Shincheonji

andere Umschrift: Shinchonji

andere Namen: Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light HWPL

Shincheonji, in lateionischer Schrift auch Shinchonji geschrieben, ist eine Neuoffenbarergemeinschaft südkoreanischer Herkunft. Der Name „Shincheonji“ setzt sich zusammen aus den Zeichen „Shin“ = „neu“, „Cheon“ = Himmel und „Ji“ = „Erde“ und trägt die Bedeutung „Neuer Himmel und neue Erde“.

Der vollständige Name der Organisation lautet: „Shincheonji Kirche von Jesus, der Tempel der Hütte des Zeugnisses“.

Daneben tritt Shincheonji auch unter dem Namen „Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light“ auf, abgekürzt HWPL.

Shincheonji wurde begründet von Man-Hee Lee (geb. 1931). Man Hee Lee soll sich als Siebzehnjähriger einer baptistischen Gemeinde angeschlossen haben. 1957 wurde er Mitglied der Jondogwan-Bewegung von Tae-Sun Park.

Im Jahr 1967 wechselte Lee zur Tempel-der Hütte des Zeugnisses-Beweugng von Jae-Yul Yoo bei, welche lehrte, dass die Bibel ein verschlüsselter Text sei, der nur von Yoo gedeutet werden könne – ein Bibelverständnis, welches auch für Shincheonji grundlegend ist. Aus dieser Bewegung heraus wurde ein Endzeittermin 1984 prophezeit. Nach dessen Verstreichen sammelte Man-Hee Lee rund 50 enttäuschte Anhänger, indem er das Datum als Neuanfang und irdische Erfüllung der biblischen Prophezeiungen deutete: Am 14. März 1984 habe das Universum seinen Umlauf vollendet und eine neue Schöpfung habe angefangen, die einen neuen Himmel und eine neue Erde (=Shincheonji) bringen würde.

Die Gemeinschaft wuchs erst langsam, ums Jahr 2000 herum soll sie 10’000 Mitglieder gezählt haben, seither aber deutlich schneller. Fürs Jahr 2014 werden 180’000 Mitglieder weltweit angegeben.

Im Jahr 2003 wurde als politisch-kultureller Flügel die Organisation Mannam begründet, welche von Lees Mitstreiterin Nam-Hee Kim geleitet wird.

 

Shincheonji glaubt, dass die Bibel aus verschlüsselten Texten besteht, welche nur von Man-Hee Lee richtig gedeutet werden können.

Jeder Bibelvers habe, so Lee, einen Zwilling, welcher fürs richtige Verständnis notwendig ist.

Genauso wie das Alte Testament auf Jesus hindeute, so würde das Neue Testament die Wirksamkeit von Man-Hee Lee und von Shincheonji voraussagen. Ziel der Bibel sei es, die Menschen zu Shincheonji zu führen, womit die Bibel erfüllt sei.

In jeder Zeitperiode würde Gott einen „versprochenen Pastor“ senden, für die heutige Zeit sei dies Man-Hee Lee.

Man-Hee Lee findet sich verschiedentlich in der Bibel wieder, so sei er:
– der Überwinder aus Offenbarung 2f.
– das weisse Pferd aus Offenbarung 19
– der Knabe, der die Welt mit eisernem Szepter regieren wird, aus Offenbarung 12
– der Paraklet aus dem Johannes-Evangelium

Auch die Trinitätslehre wird auf Man-Hee Lee umgedeutet, so seien die Geister Gottes und Jesu in Lee eingegangen, wodurch drei in einem Körper wohnen würden.

Auf das physische Israel sei mit dem Christentum das geistliche Israel gefolgt, welches nun vom neuen geistlichen Israel Shincheonji abgelöst werde. Die Zeit der Kirchen sei damit vorbei. Wer erlöst werden will, muss sich Shincheonji anschliessen. Wer Shincheonji ablehnt, gelangt in den Feuersee.

Die Anhänger von Shincheonji sollen unsterblich werden und als Priester und Könige die neue Erde mitbeherrschen.

In der Heilsgeschichte kommt nach dem Verständnis von Shincheonji Korea eine besondere Rolle zu, so habe das Paradies in Korea gelegen. Überhaupt sei immer dann, wenn in der Bibel vom „Osten“ die Rede ist, Korea gemeint.

Shincheonji geht bei der Werbung verdeckt vor.

Unter dem Namen HWPL werden Friedensaktivitäten angeboten, ohne dass der Shincheonji-Hintergrund deutlich gemacht würde.

Vor allem aber werden Werber, „Schnitter auf dem Erntefeld“ genannt, in Kirchen gesandt, wo sie aktiv mitwirken sollen, um Kirchenmitglieder für Shincheonji gewinnen zu können. Geeignet scheinende Kirchenmitglieder werden zu einem Bibelstudium motiviert, ohne dass dessen Shincheonji-Hintergrund deutlich gemacht würde. In diesem Bibelstudium werden die Shincheonji-Lehren allmählich eingebracht.

Zum Zweck der verdeckten Werbung führt Shincheonji eine Vielzahl von wechselnden Tarnorganisationen.

 

Die Leitung der Gemeinschaft liegt bei Man-Hee Lee, der als „Verehrter Lehrer“, korenaisch Seongseng-Nim oder abgekürzt SSN bezeichnet wird.

In der Leitung unterstützt wird Lee von seiner Mitarbeiterin Nam-Hee Kim, die als „Mutter der Völker“ bezeichnet wird.

Da sich Shincheonji als das neue Israel versteht, werden die Mitglieder in zwölf Stämme eingeteilt.

Shincheonji ist aus zahlreichen Gründen hochumstritten:

– Von den Mitgliedern wird bedingungslose Unterordnung unter die Ziele der Organisation gefordert und hohes Engagement erwartet.

– Die verdeckte Werbung und die bewusste Unterwanderung von anderen Kirchen wird als unfair und problematisch gesehen.

– Nach Auskunft von Aussteigern werden Shincheonji-Mitglieder angewiesen, ihr soziales Umfeld über die Organisation und deren Ziele anzulügen.

– Wer sich von Shincheonji zurückzieht, kann, wie Ehemalige berichten, über längere Zeit mit grosser Penetranz bearbeitet werden.

– Austeigewilligen wird damit gedroht, dass sie nie mehr Mitglied werden und der Erlösung endgültig verlustig gehen würden.

 

Zurzeit zählt Shincheonji weltweit ca. 200’000 Mitglieder.

In der Schweiz sind kleine, aber sehr aktive Gruppen bekannt. Insbesondere in Bibelgruppen für Studierende findet die Shincheonji-typische verdeckte Werbung statt.

Website von Shincheonji:

http://en.shincheonji.kr/

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