschung aus ihrer Sicht eher problematisch sei. Gleich zu Beginn erwähnt sie den Aspekt der «Wolfsfrau» von Clarissa Pinkola Estés, welche sich der Theorien der Matriarchatsforscherinnen bedient. Obwohl die Frauenbewegung bereits viel bewirkt hat, gibt es dennoch ein Gefühl des Unbehagens, wenn man an die Situation der Frauen, aber auch der Männer denkt. Hier scheint die «Wolfsfrau» eine Lösung zu sein. In Schäfers Worten: «Da erscheint das Wolfsrudel als egalitäre, höchst frauenfreundliche Erziehungsgemeinschaft. Die Leitwölfin sucht sich ihren Oberliebhaber und Kindserzeuger aus einer Gruppe anderer Liebespartner aus – und alle anderen erhörten Rüdern helfen bei der Aufzucht der Jungen mit. […] Das wilde Wolfsrudel als Utopie, in der es vor allen Dingen den Frauen, den Wölfinnen, besser geht. Estés schreibt, diese Utopie sei eben auch für die Menschenfrau möglich, wenn sie nur einen Ur-Instinkt wecke, der tief verborgen in ihr schlummere. Dieser Ur-Instinkt, diese weise Alte, sei eben die Wolfsfrau.» Dies wäre die Lösung auf dem Silbertablett. Doch den Ur-Instinkt zu wecken und der weisen Alten die Führung zu überlassen, fühlt sich für Martina Schäfer zwielichtig an. Für sie ist klar: Nicht «Magie», sondern Arbeit, nicht ein «wilder Blick», sondern Wissen, klares Durchschauen der Machenschaften anderer, Solidarität und gemeinsames Vorgehen verändert die Welt. «Die Wolfsfrau» oder andere Bezeichnungen für ähnliche Konzepte verstehen sich selbst oft nicht als autoritär, stammen aber oft aus einer autoritären Tradition, die allgemeine Grundrechte wie Selbstbestimmung, gleiche Rechte für alle und transparente Strukturen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen in Frage stellt oder sogar ablehnt. Dies ist auch Martina Schäfers Hauptkritik an der moderne Matriarchatsforschung.

Zusätzlich scheint es, so Martina Schäfer, dass die meisten Theoretikerinnen der Matriarchatsforschung entweder sich nicht bewusst sind oder schlichtweg ignorieren, dass vieles an der Matriarchatstheorie aus dem Nationalsozialismus heraus entstanden ist. Um nämlich auch gezielt die Frauen für die nationalsozialistischen Ideologien zu gewinnen, wurden die mutterrechtlichen Theorien für die «germanische Frau» ausgebaut. Hier muss man jedoch auch erwähnen, dass es Stimmen gibt, vor allem von den Prähistorikerinnen Brigitte Röder, Juliane Hummel und Brigitta Kunz, die sagen, dass die nationalsozialistischen Urgeschichtsforscher das Matriarchat eigentlich «nie ernsthaft diskutiert» hätten.

Martina Schäfer aber meint, dass das Thema «Matriarchat» oder «Mutterrecht», wenn diskutiert, für völkische und nationalistische Autoren offenbar von Anfang an eng mit der Frage nach der Herkunft der sogenannten Indogermanen verknüpft war. Obwohl diese Herkunft nicht eindeutig bestimmbar ist und es viele Theorien dazu gibt, war es für die dem Nationalsozialismus nahestehenden Prähistoriker wichtig herauszufinden, wie man den Indogermanen eine bedeutende Stellung der Frauen, etwa durch eine mögliche Existenz eines Matriarchats, zuschreiben konnte. Welcher Art musste das Bild vom Matriarchat sein, um es für die nationalen Zwecke gebrauchen zu können? Oder war es doch besser, die Vorstellung eines Matriarchats «den anderen» zuzuordnen und es generell abzuwerten, statt es zu integrieren? Bei positiv besetzten Matriarchatsmodellen im Nationalsozialsimus wird das Hakenkreuz symbolisch auch zum «mythischen» Zeichen für den «Mond» und allen damit verbundenen matriarchalen Bedeutungen wie «Weib», «Schlange», «Erde», «Fruchtbarkeit».

Martina Schäfer möchte damit einen Aspekt der Matriarchatsforschung aufzeigen, der gerne vergessen, ignoriert und damit verleugnet wird: dass die Geschichte der Matriarchatsforschung auch nationalsozialistische Wurzeln hat. In diesem Sinne erklärt sie, dass es auch Gemeinsamkeiten gibt zwischen der Matriarchatsforschung der Nationalsozialisten und der späteren Matriarchatsforschung, die diesen Aspekt der Geschichte ihres Faches verleugnet: Das «Wesen» des «Germanen» oder der «germanischen Frau» – oder im weiteren Sinne dann eben auch der «Frau» – ist in den Matriarchatsmodellen immer eng verbunden mit dem Ur-Wesen oder den Ur-Instinkten verbunden. Doch hinter diesem Instinktbegriff steckt eine Naturvorstellung, die besagt, dass alles menschliche Verhalten angeboren, vererbt und nicht veränderbar sei. Aus dieser Sicht wären auch Intelligenzunterschiede angeboren, Denkfähigkeit an Gene gebunden und somit durch Hautfarbe und ethnische Herkunft bestimmt. Hier sehen wir eine Problematik, die zur Rassenlehre, Rassismus und Sexismus geführt hat und immer noch führen kann.

Martina Schäfer kritisiert ausserdem an den Matriarchatsforscherinnen, dass Probleme meist durch Schuldzuweisungen an eine ganze Gruppe und durch Verallgemeinerungen dieser Gruppe definiert werden. Meistens sind es die Männer, welche als Sündenbock für Unterdrückung, Gewalt und Ausbeutung geradestehen müssen.

Martina Schäfers Kritik an Heide Göttner-Abendroth als Wissenschaftlerin:

Heide Göttner-Abendroth betone in ihren Büchern und in ihren Vorträgen, dass matriarchale Gesellschaften angeblich eine besondere Lebens- und Naturfreundlichkeit innehaben. In diesem Zusammenhang meint Martina Schäfer, einen Zusammenhang zwischen der Matriarchatsforschung von Heide Göttner-Abendroth und dem Nationalsozialismus zu erkennen. Schäfer sagt: «Der Begriff «Naturnähe» im Zusammenhang mit der Postulierung vorgeschichtlicher matriarchaler Gesellschaften schliesst gewissermassen einen Kreis zwischen nationalsozialistisch beeinflussten Quellen von matriarchaler Theorien, biologistischem Denken der Gegenwart, neurechtem Denken und den reaktionären Anteilen in der Frauenbewegung. Diese Kritik deckt sich mit den oben genannten Ausführungen.

Des Weiteren schliesst Schäfer sich Sonja Distlers Kritik an, welche Göttner-Abendroths Thesen in Mütter, Amazonen und dreifaltige Göttinnen (1989) besprach. Zentral thematisierte sie den Mutter-Sohn-Inzest sowie die Opferung eines Heros im mythisch-matriarchalen Zusammenhang. Obwohl sie die Archetypen-Lehre von C.G. Jung ablehnt, erklärt Göttner-Abendroth innerpsychische, überzeitliche Strukturen und mythische Bilder und Riten zu historischen Tatsachen. Dabei verstehe sie alles wörtlich und nicht etwa im übertragenen Sinn, was bedeute, dass alle Rituale nicht nur symbolisch, sondern tatsächlich vollzogen wurden. Hierzu verweisen Sonja Distler und Martina Schäfer auf folgende Passage aus Heide Göttner-Abendroths Die Göttin und ihr Heros (1984), in der von einem Ritual mit einem Opfertod die Rede ist: «Der sakrale König oder Heros ist dagegen der Vertreter der Menschen, mit denen sich die Göttin in Gestalt der Priesterin verbindet, um ihrem Volk neues Leben zu schenken. […] Der Tod des Königs ist seine Opferung, um die kosmischen Regionen durch sein Blut für das nächste Jahr fruchtbar zu erhalten […].» (S. 20) Es stellt sich die Frage, ob Göttner-Abendroth auch bei diesem Ritual überzeugt ist, dass es tatsächlich vollzogen wurde. Die Kritikerinnen möchten in Bezug auf dieser Passage auch darauf hinweisen, dass das Matriarchat als gewaltfrei dargestellt wird, aber genau diese Stelle zeigt, dass Macht und Gewalt durchaus eine Rolle in den propagierten matriarchalen Gesellschaften spielen. Martina Schäfer meint weiter, dass Göttner-Abendroth und ihre Textstrukturen autoritär seien, und sie fragt sich, wie Göttner-Abendroths Theorien rituell in die Gegenwart umgesetzt werden könnten. Dabei leitet sie ab, dass deren Verwirklichung nur in einem mehr oder weniger sektenartigen Zusammenhang möglich sei und deutet dabei auf die Akademie HAGIA.

Aufgrund der Art wie Heide Göttner-Abendroth mit den Theorien von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen für ihre Matriarchatsforschung umgeht – gleich ob Befürworter oder Gegner der Matriarchatsthese, gleich ob aus dem 19. oder 20. Jahrhundert – meint Schäfer, dass Göttner-Abendroth alle «nur Teil einer ahistorisch gesehenen Wissenschaftsmasse» betrachtet. Diese Wissenschaftsmasse, so Schäfer, entwickle sich nicht weiter, unterliege keinen politisch-historischen Vorgaben und zeige, abgesehen vom Kriterium patriarchaler Wertungen bezüglich der Frauen, keinerlei andere Ideologismen, wie beispielsweise Rassismus oder Eurozentrismus. Göttner-Abendroth nehme aus jeder Theorie und Forschung das heraus was ihr nütze ohne zu beachten, dass all diese Autoren sich auch wieder aufeinander bezogen, sich voneinander inspirieren liessen und voneinander abschrieben. Für Heide Göttner-Abendroth ist die Existenz von Matriarchaten nicht hinterfragbar. Ihre Forschung dreht sich nicht um deren Existenz, sondern um deren Gestalt.

Schäfer jedoch kritisiert weiter, dass auch Göttner-Abendroths Umgang mit Quellen zu wünschen übriglasse. Erstens vermische sie verschiedene Zeitepochen miteinander, zweitens referenziere sie frühere Wissenschaftler, ohne diese zu hinterfragen oder neuere wissenschaftliche Erkenntnisse einzubeziehen und drittens setze sie sich auch nicht kritisch mit ihren Quellen auseinander. Sie gehe nicht auf die Standpunkte ein, sie überprüfe nicht deren Methoden und sie widerlege auch keine Inhalte – ausser über patriarchale Haltungen.

Auch Göttner-Abendroths eigene Methoden der Mythenforschung seien zu hinterfragen. Für Heide Göttner-Abendroth sind die Inhalte der Mythologien geschichtliche Realität. Diese werden als «Informationsquelle über den Aufbau und die Denkweise von archaischen Gesellschaften» untersucht. Man könne aus der Mythologie die «analogen Vorstellungswelten um den Erdball» und die jeweiligen ökonomischen oder anderen sozialen Strukturen herauslesen. Dabei ergeben sich zwei Matriarchatskulturen: Einerseits die der eher «einfachen, wildbeuterischen» Stammeskulturen und andererseits die der «entwickelten» Stadtstaaten mit Heroskönig und Priesterin (S.161).

Weiter kritisiert Schäfer, dass sich auch gewaltverherrlichende, autoritäre und eurozentrische Haltungen in den Texten von Göttner-Abendroth finden liessen. Gewaltverherrlichende Darstellungen seien z.B. sichtbar bei den «freiwilligen» Opfertoden der Heroen, die eigentlich Menschenopfer seien. Die autoritären Haltungen würden nicht nur in ihren Texten, sondern auch in deren Umsetzung in die Praxis spürbar sein. Führungspersonen in ihren Texten würden als einmalig und abgesetzt dargestellt. Abgesetztheit und Einmaligkeit seien laut Schärer ein wichtiges Kennzeichen von Leitenden hierarchischer Gruppen. Hier fängt auch Schäfers Kritik an Heide Göttner-Abendroth als Leiterin ihrer Gemeinschaft an. Göttner-Abendroth unterbinde bei «eigenwilligeren» Frauen kritisches Hinterfragen und wecke bei «weniger selbstsicheren» Frauen von vornherein ein Unterlegenheitsgefühl.

Martina Schäfer stellt die Frage, ob die Akademie HAGIA eine hierarchische Struktur aufweise:

Martina Schäfer hatte 1986 selbst als Anhängerin der Matriarchatsthese bei der Gründung der Akademie HAGIA teilgenommen. Sie erzählt, dass Heide Göttner-Abendroth dabei selbst die Rolle des Heros annahm. Dies mag daran liegen, so Schäfer, dass Männer in Frauenprojekten und deren Ritualen nicht zugelassen sind. Jedenfalls war das Gründerfest um Heide Göttner-Abendroth als den Heros, den Kreis der Mitbegründerinnen als Planeten und der dritten Gruppe, den Darstellerinnen als Co-Planeten, zentriert. Das Fest fand im Winter bei unter -20 Grad statt. Schäfer fragt sich im Nachhinein, weshalb die dritte Gruppe der Co-Planeten, die eher passiv dastanden, sich nicht erhoben und das Ritual verliessen, wo sie doch sicher sehr frieren mussten. Ihre Antwort lautet: «weil sie bereits im System gefangen waren». Es gab keine Kritik oder keinen Rückzug, da das Ritual aus einer anderen Zeit stamme, das wegen der «Verinnerlichung des Patriarchats auch bei Frauen» von Laien gar nicht begreifbar sei. Dabei sieht Schäfer eine Verunmöglichung von Kritik und fragt sich, ob es sich dabei um ein hierarchisches Ritualsystem handle.

Die Organisation hat mehrere Gruppen, die auch als hierarchisch zueinander angeschaut werden könnten. Den innersten Kreis bilden die Frauen der Wohngemeinschaft, welche auch am intensivsten mitarbeiten und die Gestaltung des Ganzen am stärksten beeinflussen – auch Kadergemeinschaft genannt. Der nächste Kreis besteht aus Frauen, welche an allen Mysterienfesten oder Jahreszeitenritualen teilnehmen. Im dritten Kreis sind Frauen, welche eher sporadisch kommen und an einzelnen Ritualen teilnehmen. Der vierte Kreis besteht aus Lehrenden und Lernenden, die sich mit der Matriarchatsforschung auseinandersetzten. Dies ist der erste Kreis, in dem auch Männer zugelassen sind. Kreis fünf umfasst die finanziellen Fördererinnen und Förderer der Akademie, die aber nicht an den Aktivitäten teilnehmen.
An dieser Aufteilung in Kreise ist ersichtlich, dass Frauen und Männer nicht als gleichberechtigte Mitglieder angeschaut werden. Dieses Modell soll inspiriert von den matriarchalen Sippengemeinschaften gewesen sein, doch an die Stelle der Blutsverwandtschaft trat die Struktur der Akademie-Wohngemeinschaft.

Wenn Frauen ein Jahr lang an den Mysterienfesten teilgenommen haben, dürfen sie in einen sogenannten «Coven» aufgenommen werden. Dieser Coven besteht aus Frauen von allen Kreisen der Akademie HAGIA. Göttner-Abendroth meint, dass diese Covens keine Geheimbünde darstellen, doch Schäfers Erfahrung in einem Coven widerlegt dies.
Wollte eine Frau einem Coven beitreten, gab es ein Initiationsritual, das sich von zwölf Stunden bis zwei Tage hinziehen konnte. Das Aufnahmeritual mussten sie zum grössten Teil mit verbunden Augen absolvieren. Der Coven hatte einen geheime Namen, den nur die «Covenschwestern» kannten. Am Schluss des Rituals wurde die Initiandin zu Göttner-Abendroth in Gestalt der Göttin Brigitt geführt, welche sie dann eingeschworen hatte. Dabei wurden sie zur Treue gegenüber den «Covenschwestern» verpflichtet. Danach wurde sie gebadet, neu eingekleidet und mit einem Mass vermessen. Am Schluss suchte sich jede Frau einen Göttinnennamen für sich aus. Zudem wurde sie dazu verpflichtet mit niemandem über die Inhalte des Rituals zu sprechen, auch untereinander nicht. Diese Initiation stammt im Wesentlichen aus der Wicca-Bewegung. verlinken

In den folgenden Jahren wurde jedoch die Struktur der Akademie immer wieder neu überdacht. Bereits 1986 der erste Mysterienspielkreis von Heide Göttner-Abendroth aufgelöst worden sein. Gründe dafür waren die Kritik beteiligter Frauen am «Göttinnen-Heros-Muster» und der Tatsache, dass Heide Göttner-Abendroth ständig die Rolle des Heros einnahm. Um 1990 soll es eine erneute Umstrukturierung bezüglich der Gruppen gegeben haben. In Göttner-Abendroths Worten: « Unter keinen Umständen aber sollten die leitenden und die lernenden Frauen zusammenwohnen, weil sich dabei durch falsche Nähe die geistig tragenden Kräfte verdunkeln.» (Schäfer 2001, S.172) Schäfer sah in dieser Aussage jedoch Göttner-Abendroths Versuch, zu verhindern, dass sich die Frauen über die Strukturen und über Göttner-Abendroths Führung beschweren und sich zusammentun konnten. Ein weiterer Grund war laut Göttner-Abendroth, dass in der Akademiewohngemeinschaft jede Person ihre private Ökonomie hatte. In einer traditionellen Sippengemeinschaft würde das gesamte Eigentum der Mitglieder eigentlich der Sippenmutter in die Hände gegeben. Zudem sollen die Frauen egoistisch gewesen sein, und als weiterer Grund zählte, dass sie anscheinend Göttner-Abendroth als ältere, weisere Frau nicht respektiert hätten. Angeblich gab es einen «Generationenvertrag», der von den 11 bis 15 Jahre jüngeren Kadermitglieder gegenüber Göttner-Abendroth nicht beachtet worden sei. Die Kadergemeinschaft wurde schliesslich aufgelöst und eine «Priesterinnengemeinschaft» eingeführt.

In der «Priesterinnengemeinschaft» waren nun Frauen, die höheres Wissen und Fähigkeiten besassen. Diese wurden vom Stamm ökonomisch versorgt. Die «Priesterinnengemeinschaft» war offenbar von den restlichen Mitgliedern abgegrenzt: «Erstens beruht es auf besonderen Fähigkeiten, deren Entwicklung und der damit von vornherein angezeigten Ausnahmestellung dieser Frauen. Ihre Abgrenzung ist notwendig, sie gewährleistet intensive geistige Leistungen, welche … nicht in einem vereinnahmenden Gruppen-Wir untergehen.» (Schäfer 2001, S.179) Diese «Priesterinnengemeinschaft» bestand nun aus Heide Göttner-Abendroth und einer weitere Frau, wahrscheinlich Cécile Keller,  und erfüllte sämtliche Kaderfunktionen.

Internationale Akademie HAGIA
Weghof 2
D-94577 Winzer

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