«Stopp Radikalisierung» – Aktion auf der Rathausbrücke in Zürich

Am Samstag, 11. September 2021, möchte Relinfo gemeinsam mit FASA anlässlich des 20. Jahrestags der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington unter dem Titel «Stopp Radikalisierung» ein Beitrag zur Radikalisierungsprävention leisten:

Ab 13.00 Uhr werden auf der Zürcher Rathausbrücke Flyer mit den Merkmalen problematischer Gemeinschaften und mit den typischen Kennzeichen von Verschwörungstheorien verteilt. Zudem können Interessierte kostenlos eine Aufklärungsschrift zu umstrittenen Gemeinschaften oder zu Verschwörungstheorien beziehen, sowie über ein Stück Kuchen Fragen zum Thema diskutieren. Relinfo und FASA freuen sich auf zahlreiche Interessierte!

Pressetext ist käuflich, Scientology nutzt das aus

Wer unter Google über das News-Tab nach Scientology sucht, stellt fest, dass sich unter den gefundenen Artikeln mehrere Links zu einer Webseite Namens Pressetext befinden. Pressetext, eine Nachrichtenagentur des deutschsprachigen Raumes, offeriert gegen Entgelt die Veröffentlichung eingereichter Berichte. Scientology nutzt diesen Dienst rege, um schmeichelnde Texte aus eigener Feder über sich zu verbreiten – scheinbar mit Erfolg.

So finden sich auf Pressetext allerlei Nachrichten über Scientologys Wohltätigkeiten, wie das Entsenden von Hilfs-Teams bei Überschwemmungen, Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu Covid-19 auf Aruba und ihre bereits stark bekannte globale Drogenpräventionsarbeit.  In diesen Texten stellt sich Scientology gerne spirituell und religiös dar, bezeichnen sie ihre Helfer doch oft als „ehrenamtliche Scientology-Geistliche“. Dabei sei L. Ron Hubbard, Gründer von Scientology, ein „Humanist“, der seinen „ehrenamtlichen Scientology-Geistlichen“ den Auftrag gab, einen „religiösen Sozialdienst“ zu leisten.

Hier ein Ausschnitt einer ihrer Berichte, der ihre Propaganda-Methode deutlich illustriert:

«Die Aufgabe eines ehrenamtlichen Geistlichen besteht darin, „eine Person zu sein, die ihren Mitmenschen auf ehrenamtlicher Basis hilft, indem sie Sinn, Wahrheit und spirituelle Werte im Leben anderer wiederherstellt“. Ihr Credo: „Ein ehrenamtlicher Geistlicher verschließt seine Augen nicht vor dem Schmerz, dem Bösen und der Ungerechtigkeit des Daseins. Vielmehr ist er ausgebildet, diese Dinge in den Griff zu bekommen und anderen zu helfen, davon befreit zu werden und zu neuer persönlicher Stärke zu gelangen.“ »[i]

Immerhin: Gut beschriftet und deutlich mit Logo gekennzeichnet als von scientology-stammend sind die Texte. Den Vorwurf mangelnder Transparenz kann man Pressetext hier also nicht machen.

Nicole Rieder


[i] Aus: Scientology-Team hilft bei Überschwemmungen in Deutschland, 16.08.2021, Scientology Kirche Deutschland e.V., https://www.pressetext.com/news/scientology-team-hilft-bei-berschwemmungen-in-deutschland.html

«Die Ehe für alle ist ein Fluch Satans» – Gottesdienstbesuch bei der Krinne 4 in Brugg

Ein Sonntagmorgen in der Altstadt von Brugg. Nicht viele Menschen sind auf den Strassen unterwegs, und die Kirchenglocken läuten, doch nicht für mich. Denn die Freie Gemeinde Brugg oder auch Krinne 4 feiert ihre Gottesdienste in einem der umgebauten Schuppen der Brugger Altstadt. Direkt am Fluss gelegen konnte ich zu jeder Zeit das Rauschen des Wassers hören, was teilweise beruhigender war als das Gesagte im eigentlichen Gottesdienst. Aber ich greife vor. 

Bei der Ankunft wurde ich freundlich begrüsst und auch direkt gefragt wer ich sei. Ich setzte mich dann gemäss den Abstandsregelungen alleine in den doch sehr kleinen Raum. Insgesamt waren es etwa 20 Personen, die am Gottesdienst teilnahmen und ihn mitgestalteten. Etwas fehl am Platz habe ich mich dann doch gefühlt, da das Durchschnittsalter schätzungsweise bei 50 Jahren lag. Die Stühle waren auf einen einfachen Holzaltar ausgerichtet auf dem ein Blumenkranz mit einer Krone und einer Kerze standen. Direkt dahinter befand sich ein grösseres hölzernes Kreuz, etwas unelegant mit einem weissen Tuch geschmückt das sich über den Altar ergoss. 

Eine Frau aus der vordersten Reihe begrüsste uns noch einmal alle und begann den Gottesdienst mit Johannes 17, 15-19: 

 «15Ich bitte dich nicht, sie aus dieser Welt wegzunehmen. Aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu bewahren. 16Sie gehören nicht zu dieser Welt, so wie auch ich nicht zu ihr gehöre. 17Mach sie durch die Wahrheit zu Menschen, die heilig sind. Dein Wort ist die Wahrheit. 18So wie du mich in die Welt gesandt hast, genau so habe ich sie in die Welt gesandt. 19Für sie gebe ich mein Leben hin und gehöre so ganz zu dir. Dann gehören auch sie ganz zu dir und leben in der Wahrheit.»

Eine andere Frau erhob sich und auf der Leinwand wurden Fotos von arabisch aussehenden Menschen eingeblendet. Die Frau erzählte von einem dieser Männer, und dass er Missionar in Niger sei. Dort habe er eine Erweckungswelle von mehreren tausend Tuaregs erlebt. Diese seien einmal Muslime gewesen, doch dank des Missionars hätten sie die Herzen für Jesus und den wahren Glauben geöffnet. Als Christen würden sie jedoch benachteiligt und deswegen betete nun die ganze Gemeinde in Brugg für die verfolgten Christen auf dieser Welt und dafür, dass noch mehr Menschen zum Glauben finden mögen. 

Im Anschluss an diese Gebete wurde Musik gespielt, eine dreiköpfige Band sang mit der Gemeinde deutsche Freikirchenlieder, wie man sie von überall her kennt.

Zwischen den Liedern gab es kurze Gebete und einige Menschen warfen ihre Hände in die Luft und sangen voller Inbrunst mit. Trotz der sehr kleinen Runde wurden die Gitarre und der Gesang elektronisch verstärkt. 

Nach dieser Gesangseinheit kam eine Lesung aus Daniel 1, die von vier Personen vorgelesen wurde. Das war die Einleitung zur Predigt des heutigen Gottesdienstes. Eine ältere Dame in einem rosa geblümten Kleid erhob sich und dankte Gott für die Inspiration zur heutigen Predigt. Sie begann mit einer Art historischem Vortrag über die Umstände von Daniel und seinen Freunden in Babylon. Das alles illustriert mit einer Powerpoint-Präsentation, wie man sie bei einem Seniorentreffen erwarten würde: Viel Text in unterschiedlichsten Schriftarten und verschiedenen Farben. Die Dame sprach von den Stämmen der Juden und davon, dass Gott Ungehorsam immer bestrafen würde. Das, so betonte sie, sei auch heute noch so. Wenn wir ungehorsam gegenüber Gott seien, zögen wir seine Strafe auf uns. So sollten wir stets seiner Lehre folgen in allen Belangen.  

Mit all den Katastrophen und der Pandemie seien wir in der Endzeit angekommen, so sagte die Predigerin. All diese Vorkommnisse würden sich verdichten und verstärken. Deshalb müssten wir uns alle zu Gott bekennen und erweckt werden.  Daniel sei dabei ein grosses Vorbild, weil er Gott treu geblieben war auch am heidnischen Königshof der Babylonier. Dort seien Daniel und seine Freunde von den Babyloniern umerzogen worden, und sie hätten neue Namen erhalten. Damit seien ihnen mit anderen Worten die Identitäten geraubt worden.

Auch heute wolle Satan uns die göttliche Identität rauben, betonte die Predigerin, denn wenn man nicht wisse, wer man ist, dann sei man offen für Satan. Sie fuhr weiter mit der heutigen Genderdiskussion, welche nur Verunsicherung stifte und Satan in die Hände spiele. Denn der Feind wolle nicht, dass wir wissen, wer wir sind. Die Predigerin wurde nun richtig emotional und meinte: “Die Ehe für Alle ist ein Fluch Satans.” Die Ehe sei nur für Mann und Frau und das müsse man stärken, denn das sei heilig. Auch Samenspenden seien furchtbar, denn dadurch würden Kinder zu Opfern, unschuldige Kinder. Genderunsicherheiten und LGBTQ+ seien Leiden, die manchmal von Gott geheilt werden könnten. Denn Jesus sei mächtiger als alles auf dieser Welt. Die Identität sei dabei das wichtigste. Auch im KZ seien den Menschen ihre Namen geraubt und sie zu Nummern reduziert worden. Doch auch dort hätten viele Menschen noch gewusst, wer sie sind, und hätten ihre Identität in Jesus behalten können.

Nun wurde die Predigerin noch ernster. Wir seien in dieser Welt aber nicht von dieser Welt, denn unsere Heimat sei bei Gott. Wenn wir Gott treu seien, dann stehe er auch zu uns. In der heutigen Zeit würden die Menschen sich viel zu oft an ungöttliche Kulturen anpassen. Diese Menschen stellten Menschenliebe über Gottesliebe, ein furchtbar ungesunder Humanismus. Wir müssten alle versuchen, die Kultur mit den Werten Gottes zu beeinflussen. Wenn Menschen sagten, dass sie Transgender und Homosexualität gut fänden, sei das nur Heuchelei. Diese Menschen seien noch nicht gläubig. 

Danach sprach die Predigerin noch ein Gebet für alle Politiker und Führer dieser Welt, denn sie sollten Weisheit erlangen und die Welt auf einen richtigen Pfad führen. Nun wurde die Predigerin etwas bedrückter, als sie davon erzählte, dass an den Schulen heutzutage kein Wille und kein Mut mehr sei, für das Christentum einzutreten und es zu verbreiten. Sie erzählte von zwei Lehrerinnen, die ein Buch «Das Beste Geschenk» geschrieben hätten, welches die christlichen Feste für Kinder erklären soll. In 3 Wochen würde dieses Buch an alle Schulleiter in der Deutschschweiz geschickt werden in der Hoffnung, dass diese das Buch in ihrer Schule verbreiten und in den Lehrplan mitaufnehmen. Die Gemeinde sollte dafür beten, dass die Schulleiter genug Weisheit besitzen mögen, um dies zu tun, dass alle Menschen das Christentum wieder lehren und verbreiten mögen. 

Zum Abschluss wurde noch einmal gesungen und ein Schlusssegen gesprochen. Die 20 Personen standen dann alle auf und trafen sich draussen in der kleinen Seitengasse, um miteinander zu plaudern. Das war’s dann auch für mich.  

Jasmin Schneider, 16. August 2021

Lexikoneintrag Krinne 4

5 Jahre Podcast «happy, holy & confident»: Jubiläumsanlass mit Laura Malina Seiler

Am 3. Juli 2021 feierte der unter esoterischen und alternativ-spirituellen Menschen beliebte Podcast «happy, holy & confident» von Laura Malina Seiler sein fünfjähriges Jubiläum. Unsere Mitarbeiterin Jasmin Schneider war online dabei.

Der Jubiläumsabend begann mit vielen verschiedenen Interviewausschnitten von Laura Malina Seiler. Danach kam eine Mitarbeiterin auf die Bühne und begann wild zu tanzen und sollte das Live-Publikum und alle Zuschauer zuhause animieren mitzutanzen.

Die Bühne war gemütlich eingerichtet mit Sofas und einem grossen Teppich. Das Publikum klatschte laut als Laura zu „The Circle of Life“ auf die Bühne trat, und auch sie tanzte dann noch einmal zu einem Popsong von Shakira. Um richtig anfangen zu können sollten wir uns alle zuerst eine Umarmung abholen, ganz gemäss den Corona-Abstandsregeln.

Meditation, Liebe, OM

Laura setzte sich nun hin und startete mit einer Meditation, in der wir Teil des Universums werden sollten. Dabei sollten wir zurückreisen im eignen Leben, unsere Geburt als ganz besonderen Tag erleben. Dabei sollten wir uns vorstellen, uns selbst im Arm zu halten und dabei zu erkennen, dass wir reine Liebe sind. Jeder Mensch hätte dieselbe Aufgabe in dieser Welt, sich selbst zu erfahren und auszudrücken, Liebe zu sein. Liebe sei die höchste Schwingung im Universum, alles werde durch dieses Licht geheilt. Dieses Licht der Liebe würde auch in die Aura strahlen und diese ebenfalls heilen und ausgleichen. Deshalb sollten alle Menschen raus aus der Angst und hinein in die Liebe. Wir sollen unsere Energie in die Welt strahlen und uns mit anderen Menschen verbinden.  „Liebe ist erst Liebe, wenn wir sie verschenken.“ Zum Abschluss kommt ein langes OM von Laura.

Der Gast: Biyon Kattilathu

Nun kam der erste Gast zu Laura auf die Bühne, ein junger Mann namens Biyon Kattilathu, Autor und Motivationstrainer.

Die erste Frage von Laura an Biyon: «Wer bist du?» Das sei nicht so einfach, sagte Biyon, er sei schwer in einzuordnen. «Ich zu sein ist mein Beruf», seine Mission sei es, dass die Menschen glücklicher werden. Glück bedeutete für Biyon gesund zu sein, auf sein Herz zu hören, einheitlich zu sein im Denken, Handeln und Sprechen.
Er selbst hätte einen klassischen Weg indischer Einwanderer in Deutschland hinter sich, es sei klar gewesen, dass er möglichst Arzt oder Ingenieur werden sollte. Also wurde Biyon Ingenieur. Er studierte und promovierte, war dabei aber unglücklich. Immer wieder wünschte er sich Lebenszeit weg. Er sehnte sich stehts nach einem schnellen Feierabend. Also begann er Videos zu drehen und das was er spürte weiterzugeben. Dabei hätte Gott ihn geleitet und alles hätte danach Sinn ergeben.

Biyon beschäftigte sich viel mit Rassismus. Hier in Deutschland sei er immer der Inder und in Indien der Deutsche. Er stelle sich immer wieder die Frage, was Heimat sei, und er habe begriffen, dass nur er sich selbst verändern kann und niemand anderen.

Letztlich fängt für Biyon jeder Weg bei Selbstakzeptanz und Selbstbewusstsein an. Dem eigenen Gefühl zu folgen, der inneren Stimme zuzuhören, dies solle gewagt werden. Bei den meisten Menschen seien die äusseren Stimmen zu laut. Dabei musste Biyon immer wieder an den Rat seiner Mutter denken: «Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man.»

Enttäuschungen würden weh tun und jetzt verstehe er, dass er vorher in einer Täuschung gelebt hatte. Als Biyon das realisierte, konnte er weitergehen und alles zulassen, alle Gefühle annehmen, sie nicht bewerten und gehen lassen. «Wir leiden nur, wenn wir die Realität nicht annehmen wollen.»

Jeden Morgen stehe Biyon mit den Knien zuerst auf, um zu beten. Oft dächten die Menschen, wenn das oder das geschieht, dann werden sie glücklich sein, aber sie seien dabei die ganze Zeit unglücklich. «Wir müssen aber jetzt glücklich sein.» Es sei auch in Ordnung, an sich selbst zu zweifeln, im Kleinen passiere das ständig.

Laura fragte dann: «Wie gehst du heute mit Rassismus um?» Es sei weniger geworden, weil er jetzt ein anderes Umfeld habe. Manchmal treffe er auf Anfeindungen, vor allem online. Biyon empfände dabei viel Mitgefühl für diese Menschen, doch das habe er erst trainieren müssen. Das Problem liege bei den anderen und nicht bei ihm selbst. «Es tut mir leid, dass andere Menschen in Hass leben.» Biyon versuche, diesen Menschen Liebe zu schicken.

Die Menschen sollten sich nicht darauf konzentrieren anzukommen, sondern jeden Schritt auf ihrem Weg geniessen. Spiritualität heisse zu sein und vertrauen zu haben. «ch bin seit meiner Geburt liebenswert, wir müssen nichts tun, um liebenswert zu sein. Wir sind schon alles. Das Leben geschieht für uns, wir können immer lernen.»

Notizbuch für 25 Euro

Nach einer übertrieben langen Verabschiedung ging Biyon von der Bühne und Laura trat wieder in den Fokus. Sie kam nun auf die Überraschung des Abends zu sprechen und wollte das Jubiläums-Geschenk auspacken. Es war ein Notizbuch von Laura für 25 Euro. Auf jeder fünften Seite war eine Weisheit aus dem Podcast abgedruckt. Die Leute sollten sich beim Podcast Hören darin Notizen machen und Inspirationen sammeln. Naja, mit 25 Euro etwas teuer.

Als nächstes kam eine junge, hochschwangere Frau namens Mogli auf die Bühne. Sie war Sängerin und meinte, dass sie alles, was sie erlebe, in sich aufnähme, und irgendwann drücke sie alles in ihrer Musik aus. Sie sang einige etwas einschläfernde und eintönige Lieder für das Publikum, während Laura hinter die Bühne ging, um ihre kleine Tochter zu stillen.

Der lebensverändernde Podcast

Nachdem dann alle wieder aufgewacht waren kamen einige Zuhörerinnen des Podcasts auf die Bühne. Sie wurden von zwei Mitarbeiterinnen gefragt: «Was hat der Podcast in eurem Leben verändert?»

Da waren Caro, die Bloggerin, und Pia, die Schauspielerin und Glückscoach. Letztere erzählte davon, dass das Glück in die Welt rausgetragen werden müsse und dass der Podcast ihr den Mut dazu gegeben hätte. Nun könnte sie dank Laura die Liebe sprechen lassen, die Antwort sei immer Liebe. Alle Menschen sollten einfach losgehen und machen, was sie möchten.

Caro und Pia betonten beide, wie sehr der Podcast ihnen den Antrieb gegeben hätte, ihre Leben zu verändern. Nur durch ihn könnten sie nun Entscheidungen aus Liebe treffen und nicht aus Angst. Sie hätten durch diesen Podcast eine Leichtigkeit bekommen und gelernt, das Hier und Jetzt zu geniessen.

Die Zuhörerinnen waren von Laura und ihrem Team sehr gut ausgewählt worden. Beide arbeiteten im selben Bereich wie Laura selbst und sangen grosse Lobeshymnen auf Laura und ihr Programm. Ich kam mir schon fast vor wie auf einer Missionsveranstaltung.

Danach wurde wieder getanzt und eine Mitarbeiterin sollte allen eine Choreografie beibringen. Einen Happy Dance, einen Holy Dance und einen I am here Dance. Ganz im Sinne von Lauras Doktrin. Also wurde getanzt und nach Lauras Rückkehr auf die Bühne noch einmal wild herumgehüpft.

Laura erklärte, dass die körperliche Reaktion von Angst Stress sei. Man sollte sich selbst und die eigene Gesundheit an die erste Stelle stellen. Es sei okay, nicht immer stark zu sein, denn es sei stressig zu denken, immer stark sein zu müssen. Wir alle seien mutig, wenn wir unser selbst bewusst seien, und das täten, was wir wirklich wollten. Es gehe aber nicht um uns selbst, sondern um das, was wir mit unseren Taten verändern könnten. Dafür müssten wir lernen, Prioritäten zu setzen und geduldig zu sein. Man sollte den Weg geniessen und sich nicht stressen lassen. Geduld heisse Vertrauen. Es sei ein langer Weg von Kontrolle hin zu Vertrauen. «Warum will ich kontrollieren? Aus Angst.» Diese Angst müssten wir heilen, um Vertrauen zu erlangen. Dafür sollten wir die «Inneres Kind Heilung» und die «Glaubenssatzheilung» von Laura benutzen.

Live-Coaching mit Laura Malina Seiler

Nun durften wir aber Laura endlich in Action sehen. Es wurden nämlich zwei Frauen im Vorfeld ausgewählt, die nun live auf der Bühne ein Coaching von Laura erhalten würden. Wie schon bei den Podcast-Zuhörerinnen waren diese sehr gut ausgesucht.

Als erste kam Susanne. Sie sagte, sie sei oft vollgeplant und habe Probleme, zur Ruhe zu kommen. Sie hätte als Kind gelernt, dass erst ausgeruht werden dürfe, wenn etwas geschafft sei. Sie sei eher eine Aufschieberin, möchte aber eine quirlige Macherin sein. Sie arbeite eigentlich gegen sich selbst und versuche krampfhaft, wie ihre Mutter zu sein, weil sie diese bewundere. Aber Laura machte ihr klar, dass sie nicht so sei und das müsste sie akzeptieren. Sie sollte lieber ihre eigene Natur entdecken. Es wäre einfach anstrengend, eine fremde Person zu sein. «Was du in dir selbst ablehnst, das lehnst du auch in anderen ab.» Susanne müsse ihre Yin und Yang Energie wieder in Einklang bringen, damit sie eine Leichtigkeit bekommen könnte.

Die nächste war Sarah. Sie sei ein ungeduldiger Mensch. Bei manchen Sachen sei sie sich sicher, dass sie das kriege, was sie wollte. Aber dann bekomme sie nicht was sie sich wünschte. Das sei ihr Problem. Sie hätte als Kind das Manifestieren von ihrer Mutter gelernt aber das klappe nicht so gut. Laura hatte darauf eine klare Antwort: «Du möchtest etwas haben, darum geht es nicht im Leben. Du bist fokussiert auf das Haben und nicht darauf was du geben möchtest. Energie ist immer stärker als Worte. Deine Intention ist falsch, du willst es einfach haben aber nichts geben. Etwas einfach zu wollen, das reiche nicht, wichtig sei auch zu wissen, warum das Gewünschte gewollt wird und was damit bewirkt werden soll. Es ginge dabei immer ums Geben und nicht ums Bekommen. Sarah bräuchte eine andere Einstellung und eine andere Energie.

Wo die erste Frau, Susanne, noch sympathisch rüberkam, so war Sarah das Gegenteil. Immerzu sprach sie von ihren ach so vielen Erfahrungen mit Meditation und Manifestation und davon, dass sie nicht immer funktionierte. Sarah war zwar sicher schon Ende 30, aber sie kam mir vor wie ein kleines Kind, das bockte, wenn es nicht das bekam, was es wollte.

Zum Abschluss des Jubiläumsanlasses gab es noch einmal eine Meditation mit Laura und natürlich wurde nochmals getanzt. Wir sollten uns selbst feiern, das Leben feiern und das Leben tanzen. So gingen dann die vier Stunden «Liebe für alle» gespickt mit viel Eigenwerbung zu Ende.

Jasmin Schneider, Juli 2021

Lexikoneintrag Laura Malina Seiler

Online-Coaching mit Laura Malina Seiler

Jahresbericht 2020 erschienen

Der Jahresbericht von Relinfo fürs 2020 ist nun online verfügbar:
http://www.relinfo.ch/pdf/jahresbericht-relinfo-2020.pdf

Die Zahl der Anfragen bei Relinfo hat im Jahr 2020 deutlich zugenommen, wobei insbesondere Verschwörungstheorien weit häufiger nachgefragt wurden, aber auch Gemeinschaften und Anbietende, die in der Corona-Krise mit apokalyptischen Botschaften hervorgetreten sind wie die Grace Family Church in Bubikon oder coronabedingt auf vermehrtes Interesse des Publikums stiessen wie Oliver Brecht alias Geistheiler Sananda.

Zu Besuch bei den Zeugen Jehovas: Albanische Zusammenkunft

Aufgrund der andauernden Pandemie finden die Zusammenkünfte online auf Zoom statt. Bei der albanischen Versammlung war ich an einem Samstag für Relinfo mit dabei. 

Seit August 2020 in Planung 

Schon länger hatte ich mich für die albanischen Versammlungen der Zeugen Jehovas interessiert und bereits im Sommer 2020 vergeblich jemanden unter den angegebenen Telefonnummern versucht zu erreichen. Selbst als ich einmal zur angebenden Uhrzeit der Versammlungen bei der Adresse des Königsreichssaals der Zeugen Jehovas in Zürich-Wiedikon auftauchte, war niemand vor Ort.

Dieses Jahr hatte ich endlich mehr Glück und unter der neuen Telefonnummer meldete sich jemand. Der Herr sprach nur Albanisch und aufgrund seines Dialekts war zu erkennen, dass er aus Albanien stammt (Zeugen Jehovas und andere religiöse Institutionen haben mehr Erfolg dort als in anderen albanischsprachigen Regionen wie Kosovo). Ich erkundigte mich über die Versammlungen und, dass ich gerne teilnehmen würde. Man sagte mir, dass diese aufgrund der Pandemie auf Zoom stattfinden und bot mir an, dass mir seine Frau eine Zoom-Einführung geben könnte. Die Zugangsdaten für die Zoom-Versammlungen, die jeweils am Mittwoch und Samstag stattfinden, erhielt ich über WhatsApp. 

Zusammenkunft von albanischen Zeugen Jehovas 

Das Zoom-Meeting war geschlossen, sodass sich nicht jede und jeder einwählen konnte. Ich wurde jedoch schnell reingelassen. Die Anwesenden hatten alle ihr «Sonntagsgewandt» an und sassen alleine oder mit der Familie vor der Webcam. Insgesamt waren es 24 Zoom-Teilnehmer*innen. Während sich ein paar mit typisch Schweizer Namen zu erkennen gaben, schienen die meisten Teilnehmer*innen albanischer Herkunft zu sein. Auch hier war an den Namen sowie später wenn sie sich zu Wort meldeten, zu erkennen, dass sie aus Albanien stammten. Nur einem Paar hätte ich eine Abstammung aus dem Kosovo zugewiesen. 

Anzumerken ist hier, dass viele Teilnehmer*innen aus derselben Familie stammten. Zu einem späteren Zeitpunkt sank nämlich die Teilnehmerzahl und die Personen waren nun auf demselben Bildschirm zu sehen. Es haben etwa zwei Familien, zwei jüngere Paare und Menschen im höheren Alter an der Versammlung teilgenommen. Viele Teilnehmer*innen hatten ihre Kamera ausgeschaltet, sodass mir ihr Alter unbekannt blieb. Auch ich beschloss meine Kamera ausgeschaltet zu lassen.  

Wiederkunft Jesu und aller Zeugen Jehovas 

Die Versammlung wurde von A. Lurasi mit einem Lied eingeleitet. Der Text und die Melodie wurden eingeblendet und alle Teilnehmer*innen sangen für sich mit stummgeschaltetem Mikrofon mit. Das Wort wurde dann an einen E. Demçe weitergegeben. Gemäss Facebook lebt er in Griechenland. Da keine anderen Informationen zu seiner Person genannt wurden und ihn alle zu kennen schienen, denke ich nicht, dass er nur ein einmaliger Gastredner war. Er erzählte davon, wie schnell das Leben vergeht und zur Veranschaulichung seiner Botschaft wurden Bilder einer Frau in ihren verschiedenen Lebensphasen gezeigt.

Als nächstes sollten wir eine Bibelverse lesen. Ich dachte, dass Genesis 1:8 genannt wurde, bin mir im Nachhinein beim Nachlesen aber doch nicht mehr ganz so sicher. So wurde nämlich über Adam und Eva gesprochen und wie sie die Welt für Jehova füllen sollten. Sie seien für ein vollkommenes und unendliches Leben kreiert worden. Jehova habe nie das Wort «Tod» genannt. Er war so liebenswürdig und gab Adam und Eva den Garten Eden und damit alles was sie brauchen. Der Tod sei nur in Zusammenhang mit der Nichtgehorsamkeit gefallen. So starben Adam und Eva nach ihrer Verbannung aus Eden zuerst an einem seelischen und später einem physischen Tod. 

Das menschliche Leben ist so kurz und man teilt es nur mit wenigen Menschen. Ist das wirklich alles, was Jehova für uns geplant hat? Wenn wir an die Wiederkunft Jesu glauben, wie können wir nicht an die Wiederkunft anderer glauben? Wenn es keine Wiederkunft gäbe, so hätten wir nur das hier und jetzt.

Das menschliche Leben ist nicht alles und das Armageddon wird schon bald kommen und alle lebenden und verstorbener Zeugen werden die Möglichkeit auf ein unendliches Leben haben. Die Opfergabe im menschlichen Leben ist somit lohnenswert. Die christlichen Werte und Ziele müssen wir uns in all unseren täglichen Aufgaben vor Augen führen. Es wird das nächste Lied eingeblendet.

Wieso ist Jesus gestorben?

A Luarasi übernimmt wieder und macht uns darauf aufmerksam, dass nächste Woche die Jahreskonferenz der Zeugen Jehovas sei. Er übergibt wieder an einen Kollegen, der die nächste Predigt leiten wird. Es wird ein Artikel 16 behandelt, der unter anderem von Johannes 14:31 und 15:13 berichtet. Ein anderer Teilnehmer liest den ersten Paragraphen in sehr gutem Albanisch aber einem doch hörbarem Schweizer Akzent vor. Die Bedeutung wird gleich in der Gruppe behandelt. Es melden sich mehrere Personen, die den Paragraphen interpretieren wollen. Dies geht dann im gleichen Schema so weiter. Es scheinen sich alle sehr gut zu kennen und der Predigtleiter spricht die Menschen mit Bruder bzw. Schwester und dem jeweiligen Vornamen an. 

So wird fast über eine Stunde lang darüber gesprochen, dass Jesus uns das grösste Geschenk gemacht hat, als er für unsere Sünden gestorben ist und wieso Jehova seinen Sohn opferte. Zum Schluss gab es nochmals ein Lied und es verabschiedeten sich alle dankend. Ein paar fingen noch typisch albanischen Smalltalk an und erkundigten sich über das gegenseitige Wohlbefinden. Ich verliess das Zoom-Meeting ohne mich noch extra zu melden oder zu verabschieden.

Unerwartet unbeeindruckend

Alle Anwesenden schienen äusserst freundlich und ich fand es angenehmen, dass die Predigten mehrheitlich interaktiv gehalten wurden. Die Möglichkeit mich über Zoom, nur mit der Angabe meines Vornamens und abgestellter Kamera zuzuschalten, erlaubte mir eine gewisse Anonymität, die scheinbar niemanden störte. Ich erlebte eine sehr légère Atmosphäre, die eher ungewohnt für Zeugen Jehovas ist. Gleichzeitig war es mit Abstand eine der langweiligsten religiösen Veranstaltungen, die ich je besucht habe. Ausserdem wurde nicht gut erklärt, welche Artikel, Bibelverse oder sonstige Schriften gerade behandelt werden und ich kam so nicht immer ganz mit. Mir schien es, als würden immer dieselben Teilnehmer*innen zusammenkommen und alle wüssten über das aktuelle Programm bestens Bescheid. 

Dafina Gash, Juni 2021

Online-Coaching mit Laura Malina Seiler

Laura Malina Seiler wurde 1986 geboren und arbeitete nach ihrem Studium zuerst als Musikmanagerin und machte sich 2016 selbstständig mit ihrem Podcast „Happy, Holy & Confident“. Dieser war einer der erfolgreichsten deutschen Podcasts mit mehr als 30 Millionen Downloads. Laura Malina Seiler lebte viele Jahre in Venezuela, Bolivien, in der Türkei und in den USA, heute allerdings in Berlin. Sie bietet neben ihrem Podcast und einem Blog auch Life-Coaching und hat diverse Bücher veröffentlicht, alle zu den Themen Meditation und Selbstfindung.

Das Online Coaching

Das Video begann mit einem Intro, professionell gedreht in hoher Qualität. Dann sass Laura da in einem Korbstuhl, umgeben von hellen Farben und sehr viel Weiss und Gelb. Sie begrüsste alle Teilnehmenden herzlich und betonte, dass die Meditation stärker werde, wenn so viele Menschen mitmachten. Die Transformation werde dadurch potenziert. Also leitete Laura gleich zu Beginn eine kurze Meditation, um eine energetische Verbindung für all die Tausenden von Zuschauenden zu schaffen. Wir sollten alle präsent werden im Moment. Dazu wurde ein Mantra gespielt, ein Spiegelmantra, das alles Negative in Positives transformieren sollte. Damit sollten alle in ihre positive Urenergie zurückfinden. Die Mantra Musik war modern, gesungen von einer sanften Frauenstimme. Wir sollten uns dann alle mit dem Neuen in uns selbst verbinden und das Alte loslassen. Mit dem Herzen müssten wir uns alle mit den Mitmeditierenden verbinden und ihre Energie spüren. Laura sagte, dass wir nun einen Raum geschaffen hätten für unsere Transformation, ein Raum für Heilung und Erkenntnis.

Was mich etwas irritiert hat waren die Popups, die permanent auf der Seite zu sehen waren: Lilli aus Berlin hat gerade Shine Up & Rise Uni 2021 gekauft. Und es waren sehr viele Popups.

Laura erklärte dann, warum es eigentlich gehen sollte an diesem Abend: Um die Glaubenssätze, die in uns allen seien und die wir durch bessere ersetzen müssten. Glaubenssätze seien wichtig und würden uns leiten. Nur etwa 5% unserer täglichen Entscheidungen würden wir bewusst fällen. Aber Körper und Unterbewusstsein würden alles registrieren, jede starke emotionale Erfahrung. Jeder Mensch hätte eine ursprüngliche Schöpferkraft und sei voller Liebe, eine Art göttliche Blaupause. Im Laufe unseres Lebens würden wir aber verletzt werden und dadurch uns selbst in Frage stellen. Damit würden wir die Verbindung zu unserem Urbewusstsein verlieren und in einen Überlebensmodus wechseln. In diesem Modus leben laut Laura 99% der Menschen. Das sei aber anstrengend und verletzend, weshalb jeder Mensch in sein Urbewusstsein zurückkehren solle. Dort seist du alles zur selben Zeit und mit allem verbunden. Jeder Mensch hätte ein Bewusstsein, ein Unterbewusstsein und ein Urbewusstsein. Wenn man es schafft, vom Überlebensmodus wieder in den Schöpfungsmodus zu kommen, dann ist man wieder mit dem Urbewusstsein verbunden und man könne der Mensch werden, der man sein will.

Was sind denn nun unsere Glaubenssätze? „Ich bin“ seien die kraftvollsten Worte des Menschen, denn sie würden unsere Welt erschaffen. Die häufigsten Glaubenssätze, die wir hätten, wären „Ich bin nicht gut genug“, „Ich schaffe das nicht“ und „Jemand anderes kann das besser“. Diese Überzeugungen würden wir nicht mehr hinterfragen und würden zur Realität. Dies sei ein Code, den wir alle uns schon als Kind eingegeben hätten, weil wir es damals nicht besser wussten. Von diesem Code würden wir ständig Gedanken ableiten, wie ein wachsender Baum. Auf diese Gedanken folgten dann Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit, Scham und Wut. Diese wiederum würden dann zu bestimmten Entscheidungen im Leben führen. Diese seien jedoch immer Entscheidungen, die einen selbst schützen und einen klein machen. Durch diese Entscheidungen machten wir bestimmte Erfahrungen, die wiederum unseren eigenen Glaubenssatz bestätigen würden, wie z. B. „Ich bin nicht gut genug“. Es sei ein unterbewusstes Hamsterrad.

Sind wir denn nicht gut genug? Gibt es dafür irgendwelche Beweise? Die Antwort darauf sei Nein. Diese Glaubenssätze könnten über Generationen weitergegeben werden von Eltern an ihre Kinder. Laura sagte aber, dass ich das transformieren könne, nicht nur für mich selbst, sondern auch für kommende Generationen. Ich solle ein kraftvolles „Ich bin“ leben und mich daran erinnern wer ich bin, dass ich Liebe bin. Ich solle mir bewusst machen wer ich sein und was ich in meinem Leben erschaffen möchte. Dieses Zurückfinden in den Schöpfungsmodus sei ein Wunder.

Nun kam Laura zu dem Teil, indem sie erklärte, wie denn solche Glaubenssätze transformiert werden könnten. Der Satz an sich sei dabei gar nicht so wichtig, sondern mehr das Gefühl dahinter. Man müsse tief in das Gefühl hineingehen, um es aufzulösen, denn der Schmerz existiere nur noch im Kopf. Was andere Menschen einem sagten, sei nicht wahr, und nach der Transformation könne man neue Bestätigung für sich finden.

Persönliche Selbstentfaltung sei ein Privileg, dass jeder Mensch wertschätzen solle. Dieses menschliche Bedürfnis stehe ganz an der Spitze und viele Menschen haben keinen Zugang dazu, weil es ihnen schon an anderen Bedürfnissen mangelt. Die Veränderung beginne immer im Inneren und in diesem Urbewusstsein habe man dann auch viel mehr Energie im Alltag. Auch das Manifestieren würde dann ganz leicht werden, aber immer auf einer inneren Ebene und nicht materiell.

Nach viel Vorgerede kam Laura dann zur eigentlichen Meditation, die sie auch nochmals erklärte, bevor wir endlich unsere Glaubenssätze auflösen konnten, um ins Urbewusstsein einzugehen.
– Der erste Schritt war das Bewusstwerden der inneren Probleme und das Wissen, dass ich was verändern könne.
– Der zweite Schritt war die Anerkennung für das, was ich bin, und auch die Anerkennung meiner Glaubenssätze. Es ginge auch darum, den Nutzen dieser Glaubenssätze in der Vergangenheit anzuerkennen, und dass sie mich weiterleben liessen.
– Im dritten Schritt ging es darum nochmal das Gefühl hinter den Glaubenssätzen zu fühlen, den Schmerz oder die Angst zuzulassen. Das müsse auch nicht lang sein und am Ende soll ich das Gefühl anerkennen, denn nur so könne es aufgelöst werden.
– Im vierten Schritt ging es ums Loslassen und um die eigentliche Transformation. Dazu müsse ich mir meinen Glaubenssatz als Computerchip vorstellen, der alle negativen Gedanken einsaugte, danach solle ich mir vorstellen, wie dieser einfach aus meiner Hand verschwinden würde. Et voilà.
– Im fünften und letzten Schritt ging es darum, sich mit dem Urbewusstsein zu verbinden, es wiederzufinden. Die Liebe und das Wissen darüber sei nie weg gewesen, wir alle ätten es nur vergessen.
Diese Reise ins eigene Innere würde einem helfen, die negativen Gedanken rund um die Glaubenssätze loszulassen.

Nach dieser Meditation, in der ich, wie ich zugeben muss, fast eingeschlafen bin, fragte Laura, wie es den Zuschauern den nun ginge, und meinte, dass wir doch etwas in die Kommentare schreiben sollten. Sie sagte auch, wir sollten uns für solch eine Reise auch Hilfe suchen von Therapeuten, denn es sei ein nie endender Prozess durchs ganze Leben.
Viele Menschen schrieben, wie frei sie sich jetzt fühlten und dass sie all den Schmerz und den Kummer hatten loslassen können. Viele sagten, sie seien erschöpft, was Laura als ganz normal deklarierte. Alle sollten jetzt nach der Meditation viel trinken und ins neue Sein hineinfühlen, sich klarmachen, welche neuen Entscheidungen man nun treffen wolle.

Eigentlich dachte ich, das Ganze sei jetzt vorbei, doch Laura sprach weiter. Es folgte eine sehr lange Eigenwerbung für Lauras Rise Up & Shine Uni. Das ist ein Workshop über 10 Wochen, die einem helfen soll, zu sich selbst zu finden und ein Licht zu werden, dass in die Welt strahlt. Laura betonte auch extra, wie günstig dieser Kurs sei, der übrigens 400 Euro kostet. Naja, da haben wir anscheinend eine andere Vorstellung von günstig. Es war auch nicht leicht bei der Sache zu bleiben, denn sie redete sehr lange über dieses grossartige Programm, dass doch jeder machen sollte. Zum Glück ging dieser Werbeblock irgendwann zu Ende und Laura verabschiedete sich.

Jasmin Schneider, Juni 2021

Lexikoneintrag zu Laura Malina Seiler

Besuch bei der Iglesia Esperanza de Vida

Die Iglesia Esperanza De Vida ist eine junge christliche Glaubensgemeinschaft, die in Zürich-Seebach ansässig ist. Zuvor gehörten die Leiterenden und einige Mitglieder der Gemeinde dem christlichen Zentrum Buchegg an, wovon sie sich im Jahr 2019 gelöst haben, um eine eigene Gemeinde zu begründen, die ihren Sitz zuerst in Örlikon, heute in Seebach hat. Übersetzt bedeutet esperanza de vida «Hoffnung des Lebens». Ich habe mich im Namen von Relinfo auf den Weg gemacht, um einen Gottesdienst dieser sich selbst «blühend» nennenden Gemeinschaft mitzuerleben.

Gottesdienst in Zürich-Seebach

Sonntags finden in der Iglesia Esperanza de Vida vier (je zweistündige) Gottesdienste statt. Ich habe mich dazu entschieden, den letzten des Tages, welcher um 17:00 Uhr beginnt, zu besuchen. Die Räumlichkeiten der Gemeinde befinden sich im untersten Stock eines grossen Mehrzweckgebäudes. Vor Ort angekommen sah ich einige Leute vor einem Raum stehen. Offenbar war mir anzumerken, dass ich auf der Suche nach etwas war, weshalb ich direkt nach Betreten der Eingangslobby von einem Mann angesprochen wurde. Dieser sprach spanisch mit mir. Dann führte er mich zu einer Frau, welche vor dem Eingang zum Raum sass. Sie nahm meinen Namen und meine Telefonnummer auf und schrieb diese in ein Formular. Auch sie sprach spanisch mit mir. Danach stellte mich der Mann zwei jungen Frauen meines Alters vor. Sie waren sehr freundlich und wir kamen ins Gespräch. Ich fand heraus, dass sie Angehörige der Gemeinde sind. Etwa zehn Minuten standen wir noch vor dem Eingang, da der vorherige Gottesdienst noch am Laufen war. Danach betraten wir gemeinsam den Raum und setzten uns nebeneinander hin.

Moderner Gottesdienstraum

Der Gottesdienstraum war sehr geräumig. Der Boden war aus grauem Stein, die Wände schwarz. Trotz dieser dunklen Komponenten wirkte der Raum durch die Beleuchtung und die hohen, weissen Decken hell. Vorne im Raum stand eine Bühne. Darauf waren einige Instrumente, darunter ein Schlagzeug. Einige Pflanzen und eine LED-Beleuchtung begünstigten diese moderne Ausstattung. Zusätzlich gab es vorne eine Leinwand, an der später die Liedertexte eingeblendet wurden.

Durchmischte Gemeinde

Kurz vor Beginn des Gottesdientes waren ungefähr 25 Leute anwesend. Die Frauenquote betrug etwa 70%. Das Alter der Anwesenden war ziemlich durchmischt, auch Kinder waren repräsentiert. Bei der Iglesia Esperanza de Vida fiel mir auf, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene die Gemeinde proaktiv mitgestalten. Zwei Mal im Monat findet jeweils ein Jugendgottesdienst statt, welchen sie den Namen YOPE gegeben haben. YOPE steht für: «youth with hope» oder auf deutsch «Jugendliche mit Hoffnung». Zusätzlich hat die Gemeinde eine Gruppe nur für Kinder, namentlich Esperanza Kids.

Willkommensgeschenk

Noch vor Beginn des Gottesdienstes kam eine Frau zu mir und meinen Sitznachbarinnen und begrüsste uns. Sie hiess mich als neues Gesicht herzlich willkommen und gab mir daraufhin ein kleines Willkommensgeschenk. Ein kleines, rotes Kartonkistchen. Darin waren etwas Schokolade und ein Zettel, auf welchem ein Gebet abgedruckt war. Es wirkte nicht so, als würden sie mich unbedingt als neues Mitglied in ihrer Gemeinde haben wollen, sondern viel mehr, dass sie mich aufrichtig willkommen heissen wollten. Anders gesagt: Die Leute wirkten freundlich, aber nicht aufdringlich.

Junge Sängerinnen, etwas älterer Pastor

Der Gottesdienst startete mit zwei Liedern. Dabei sangen zwei junge Frauen, ebenfalls in meinem Alter, also um die 20 Jahre alt, beide in ein Mikrophon. Im Hintergrund spielte ein Mann auf der Gitarre und ein anderer auf dem Schlagzeug. Das erste Lied war auf spanisch und das zweite auf portugiesisch. Als sie anfingen zu singen, wurde die Stimmung im Raum sehr energiereich. Die beiden Frauen machten, während sie sangen, die gleichen Bewegungen, also einen Tanz, welcher zum jeweiligen Liedertext passte. Der Inhalt der Lieder war nicht wesentlich anders, als es von herkömmlichen christlichen Liedern vertraut ist. Der Text bekannte die Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott.

Nach der Musikeinlage betrat der Pastor die Bühne. Ich schätze ihn um die 50 Jahre alt. Wie ich später erfuhr, sass seine Frau zuvorderst im Publikum. Da der Pastor argentinischer Herkunft ist, sprach er den ganzen Gottesdienst über auf spanisch. Überhaupt sprachen alle Anwesenden, sofern ich das beurteilen konnte, spanisch.

Trennung vom Christlichen Zentrum Buchegg

Als sich der Pastor 2019 vom Christlichen Zentrum Buchegg getrennt hatte, folgten ihm die Mitglieder, die nun Teil der Iglesia Esperanza de Vida sind. Als ich meine Sitznachbarin fragte, wieso der Pastor das Zentrum in Buchegg verlassen hat, sagte sie mir, sie wisse es nicht genau. Sie nahm aber an, dass er nach etwas Frischem suchte und es sich mit dem neuen Gottesdienstraum gut ergeben hat, sodass sie dann nach Örlikon gewechselt sind. Das Zentrum in Buchegg ist eher gross. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass sich hinter den Kulissen mehr abgespielt hat und somit mehr dahintersteckt.

Sympathischer Pastor

Der Pastor machte auf mich über die ganze Zeit einen äusserst sympathischen Eindruck. Während des Gottesdienstes war sein Humor durchaus bemerkbar, was das Publikum jeweils zum Lachen brachte. Bevor er anfing zu predigen, forderte er alle, die im Mai Geburtstag haben, auf, nach vorne zu kommen (ich habe den Gottesdienst Ende Mai 2021 besucht). Danach haben wir gemeinsam für die total zwei Frauen gebetet. Als diese sich zurück zu ihrem Platz begaben, startete der eigentliche Gottesdienst. Wir standen alle auf, um zu beten. Das Gebet dauerte mehrere Minuten und beinhaltete die Verkündigung der Macht Gottes und der Dankbarkeit gegenüber Jesus.

Spenden

Nach dem Gebet gab es vom Pastor eine kleine Danksagung für unsere Spenden. Dies war das Stichwort für die Frau, ein Mitglied der Gemeinde, die daraufhin aufstand und persönlich bei uns mit einem Säckchen vorbeikam, wo man das Geld reinlegen durfte.

Predigtstil

Die Art und Weise, wie der Pastor den Gottesdienst führte, liess mich manchmal auf grosses hoffen. Oft wurde lange eingeleitet, sodass es mich persönlich immer wieder auf etwas «Spezielles» warten liess, was aber nicht kam. Dieses «Etwas» sollte einen tieferen Sinn des Gesagten beinhalten. Dies mag womöglich daran liegen, dass der Pastor viel aus seiner eigenen Erfahrung und aus seinem Leben erzählte, sodass er allen zeigte, dass er emotional an dem hängt, was er berichtet. Doch nun, wo ich zurückdenke, wirkte manches einfach sehr oberflächlich.

Thema «Immer»

Das Überthema des Gottesdienstes war das Wort «Immer». Dies gliederte der Pastor in zwei Teile auf: Die «Immer» Gottes und Unsere «Immer». Die «Immer» Gottes bestehen aus fünf Punkten: Immer gibt er dir Frieden, immer segnet er dich, immer besitzt er sein Land und Verheissungen, immer wird er dich führen und behüten, immer wird sein Wort bleiben. Die Dauer, in der der Pastor diese fünf Punkte nannte und kommentierte, betrug etwa 45 Minuten. Immer, nachdem er ein neues «Immer» einführte, erläuterte er diese Punkte mit persönlichen Erfahrungen und einer Bibelstelle. Der Sinn war es, dass diese Stelle das jeweilige «Immer» in einen Kontext bringen sollte und die Aussage somit bekräftigt werden sollte. Manchmal passte die Bibelstelle inhaltlich nicht zum genannten Punkt, was mich etwas skeptisch machte. Mir war manchmal nicht klar, wieso der Pastor ausgerechnet diesen Vers ausgewählt hat. Es wirkte so, dass er einfach eine Stelle gesucht hat, in der der genannte Ausdruck darin vorkam, obwohl es inhaltlich nicht das gleiche aussagte. Die Unsere «Immer», die der Pastor nannte, waren: Immer das Gute tun, immer mit Freude, immer dankbar, immer im Gebet, immer gemeinsam den Herrn loben und preisen, immer weiterwachsen.

Eine blühende Gemeinde?

Die Iglesia Esperanza de Vida nennt sich selbst eine «blühende» Gemeinschaft, was ich sehr zutreffend finde. Ich kenne den genauen Grund, wieso sich der Pastor vom Christlichen Zentrum Buchegg getrennt hat, zwar nicht, aber anscheinend hat dies ihm und den Mitgliedern gutgetan. Sie erfüllten den Raum nämlich mit einer positiven und heiteren Atmosphäre. Vielleicht war es ja die «Hoffnung des Lebens», die die Mitglieder an diesem Tag ausstrahlten. Alles in allem hat mir der Besuch bei der Iglesia Esperanza de Vida gut gefallen, obschon ich die Ausführungen des Pastors manchmal nicht nachvollziehen konnte.

Laura Meyer, 31. Mai 2021

Lexikoneintrag Iglesia Esperanza de Vida

Crossroads International Church Basel – Online-Gottesdienstbesuch

In Corona-Zeiten bietet auch die Crossroads International Church Basel ihre Gottesdienste, die komplett in englischer Sprache gehalten sind, als Livestream an, der auf YouTube verfolgt werden kann. Am 25. April 2021 gab es ca. 140 Zuschauende, eine davon war ich.

Welcome to Crossroads

„Welcome to Crossroads“, so wurde ich von verschiedensten Leuten aus allen Teilen der Welt begrüsst, so als wollte Crossroads seine Internationalität gleich zu Beginn unter Beweis stellen.

Geleitet wurde der Gottesdienst vom Senior Pastor der Kirche, David Fortune, und seinem Kollegen, dem Youth Pastor Toni Oyeyemi. Sie erzählten vom Sommercamp der Kirche, dass sie hoffentlich trotz Corona werden durchführen können. Sie seien noch auf der Suche nach weiteren Helfern und jeder, der Interesse hatte, solle sich ungeniert bei ihnen melden.

Der eigentliche Gottesdienst begann dann mit einem kurzen Gebet, indem die Pastoren um Gottes Anwesenheit baten und dafür, dass er sie alle miteinander verbinden möge.

Darauf folgte Klaviermusik, dazu wurden christliche Texte eingeblendet. Eine Frau und zwei Mädchen sangen „Hallelujah, you’re the lifter of my head.“

Zeugnis von einer Bekehrung

Nachdem die Musik verklungen war, fing ein anderer Mann an zu sprechen. Er stellte sich als Sebastian aus Neuchâtel vor. Er war nicht religiös aufgewachsen, er hatte zwar in der Schule eine Bibel geschenkt bekommen, doch diese nie gelesen. Als er 20 gewesen war, hatte er dann eine Freundin in Deutschland, die ihn konvertieren und zu einem Alpha-Kurs schicken wollte. Er wollte das damals aber nicht. Heute sehe er das ganz anders, sagte Sebastian. Mit 20 sei er egoistisch gewesen und Gott hätte so keinen Platz in seinem Leben gehabt. 10 Jahre danach sei seine Welt zerfallen gewesen. Seine Mutter war gestorben, seine Frau hatte ihn verlassen und er war allein gewesen. Er hätte sich verloren gefühlt und gefragt, ob Gott existierte. Also sei er zur Kirche gegangen, um getauft zu werden. Er habe mit dem Pfarrer dort gesprochen und ihm seine ganze Geschichte erzählt. Der Pfarrer habe ihm viel über das Christentum erklärt und ihn zu den sonntäglichen Gottesdiensten eingeladen. Anfangs seien diese für Sebastian sehr befremdlich gewesen, aber er hätte den Eindruck gehabt, dass die Kirche voller Leben sei. Also sei er geblieben. Alle Menschen in der Kirche hätten ihre Schwierigkeiten und Gott hätte ihnen allen geholfen und ihre Leben verändert. Das habe er unbedingt auch für sich gewollt. Sechs Monate später war er getauft worden. Damals habe sein Weg mit Jesus begonnen und er habe für Sebastian alles verändert.

Diese Geschichte von Sebastian solle alle Kirchenmitglieder inspirieren und sie motivieren, Gottes Botschaft an die englischsprachigen Leute in Basel zu tragen, so formulierte es der Senior Pastor. Auf mich wirkte der Bericht schon sehr klischeehaft, z.B. wie Sebastians Leben in Trümmern lag und Gott ihm wieder hinaus geholfen hatte. Als Sebastian betonte, welche Hilfe die Gemeindegelieder erführen und welchen Nutzen ihm der christliche Glauben bringe, beschlich mich die Frage, ob der Egoismus, den Sebastian für die Zeit vor seiner Bekehrung festgestellt hat, nun wirklich überwunden oder bloss christlich getauft ist.

Aber das führt hier zu weit, also weiter mit dem Gottesdienst.

Lesung und Aufforderung zur Missionierung

Es folgte eine Lesung, vorgetragen vom Youth Pastor:

„The two of them, sent on their way by the Holy Spirit, went down to Seleucia and sailed from there to Cyprus. When they arrived in Salamis, they proclaimed the word of God in the Jewish synagogues. John was with them as their helper. They travelled through the whole island until they came to Paphos. There they met a Jewish sorcerer and false prophet named Bar-Jesus, who was an attendant of the proconsul, Sergius Paulus. The proconsul, an intelligent man, sent for Barnabas and Saul because he wanted to hear the word of God. But Elymas the sorcerer (for that is what his name means) opposed them and tried to turn the proconsul from the faith. Then Saul, who was also called Paul, filled with the Holy Spirit, looked straight at Elymas and said, „You are a child of the devil and an enemy of everything that is right! You are full of all kinds of deceit and trickery. Will you never stop perverting the right ways of the Lord? Now the hand of the Lord is against you. You are going to be blind for a time, not even able to see the light of the sun.“ Immediately mist and darkness came over him, and he groped about, seeking someone to lead him by the hand. When the proconsul saw what had happened, he believed, for he was amazed at the teaching about the Lord.“ (Acts 13:4-12, New International Version)

Nach der Lesung wurde ein Gebet gesprochen. Wie Barnabas und Saulus/Paulus sollten die Gottesdienstbesucher die Botschaft Gottes zu den Menschen bringen und damit auch Jesu Geist weitertragen.

Ich war erstaunt über die direkte und unverblümte Art, mit welcher die Teilnehmenden aufgefordert wurden, andere Menschen vom eigenen Glauben zu überzeugen und aktive Missionsarbeit zu leisten.

Predigt: Missionieren wie Barnabas und Paulus

Nach diesem Gebet folgte eine Predigt vom Associate Pastor Nico Hoogenraad. Er sprach zunächst darüber, wie sich das Christentum im 1. Jahrhundert verbreitet hatte, zuerst in Israel und dann langsam weiter nördlich. Er sprach von Barnabas und wie dieser von der Kirche in Jerusalem nach Antiochien geschickt worden war, danach aber weiter zog, um Saulus zu finden. Der Associate Pastor legte besonderes Augenmerk auf Barnabas Rolle als Saulus’/Paulus‘ Förderer und Mentor. Barnabas hatte Paulus geholfen, gross zu werden. So fragte der Pastor alle Gottesdienstbesucher, ob sie denn auch einen Barnabas in ihrem Leben hätten, der sie unterstützt und motiviert, und ob sie denn auch so ein Barnabas für jemand anderen seien.  Die Leute sollten sich auf die Suche nach ihrem Barnabas machen, und wenn die Zeit reif wäre, selbst zu einem werden.

Barnabas und Saulus/Paulus hatten Konflikte miteinander, genau wie alle anderen Menschen auch. Konflikte zu haben sei nicht falsch, erklärte der Pastor, man müsse sie nur in göttlicher Weise lösen. Was auch immer das heissen soll, einen Konflikt auf „göttliche“ Weise zu lösen.

Ausserdem sagte der Pastor, dass die Gemeindeglieder, wenn sie über die Frohe Botschaft Jesu sprechen wollten, dazu den richtigen Moment finden müssten, genau wie Barnabas und Saulus/Paulus. Also sollen die Kirchenmitglieder erst im richtigen Moment andere Menschen zu ihrem Glauben bekehren.

Ein Gebet gegen die Agenten des Satans

Nach der Predigt folgte ein weiteres Gebet. Frei übersetzt: „Wenn wir mit Menschen sprechen, wie dem Zauberer (in der Geschichte von Barnabas), dann komme, Gott, und hilf uns gegen sie vorzugehen. Gegen diejenigen, die vom Teufel geschickt wurden. Gott schicke uns einen Barnabas, der uns hilft und uns aufbaut, und wir bitten darum, anderen ein Barnabas sein zu können. Gott hilf uns in Konflikten, hilf uns sie zu lösen, sodass du stolz sein kannst.“

Dieses Gebet kam mir etwas seltsam vor. Offensichtlich glauben die Pastoren daran, dass es immer wieder Menschen gibt, die vom Teufel geschickt werden und ihren Glauben auf die Probe stellen. Ausserdem müssten sie gegen diese Leute kämpfen. Dies scheint mir eine eher radikalere Einstellung zu sein, ob dies so auch von den Mitgliedern umgesetzt wird, ist aber eine andere Frage.

Nach diesem „interessanten“ Gebet verabschiedeten sich die Pastoren von den Gottesdienstbesuchern und eine Band begann zu spielen. Eine ältere Sängerin sang mit einer etwas monotonen Stimme „Conquer the power of darkness with love“ und „Jesus I’m only yours and nothing can tear us apart. Living for only Jesus, only you“.

Auch dieser Liedtext war wieder geprägt vom Kampf gegen die Dunkelheit, gegen das Böse in der Welt, das nur mit Jesus besiegt werden kann. Durchaus ein passender Song zum Thema, welcher den Gesamteindruck von Crossroads gelungen abrundete.

Jasmin Schneider, April 2021

Lexikoneintrag Crossroads International Church Basel

Online Kurs «Bewusstsein schafft Frieden» von Daniele Ganser

Vom 24. bis zum 31. März bot der Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser allen Interessierten einen kostenlosen online Kurs zum Thema «Bewusstsein schafft Frieden» an. Dieser war gegliedert in vier circa 20-minütige Videos, in welchen Daniele Ganser über die Themenfelder «Werte», «Corona», «Täuschung» und «Bewusstsein» sprach. Die Videos wurden vorgängig aufgezeichnet und im Abstand von einem Tag auf die Plattform hochgeladen, dort waren sie bis zum 31. März verfügbar. Durch das gewählte Format bot der Kurs keinen Raum für Interaktion oder Fragen und glich eher dem asynchronen Ansehen einer Vorlesung. Gehostet wurde der Kurs von «Die Quelle», einem in Bern ansässigen Zentrum für Spiritualität, welches laut eigenen Aussagen «einen Beitrag zur Bewusstseinsentwicklung jedes einzelnen Menschen»[1] leisten möchte. Gemäss Angaben des «Die Quelle»-Teams meldeten sich rund 22’000 Menschen für den Kurs von Daniele Ganser an, was schon am zweiten Kurstag zur Überlastung der Videoplattform führte. Nachdem die technischen Schwierigkeiten behoben waren, konnte man Daniele Ganser aber wieder bei seinen Ausführungen zuhören. Ganser wirkte in den Beiträgen stets seriös, er sass an einem Schreibtisch und trug ein weisses Hemd. Im Hintergrund war ein Bücherregal zu erkennen, ausserdem befand sich seitlich von ihm, geschickt platziert, ein Bild von Mahatma Gandhi.

Tag 1: Werte

Als erstes sprach Ganser über Werte. Seiner Meinung nach sind Werte Aspekte, die dazu beitragen sollen, den Frieden zu fördern und zwar sowohl den Frieden in sich selbst als auch den Frieden in der Welt. Für ihn, so begann er, seien Werte zwar schon immer wichtig, früher hatte er jedoch auch andere Orientierungspunkte, wie beispielsweise Parteien. Als Junger habe er sich an den Grünen orientiert, da diese Partei Werte vertrat, mit denen er sich identifizierte, nämlich Nachhaltigkeit und Frieden. Als die Grüne Partei Deutschland im Jahr 1999 jedoch ohne UNO-Mandat Serbien bombardierte, so Ganser, sei er in einen Konflikt geraten. Er wusste nicht, ob er sich an der Partei orientieren sollte oder, ob er dem Wert «Frieden» treu bleiben sollte. Er erklärte im Video, dass ihm besonders auch die Werte Liebe, Wahrheit und Mut sehr wichtig seien und dass all diese Werte in einem Krieg zwangsläufig verletzt werden würden. Daher musste er feststellen, dass die Partei seines Erachtens nicht mehr glaubwürdig war und wandte sich von ihr ab. Er wähle zwar immer noch, wisse nun jedoch, dass es in jeder Partei «gute Leute und totale Mitläufer»[2] gäbe und das jede Partei im Stande sei, Krieg zu führen.

Da er ab dem Zeitpunkt des «Angriffskriegs»[3] der deutschen Grünen der Überzeugung war, alle Parteien seien korrupt, beschloss Ganser, sich fortan an den Hochschulen wie der Universität Zürich oder der ETH zu orientieren, da er der Annahme ging, diese würden «über allem schweben»[4], berichtete er. Doch diese Annahme erwies sich, ihm zufolge, als falsch, als er an der ETH bei der Forschungsstelle für Sicherheit arbeitete und herausfand, dass das WTC 7, ein Gebäude, welches zum World Trade Center-Komplex in New York gehörte, am 11. September 2001 ebenfalls einstürzte, ohne dass es von einem Flugzeug getroffen worden war. Als er genau zu diesem Thema forschen wollte, hielt ihn die Leitung der ETH dazu an, solche Forschungen zu unterlassen, erklärte er. Das sei für ihn ein «totaler Crash»[5] gewesen zwischen seinem Wert «Wahrheit» und seiner Orientierung an der renommierten ETH. Da er auf keinen Fall verleugnen wollte, dass das Gebäude WTC 7, ohne von einem Flugzeug getroffen worden zu sein, eingestürzt war, entschied er sich, die ETH zu verlassen. Er würde, so Ganser, jedem raten, wenn immer möglich seinen «inneren Massstäben»[6] treu zu bleiben und sich gegebenfalls von einem Label oder einer Firma zu trennen, wenn diese nicht mehr zu den eigenen Werten passen.

Dass er sich selbst stets nach seinen «inneren Massstäben» richtete, dabei habe ihm die Geschichte von der Widerstandkämpferin und Mitbegründerin der Weißen Rose, Sophie Scholl, geholfen. Denn sie habe vor ihrer Hinrichtung, durch das NS-Regime sehr bewegend über ihre eigenen, inneren Werte geschrieben. Um diese Aussage zu untermauern, blendete Ganser ein Bild und ein Zitat von Sophie Scholl ein, in welchem zu lesen war, dass sie ein Gefühl dafür habe, was Recht und Unrecht sei, und dass alle ihre Massstäbe in sich selbst hätten, diese jedoch zu wenig gesucht werden. Daniele Ganser meinte hierzu, dass Sophie Scholl es, seiner Meinung nach, richtig gemacht hätte in ihrem kurzen Leben, denn sie habe unter schwierigen Umständen eine Minderheitsposition vertreten und sei den Werten der Friedensbewegung treu geblieben, selbst wenn dies ihren Tod bedeutete. Ganser war jedoch der Überzeugung, so liess er verlauten, dass das Bewusstsein auch nach dem Tod eines Menschen weiterbestehen würde und durch nichts ausgelöscht werden könne. Deshalb würde er jeden dazu anhalten, eigene Werte zu definieren und jenen treu zu bleiben, auch wenn das Leben dadurch nicht einfach sei, so wie jenes von Sophie Scholl es nicht war. Dafür sei das Leben dann intensiv und spannend, man würde Menschen mit den gleichen Werten anziehen und so vorwärts kommen.

Das erste Video hinterliess bei mir einen schalen Beigeschmack. Ganser ist durch die Verbreitung seiner Theorien rund um 9/11, einige nennen sie «Verschwörungstheorien», in Verruf geraten. Genau das schien er aber für sich zu nutzen und machte gleich in der ersten Sequenz des vierteiligen online Kurses keine Hehl aus seiner Auffassung. Aufhorchen liess mich in Bezug dazu aber vor allem sein Vergleich mit Sophie Scholl und dem NS-Regime. Indem er klar stellte, dass er, so wie Sophie Scholl eben, seinen Werten treu blieb, auch wenn das der ETH missfiel, verglich er (zumindest indirekt) sein Schicksal mit jenem der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Implizierte das dann nicht auch, dass er die ETH auf die Seite des NS-Regimes stellte? Solche Vergleiche sind unverhältnismässig, zu weit hergeholt und beinahe ein Affront gegenüber jemandem wie Sophie Scholl.

Tag 2: Corona

Am zweiten Tag des online Kurses ging es um, wie könnte man dieses Thema auch aussen vorlassen, Corona. Ganser stieg damit ein, dass ihm aufgefallen sei, dass Corona die «Menschheitsfamilie»[7] spalte und Kraft raube innerhalb der Familie, der Schulen und des Landes. Als Historiker wolle er wissen, warum diese Spaltung stattfinde und wie die Menschen in Zukunft wieder zu innerem Frieden gelangen können, meinte er. Er habe herausgefunden, dass Corona drei Ängste auslöse, nämlich: Angst vor dem Virus, Angst vor Armut und Angst vor Diktatur. Er habe mit vielen Menschen gesprochen, die Angst vor einer Diktatur hätten, und auch wenn für ihn im ersten Moment klar war, dass wir in der Schweiz nicht in einer Diktatur leben, so musste er doch erkennen, dass wir lange Zeit in den eigenen vier Wänden «eingesperrt waren»[8], daher konnte er verstehen, dass einige Menschen Angst vor einer Diktatur hätten, so Ganser. Wenn man Teil der Friedensbewegung sei, stelle sich, laut Ganser, besonders die Frage, wie sich die Angst vor dem Virus, der Armut oder der Diktatur in einem selbst verändere, wenn man mit jemandem spräche, der eine dieser drei Ängste habe.

Es sei wichtig, so Ganser, sich vor Augen zu führen, dass wir nicht Emotionen sondern Bewusstsein seien. Wir sollten uns nicht mit der Angst identifizieren, sondern sie erst einmal bei uns selbst und bei anderen beobachten und den anderen zuhören, wenn sie von ihren Ängsten sprechen. Das Ziel für die Zukunft sei es, die entstandenen Gräben in der Familie, der Schule oder im Land zu schliessen, indem wir unsere Ängste offen kommunizieren können. Hierzu sei es wichtig, betonte er, Mitgefühl für andere und ihre Ängste zu zeigen und zu erkennen, dass die Angst durch friedliche Kommunikation wieder vergehen kann. Die offenere Kommunikation über Angst, ausgelöst durch Corona, könne dazu führen, die «Achtsamkeit weltweit»[9] zu steigern. Wichtig sei es auch, sich bei aufkommender Angst zu beruhigen und sich zu sagen: «Ich bin nicht die Gefühle, ich bin das Bewusstsein, in dem Gefühle auftreten und wieder vergehen»[10], denn so bekäme man eine Distanz zur Angst, schloss Ganser den zweiten Kursteil.

Vieles was Ganser in diesem Video gesagt hatte, schien mir plausibel. Offen über eigene Ängste zu sprechen und anderen bei ihren Nöten zuzuhören, halte ich für einen guten Rat. In diesem Beitrag zeigte sich wohl, das Ganser kein Experte auf den Gebieten Corona, Virologie und Armut ist, was er auch im Video betonte, daher war es auch gefüllt mit eher generell gültigen Aussagen. Als Historiker und Friedensforscher weiss er wahrscheinlich am meisten zum angeschnittenen Thema Diktatur aber auch hier blieben seine Aussagen allgemein und nachvollziehbar.

Tag 3: Täuschung

An diesem Tag sollte es um Täuschung gehen, denn Täuschung kennt jeder Mensch, so Daniele Ganser. Ihn interessiere das Thema vor allem im Bereich Krieg und Frieden. Denn Täuschung in der internationalen Politik sei sehr wichtig, wenn ein Krieg inszeniert oder Angst in der Bevölkerung verbreitet werden soll, erklärte Ganser. Kriege würden von der Politik in Szene gesetzt werden, um die «Menschheitsfamilie»[11] zu spalten und sie in Angst und Hass zu versetzen. Diese bewusste Täuschung sei falsch, meinte der Historiker und machte so gleich ein konkretes Beispiel: 1959 als Fidel Castro Kuba regierte und Dwight Eisenhower Präsident der USA war, begannen hohe Militärs im amerikanischen Pentagon ein, unter dem Namen «Operation Northwoods» bekannt gewordenes, Dokument zu entwerfen, in welchem es darum ging, eine Täuschung seitens der USA zu planen, um einen Krieg gegen Kuba rechtfertigen zu können, beschrieb Ganser. Der Plan der Amerikaner sah, vereinfacht gesagt, vor, ein angeblich amerikanisches Passagierflugzeug im kubanischen Luftraum explodieren zu lassen und die Tat den Kubanern anzuhängen, so dass die amerikanische Bevölkerung sich hinter das Pentagon stellen würde, wenn dieses den Krieg gegen Kuba ausrief. Daniele Ganser fügte an, man könne ja nun mit Recht behaupten: «Das ist eine Verschwörung!»[12] und fuhr so dann fort: «Ja, die gibt es.»[13], Verschwörungen seien Absprachen zwischen mindestens zwei Menschen und sie seien schädlich für den Frieden. Dieses Beispiel zeige, so Ganser, dass sogar das eigene Militär bereit sei, seine Bevölkerung zu täuschen. Das Ziel einer solchen «inszenierten Terrorkampagne»[14],  sei die «Heimatfront»[15] in Angst zu Schrecken zu versetzen. Die Frage sei also, liess Ganser verlauten, wie man aus so einer Situation rauskomme.

Die Antwort auf diese Frage lieferte er natürlich direkt mit: Indem der Mensch wach sei und seine Gedanken und Gefühle mit Achtsamkeit beobachte. Er fände die Idee hinter dem Täuschungsmanöver interessant, selbst wenn die von ihm geschilderte «Operation Northwoods» nie ausgeführt wurde, mangels Zustimmung des späteren Präsidenten Kennedy (welcher 1963 in Dallas erschossen wurde, wie Ganser natürlich ganz nebenbei erwähnte). Es handle sich nicht etwa um eine Verschwörungstheorie, sondern vielmehr um ein Originaldokument aus dem Pentagon. (An dieser Stelle sei gesagt: Das Dokument, welches die Planung der Operation enthält existiert tatsächlich und kann mit kleinem Suchaufwand auch öffentlich online eingesehen werden). Niemand könne also behaupten, die USA habe noch nie Pläne zur Täuschung gehabt. Er werde jedoch jedes Mal «diffamiert»[16], wenn er in der Öffentlichkeit über das «Kriegsspiel»[17], welches parallel zu 9/11 lief, spräche, stellte Ganser fest.

Zusammenfassend könne also gesagt werden, dass es Täuschung gäbe und sie etwas sei, was den menschlichen Verstand, die Gedanken und Gefühle in Aufruhr versetzten solle. Sobald ein Historiker (so wie er zufällig einer ist), versuchen würde die Wahrheit hinter der Täuschung darzulegen, sei er ein «Verschwörungstheoretiker»[18], behauptete Ganser weiter. Um sich gegen solche Anschuldigungen zu wehren, würde es helfen, auf der Gefühls- und Gedankenebene einen «Achtsamkeitspuffer» einzubauen. Damit endete der dritte Kursteil.

Nach diesem Video beschlich mich das Gefühle, es ging Daniele Ganser gänzlich darum, zu beweisen, dass er mit seinen Theorien zu 9/11 Recht hat. Hinter seinen Ausführungen zum Thema «Täuschung» steckte für mich viel mehr die Frage: «Wenn das Täuschungsmanöver, bei welchem es mittels angeblich kubanischem Angriff auf einen US Passagierflug zur Kriegslegitimierung hätte kommen sollen, geplant wurde, wäre es dann nicht naheliegend, dass auch 9/11 ein Täuschungsmanöver des Pentagons selbst war?». Die Wörter «Verschwörung» oder «Verschwörungstheorie» fielen mehrmals und es schien mir wieder, als würde er sich diese zu Nutze machen, um mittels einem wahren Beispiel zu beweisen, dass der 11. September eben doch, wie von ihm immer behauptet, eine Verschwörung war. Die Ausführungen und Gedanken zur Beziehung von Täuschung und Frieden schienen mir eher Floskeln zu sein, die er ins Video einbauen musste, damit das Ganze noch zum online Kurs «Bewusstsein schafft Frieden» passte.

Tag 4: Bewusstsein

Am letzten Kurstag referierte Daniele Ganser zum Thema «Bewusstsein». Dieses Wort sei unglaublich wichtig in der Friedensbewegung, so Ganser, denn: «Du bist nicht deine Gedanken, du bist nicht deine Gefühle, sondern du bist das Bewusstsein, in dem Gedanken und Gefühle auftreten und wieder vergehen»[19]. Unseren Körper würden wir gut kennen, denn er habe eine Form. Unser Bewusstsein sei uns hingegen viel weniger bekannt, da es formlos sei, beschrieb er.  Das Bewusstsein könne jedoch gestärkt werden, beispielsweise durch die «Friedensweiterbildung»[20] mittels Büchern.

Es gehe darum, wie das Bewusstsein überhaupt «geframte»[21] werde. Der medizinische Begriff reiche hier nicht aus, denn wenn man «bewusstlos» ist, hat man immer noch ein Bewusstsein im Sinne der Achtsamkeitslehre. Dies würden auch Nahtoderfahrungen diverser Menschen zeigen, welche beschrieben, dass sie ihren eigenen Körper von aussen gesehen hätten. Ganser erzählte, dass er mit solchen Menschen gesprochen hätte und ihre Erfahrungen für wahr halte, das solle jedoch jeder für sich selbst prüfen.

Für ihn stand fest, dass wir Bewusstsein sind und er fuhr fort, dass man dem Bewusstsein weder etwas hinzufügen, noch etwas wegnehmen könne. Das einzige was man tun könne, meinte Ganser, sei, das ursprüngliche Bewusstsein zur Blüte zu bringen, indem man es durch seine Worte und Taten fliessen lasse. Das Bewusstsein sei ausserdem ein ewiges, helles Licht, welches nicht so abstrakt sei, wie es sich anhören mag, sondern ganz einfach erkannt werden könne: «Das was Sie jetzt fühlen, ist das Bewusstsein. Gefühle, Gedanken und Sinneswahrnehmungen treten in ihm auf»[22].

Dann verriet Ganser, welcher Grundgedanke im, in den letzten Tagen oft verwendeten, Begriff «Menschheitsfamilie»[23] steckte: «Wenn ich jemand anderem in die Augen schaue, schaue ich in das Bewusstsein, dass ich selber bin»[24], so sei alles miteinander verbunden und jeder könne dankbar sein, für das wunderbare Bewusstsein, dass er habe. Man solle sich trauen und einmal jemanden fragen, ob diese Person glaube, sie sei Bewusstsein oder ob nach dem Tod des Körpers alles weg sei. Jeder dürfe das in einer Diskussion selber entscheiden. Bevor das Video endete, machte er noch Werbung in eigener Sache und wies darauf hin, dass man sich nun für seinen 30-tägigen online Vertiefungskurs «Innerer Frieden» anmelden konnte, bei dem neue Themen besprochen würden und bereits bekanntes detaillierter aufgegriffen würde.

Im letzten Video des online Kurses hatte ich das Gefühl, ein westlicher Esoteriker spreche zu mir. Daniele Ganser wagte Aussagen, die nicht seinem Fachgebiet, er ist schliesslich Historiker, entsprachen. Die fehlende Expertise merkte man, so traf er sehr subjektiv Aussagen zum Thema «Bewusstsein» und betonte immer wieder, dass jeder dazu seine eigene Meinung haben dürfe. So hinterlassen die beiden Videos zu «Bewusstsein» und «Corona» bei mir einen völlig anderen Eindruck als jene zu «Werten» und «Täuschung». Am ersten und dritten Tag des Kurses ging es ihm ziemlich offensichtlich darum, den rund 22’000 Zuschauenden klar zu machen, dass seine Theorien zu 9/11 einer öffentlichen Rehabilitation bedürfen. Wo hingegen die Beiträge an Tag zwei und vier viel eher zum Host des online Kurses passen, denn «Die Quelle» präsentiert sich selbst als «international bekanntes Zentrum für spirituelle Anlässe, Seminare und Vorträge»[25].

Diana Haibucher, April 2021

Anmerkungen:

[1] Die Quelle (2021): Vision Mission Leitbild – Die Quelle (die-quelle.ch)
[2] Daniele Ganser (24.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden , Kursteil 1.
[3] Daniele Ganser (24.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 1.
[4] Daniele Ganser (24.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 1.
[5] Daniele Ganser (24.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 1.
[6] Daniele Ganser (24.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 1.
[7] Daniele Ganser (25.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 2.
[8] Daniele Ganser (25.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 2.
[9]  Daniele Ganser (25.03.2021): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 2.
[10] Daniele Ganser (25.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 2.
[11] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[12] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[13] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3..
[14] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[15] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[16] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[17] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[18] Daniele Ganser (26.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 3.
[19] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4.
[20] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4.
[21] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4..
[22] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4.
[23] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4.
[24] Daniele Ganser (27.03.21): Bewusstsein schafft Frieden, Kursteil 4.
[25] Die Quelle (2021): Team – Die Quelle (die-quelle.ch)

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