Fiat Lux

Erika Bertschinger geb. Gessler, alias Uriella (d.i. der «von Jesus Christus empfangene Geistname»), geb. 1929, in Zürich in katholischem Elternhaus aufgewachsen, schloss, nach ihren eigenen Angaben, ihre Mittelschulbildung mit der Matura ab und besuchte eine Dolmetscherschule. Bereits in den 50er Jahren hatte sie in Amerika Kontakt mit einem Medium und Sprachrohr des Heilandes. Später beteiligte sie sich kürzere Zeit an den Zusammenkünften der Geistigen Loge Zürich.

1972 erlebte Uriella ihre erste «Begegnung mit Jesus Christus» und in der Nacht vom 24./25. Dezember 1975 erlangte sie ihren ersten Volltrance-Zustand. Ihre Offenbarungen wurden ihr – wie sie selber betont – nach einem Reitunfall geschenkt. Gott habe ihr Hirn durchschütteln müssen. Seither steht sie, wie sie sagt, in geistiger Form in Kontakt mit Jesus Christus und hat schon Hunderte von Kundgaben empfangen und der Menschheit übermittelt. Sie nannte ihr Unternehmen zunächst «Lichtquell Bethanien»; denn in Bethanien (Palästina) hatte Maria Magdalena seinerzeit Jesus empfangen (Joh. 11). Uriella war in einem früheren Leben selber Maria Magdalena.

Am 12. Januar 1980 ist «durch Jesus Christus über Sein Sprachrohr Uriella in Seinem Heiligtum in Egg» als innerer Kreis des Lichtquells Bethanien der «Orden Fiat Lux» gegründet worden. Anfangs der 80er Jahre wurde in Strittmatt/Görwihl (südl. Schwarzwald) eine weitere Niederlassung eröffnet, die bis heute auf 16 Häuser angewachsen ist und die unter der Einwohnerschaft des kleinen Weilers nicht nur Zustimmung gefunden hat. In Strittmatt leben rund 70 «Fiat Lux-Träger» (Ordensmitglieder) in Wohngemeinschaft. 1986 begann die Arbeit in Kärnten. 1988 wurde dort in Sittersdorf ein Zentrum eingeweiht.

Seit 1981 gibt es ein Haus in Schwellbrunn, im Kanton Appenzell, wo die Gesetzgebung die Führung von Naturheilpraxen erlaubt (s.u.). Tatkräftige Unterstützung beim Ausbau ihres Werkes fand Uriella in den 80er Jahren bei ihren Ehegatten, vor allem bei Kurt Warter („Uriello“) und bei Eberhard Eicke („Icordo“). Kurt Warter war katholischer Priester in Burladingen-Hausen/D. Sein Abgang vom Pfarramt war von einer Untersuchung wegen finanziellen Unregelmässigkeiten begleitet (Die Untersuchung endete mit einem Vergleich). Die Ehe dauerte rund 4 Jahre; im April 1988 starb Warter bei einem Unfall. Uriellas vierter Gatte Eberhard Bertschinger Eicke, alias Icordo, in früheren Leben u.a. Josef in Ägypten, Ulrich Zwingli und Walzerkönig Strauss, führt in Uriellas Auftrag den Orden mit organisatorischem Geschick und – diesem Eindruck kann sich der Beobachter des Ordens kaum entziehen – mit einer eigenartigen Mischung von überfliessender Freundlichkeit und kompromissloser Härte.

Nach 2010 ist Uriella, welche vorher Medienauftritten gegenüber sehr aufgeschlossen war, nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Dem Vernehmen nach ist sie schwer erkrankt. Uriellas Leiden wird von der Gemeinschaft als Sühne für die Sünden der Menschheit gedeutet.

Die Zahl der Anhänger ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen und dürfte heute nicht mehr als ein paar Dutzend Personen betragen.

Wie stellt sich Uriella zu weiteren Neuoffenbarern und Neuoffenbarerinnen? Sie billigt z.B. Frau M. Lämmle in Sigriswil die «innere Stimme» und Frau G. Wittek (s. Universelles Leben) Halbtrance zu. Beide Zustände böten jedoch, so ergänzt Uriella, keine Gewähr, dass sich nicht auch andere Geister meldeten. Sie selber aber erreiche dank ihrer gänzlichen Hingabe und ihrem reinen Wesen die Volltrance, in der ausschliesslich Jesus Christus und hie und da noch Maria zu Worte kämen. Volltrance wird als Zustand geschildert, in dem das Medium ohne zu wissen, was es sagt, als blosses Werkzeug, als Kanal, die Worte des Herrn weitergibt. (Die Frage, warum denn Uriella während der sog. Volltrance auch schon heimlich auf die Uhr geschaut habe, beantworten Uriella und Icordo mit der Gegenfrage, ob sich denn der in diesem Moment in Uriella anwesende Jesus nicht auch für die genaue Uhrzeit interessieren könne.) In den erwähnten Kundgaben heisst es dann etwa: «Als Lebendes Kreuz stehe Ich (d.h. Jesus Christus, sprechend durch Uriella) nun vor euch, um euch zu sagen, dass Mein ganzes All erfüllt ist von diesem Heiligen Symbol … Ich warte auf euch, um euch zurückzuführen, in eine wahre Heimat. Sie ist aus Geist, so wie auch ihr von Mir aus Meinem Heiligen Odem und Meinem Herzensstrahl erschaffen worden seid.» Besonders innig spricht dieser Jesus von seinem Sprachrohr Uriella. Er nennt sie seinen «Herzensdarling». Die Theologie dieser Botschaften folgt in etwa folgendem Erlösungskonzept: Erdenbürger haben sich von ihrer Urexistenz entfernt. Der Herr schenkt jedoch durch Uriella Vergebung. Nur müssen die Menschen, was sie zerbrochen haben, im Laufe verschiedener Leben selbst flicken und reparieren. Von Jesus als der Emanation Gottes ist die Rede und ebenso vom Meer der Liebe, das ununterbrochen (auch durch Uriella) «Athrumsgischt» über die Menschen ausgiesst. In dieses Erlösungskonzept hineinverwoben werden zahlreiche Vorstellungen aus der Esoterik, der Theosophie, der alternativen Medizin, der populären Ufologie und der mancherorts ebenso populären Apokalyptik.

So wie Uriella selber tragen auch die Ordensmitglieder weisse Kleider, weiss als Zeichen der Reinheit und als Farbe Gottes. Sie verpflichten sich beim Eintritt schriftlich zur Einhaltung der zahlreichen Ordensregeln. In der ersten Ordensregel wird «Beugung unter den göttlichen Willen» verlangt; der göttliche Wille kommt in erster Linie durch sein Sprachrohr zum Ausdruck. (Diese erste Regel gibt Uriella und Icordo weitgehende Verfügungsgewalt über ihre Anhänger. Zweifel an der Echtheit ihrer Offenbarungen und Ungehorsam gegenüber dem monatlich neu offenbarten Willen Gottes werden im Orden nicht geduldet. Der Christus, der sich durch Uriella meldet, verlangt bei Ungehorsam mehr oder weniger rigorosen Ordensausschluss.) Es gilt weiter u.a.: «Heiligkeit und Vollkommenheit anzustreben»; «Mitgefühl, Mitleid, Barmherzigkeit, Nachsicht zu pflegen»; «Zufriedenheit, Genügsamkeit und Gleichmut zu bewahren»; «Enthaltsamkeit und Entsagung in allen Belangen zu üben»; «Giftfreie Ernährungs- und Lebensweise einzuhalten, d.h. völlige Rohkost ohne Fleisch, Alkohol, Kaffee, Schwarztee, Nikotin, konservierte Lebensmittel und Farbstoffe sowie Pharmazeutika». Verlangt wird auch «Verzicht auf weltliche Lektüre und Vergnügungen jeglicher Art, wie fernsehen, Radio hören». Die Ordensmitglieder haben weiter «tägliche Lichtsendungen durchzuführen» und «sich intensiv in die Geistesschulung zu vertiefen und nach ihr zu leben». Obwohl viele Ordensmitglieder verheiratet sind – viele dieser Ehepaare wurden durch Uriella zusammengeführt –, sind die Paare gehalten, Sex zu vermeiden.
Seit Anfang 1971 ist Erika Bertschinger auch als Geist- und Naturheilerin tätig. Sie vertreibt vor allem von Schwellbrunn/CH aus verschiedene Naturheilmittel, wobei allerdings auch schon berechtigte Zweifel laut geworden sind, ob ihre Diagnosen immer richtig sind und ihre Heilmittel sachgemäss eingesetzt werden. Sie beruft sich auf die Spagyrik, d.i. im ursprünglichen Sinn eine alte, mit feinstofflichen Arzneigaben arbeitende Methode. Ihre Diagnosen stellt Uriella dank ihres «Röntgenblickes» mit irrtumsfreier Präzision. Sie hat, nach eigener Überzeugung, noch nie Fehldiagnosen gestellt. Auf unüberhörbare Kritik stösst ihr Athrums-Wasser, d.i. Leitungswasser, das Uriella in der steril gemachten Badewanne «umgepolt» und mit dem himmlischen Athrums-Strahl aufgeladen hat und das sie anschliessend als Heilwasser weitergibt. Die «Ätherampullen» mit gewöhnlicher Kochsalzlösung, die als Heilmittel selbst gegen Aids, Multiple Sklerose u.a. angepriesen wurden, sollen jetzt aus dem Verkehr gezogen werden.

In den letzten Jahren füllten sich die Offenbarungen durch Uriella immer offenkundiger mit Endzeitvoraussagen. Endzeitkatastrophen, zum Teil detailliert geschildert, standen und stehen immer unmittelbar vor der Tür und werden nicht selten sogar unmissverständlich deutlich datiert. Offenkundige Fehlvoraussagen will Uriella trotz solcher Datierung noch nie gemacht haben. Denn zum einen sind Schrecken in abgemildeter Form auf diesem Globus immer irgendwo aufzuspüren und zum anderen gewährt Christus der Menschheit fast regelmässig auch einen heilsamen oder notwendigen Aufschub.

Parallel zu den Endzeitprognosen entwickelten sich die Medienauftritte. Uriella und Icordo wurden durch zahllose Fernsehauftritte zu eigentlichen Medienstars. Dass viele Fernsehmoderatoren die beiden verulken, stört sie weit weniger als eine in den Medien angestrebte intensive ehrliche Auseinandersetzung mit der Lehre und Praxis ihres Ordens. Wahrscheinlich führt jeder noch so peinliche Auftritt neue Patienten nach Schwellbrunn. Austretende Mitglieder – es sind ihrer in letzter Zeit auffallend viele – fordern nun vermehrt ihre dem Orden gewährten Darlehen zurück. Auch ein Prozess wegen Steuerhinterziehung vor einem deutschen Gericht hat den Orden zu erheblichen Nachzahlungen verurteilt. All diese Rückschläge spiegeln sich in den neuesten Offenbarungen, in denen der Himmel von den noch verbleibenden Ordensgliedern immer kompromisslosere Hingabe an den Orden verlangt.

Orden Fiat Lux
E.+E. Bertschinger Eicke
Lindau 2
D-79873 Ibach
Tel.: +49 (0)76 74 358

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