Toby Meyer

Toby Meyer ist Musiker und Strassenevangelist. Er bezeichnet sich selbst als «Prophetischen Singer Songwriter». Meyer wuchs in einer christlichen Familie im Aargau auf. Seine Mutter habe an starken Depressionen gelitten, wegen derer ihr nach den ersten zwei Kindern von einem weiteren Kind abgeraten worden sei. Da sich ihre Krankheit nach der Geburt des dritten Kinds, Toby Meyer, tatsächlich verschlechtert habe, sei er von dem Gefühl, nicht gewollt zu werden, verfolgt worden. Seine Kindheit sei damit geprägt von Schuldgefühlen und einem geringen Selbstwert. In der Schule habe er es darüber hinaus als «introvertierter Hochsensibler» nicht leicht gehabt. Nach dem Vorbild seines Bruders, den er als Idol empfand, absolvierte Meyer eine Lehre als Werkzeugmacher (heute Polymechaniker). Diese habe ihn jedoch kaum erfüllt.

Mit 18 Jahren habe Meyer seinen ersten Auftritt als Musiker gehabt, als er an dem Geburtstag seines damaligen Chefs spielte. Mit 20, nach Abschluss seiner Lehre, wandte er sich hauptberuflich der Musik zu und spielte meist auf Hochzeiten. Auf einer der Hochzeiten habe er seine Frau kennengelernt, mit der er drei Töchter hat. 2010 gewann er den christlichen Songcontest «neue Lieder braucht die Kirche». Mit dem durch seine Auftritte verdienten Geld finanzierte er seinen Lebensunterhalt und investierte in seine Produktionsfirma tmproductions, die heute vornehmlich die Musik von christlichen Bands produziert. Zwischen 2017 und 2020 trat Meyer in katholischen, reformierten und freikirchlichen Gemeinschaften als Musiker auf.

Heute wird Toby Meyer von verschiedenen christlichen Medien als erfolgreichster christlicher Musiker der Schweiz bezeichnet. Seit circa 2020 fällt Meyer zunehmend durch seine Strassenevangelisationen auf, bei denen er vor allem Jugendliche von körperlichen Problemen und Schmerzen heilen will.

Toby Meyer sei schon sein ganzes Leben lang von seinem Glaube begleitet worden. Vor dem Hintergrund der Schuldgefühle seiner Mutter gegenüber habe ihre Aussage, dass Gott ihn auf der Welt wollte, zu neuer Kraft verholfen. In diesem Sinne habe er sich schon als Kind immer wieder an Gott gewendet. Als er in einem Interview nach seiner Haltung zu Beweisen für die Existenz Gottes befragt wird, schildert er folgendes Erlebnis: als Kind habe er ein kleines Biotop bewirtschaftet, für das er sich einen Frosch gewünscht habe. Er habe Gott um einen Frosch gebeten und sei mit dem Rad durch sein Wohnquartier gefahren. Nach einiger Zeit habe er schliesslich in einem Keller gleich zwei übereinandersitzende Frösche entdeckt, die er mit in sein Biotop genommen habe.

Meyer habe sich in seinem Leben zweimal bekehrt. Erstmals mit acht Jahren, als er Jesus als «Retter» annahm. Später, mit knapp 40 Jahren habe er auf den Knien Jesus als seinen «Herr» angenommen und so sein Leben in Gottes Hand gegeben. Er habe erkannte, dass es einen göttlichen Plan für jeden Menschen gebe.

Bei seinen Strassenevangelisationen vertritt Meyer eine Wort-des-Glaubens-Theologie, die von einer schöpferischen Kraft des gesprochenen Wortes ausgeht. Diese Kraft nutzt Meyer, um Menschen von Schmerzen und Krankheiten heilen zu wollen. Charakteristisch für seine Heilungsversuche sind die Frage nach dem Schmerz auf einer Skala von 1 bis 10 vor und nach der Heilung sowie sein die Heilung anführender Ausspruch: «Das bringen wir weg». Die Strassenevangelisation vollzieht Meyer nicht alleine, sondern mit Freiwilligen, die Teil seiner «Healing School» sind. Auch diese Menschen sollen, nach der Auffassung von Meyer, andere heilen und von Schmerzen befreien können.

Ob Meyer einer Gemeinschaft angehört, ist nicht bekannt.

Den sichtbarsten Teil von Meyers Glaubenspraxis stellen die online vermarkteten Strassenevangelisationen dar, die unter «Aktivitäten» näher beschrieben werden.

Toby Meyer ist aktiv als christlicher Musiker und Produzent tätig sowie als Strassenevangelist.

Letztere Tätigkeit schliesst seine sogenannte «Healing School» mit ein, die auf seiner Website so beschrieben wird:

«In der „Healing School“ von Toby Meyer wird man trainiert Menschen im Namen Jesu freizusetzen und zu heilen, mit dem Ziel auch weitere zu trainieren. Mit dem Fokus auf die Strasse zu gehen, für Passanten beten und so Jesus in die Welt zu bringen. […] Die School ist weniger systematisch, sondern eher organisch aufgebaut. Es geht nicht nach einem bestimmten Schema, sondern der eigene Evangelisations Stil wird gefunden und zum Blühen gebracht. Jeder kann einsteigen wo er grad steht und wird persönlich gefördert. Die Länge des Kurses ist nicht nach Quartal, sondern nach persönlichem Gutdünken. […]»

Die Evangelisationen und Heilungen werden gefilmt und zusammen mit fettgedruckten, plakativen Beschreibungen auf Instagram, TikTok, YouTube und Facebook hochgeladen.

Teil seines spirituellen Angebots stellt zudem seine «Healing Hotline» dar, die «grundsätzlich kostenlos» ist. Auf seiner Website sind Erfolge, die Meyer zu verzeichnen haben will, aufgelistet. So heisst es beispielsweise: «Healing-Hotline. Geheilt von Neurodermitis.» und darunter: «Healing-Hotline. Geheilt von Corona-Symptome von 10 auf 0».

Als Musiker ist Toby Meyer weiterhin gefragt, wobei seine Besuche in reformierten und katholischen Kirchen abzunehmen scheinen. Parallel dazu ist eine Erhöhung seiner Strassenauftritte und Auftritten in Freikirchen zu beobachten. Wahrscheinlich ist diese Verschiebung durch den seit einigen Jahren entstandenen Fokus auf umstrittene Strassenheilungen zu erklären.

Seinen Lebensunterhalt bestreitet Meyer durch seine musikalischen Auftritte und seine Produktionsfirma. Seine Heilungsangebote, ob per Telefon oder auf der Strasse, sind kostenlos.

Die Wort-des-Glaubens-Bewegung ist umstritten wegen der erzeugten Erwartung, dass Gläubige Heilung in Anspruch nehmen könnten trotz anderslautenden medizinischen Diagnosen und offenkundigen Symptomen.

Kontrovers diskutiert werden kann auch die Selektion der auf Sozialen Medien publizierten Heilungen. Kein Video von Meyer zeigt Menschen, die nicht interessiert an Heilungen sind, oder bei denen sich die Zahl auf der Schmerz-Skala nicht drastisch reduziert. Dass Menschen jedoch bei Heilungen immer wieder enttäuscht zurückgelassen werden, ist bekannt. Die Strategie von einigen Vertretenden der Wort-des-Glaubens-Bewegung, diese Personen als nicht gläubig genug zu markieren, könnte bei Meyer schwierig werden. Seine Hotline wird beispielsweise damit beworben, dass man nicht einmal an Gott glauben müsse.

Meyers Strategie bei nicht erfolgreichen Heilungsversuchen scheint zu sein, das Heilungsgebet inklusive der Berührung der Hand des oder der zu Heilenden so oft zu wiederholen, bis ein Effekt auftritt. Dass dieser durch eine Vielzahl wissenschaftlich beschriebener Phänomene zustandekommen kann, lassen Meyer und die Mitglieder seiner Healing School ausser Acht.

Im Herbst 2025 wurde Toby Meyer mit seiner Healing School von der Plattform izzy Projects thematisiert:
https://www.youtube.com/watch?v=EZqQ7HIrt1E
Dabei gelang es Toby Meyer nicht, drei vom Izzy-Team gestellte Fake-Patientinnen und -Patienten als solche zu erkennen. Vielmehr hat er in den folgenden Tagen Videos von zwei der vorgetäuschten Heilungen auf seinen Social-Media-Kanälen gepostet. Als Toby Meyer zwei Wochen darauf vom Izzy-Team auf die Sachlage angesprochen wurde, war er sichtlich komplett überrascht. Vom Glauben her, den Toby Meyer vertritt, wäre zu erwarten gewesen, dass Meyer durch ein «Wort der Erkenntnis», eine Prophetie oder auch durch seine Nähe zu Jesus vor dem Vorgang gewarnt worden wäre. Dies ist offenkundig nicht geschehen.

Zudem wurde im Rahmen der Recherchen des Izzy-Teams deutlich, dass auf Toby Meyers Social-Media-Kanälen Videos ohne eindeutige Einwilligung aller Beteiligten publiziert wurden.

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