Gospel Center Brugg

Das Gospel Center Brugg hat kein offizielles Gründungsdatum, die Entstehung der Kirche war ein Prozess, der in den 1980er Jahren mit Siegfried und Hannelore Merkt begann. Sie zogen mit ihren Kindern in den Aargau und eröffneten in Schinznach-Dorf ein Altersheim. Dort begannen sie, mit den Angestellten die Bibel zu lesen. Mit der Zeit kamen immer mehr interessierte Menschen dazu und aus dem Hauskreis entstand eine Gemeinde, die sich „Wort des Lebens“ nannte und in einem Keller in Schinznach-Dorf zuhause war. Doch schon bald mussten sie aus Platzmangel nach Brugg umziehen. 1998 gründete die Gemeinde mit zwei anderen Schweizer Freikirchen das Gopsel Trainings Center, eine berufsbegleitende Bibelschule. Im Jahr 2000 wurde die Gemeinde in „Gospel Center Brugg“ umbenannt und zog im Jahr 2011 in ein altes Billardcenter um, wo sie noch heute zuhause ist.

Senior Pastorin ist Hannelore Merkt, die im Jahre 1983 in München die Bibelschule der Gemeinde „Wort des Glaubens“ besuchte und sich zur Pastorin ausbilden liess. Ihr Sohn Michael Merkt kehrte 1996 von einer zweijährigen Bibelschulzeit in Tulsa in den USA zurück und begann mit seiner Gemeindemitarbeit im Kinder- und Jugenddienst, später wurde er dann ebenfalls Pastor. Die Hauptleitung der Kirche liegt heute bei Michael Merkt und seiner Frau Sharon, blieb also bis heute in der Familie.

Das Gospel Center Brugg ist Mitglied der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA) und unterstützt deren Anliegen und Ziele. Das Gospel Center Brugg pflegt freundschaftliche Beziehungen zu den Pastoren und Pfarrern der Evangelischen Allianz Sektion Brugg und stellt gemeinsam mit sechs anderen Schweizer Freikirchen die Dozenten des Gospel Training Centers.

Die Gemeinde führt unterschiedliche Angebote für die verschiedenen Lebensalter. Für Kinder gibt es die Gospel Kids, die in verschiedene Altersklassen unterteilt sind. Dort erleben sie während des Gottesdienstes ihre eigene Feier, die auf die Altersstufe abgestimmt ist. Daneben gibt es die Good Guardians, eine Jungschar, in deren Rahmen die Kinder unter anderem ein Sommerlager besuchen können. Für die Älteren gibt es eine Jugi, in deren Rahmen aktuelle Themen diskutiert werden.

Für Erwachsene werden Alphalive-Kurse angeboten, in denen die Basis des christlichen Glaubens diskutiert werden kann. Daran schliessen Kleingruppenkurse an zu den Themen: Gott entdecken, Nachfolge leben und Aus Liebe dienen. Zudem gibt es verschiedene Freundschaftsgruppen, deren Dauer auf 12 bis 24 Treffen begrenzt ist, worauf sich die Gruppen wieder auflösen. Wer sich regelmässig treffen möchte, besucht eine der verschiedenen Hauszellen. Das Gospel Center Brugg organisiert auch verschiedene Freizeitaktivitäten wie Wanderungen, Skitage oder Ausflüge.

Als aktive Katholikin und ehemalige Ministrantin komme ich mir etwas seltsam vor, als ich sonntags im Industrieviertel in Brugg zum Gospel Center gehe, handelt es sich doch um eine ungewöhnliche Lage für eine Kirche. Beim Betreten des Gebäudes gelange ich gleich in die Cafeteria, wo sich etwa 150 Leute bei Kaffee und Gipfeli unterhalten. Alle sind sehr freundlich, man wird begrüsst und herzlich willkommen geheissen.

Dann ist es gleich 10 Uhr und der Countdown beginnt, die Leute begeben sich auf ihre Plätze im riesigen Saal. Die Band fängt an zu spielen: „Die gliichi Chraft, wo dech vom Tod erweckt het.“ Die Menge klatscht und singt inbrünstig mit, die Liedtexte sind auf zwei grossen Bildschirmen zu sehen. Darauf werden die Mitglieder herzlich zum Skitag der Gemeinde eingeladen, und schon beginnt der nächste Song: „Deine Liebe erfüllt mein Herz mit Dankbarkeit, mit allem was ich bin, will ich dich loben, mit meiner Stimme ruf ich aus: Du bist treu!“ Ich erwarte, dass nun jemand nach vorne tritt und etwas sagt, wie ich es aus der katholischen Kirche gewohnt bin, doch es folgen noch fünf weitere Lieder. Die Menge singt und streckt die Hände in die Höhe: „Jesus be the center of my life, from the beginning to the end, it will always be you Jesus.“ – „Ich lieb dich Herr, keiner ist wie du, anbetend neigt mein Herz dir zu“.

Zwischen den Liedern spricht die Sängerin kurze Gebete, die Menschen strecken ihr die Hände zu: „Halleluja!“ Nachdem die letzten Töne der Band verstummt sind, gehen die Kinder hinaus zu ihren eigenen altersgerechten Gottesdiensten. Nun tritt die Predigerin auf die Bühne und erklärt uns, dass das heutige Thema „Gerechtigkeit“ ist. Sie betont, dass alles, was Gott gesagt hat – also alles, was in der Bibel steht – wahr ist und das der Teufel will, dass wir uns schuldig und unwürdig fühlen. Darum sollen die Menschen alles hinter sich lassen und mit Gott in eine andere Richtung gehen, dann kann man Wunder erleben. Dazu zitiert sie viele Bibelstellen aus verschiedenen Übersetzungen, was mich etwas schwierig dünkt, denn die Zitate sind komplett aus dem Zusammenhang gerissen.

Während die Pastorin predigt, machen sich einige Leute Notizen, strecken die Hände nach oben und bejahen, was gesagt wird. „Gott hat alles geschaffen, wir sind seine Kinder“, darauf antworten die Leute mit „Amen!“. um ihre Zustimmung auszudrücken. Die Predigerin will, dass jeder durch Jesus mit Gott Frieden schliesst. Dann beginnt sie, die Geschichte von Jesu Geburt nach Lukas zu erzählen. Einige schlagen diese Stelle in der Bibel nach, und immer wieder wandern Hände nach oben. Die Predigerin hebt hervor, dass jeder inneren Frieden empfangen könne, jedoch nur durch Jesus, dann sei man errettet, das würde Gott Gerechtigkeit nenne. Obwohl ich mich bemühe, genau hinzuhören, wird mir nicht ganz klar, was das genau mit Gerechtigkeit zu tun hat. Es werden dann fünf Bibelstellen dazu genannt, deren Zusammenhang mit dem Thema mir nicht immer logisch erscheint. Den Menschen im Saal aber gefällt es, und sie bejahen, was die Predigerin sagt.

Nun geht es weiter mit einem Thema, das man in einem katholischen Gottesdienst heutzutage kaum mehr antrifft: dem Teufel. „Alles Böse kommt vom Teufel und nur mit Jesus können wir uns aus dem Übel befreien.“ – „Satan ist der Gott dieser Welt.“ Die Predigerin sagt, dass diejenigen, die an Gott glauben, in einer anderen Welt sind. Diese Aussagen scheinen mir eher radikal. Nach einem kurzen Gebet erzählt die Predigerin von ihrer Kindheit, und dass sie schon damals wusste, dass sie ein Königskind ist. Sie betont, dass Gott auch die Anwesenden wie ein Königskind behandelt, sie müssen es sich aber abholen. Danach spricht sie über zwei Wege, die ein Mensch in seinem Leben einschlagen kann. Der schmale Weg führt in den Himmel und ist frei von Sünde, doch nur wenige beschreiten ihn. Der breite Weg führt in die ewige Verdammnis, den die meisten Menschen beschreiten würden, alle, die nicht Jesus, sondern Buddha, Muhammad usw. folgen. Alle diese anderen Religionen seien vom Teufel in die Welt gebracht worden, und dieser versuche, uns den wahren Glauben zu stehlen, damit wir kraftlos sind! Dies scheint mir eine ziemlich radikale Verkündigung zu sein, die mich als Aussenstehende stutzig macht.

Laut der Predigerin ist die beste Waffe gegen den Teufel die Wahrheit der Bibel. Die eigenen Erfahrungen und Meinungen dürfen nicht über das Wort Gottes gestellt werden. Die Predigerin zitiert aus Johannes 8, 43f. und sagt damit, dass die Juden nicht auf Jesus gehört haben, weil sie den Teufel zum Vater hätten. Meiner Meinung nach wäre im Umgang mit solchen Bibelstellen nach den schrecklichen Geschehnissen in der jüdisch-christlichen Geschichte mehr Vorsicht angebracht. Aber die Menschen im Saal scheint das nicht zu stören.

Nach einigen weiteren Bibelzitaten kommt die Band wieder auf die Bühne und die Menschen singen wieder voller Begeisterung mit: „Keiner liebt mich so wie du, du gehst vor mir her, deine Herrlichkeit ist hier.“ Danach fordert die Predigerin alle auf, die Augen zu schliessen. Diejenigen, die mit Gott gehen wollten, sollen die Hand heben. Nur wenige tun dies, die anderen gehen ja schon mit Gott. Anschliessend kann man die Hand heben, wenn man den Heiligen Geist empfangen will, worauf für einen gebetet wird, doch auch dafür heben sich nur wenige Hände.

Dann kommt ein Mann auf die Bühne und stellt das Opfer vor, wobei er betont, dass Gott alle Menschen liebt, auch diejenigen, die in die Hölle kommen. Gottes Liebe ist auch nicht davon abhängig, ob man nun gibt oder nicht. Mit einer Spende hilft man mit, Gottes Reich zu errichten. Also sollte man spenden, um Gott noch mehr zu gefallen. Die Spendenkörbe stehen bei der Bühne, doch nicht alle gehen nach vorne, um etwas zu spenden.

Kaum haben sich die Menschen wieder gesetzt, ertönt schon das „Halleluja“ der Sängerin, und die Gemeinde gibt noch einmal ihr Bestes: „Your love makes me sing, Lord, you make me sing, Halleluja!“ Die Predigerin geht nochmals auf die Bühne und sagt, dass wir nach Gottes Reich trachten und immer mit einem Gebet aufwachen sollen. Man soll mit Fremden ins Gespräch kommen, über Jesus reden, um die Menschheit zu erretten. Jeder neue Christ sei eine Huldigung an Gott. „Halleluja, your love makes me sing“, ertönt es noch einmal aus den Lautsprechern, und als schon alle langsam aufstehen wollen, kommt noch eine Aufforderung, für die Kranken zu beten. Einige gehen dann schnell nach Hause, während andere noch gemütlich zusammen sitzen und Kaffee trinken.

Seit wann sind Sie Mitglied im Gospel Center Brugg?

  • Seit meiner Geburt, meine Eltern haben sich dort kennengelernt. Eine Zeit lang bin ich aber nicht in den Gottesdienst gegangen, weil ich das ganze etwas kritischer beurteilen wollte. Man sollte darüber nachdenken, was für einen stimmt, und für mich tut es das.

Was ist anders am Gospel Center Brugg?

  • Es herrscht einfach eine sehr familiäre Stimmung und die Pastoren sind su- per. Es gibt keine Verpflichtungen und man trifft dort viele verschiedene Menschen. Das Gospel Center Brugg ist nicht konventionell, die Bibel steht im Zentrum unseres Glaubens.

Besuchen Sie regelmässig die Gottesdienste?

  • Ja. Gemeinschaft zu leben ist sehr wichtig, man sollte sich mit anderen treffen und über Jesus sprechen.

Nutzen Sie das grosse Angebot der Kirche? (Jugendgruppe, Kleingruppen, Bibelkurse etc.)

  • Nein. Ich gehe ab und zu in die Jugi, aber die sind mir etwas zu konservativ.

Haben Sie die gleichen Sakramente wie die katholische Kirche?

  • Nein. Bei uns gibt es eine Segnung und einmal im Jahr eine freiwillige Taufe, man sollte sich selber dafür oder dagegen entscheiden können. Diese Taufe findet dann in der Aare statt und anschliessend gibt es ein Grillfest.
  • Mit etwa 16 Jahren hat man seinen Unti-Abschluss, dort scheidet man aus den Kinder- und Jugendgottesdienstgruppen aus und gehört zu den Erwachsenen. Man bekommt dann eine Bibel geschenkt und seine Jugendleiter wünschen einem alles Gute.

Ist Homosexualität in Ihrer Kirche erlaubt?

  • Die Pastoren haben noch nie etwas zu diesem Thema gesagt, dazu gibt es sicher unterschiedliche Meinungen innerhalb der Kirche.

Wie stehen Sie zu der gängigen Evolutionstheorie?

  • Wissenschaft und Bibel koexistieren, was in der Bibel steht, schliesst eine Evolution grundsätzlich nicht aus. Das Augenmerk sollte aber eher auf dem neuen Testament liegen.

Was geschieht nach dem Tod?

  • Wenn wir mit Gott leben, kommen wir in den Himmel, nur Jesus ist der Weg dorthin. In welcher Kirche man ist, spielt meiner Meinung nach dabei keine Rolle, solange Jesus der Mittelpunkt des Lebens ist. Alle anderen Menschen kommen in die Hölle. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er an Gott glauben möchte oder nicht.

Spielt der Glaube also eine zentrale Rolle in Ihrem Leben?

  • Der Glaube macht mich aus, darauf kann ich vertrauen. Ich würde dafür alles machen, wenn ich merke, wozu ich berufen bin. Gott ist das Höchste und ich lade ihn in mein Leben ein, im Gebet und im Lobpreis.

(Dieses Interview wurde von der Interviewten gegengelesen und autorisiert).

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