Al Murabitun

anderer Name: The Murabitun World Movement 

Der Name Murabitun spielt auf die Marabout-Dynastie der Almoraviden an, die seit dem 11. Jahrhundert Nordafrika und das muslimische Spanien beherrschte.

Der Name leitet sich von ribāṭ ab, Festungen, welche von muslimischen (meist Sufi-)Soldaten bewohnt wurden. In jüngerer Zeit verzichtet die Bewegung vermehrt auf den Begriff Murabitun, sondern verweist vielmehr auf ihren Stifter Shaykh Abdalquadir. 

Die sufistische Gruppierung grenzt sich von der gleichnamigen Murabitun-Miliz im Libanon und derjenigen in Westafrika ab.

Die Murabitun gelten sowohl als Orden, als auch als moderne Kalifats-Bewegung. Sie bilden eine Teil des Šāḏilī-Darqāwī-Ordens, der nach Abū ʿAbdallāh al-ʿArabī ad-Darqāwī benannt ist.

Al-Murabitun ist eine internationale islamische Bewegung, die heute mit Gemeinschaften in Europa, Südamerika, Südostasien und Südafrika präsent ist.

Al-Murabitun wurde vom schottischen Schauspieler und Sufi Ian Dallas (Scheich Abdalquadir as-Sufi) gegründet, der in Fis unter Shaykh Muhammead ibn al-Habib zum Islam konvertierte. 

Nach seiner Konversion nahm er verschiedene Namen an und veröffentlichte seine Schriften unter anderem als al-Murabit, al-Darqawi oder al-Sufi. 1968 wurde er zum Shaykh-Nachfolger der Darqawiyya erklärt. Der Titel legitimiert im klassischen und zeitgenössischen Sufismus seine intellektuelle, theologische und politische Position.

Ab den 1970er Jahren leitete er den britischen Zweig der Darqawiyya als  Abdalquadir as-Sufi.

Seine Konversion hielt er im autobiografischen Roman «Book of Stranges» fest. Die biografischen Angaben zu Scheich Abdalquadir werden als «mythologisiert» kritisiert, da diese lediglich in seinem Roman auftauchen, der als romantisiert betrachtet wird.

Abdalquadir as-Sufi gründete Moscheen in England, Spanien, Mexiko und Südafrika, verfasste mehr als 20 Bücher und Aufsätze und hat mehrere islamische Werke übersetzt. 

Nach der Gründung in den frühen 70er Jahren, bestanden die al-Murabitun vorwiegend aus europäischen und amerikanischen Konvertiten, wobei heute Musliminnen und Muslime aus anderen Ländern dazugekommen sind. Noch heute besteht aber ein Grossteil seiner Bewegung aus Konvertiten. 

Ab 1977 begann sich Scheich Abdalquadir als unabhängiger spiritueller Meister zu betrachten, ohne sich von der Verbindung mit der Darqāwī ṭarīqa zu lösen. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Name Murabitun für die Bewegung offiziell angenommen. 

In Deutschlang ging die Bewegung von Freiburg aus und zog nach Weimar weiter. Das 1995 gegründete Weimarer Institut gilt heute als deutscher Ableger und sollte ein sozialreformerisches Projekt sein. Das Institut gibt die deutschsprachige Publikation «Islamische Zeitung» heraus.

Die Murabitun sehen den Islam als vollkommenes System, das wieder belebt werden soll. Auch wenn die Bewegung eher politisch als spirituell betrachtet wird, so bildet der Sufismus den Kern ihrer Mission.

Shaykh Abdalqadir lehrte:  «Our way is to be salik/majdhoub – outwardly sane while inwardly mad-in-Allah». In seiner Form des Sufismus spielen auch esoterische Sufi-Lehren, insbesondere kosmologische, eine zentrale Rolle. 

Die Wirtschaft spielt in der Ideologie er Murabitun eine wichtige Rolle, da sie eine eigene Finanztheorie vertritt. Abdalquadir al-Sufi stellt sich gegen die „Weltverschwörung des Kapitals“ und wirbt für ein Finanz- und Wirtschaftssystem auf islamischer Grundlage ohne Wucher und Papiergeld, wobei die Argumentation eine antisemitische Färbung aufweist.

Die al-Murabitun greift in seinem Modell auf den Gold-Dinar, eine Gegenwährung zum Dollar, zurück. On ihrer Theorie berufen sie sich auf den Text des Imam Malik Muwatta, der Schulquittungen als verboten beschreibt und Papiergeld damit gleichsetzt. Die Rückkehr zur Goldwährung sei dabei ein Teil der «Offenbarung des Islams». 

Zudem steht auch die Wiederherrichtung des islamischen Kalifats im Zentrum der Lehre. 

Abdalquadir al-Sufi beharrt zudem auf zakat (eine Säule des Islams, die zur finanziellen Abgabe an Bedürftige anhält). Dabei vertreten sie konservative Ansichten, bei denen zakat sofort und in Form von Gold oder Silber ausgezahlt werden soll. Sie soll vom Amir, dem Führer, eingezogen werden. Dies steht im Kontrast zur gegenwärtigen zakat, die nach eigenem Ermessen vorgenommen wird und dabei beispielsweise auch Spenden an zakat-Organisationen vorsieht.  

Abdalquadir as-Sufi lehrte, dass Selbstmordattentate nach islamischen Recht verboten sei, der Gesichtsschleier «unislamisch»sei und Grossbritannien nur durch die muslimische Bevölkerung vor dem endgültigen Niedergang gerettet werden könne.

Der Sufismus ist eine Schlüsselkomonente der Murabitun. Die Anhängerschaft soll sich zu den wöchentlichen Treffen zusammenfinden, bei denen sie Texte rezitieren. Zudem wird erwartet, dass sie die fünf Säulen des Islams achten.

Typische Sufi-Aktivitäten wie die wöchentlichen Treffen in Studiengruppen und das leben der fünf Säulen des Islams. 

Hinzu kommen andere Programme wie sportliche Aktivitäten für Kinder.

Al-Murabitun wird von Kritikern als fundamentalistisch, antikapitalistisch, anti-imperialistisch, antidemokratisch, antisemitisch und teilweise rechtsextrem bezeichnet. 

Mitte der Neunzigerjahre behauptete ein spanischer Journalist in seinem Buch «Mezquita von Babel», dass Ian Dallas ein Bewunderer Hitlers gewesen sei und die Murabitun eine gefährliche Sekte sei, die einen totalitären Kalifatstaat errichten wolle, was von der Gegenseite bestritten wurde. 

In Deutschland sind die antisemitischen Äusserungen des Gründervaters in seinem Buch «Der Amal von Media»dem Verfassungsschutz aktenkundig.

Die Anhängerschaft wird auf einige Zehntausend geschätzt. 

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