Muslim Interaktiv

Muslim Interaktiv wurde 2020 von Joe Adade Boateng alias Raheem Boateng gegründet. Boateng wurde 1999 geboren, sein Vater stammte aus Ghana, seine Mutter aus Deutschland, und wuchs im Norden Deutschlands auf. Boateng konvertierte während seiner Schulzeit zum Islam, ernannte sich selbst zum Prediger und begann ein Studium auf Lehramt in Hamburg. Aufgrund seiner Aktivitäten für Muslim Interaktiv wurde Joe Boateng die Übernahme in den Staatsdienst nach Abschluss des Lehramtsstudiums verweigert.

2020 nach dem Hanauer Attentat organisierte Joe Boateng für Muslim Interaktiv einen Autokorso zur Solidarität mit den Opfern. 2022 machte Muslim Interaktiv erstmals eine breitere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Sie organisierten eine flashmobartige Kundgebung in Hamburg gegen die Unterdrückung der Uiguren in China. 2023 folgte eine Protestaktion gegen die Koranverbrennung in Schweden und nach dem Ausbruch des Gaza-Krieges eine verbotene Spontankundgebung. Im April 2024 organisierte Muslim Interaktiv eine Kundgebung in Hamburg, die für grossen Wirbel sorgte.

Muslim Interaktiv vertritt einen fundamentalistischen sunnitischen Islam. Dabei gilt die Scharia als oberste und einzige Rechtsinstanz. Diese soll in europäischen Staaten die Demokratie ablösen.

Die Integration von Muslimen in die deutsche Gesellschaft sieht Muslim Interaktiv als Wertediktatur, Assimilisationsdiktatur und letztendlich falsch an. Muslime sollen sich nur in ihren eigenen Kreisen aufhalten und nicht integrieren.

Muslim Interaktiv sieht sich von Allah berufen ihre Werte und Vorstellungen zu verbreiten. Dabei sehen sie sich als Vertretende aller Muslime in Deutschland. So heisst es im Positionspapier von Muslim Interaktiv: «Durch unsere Interaktion und die überwiegend positive Resonanz, die wir insbesondere von Muslimen erhalten, ist deutlich geworden, dass wir ein breites Meinungsbild der islamischen Community abbilden.»

Muslim Interaktiv glaubt, dass Muslime in Deutschland ihre Grundrechte nicht in Anspruch nehmen können und von den europäischen Staaten entrechtet werden würden. Dagegen möchte die Gruppe vorgehen und die islamische Identität schützen.

Kundgebungen, wie diejenige gegen die Unterdrückung der Uiguren in China 2022, dienen Muslim Interaktiv zu einem bestimmten Zweck. Dabei stand vor allem der Content im Vordergrund, der dabei für Social Media gesammelt wurde. Dort befindet sich das Hauptwirkungsfeld von Muslim Interaktiv, auf TikTok, YouTube, Instagram, Facebook und so weiter. Ausserdem ging es darum, dass Muslim Interaktiv glaubt, in Deutschland gäbe es eine systematische Assimilationspolitik, die zu einer ähnlichen Unterdrückung der Muslime führen würde wie in China.

Muslim Interaktiv beschränkt sich in der Regel auf Kundgebungen, Demonstrationen und vor allem auf Social Media-Kampagnen. Die Gruppierung gilt laut Fachleuten als nicht gewaltbereit.

Hizb ut-Tahrir

Hizb ut-Tahrir bedeutet «Partei der Befreiung» im Arabischen. Sie wurde 1953 von Taqi ad-Din an-Nabhani in Jerusalem gegründet. An-Nabhani stammte aus Palästina und war Ex-Mitglied der Muslim-Bruderschaft. Ursprünglich ging es bei der Bewegung um die Befreiung Palästinas, das hat sich im Laufe der Zeit jedoch gewandelt. Heutiges Ziel der Hizb ut-Tahrir ist die Befreiung aller Muslime weltweit von der Unterdrückung durch den Westen und den Kapitalismus. In Deutschland wurde die Gruppierung 2003 verboten, unter anderem wegen Aufrufs zur Gewalt und Antisemitismus.

Durch personelle und ideologische Überschneidungen der Hizb ut-Tahrir und Muslim Interaktiv gilt die Verbindung der beiden Gruppierungen als gesichert. Muslim Interaktiv wird von Fachleuten als Nachfolgeorganisation von Hizb ut-Tahrir gesehen.

Generation Islam und Realität Islam

Diese beiden informellen Netzwerke gehören zum ideologischen Umfeld der Hizb ut-Tahrir und somit auch von Muslim Interaktiv. Diese Netzwerke demonstrieren in Deutschland ebenfalls gegen einen «Assimilationsterror», gegen eine «Wertediktatur» und die angebliche generelle Unterdrückung von Muslimen. Es handelt sich um die gleichen Themen und Begriffe wie bei Muslim Interaktiv.

NPD

Hizb ut-Tahrir pflegte nachweislich Kontakte zur NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschland, heute «Die Heimat»). Gemeinsamkeiten finden die beiden Strömungen beispielsweise in antiisraelischen und antiamerikanischen Hetzreden, sowie in ethnopluralistischen Ideen.

2002 nahm der damalige Vorsitzende der NPD Udo Voigt an einer Veranstaltung der Hizb ut-Tahrir teil. 2003 erschien ine der NPD-Parteizeitung ein Interview mit dem früheren Repräsentanten der Hizb ut-Tahrir Shaker Assem. 2006 trat dieser mit den NPD-Politikern Horst Mahler und Frank Schwerdt bei einer Veranstaltung auf. Zudem soll der ehemalige NPD-Anwalt Jürgen Rieger vor Gericht ein Mitglied der Hizb ut-Tahir verteidigt haben (so der Hamburger Verfassungsschutz).

Al Azhari-Institut

Bei einer Demonstration von Muslim Interaktiv 2021 trat der islamistische Prediger Mahmoud A. des Al Azhari-Instituts auf. Dieses wird vom Hamburger Verfassungsschutzes als extremistisch und verfassungsfeindlich eingestuft.

Verfassungsschutz

Der Bundesverfassungsschutz in Deutschland stuft Muslim Interaktiv als gesichert extremistisch ein. Zudem steht die Gruppe der verbotenen Bewegung Hizb ut-Tahrir nahe.

Antidemokratische Tendenzen

Muslim Interaktiv will die Demokratie abschaffen und stattdessen ein Kalifat errichten. Die Teilnahme an demokratischen Wahlen sehen die Mitglieder als unislamisch an.

Diskriminierung

Bei Veranstaltungen von Muslim Interaktiv kam es zu antisemitischen Äusserungen. Dazu kommen Ablehnungen der LGBTQ-Bewegungen und Homosexualität an sich. Auch vorehelicher Sex wird nicht geduldet.

Exklusivität

In ihrem Positionspapier erklärt Muslim Interaktiv, dass sie einen Beitrag zur Verständigung der islamischen Gemeinschaft und der deutschen Gesellschaft leisten möchte. Jedoch macht die Gruppe klar, zum einen für alle Muslim*innen sprechen und eine Deutungshoheit über den Islam besitzen zu wollen, und keine anderen Wertvorstellungen oder Weltanschauungen zu akzeptieren.

Geheimniskrämerei

Von verschiedenen Seiten gerät Muslim Interaktiv immer wieder in Kritik, weil ihre Kundgebungen und Demonstrationen alle für Social Media inszeniert seien.

Gut und Böse

Muslim Interaktiv generiert eine binäre Weltsicht, in der alles in Gut und Böse eingeteilt werden kann.

Strenge Regeln

Bei Muslim Interaktiv wird die Einhaltung strenger Regeln gefordert. Sympathisierende sollen sich an die Scharia halten und beispielsweise an keinen Geburtstagsfeiern teilnehmen.

Verfolgungsängste

Muslim Interaktiv sieht alle Muslime in Europa einer systematischen Unterdrückung ausgesetzt, durch Politik und Medien.

 Verschwörungstheorien

Muslim Interaktiv sieht eine Verschwörung gegen die Muslime in Europa von Seiten der westlichen Staaten und der Medien. Es würde eine grosse Hetzkampagne gegen Muslim Interaktiv laufen.

Weltherrschaftspläne

Das Ziel der Muslim Interaktiv ist e,s alle Muslime von der angeblichen Unterdrückung durch den Westen zu befreien. Folglich wollen sie auf der ganzen Welt die Gesellschafen verändern und in islamische Gesellschaften umwandeln.

Zu den Anhängerinnen und Anhängern von Muslim Interaktiv gehören allen voran muslimische Studierende an Gymnasien und Universitäten. Die Gruppe hat auch Einfluss auf einige muslimische Studierendenverbindungen in Deutschland.

Bei Kundgebungen und Demonstrationen von Muslim Interaktiv nehmen jeweils ca. 1’000-3’000 Personen teil.

TikTok: ca. 24’500 Follower, ca. 674’000 Likes

Instagram: ca. 5’150 Follower

Facebook: ca. 1’025 Follower

YouTube: ca. 16’600 Follower

TikTok: muslim.interaktiv

Instagram: minteraktiv

Facebook: Muslim Interaktiv

YouTube: musliminteraktiv

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