Gebetshaus Augsburg

In den 80er und 90er Jahren begannen sich verschiedene christliche Gebetsbewegungen weltweit auszubreiten. Dazu zählt beispielsweise die vom anglikanischen Pfarrer Pete Greig in Südengland begründete Bewegung mit dem Namen «24/7-Prayer» oder das in Kansas City durch Mike Bickle initiierte «International House of Prayer».

Johannes Hartl (geboren 1979) war bereits im Alter von 14 Jahren von solchen Ideen inspiriert. Zusammen mit anderen Jugendlichen nahm er an Gebetsnächten und Gebetswochenenden teil.

Seine Faszination für das Gebet vertiefte sich mit den Reisen in diverse Klöster, durch die Lektüre von Werken wie «Wachet und Betet» von Barbara Busowietz oder «24/7-prayer» von Peter Greig und durch den Gebetsberg in Uganda und in Südkorea.

Durch den Besuch des International House of Prayer in Kansas City bekam der katholische Theologe und seine Frau Jutta eine Vision eines eigenen Gebetshauses, das sie in Augsburg realisierten. Es gilt als erstes Gebetshaus in Deutschland. Ziel ist das andauernde Gebet, das mit modernen Inszenierungen verbunden ist. Dazu zählen insbesondere Pop- und Rockmusik für den Lobpreis. Das Gebetshaus Augsburg spricht sowohl katholische, als auch freikirchliche Christinnen und Christen an.

Hartel ist Autor mehrerer Bücher wie «in meinem Herzen Feuer», «Mission Manifest», «Gott ungezähmt» und vielen mehr.

Das Gebetshaus Augsburg nach Johannes Hartl zählt zur Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche. Das andauernde Gebet steht im Zentrum. Dabei wird davon ausgegangen, dass man durch das Gebet etwas verändern kann. Die Schönheit Gottes wird im Gebet gepriesen und die Hingabe zu Gott von Hartl gepredigt.

Hartl verbindet Glaubensüberzeugungen auch mit Fragen der Freizeitbeschäftigung, Beziehungen und Sexualität.

Im Gebetshaus kann man mitsingen, mitbeten, still beten oder in der Bibel lesen. Die Gebete im Gebetshaus haben alle mit Musik zu tun. So gibt es beispielsweise Live Bands für moderne Lobpreislieder.

Am Donnerstagabend findet regelmässig ein per Livestream geteilter Gebetsabend mit ca. 1-stündigem Impuls statt.

Zusätzlich hält Hartl Vorträge, in denen er seine theologischen Positionen erklärt, wobei es ihm um eine geistig und didaktisch ansprechende Verkündigung und weniger um eine kritisch-reflexive Theologie geht.

Die grösste Veranstaltung war die Mehr-Konferenz im Januar 2014 auf dem Augsburger Messegelände, an dem mehr als 10000 Personen teilnahmen.

Das Gebetshaus Augsburg verfügt über die Jugendgruppe «Flame Academy», welche auch als «Jüngerschaftsschule» beschrieben wird. Dabei kann man während 10 Monate an der Schulung teilnehmen, die den Lebensstil des Augsburger Gebetshaus vermittelt.

Allgemein stellen sich Fragen nach christlichem Konservativismus und Fundamentalismus in der von Hartl gepredigten Hingabe zu Gott (die eine kritische Distanz schwierig macht). Die Gefahr des spirituellen Missbrauchs entsteht beim allumfassenden Geltungsanspruch, der Hartl vertritt. Beispielsweise zeigt sich dies in seinem Verständnis von Gottesliebe, wobei er erklärt, es sei nicht die Aufgabe der Menschen das Kunstwerk Heilige Schrift kritisch zu hinterfragen. In diesem Denken wird die eigene Weltanschauung mit der Heiligen Schrift identifiziert, die nicht zu kritisieren ist.

Die allgemeine Kritik betrifft die Tatsache, dass sich das Gebetshaus Augsburg dem gesellschaftlichen Diskurs entzieht.

Das Gebetshaus Augsburg zeigt in seiner Form eine Verbindung von innovativen Aspekten der Spiritualität und konservativen Werten. Dabei richten sich Hartls Positionen meist gegen einen gegenwärtigen, gesellschaftlichen «Mainstream». Problematisch sind seine Ansichten zu den Themen «Rolle von Mann und Frau», «Homosexualität», «Abtreibung», «Leugnung der Hölle» und «Gleichsetzung der Religionen». Insbesondere an der Mehr-Konferenz im Jahre 2014 wurden einige radikale Äusserungen vorgenommen. Hartl sprach davon, dass man Homosexuelle «warnen» und «rausholen» müsse, während ein anderer Redner, Gabriele Kuby, forderte, dass man Jugendliche darauf hinweisen müsse, dass Homosexuelle eine geringere Lebenserwartung hätten.

Hartl ist zudem überzeugt davon, dass Gott die «radikale Liebe zur Wahrheit und zur rechten Lehre» in der Gegenwart wiederherstellen will. Darin zeigt sich, dass die «richtige Lebensführung» und die «rechte Lehre», welche gemäss Hartl der universitären Theologie gegenübersteht, im Zentrum des Glaubens steht.

Kritisiert wird aus katholischer Sicht zudem die Fokussierung auf Jesus und ein zu enges Verständnis von Missionierung.

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